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Peter Baumann Erkenntnistheorie
Peter Baumann: Erkenntnistheorie. Lehrbuch Philosophie
Stuttgart: Metzler, 2015. 3., aktualisierte Auflage. Broschiert, 312 Seiten – Erkenntnistheorie LinksErkenntnistheorie Literatur
Jedes Urteil unter "exzellent" für die Erkenntnistheorie von Peter Baumann wäre verfehlt.
Wer jemals einen Vortrag des Autors hörte, kennt Stil und Gestus des Buchs. Wie in einem dialogischen Vortrag für einen fiktiven Lernenden entwickelt Baumann scheinbar gemählich und mühelos den umfangreichen Stoff. Zahlreiche eingestreute Fragen motivieren einerseits und hinterfragen das schon scheinbar Abgehakte. Oft muß man bei Sachbüchern etwas (vorerst) Unverständliches schlucken und darauf vertrauen, daß der Autor es später behandelt. Nicht so hier. Peter Baumann stellt genau die Fragen, die ich stellte und erklärt, warum er sie erst später beantworten wird. Und du darfst sicher sein: er vergisst es nicht.
Frappierend war für mich, dass der Autor trotz Plauderton (der manchmal zu unverbindlich wirkt) immer präzise formuliert und argumentiert. Man liest die Erkenntnistheorie wie einen spannenden Roman und merkt kaum, dass schwierige Probleme zur Debatte stehen. Dabei stellt Baumann die Lösung (so es eine gibt) nie fertig hin, sondern nähert sich ihr zusammen mit dem Leser. Höchstnote für didaktische Aufbereitung.
Viele wichtige begriffliche Unterscheidungen behandelt Baumann meisterhaft. Als Beispiel nenne ich Intentionalität und Intensionalität. Nebenbei erfährt man einiges über Kant und philosophiegeschichtliche Hintergründe.
Hervorragend sind die Literaturhinweise. Der Autor gibt sie sehr genau an, oft mit Kapitelname und Seitenzahl; er gibt sehr oft mehrere Literaturhinweise; sie geben auch weitere Literatur für entferntere oder grundlegende Begriffe an, beispielsweise zur "Proposition", S. 30 Mitte.
Selten spult Baumann sein Knäuel nicht sauber an. Er will sich auf den Spezialfall 1'a beschränken, widmet sich aber ausschließlich dem Fall 1'b. Seine Lieblingsfloskel "... ist alles andere als klar" drückt aus, daß es ernsthafte Einwände gibt.
Hier die wenigen Einwände zum Buch:
  • Ein Sachregister fehlt. So findet man das "Slingshot Argument" nur, wenn man zumindest ahnt, wo es einzuordnen ist.
  • Der Autor hob wichtige Definitionen und Argument vom Text ab. Der Verlag rückte diese Zeilen ein (Lob) und druckte sie in kleinerer Schrift (Rüge).
  • Die Verweise im eigenen Text erfolgen mit Kapitel- und Abschnittsnummer. Leider fehlen diese in der Seitenüberschrift. Zumindest die römische Kapitelnummer wäre hilfreich um schnell festzustellen: das las ich bereits oder es kommt im selben Kapitel oder später.
Erkenntnistheorie ist mehr als der Titel verspricht. Es ist gemäß dem Untertitel ein hervorragendes Lehrbuch für die Philosophie und damit sowohl ein Spezialwerk zur Erkenntnistheorie als auch ein Einstieg in die Philosophie allgemein.
3., aktualisierte Auflage 2015
Obige Besprechung bezieht sich auf die Erstauflage 2002. Die 3., aktualisierte Auflage erschien im Jahre 2015. Dazu ergänze ich:

Autor und Verlag legen hier die dritte aktualisierte Auflage des Einführungswerks zur Erkenntnistheorie vor. Das Lob für die Erstauflage aus dem Jahre 2002 gilt nahezu unvermindert. Die Druck– und Flüchtigkeitsfehler wurden weitgehend ausgemerzt.
Beim erneuten Vertiefen fiel mir besonders das aufschlussreiche Kapitel „Der Begriff des Begriffs” auf. Damit kann man nicht nur Außenstehende verblüffen oder gar verärgern, sondern es ist andrerseits eine wichtige Grundlegung für die philosophische Diskussion, die in anderen Werken meist zu kurz kommt.
Für viele Lernende ist es vorteilhaft, dass Peter Bauman auf einen formalen Apparat weitgehend verzichtet. Er wird dadurch an kaum einer Stelle ungenau.
Allerdings fehlt in der Neubearbeitung ein Beitrag zur Formalen Erkenntnistheorie, die in den letzten Jahren mächtig an Bedeutung gewann. Ebenso fehlt ein Abschnitt über die „Wissen zuerst”–Richtung, die seit Timothy Williamson: Knowledge and Its Limits (2000) die erkenntnistheoretische Diskussion beherrscht. Dieses epochale Werk wurde zwar im Literaturverzeichnis berücksichtigt, Baumann bezieht sich aber nur einmal kurz darauf (S. 35).
Das wichtige deutschsprachige Lexikon der Erkenntnistheorie nahm der Verfasser (der im anglo-amerikanischen Bereich lehrt) anscheinend nicht zur Kenntnis. Es sehr hier als ergänzendes Werk empfohlen.
Das überschwängliche Lob der Erstauflage gilt daher nur reduziert, für fünf Sterne langt es aber.
Links
Erkenntnistheorie Bonk, Thomas, Hg.: Lexikon der Erkenntnistheorie
Erkenntnistheorie McGlynn, Aidan: Knowledge First?
Erkenntnistheorie Rezensionen zur Erkenntnistheorie / Epistemology
Literatur
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Baumann BaumannPeter Baumann: Erkenntnistheorie. Lehrbuch Philosophie. Stuttgart: Metzler, 2015. 3., aktualisierte Auflage. Broschiert, 312 Seiten Peter Baumann Erkenntnistheorie
Peter Baumann: Erkenntnistheorie. Lehrbuch Philosophie. Stuttgart: Metzler, 2002. Broschiert, 312 SeitenBaumann
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