| Überblick |
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Nur eine Illusion? verfolgt
ungefähr die folgende Argumentationslinie:
- Die Evolutionstheorie schön und gut aber
reicht sie aus um die Fülle der Lebensentstehung und -entwicklung zu
erklären? Nein.
- Gibt es komplexe Teile des Lebendigen, die man durch die
(graduellen) Mechanismen der Evolution nicht erklären kann? Ja.
Da Markus Rammerstorfer
(MR) die wesentlichen Mechanismen der Evolution (Variation,
Vererbung, Selektion) als wirksam anerkennt (er will sie nicht wegdiskutieren),
braucht er nur eine Füllung für die beiden gerade festgemachten
Lücken der Evolution. Da so MR war der Designer am Werk
(ID). Der zweite Teil von Nur eine Illusion? behandelt drei wichtige
Einwände gegen ID:
- Die Evolution erklärt im Prinzip alles: ID ist
unnötig
- Vieles ist dysfunktional oder gar Murks: kein intelligenter
Designer
- Übernatürliche Mächte sind als Erklärung
nicht wissenschaftskonform.
Keinen der drei Einwände kann der Autor überzeugend
ausräumen. Die besten Karten hat er noch beim zweiten Punkt, allerdings
nur, weil er es meidet über Herkunft und Art oder die Eigenschaften des
Designers etwas zu verraten. Er spielt nicht nur einen Joker aus sondern er
dreht die Jokerkarte nicht einmal um. Es gelingt MR daher nicht seinen
Anspruch, ID gleichberechtigt neben die Evolution zu stellen, zu
erfüllen. |
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Der Autor zeigt in diesem Buch nicht,
wie manch andere "Evolutionsverwerfer" ( Machwerke), dass er
die Evolution völlig falsch verstanden hat. Trotzdem kommt er mit der
Evolutionstheorie irgendwie nicht klar. Er akzeptiert an vielen Stellen die
wesentlichen Mechanismen der Evolution (Variation, Vererbung, Selektion),
bestreitet aber, dass damit die "biologische Ursprungsfrage" ( Biologische Ursprungsfrage; ich bleibe zur besserer
Übersicht oftmals bei Begriffen des Autors) prinzipiell
geklärt sei. Er hat ein Verständnisproblem. |
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Worin liegt das Verständnisproblem des
Autors? |
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Da sich MR selbst dazu nicht
äußert, kann ich nur aus verschiedenen Indizien folgern, also das
machen, was zu einem Teil auch das Verfahren in der Evolutionsbiologie und
Paläontologie ist: aus den zugänglichen Belegen wird die bestpassende
Erklärung erschlossen. MR fällt unter diejenigen, die bereits
Darwin im Auge hatte:
| "Unser Verstand kann kaum die volle
Bedeutung des Ausdrucks »eine Million Jahre« erfassen;er kann aber
noch weniger die Gesamtwirkung vieler geringer Abänderungen errechnen und
überblicken, die während einer fast endlosen Zahl von Generationen
angehäuft worden sind." Die Entstehung der Arten S.
667-668 |
Vielleicht hilft MR die Überlegung: fast
unsere gesame Kultur entstand schrittweise und sprunghaft innerhalb der letzten
5000 Jahre. Das Leben hatte zur Entwicklung etwa 3.800.000.000 Jahre Zeit. |
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Nachtrag, 28.3.2007: eine Replik des Autors auf einer Webauftritt
ließ erkennen, dass er meine Analogie (lange Zeiträume!) nicht
akzeptiert. Vielleicht hilft MR das Zitat von Jean-Claude Silbermann: "Jeder
planlos geworfene Stein bewegt sich mit erstaunlicher Präzision auf die
Stelle zu, an der er schließlich landet." |
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MR verwendet ständig die
Ausdrücke ungelenkte Prozesse, ungerichtete
Prozesse und blinde Mutation. Diese scheinen bei ihm fest
verdrahtet zu sein, sie scheinen für ihn einen negativen Anstrich zu haben
und sie verblenden seine Sicht. So schreibt er ziemlich am Ende in "Fazit und
Schluss" von der Theorie unintelligenten Designs (S. 115) und meint
damit nicht unintelligentes Design im Sinne von Mark
Perakh (
Literatur), sondern das von der Evolution behauptete Nicht-Design,
das nur den Anschein von Planung erweckt. Dieses ist deshalb keineswegs
"unintelligent": dafür sorgt die Selektion. MRs Denkschemata kommen ohne
okkulte Macht nicht aus. Sie lassen ihn dahinter der gute
Schöpfergott taucht in der Evolutionsbeschreibung nicht auf und scheidet
daher aus den blinden, unintelligenten Designer
vermuten. Hilfestellung für MR: wenn Evolutionsvertreter vom
unintelligenten Design schreiben, geschieht dies in Abwehr von ID; keinesfalls
entsteht dadurch ein blinder, dummer Designer, sondern schlicht
keiner. Zugegeben: es ist schon schwer verständlich, wie eine so
große Kugel wie die Erde sich blind (!) um die Sonne dreht und dabei
gleichzeitig völlig ungelenkt (!) um die eigene gedachte (!) Achse rotiert
und das exakt in einem Tag
. Etwas mehr Fantasie Herr Autor würde die
Verständnishürde nehmen! |
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Biologische Ursprungsfrage |
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Leider formuliert MR diese von ihm so
benannte Frage nicht. Ich entnehme an, dass er darunter zwei Fragen versteht:
- Wie entstand das Leben selbst?
- Wie entwickelte sich das Leben?
Die Frage 1 war ursprünglich (Darwin u.a.) nicht im
Rahmen der Evolutionstheorie gedacht; sie ist jedoch so wichtig, dass sie immer
wieder zusammen mit der Evolution behandelt wird. Die zusammengefasste
Abhandlung in dem vorliegenden Buch ist daher gerechtfertigt. Allerdings sollte
man die beiden Fragen getrennt behandeln, da sie einen unterschiedlichen
Beantwortungsstatus haben. Für Frage 2 gilt, was MR schreibt: "prinzipiell
gelöst" (S. 3); was man zur Frage 1 nicht sagen kann. |
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Zusammenfassungen durch den Autor |
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MR gibt zwei verschiedene
Zusammenfassungen. Sie sind unterschiedlich zu bewerten. |
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"Fazit und
Schluss" (S. 115-116) MR stellt die Evolutionstheorie (er
charakterisiert sie anders, aber legen wir ihn mal wohlwollend aus) dem ID
gegenüber und fragt: für welchen Ansatz sprechen die besseren
Argumente (S. 115)? Er meint "bescheiden": ID soll gleichberechtigt diskutiert
werden. Das läuft in den USA für die Schulen unter dem Schlagwort:
"Why don't we teach both sides?"
- Dazu ist nicht der geringste Anlass: die Evolutionstheorie
ist extrem gut belegt, hat hohen Erklärungswert und ist bestens etabliert.
- ID erklärt so gut wie nichts, da es in angebliche
Lücken den Joker "Planung von einem Unbekannten" einsetzt.
Ich folge einem US-Talkmaster: "You don't have to teach both
sides if one side is a load of crap!" |
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"Zusammenfassung" (S. 117-118) Die
Evolutionstheorie sieht MR als nicht ausreichend an, den Anschein von Planung
in der Natur zu erklären. Hier blockiert sich der Autor selbst durch sein
oben geschildertes Verständnisproblem. |
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Sind die
prinzipiellen Zweifel das Autors an der Evolution berechtigt? Ich
meine, sie sind weder den millionenfach belegten Sachverhalten, die die
Evolution stützen angemessen, noch sind die Zweifel angesichts der
Zustimmung des Autors zu den Mechanismen der Evolution vernünftig. |
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Mein Fazit |
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Die Evolutionstheorie ist extrem gut
belegt; sie hat hohen Erklärungswert. Eine Frage nach einer besseren
Theorie stellt sich derzeit nicht. Wenn sich diese Frage stellen würde,
könnte man sie nicht durch Verweis auf unbekannte intelligente Mächte
(über deren Eigenschaften MR ungern schreibt; die Gründe dafür
sind klar: er wäre sofort ausserhalb der wissenschaftlichen Diskussion)
beantworten. Analog zum bekannten Cartoon von Sidney
Harris: wenn ein Theoretiker "intelligente Planung" in die
Erklärungskette schreibt, wird er aufgefordert: "Hier mußt du etwas
präziser werden!"
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Nur eine Illusion? wirft einige Schlaglichter auf
biologische Komplexität und die ID-Kontroverse. Es erhellt die
Denkblockaden des Autors. Zu den wissenschaftlichen Sachverhalten trägt es
wenig bei. MR ersetzt vermeintliche Lücken durch Fragezeichen;
diese gilt es so der Autor (S. 116) weiter zu erforschen. Nur
weil Leute die Belege für die näherungsweise Kugelform der Erde als
nicht ausreichend ansehen, forschen wir auch nicht zur flachen Erde. Überzeugend ist Nur eine Illusion?
nicht. |
Anfang |
| Links |
Ausführliche Besprechung von Markus Rammerstorfer: Nur eine
Illusion? Biologie und Design |
Ayala, Francisco: "Teleology and Teleological Explanations" |
Evolution Anthropisches
Prinzip Intelligent Design Kreationismus |
Haszprunar, Gerhard: "Evolution
des Lebendigen kein Intelligent Design!" |
Hume,
David: Dialoge über die natürliche Religion,
Auszüge |
Junker, Reinhard: Buchbesprechung: Nur eine Illusion?
Biologie und Design |
Links zur Evolution |
Literatur zur Evolution |
Nichtreduzierbare Komplexität (Wikipedia) |
Rammerstorfer, Markus: "Planung in der Natur: Illusion oder
Realität?" |
Schönborn, Christoph zur
Evolution |
Zitate von Eugenie C.
Scott |
Waschke, Thomas: Rezension: Nur eine Illusion? Biologie und
Design |
| Zahnarzt-Geist Chopper |
Der Chopper
Wikipedia
"»Mach das Maul auf!« Zahnarzt-Geist Chopper wird
25", n-tv
"Vor 25 Jahren - Quäkender Geist in Zahnarztpraxis",
Stuttgarter Zeitung |
| Literatur |
Darwin, Charles: Die Entstehung der Arten durch
natürliche Zuchtwahl. Hamburg: Nikol, 2004; siehe
Literatur zur Evolution Perakh, Mark: Unintelligent Design. Amherst:
Prometheus, 2004; siehe
Literatur zur Evolution Searle, John R.: Mind, Language and Society.
Philosophy in the Real World. London 1999 Toepfer, Georg: "Teleologie". In: Ulrich Krohs,
Georg Toepfer, Hg.: Philosophie der Biologie. Frankfurt: Suhrkamp, 2005.
S. 36-52; siehe Literatur zur
Evolution |