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Jones
Steve Jones: Wie der Wal zur Flosse kam. Ein neuer Blick auf den Ursprung der Arten
[Almost Like a Whale] Hamburg: Hoffmann und Campe, 2002. Gebunden, 508 Seiten. Sebastian Vogel, Übs.
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Ich mag es, wenn sich ein Autor zu seiner Sache bekennt. Daran mangelt es bei Steve Jones (Professor für Genetik am University College in London) nicht. Sein populärwissenschaftliches Wie der Wal zur Flosse kam geht dem Bestseller Die Entstehung der Arten von 1859 nach. Jones schreibt die Kapitel des Werks von Charles Darwin nach, ergänzt sie mit den heutigen Erkenntnissen und bringt es so auf einen neueren Stand. Er bekennt freimütig: "Die Entstehung der Arten ist ohne Zweifel das Buch des Jahrtausends" (S. 15).
Steve Jones schreibt locker und nimmt schon mal einfache aber falsche (zumindest: irreführende) Bilder in Kauf. Die Selektion sammle kleine Abwandlungen, meint er. Die Selektion sammelt nichts, sie siebt aus. Sie verwirft. Gibt es eine grosse (plötzliche) Abwandlung würde sie diese ebenfalls auf den Prüfstand legen (um metaphorisch zu bleiben) (S. 23).
Andrerseits machen Jones' Vergleiche, in denen er beispielsweise jeden Aidspatienten als lebenden Beweis für die Evolutionstheorie beschreibt, das umfangreiche Werk leicht lesbar.
Noch ein bildhafter Vergleich: Die Gene ändern sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 : 1.000.000 pro Generation. Das ist real ziemlich wahrscheinlich: London hat 2 Millionen Katzen, jede hat cirka 70.000 Gene; jedes Jahr also 100.000 (ich meine 140.000) genetische Änderungen. Weltweit kommt es zu jeder mögliche Mutation (S. 176).
Die Selektion und Evolution erklärt Jones anhand der Änderungen eines Flusslaufes. Das für jeden Leser leicht festzustellen und nachzuvollziehen (S. 306-307).
Für mich war das 9. Kapitel "Unvollständigkeit der geologischen Urkunden" sehr informativ.
Durch diese Vergleiche versteht es Steve Jones Verständnis für geologische und biologische Vorgänge zu wecken. Das geht bis zur Feier der christlichen Messe in Äthiopien (S. 415).
Schade ist, dass viele Beispiele zu Tier- oder Pflanzenarten im Index nicht vorkommen. Bei der Materialfülle wäre das konsequent kaum durchzuhalten, bei ausführlicheren Beispielen (Gemeine Wandermuschel, S. 372) vermisste ich den Eintrag aber doch.
Nachteilig ist die wenig struktierte Darbietungsweise. Die Kapitel stehen oft unter ähnlichen Überschriften; die zahlreichen Belege und Beispiele gehen dann etwas unter und ermüden beim Lesen.
Insgesamt lernt man auf angenehme Weise viele Details zur Evolution und Evolutionsgeschichte kennen. Etwas Straffung und mehr Gliederung wäre dem Werk gut bekommen.
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Höherentwicklung – Komplexität – Leiterdenken
Jones ist sich der Neutralität des Evolutionsgeschehens bewusst: "Die Evolutionsmaschine kann nichts anderes tun, als ihre Produkte an alles anzupassen, womit sie sich im jeweiligen Augenblick auseinandersetzen müssen. Sie hat keine eingebaute Richtung – weder vorwärts noch rückwärts oder zur Seite" (S. 325). Trotzdem verfällt auch er immer wieder in die Höherentwicklung (S. 326) erklärt sie dann aber als das Auftreten komplexerer Lebewesen. Die Vorstellung der Evolution als Leiter verwirft er (S. 327). Der größte Teil des Lebensbaums gehört nicht den Menschen und den Pilzen, sondern den Bakterien und ihren Verwandten. "Damit steht auch die Menschheit an ihrem richtigen Platz – in der Nähe der Bananen" (S. 393).
Dem gängigen Einwand von Kreationisten: "Als das Leben zum erstenmal auf der erde erschien, war niemand anwesend. Deshalb sollte jede Aussage über den Ursprung des Lebens nicht als Tatsache, sondern als Theorie betrachtet werden" (S. 30) kann man entgegen halten: "Als Jesus von Nazareth auf der Erde wandelte, war niemand der heute Lebenden anwesend. Deshalb sollte jede Aussage über ihn nicht als Tatsache, sondern als Hypothese betrachtet werden". Da wären die Bibelfundamentalisten nicht erfreut.
Das Wort "Evolution" weist Jones anhand eines Zitats von Cicero nach (S. 410).
"Quid poetarum evolutio voluptatis affert?", siehe jones Zitate von Cicero
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JonesJ. Steve Jones PhD Professor of Genetics
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Steve Jones: Wie der Wal zur Flosse kam. Ein neuer Blick auf den Ursprung der Arten. München: Dtv, 2002. Broschiert, 509 Seiten Jones
jones JonesSteve Jones: Almost Like a Whale. Black Swan, 2000. Broschiert, 519 Seiten
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