| Volker Sommer: Von Menschen und anderen
Tieren. Essays zur Evolutionsbiologie Stuttgart: Hirzel, 2000. 200 Seiten |
| Der Titel gibt den Gong zur
Geisteshaltung der Essays. Hier wird vom Primatenforscher und Anthropologe
Volker Sommer die darwinsche Revolution, die den Menschen ins Tierreich
einordnete, erst genommen. Der Mensch hat keine Sonderstellung. Edward Wilson zeigte in On Human Nature ( Einige Anmerkungen daraus Altruistisches Verhalten ist (oft) nur scheinbar uneigennützig, da es letztlich der Ausbreitung des eigenen Erbguts dient. Wie tief das Nützlichkeitsdenken sitzt sieht man immer wieder bei Artikeln über Altruismus. Letztlich wird versucht die Vorteile des Altruismus zu zeigen. Beispiel: Carolyn Meinel: "More than money. Altruism can make everyone a winner in business", Science &Theology, März 2006, S. 10. Altruismus, der auf Vorteil zielt, ist streng genommen keiner. Instruktiv ist das Gedankenexperiment, das die Stammlinie von Homo sapiens und Schimpanse visualisiert (S. 34). Mimese und Mimikry (Nachahmung und Anpassung) sind wichtige Themen der Verhaltensforschung und die Vorstufe zur Lüge. In der Natur sind Scheinheiligkeit und Realitätsverdrehung Überlebensmaximen (S. 122). Zur Religion und der Entstehung dieser Vorstellung tischt Sommer etwas gewagte Thesen auf. Das scheint mir, zumindest auf diesen wenigen Seiten, recht spekulativ (Religion als urspüngliches weibliches Konstrukt). Gut begründet zeigt Sommer den Hang aller Religionen zu aufwändigen Kultbauten und üppigen Ritualen (S. 172-173). Der Wegfall traditioneller Rituale (wie beispielsweise die überall gleich zelebrierte Messe der Katholiken in lateinischer Sprache) wird heutzutage wett gemacht durch Gleichmacherei beispielsweise bei der Unterkunft (wenn ich ein Hotel der Kette XY besuche, hängt das Handtuch immer an derselben Stelle, egal, in welcher Stadt ich gerade bin) oder beim Fast-Food durch die MacDonaldisierung. Die kapitelweisen Quellennachweise sind gut gemeint, meist jedoch zu umständlich. Für das Zitat von Peter Koslowski (S. 137-138) schaute ich zunächst im passenden Kapitel 5 nach. Dann durchsuchte ich die Literaturverzeichnisse der restlichen Kapitel um festzustellen: es fehlt. Akribische Recherche ergab: Das Zitat ist aus: Robert Spaemann, Reinhard Löw, Peter Koslowski, Hg.: Evolutionismus und Christentum. Weinheim: Wiley-VCH, 1986. S. 39 f. Ärgerlich für ein Werk diesen Kalibers sind zahlreiche Druckfehler. Anregende Lektüre, besonders zu empfehlen, wenn die evolutionsbiologischen Grundlagen von Homosexualität, Lüge, Spiel, Humor und Religion interessieren. |
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| Prof. Dr.
Volker Sommer Anthropologe, Primatologe, Professor für evolutionäre Anthropologie am University College London: |
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