| Christian Austermann: Die
Evolutionstheorie im Spannungsfeld zwischen modernen Naturwissenschaften und
religiösen Weltanschauungen Lothar A Beck (Vorwort). Marburg: Tectum, 2008. Taschenbuch, 150 Seiten. |
| Dieses ansprechende Werk stammt aus einer Reihe zur Lehrerbildung, zugeschnitten auf Hessen, ist aber für alle an Evolution und deren Unterricht Interessierten hilfreich. |
| Inhalt |
| 1 Grundlagen der Evolutionsbiologie
2 Klassische Belege für Evolution 3 Die erweiterte synthetische Evolutionstheorie 4 Die Evolution des Menschen 5 Kreationismus und Intelligent Design 6 Glaube, Wissenschaft und ID 7 Evolution im Biologieunterricht Reflexion, Fazit & Ausblick Literaturverzeichnis Anhang |
| Die ersten vier Kapitel geben eine verständliche Einführung in den Stand der Evolutionsbiologie. Im fünften Kapitel werden die pseudowissenschaftlichen Positionen des Kreationismus und Intelligent Design behandelt. Hierbei wird besonders auf die deutschen Belange eingegangen. Ein Abschnitt widmet sich Protagonisten von Kreationismus und ID in Deutschland. Die Vorfälle an der Liebig-Schule im hessischen Gießen kommen zur Sprache (S. 68), Diskutiert wird auch der völlig verfehlte Vorschlag der ehemaligen hessische Kultusministerin (1999 bis 2008), Karin Wolff, CDU, die Schöpfungslehre neben der Evolutionstheorie im Biologieunterricht zu unterrichten. So nach dem Motto George W. Bushs: Why don't we teach them both? (S. 68-69). Dieses ignorante Niveau verhinderte nicht, dass Frau Wolff von 2003 bis 2008 stellvertretende Ministerpräsidentin Hessens wurde. |
| Terminologie Wie diffizil die Evolutionsgegner vorgehen wird anhand der Terminologie gezeigt. Da wird von Evolutionstheorie gesprochen (und jeder weiß, eine Theorie kann widerlegt werden) oder von der Evolutionslehre, der man flugs die Schöpfungslehre als gleichberechtigt daneben stellt (S. 73). Warum der Autor bei dieser treffenden Bemerkung trotzdem "Evolutionstheorie" im Titel verwendet ist mir unverständlich. Besonders auffällig wird in diesem Kapitel, dass es die Biologen und Wissenschaftler mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gegenpositionen zu tun haben (Kurzzeit-, Langzeit-ID-Kreationismus, usw.). Würde man auf alle eingehen käme die Forschung zum Erliegen, die Evolutionsgegner als science stopper (Eugenie Scott: Intelligent design is ultimately a science stopper.). |
| Der Autor erarbeitet die Argumentsstruktur der Kreationisten und ID-ler besonders anschaulich und übersichtlich. Grosses Lob. |
| Dann kommt der entscheidende Abgleich
zwischen Religion (verständlicherweise für unseren Umkreis
vorzugsweise das Christentum) und Wissenschaft. Austermann kommt zum Befund,
dass Glaube und Wissenschaft vereinbar sind, ID stuft er aber als
religionsfeindlich ein (S. 107). Hauptgründe: Eskalation der Konfrontation religiöses ID und Wissenschaft; unzulässige Vermischung der völlig unterschiedlichen Zugängen zur Welt (S. 108). Ich meine, ID ist nur zu einer bestimmten Religionseinstellung konträr ("feindlich" ist wohl zu stark) eingestellt. Wer seinen transzendenten Glauben vernünftig begründen will, hat mit ID durchaus eine Möglichkeit. Austermann meint: Es sollten auch Naturwissenschaftler einräumen können, dass es neben den ihnen zugänglichen Bereichen noch andere, transzendente Bereiche geben kann, die sich nicht wissenschaftlich ergründen lassen (S. 112). Im Konjunktiv formuliert wird man da zustimmen können. Doch wann formuliert eine Theist seine Glaubensvorstellungen im Konjunktiv? Da ist auch Austermann nicht vor einer Gleichsetzung gefeit: Dass es einen Gott gibt, ist genauso ein Glaubenssatz wie die Annahme, dass die Welt allein aus Materie besteht, die den Naturgesetzen und der Kausalität unterworfen ist (S. 112). Da übersieht der Autor zum einen den Unterschied zwischen Glauben und wissenschaftlichen Prämissen bzw. Wissen. Zum anderen übersieht er, dass viele Wissenschaftler nicht alleine Materie annehmen, sondern sehr wohl auch Kräfte, Felder, Naturgesetze, ... Daher kann man nur zustimmen, wenn der Autor verlangt, dass man den qualitativen Unterschied zwischen Glauben und Wissen versteht (S. 113) und wenn er im folgenden Kapitel zum Biologieunterricht feststellt: Das beste Präventionsmittel ist in diesem Fall Wissen, Bildung und eine kritisch neugierige Grundhaltung (S. 116). Dazu macht der Autor gute Vorschläge um vor allem die Bedeutung der Grundsätze der Evolution im Unterricht herauszustreichen (u.a. S. 122). Bemerkenswert und beachtenswert ist auch der Anhang, ein Vergleich eines teleologischen Ansatzes mit einem wissenschaftlichen Naturverständnis. |
| Der kompakte Ansatz
von Christian Austermann überzeugt. Für einen ersten Einstieg und vor
allem für Lehrer ist das Werk sehr zu empfehlen. Wer auf die Argumente der
deutschen Kreationisten und ID- ler noch spezifischer eingehen will, greife zur
Anthologie Martin Neukamm, Hg.: Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus.
Darwins religiöse Gegner und ihre Argumentation ( |
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