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Antonia Barke: The Closure of Knowledge in Context
Paderborn: Mentis, 2003. 199 Seiten. Reihe: Perspektiven der Analytischen Philosophie.
Review in English (no translation of the German version)
Wenn jemand, S, die Aussage p weiß und aus p die Aussage q folgt, so sollte wohl S auch q wissen. Daß dies ("Deductive Completeness") für beschränkte Wesen, wie dem Menschen, nicht zutrifft ist leicht zu sehen. Kein Mensch kann alle Folgerungen aus seinem Wissen ziehen, ganz abgesehen, daß er sie sich nicht bewußt macht. Wenn dagegen S auch weiß, daß aus p die Aussage q folgt, erhält man das "Principle of Deductive Closure" PDC: Wenn S p weiß und weiß, daß aus p q folgt, so weiß S auch q. Das auf den ersten Blick einleuchtende Prinzip wurde durch Fred Dretskes berühmtes Zebra-Beispiel (und vielen anderen) schwer erschüttert. Im Zoo betrachtet jemand, S, gestreifte Tiere, etwa so groß wie ein Pferd. Das Schild beschreibt die Herkunft der Tiere und ist betitelt: "Zebra". S weiß: "Das sind Zebras". Wenn es Zebras sind, so folgt, daß es keine gekonnt angestrichenen Maultiere sind. Wenn PDC gilt, so gilt auch: S weiß: "Das sind keine gekonnt angestrichenen Maultiere". Doch weiß S das wirklich? Wir würden ihm dieses Wissen normalerweise absprechen. Doch dann, wenn es also nicht der Fall ist, daß S weiß, daß es keine gekonnt angestrichenen Maultieren sind, folgt per modus tollens, daß S nicht weiß, daß es Zebras sind. Es ergibt sich ein Widerspruch zur Ausgangssituation.
Darauf gibt es eine Reihe von Reaktionen. Man kann, wie Dretske, verneinen, daß das PDC gilt. Oder man kann eine Kontextverschiebung zwischen den verschiedenen Aussagen bemerken und kommt dann zu anderen Ergebnissen bezüglich der Gültigkeit des PDC.
Antonia Barke erläutert zunächst das Prinzip selbst in seinen verschiedenen Ausprägungen. Sie diskutiert auch, welche Bedeutung es für die Struktur des Wissens und für die Argumentation gegen den Skeptiker hat. Dann geht sie, neben der bereits genannten Position Dretskes ausführlich auf weitere Positionen ein und diskutiert die verschiedenen Reaktionen, worunter die kontextualistischen den breitesten Raum erhalten. Barke zeigt die Mängel der bisherigen Kontext-Auslegungen auf und präsentiert schießlich eine eigene Lösung: den epistemischen Kontextualismus.
Das alles ist sehr klar geschrieben, wenn es auch manchmal sehr in die Tiefe geht. Trotzdem fängt die Autorin ihre Leser immer wieder ein, da sie kurze Zusammenfassungen gibt und den jeweiligen Diskussionstand im Buch klarlegt. Für mich kam am Ende ihre eigene Position etwas zu kurz. Die Abhandlung ist, das ist bei philosophischen Werken nicht immer so, visuell gut aufbereitet: Argumente sind explizit ausgeführt, Prinzipien im umrandeten Kasten ausformuliert.
Wer sich für Probleme der Struktur unseres Wissens interessiert, kann aus dieser Diskussion der verschiedensten Positionen des Kontextualismus viel gewinnen. Nebenbei lernt man noch, wie man einen komplexen Zusammenhang hervorragend darlegen kann.
Dieses Buch zeigt wieder einmal, daß sich der philosophische Nachwuchs in Deutschland mit seinen Ausarbeitungen vor denjenigen aus dem angelsächsischen Raum nicht zu verstecken braucht. Während ansonsten die Sprache ein Hindernis sein mag, deutschsprachige Literatur der Analytischen Philosophie zur Kenntnis zu nehmen, so entfällt dieses Alibi hier.
barkeAntonia Barke: The Closure of Knowledge in Context beim Mentis-Verlag
barkeAntonia Barke an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Review
When we know some proposition p and we know that p entails the proposition q we assume that q has the status of knowledge, too. Antonia Barke's book investigates the validity of this so called Principle of Deductive Closure of Knowledge (PDC) thoroughly.
First she gives an excellent explication of the different principles involved. Then she breaks the problem down into the components of kwowledge: truth, belief, and justification. Next she explains some examples which challenged the validity of the PDC, most famous the zebra case by Fred Dretske. The answers to these counterexamples were different kinds of contextualism. Barke shows the achievements and the deficiencies of these solutions. Finally, she presents her own version of contextualism, the epistemic contextualism.
The Closure of Knowledge in Context is extremely well written, although some chapters mirror the complexity of the matter. Barke summarizes the discussion time and again. The arguments are all explicitly written down in premises and conclusions, the principles are within boxes, and where appropriate even illustrations are thrown in.
I recommend this book highly for everyone interested in the structure of our knowledge.
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Barke barkeAntonia Barke: The Closure of Knowledge in Context. Paderborn: Mentis, 2003. 199 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 15.10.2004