| Ulrich Lüke, Jürgen Schnakenberg,
Georg Souvignier, Hg.: Darwin und Gott. Das Verhältnis von Evolution
und Religion Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2004. 183 Seiten |
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| Dieser Sammelband zu einem Symposium der Stiftung Theologie und Natur, Bischöfliche Akademie Aachen, Oktober 2002 enthält: | |||
| Einführung:
"Religion und Evolution: Koproduktiv? Kontraproduktiv? Unproduktiv?" S.
1-8 Günther Pöltner: "Aus der Sicht der Philosophie: Voraussetzungen eines gelingenden interdisziplinären Gesprächs zum Verhältnis von Religion und Evolution". S. 9-27 Wolfgang Walkowiak: "Aus der Sicht der Neurobiologie: Die Entstehung der Religion in unserem Gehirn". S. 28-46 Eckart Voland, Caspar Söling: "Aus der Sicht der Soziobiologie: Die biologische Basis der Religiosität in Instinkten Beiträge zu einer evolutionären Religionstheorie". S. 47-65 Harald A. Euler: "Aus der Sicht der Evolutions-Psychologie: Religion und sexuelle Selektion". S. 66-88 Ulrich Lüke: "Aus der Sicht der Systematischen Theologie: Religion durch Evolution und/oder Evolution durch Religion?" S. 89-104 Matthias Kroeger: "Aus der Sicht der Religions- und Theologiegeschichte: Evolutionstheorie und Theologie gemeinsame Einsichten, gegenseitige Herausforderungen". S. 105-146 Wolfgang Gantke: "Aus der Sicht der Religionswissenschaft: Das Evolutionsparadigma und östliche Religionen". S. 147-170 Jürgen Schnakenberg: "Evolution und Reduktionismus. Ein Klärungsversuch aus naturwissenschaftlicher Sicht". S. 171-176 |
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| Wie es sich für eine Tagung von
Experten gehört sind alle Texte auf hohem fachlichen Niveau. Die Autoren
setzen zahlreiche Begriffe voraus (Beispiele: "Kontingenzerfahrung",
"reziprokes System"); der Leser muss sie aus dem Zusammenhang erarbeiten oder
anderweitig nachschauen. Die Aufsätze sind also stark konzentriert, aber
grösstenteils extrem erhellend. Der Titel des Buches ist irreführend. Es geht weniger um den Nachweis der Kompatibilität zwischen Evolution ("Darwin") und Schöpfungslehre ("Gott"). Der Untertitel trifft es besser. Vielen Beiträge beleuchten, wie sich die Religiösität des Menschen (eines der wenigen exklusiven Merkmale der Hominiden) evolutionär entwickelt hat. Ist Religiösität evolutionär erklärbar? Ist es eine selektiv wirksame Eigenschaft oder ein selektiv vorteilhaftes Nebenmerkmal oder ein biologisch funktionsloses Epiphänomen? Da stellt sich dann die Frage, wie sich die Wissenschaft und die Theologie dazu verhält. Bei vielen Aufsätzen dachte ich zunächst, dass sie mir wenig bringen, da mich weder Bibel noch die Entstehung der Religiösität so brennend interessieren. Doch weit gefehlt. Jeder bringt aus seiner Sicht sehr wertvolle Ideen in die Debate ein, die auch für den Atheisten neue Einblicke gewähren. Und mache Ansicht wurde verstärkt, so dass die Schöpfungsgeschichte keine Reportage ist (Lüke, S. 93). Kroeger lernte von Carl Friedrich von Weizsäcker eine oft genannte These: die Evolutiontheorie ist neben der Quantentheorie die zweite Fundamentaltheorie alles Lebendigen (S. 105). Hier nur kurze Notizen zu einigen der Beiträge in der Anthologie. Günther Pöltner: "Voraussetzungen eines gelingenden interdisziplinären Gesprächs zum Verhältnis von Religion und Evolution". S. 9-27 Philosophisches Fragen zielt auf die Sache (nach vorne) und zurück (Leitvorstellungen, Begriffe, Vormeinungen etc.). Fachwissenschaftliches Fragen setzt den Gegenstand der Untersuchung voraus. Das Objekt einer Naturwissenschaft ist des Resultat einer methodischen Reduktion. Die Wissenschaft interessiert sich nicht dafür, wieviele Grashalme in meinem Garten sind (obwohl das eine Tatsache der Natur ist). Diese Feststellung ist kein Vorwurf, da diese Reduktion Naturwissenschaft ja erst möglich macht. "Unter »Evolution« wird ein Gesamtprozess verstanden, ein Prozess, der mit dem »Urknall« oder womit auch immer begonnen hat, von den Faktoren Mutation und Selektion gesteuert wird und zu unserem gegenwärtigem Weltzustand geführt hat" (S. 19) Wolfgang Walkowiak: "Aus der Sicht der Neurobiologie: Die Entstehung der Religion in unserem Gehirn". S. 28-46 Walkowiak gibt einen Einblick in die Neurobiologie und fasst seine Schlussfolgerungen exzellent zusammen. Sie beginnen mit: "Unser Gehirn ist ein Produkt der Selektion und damit einem langen Prozess der Evolution unterworfen gewesen. Evolution ist als ein historischer Prozess zu verstehen, der dazu führt, dass Organismen in der heutigen Umwelt überlebensfähig sind, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass Organismen optimal an die reale Welt angepasst sind" (S. 45): Eckart Voland, Caspar Söling: "Aus der Sicht der Soziobiologie: Die biologische Basis der Religiosität in Instinkten Beiträge zu einer evolutionären Religionstheorie". S. 47-65 Die beiden Autoren sehen Religiösität in vier Domänen: Mystik, Ethik, Mythen, Rituale.
Ist Religiösität eine selektiv wirksame Eigenschaft oder ein selektiv vorteilhaftes Nebenmerkmal oder ein biologisch funktionsloses Epiphänomen? das wird nicht eindueitg beantwortet. Die Religiösität überschreitet die Lebenswelt des Menschen. Der Mensch kann nur in dem, was ihm nicht zugänglich ist, Sicherheit finden.
Die Goldene Regel ("Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu") ist Teil vieler Religionen, d.h. man kann sie dem Weltethos zurechnen. Ich selbst sehe dabei ein grosses Problem: Die Goldene Regel formuliert nur negativ; sie ist völlig ich-bezogen. Ein Teil des moralischen Tun hinge dann nur von meiner Einstellung ab ( Religiösität fordert Kosten (lebenslängliche Hingabe, Bibelstudium etc.), stärkt andrerseits die Gruppenmoral. (S. 60). Anmerkung: Allerdings sind die Extremkosten des Zölibats eigentlich selektiv negativ. Die Total-Katholiken müssten sich allmählich selbst eliminieren. Voraussetzung: der Klerus hat keinen Nachwuchs Harald A. Euler: "Aus der Sicht der Evolutions-Psychologie: Religion und sexuelle Selektion". S. 66-88 Religiösität kommt vermutlich bei keinem anderen Primaten außer beim Menschen vor, ist beim Menschen aber kulturuniversal (S. 79). Ulrich Lüke: "Aus der Sicht der Systematischen Theologie: Religion durch Evolution und/oder Evolution durch Religion?" S. 89-104 Aus den biblischen Texten wurde fälschlich eine Artkonstanz herausgelesen, denn Gott schuf jedes nach seiner Art. Die Schöpfungsgeschichte ist aber keine Reportage (S. 93). Matthias Kroeger: "Aus der Sicht der Religions- und Theologiegeschichte: Evolutionstheorie und Theologie gemeinsame Einsichten, gegenseitige Herausforderungen". S. 105-146 Religion, Moral, Geist als Elemente der biotischen Evolution: in der Frühphase stimmt Kroeger da zu; ebenso, dass Religion zunächst ein sekundäres, biologisch bestimmtes Epiphänomen war (S. 129). Irgendwann aber wurde die kulturelle Evolution eine eigene Sphäre (S. 130). Jürgen Schnakenberg: "Evolution und Reduktionismus. Ein Klärungsversuch aus naturwissenschaftlicher Sicht". S. 171-176 Seine Erklärung der Evolution: "Die Evolution ist die Entfaltung der Welt aus ihrem Anfang, die naturwissenschaftliche Reduktion versucht, diese Entfaltung auf der Grundlage der uns bekannten und vielleicht noch neu zu entdeckenden Natur-Gesetzen zu rekonstruieren" (S. 174). Schnakenberg diskutiert dann eine mögliche naturwissenschaftlich nicht fassbare Welt ("dualistische These"). "Eine naturwissenschaftlich nicht fassbare Welt müsste ja Verbindung zur naturwissenschaftlich beschreibbaren Welt haben, denn religiöses Verhalten sollte sich im Reden und Handeln des Menschen äussern können,..." (S. 175) Schnittstelle mit Wechselwirkung:
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| Steven Mithen: The Prehistory of
the Mind. Phoenix 1998. Broschiert, 480 Seiten
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