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Kornblith
Hilary Kornblith: Knowledge and its Place in Nature
Clarendon, Oxford UP, 2002. 189 Seiten. kornblith Linkskornblith Literatur
Kornbliths Argumentation in Knowledge and its Place in Nature ist glasklar: Wissen ist ein natürliches Phänomen, ja mehr, eine natürliche Art. Von diesem Hintergrund (dafür wird im 2. Kapitel argumentiert) aus entwickelt er einige Thesen und entkräftet mögliche Einwände.
Bisher wurde meist, so Kornbliths Vorwurf, nicht über Wissen selbst, sondern über den Begriff des Wissens diskutiert. Intuitive Beispiele und der Sprachgebrauch standen im Vordergrund. Man sollte der Intuition in der Philosophie kein so großes Gewicht beimessen: sie täuscht und deckt nicht die wichtigen Merkmale auf.
Gerechtfertigte Überzeugungen sind für Kornblith das Produkt verläßlicher Methoden. Damit verlegt er aber die Wissensergründung in die Feststellung verläßlicher Methoden.
Zur Untermauerung seiner Hauptthese (Wissen als natürliche Art) zeigt Kornblith, dass es einen graduellen Übergang zwischen Wissen bei Tieren und Menschen gibt (siehe dazu auch seinen Aufsatz “Knowledge in Humans and Other Animals”, kornblith Literatur). Das Wissen kommt also in der Natur vielfältig vor, entwickelte sich evolutiv und kann in der Natur untersucht werden. Damit ist die Frage des Wissens eigentlich eine Teildisziplin der Naturwissenschaft, genauer: der Ethologie. Im abschliessenden 6. Kapitel hat Kornblith daher Probleme, der Philosophie und der Erkenntnistheorie noch einen angemessenen Platz zuzuweisen.
Donald Davidson und Michael Williams berufen sich ihrer Explikation des Wissens auf soziale Strukturen oder gar Sprachvermögen. Das weist Kornblith im 3. Kapitel überzeugend zurück. Laurence BonJour setzte früher für Wissen selbstbewußte Reflektion voraus: diese ist für Wissen unnötig (Kapitel 4).
Die Frage ist bei Kornbliths naturalistischem Konzept, wie dabei die normative Komponente (die man dem Wissen kaum absprechen kann; auch Kornblith tut es nicht) ins Geschehen gelangt. Wissen ist evolutiv von instrumentellen Wert, die Wahrheitsförderung spielt eine entscheidende Rolle. Wissen erlaubt es den Lebewesen ihre biologischen Ziele zu erreichen (S. 160).
Kornbliths Ansatz gibt wertvolle Einsichten. Die naturalistische Betrachtungsweise hat vieles für sich. Die Beschränkung von Wissen auf Sprachvermögen oder interne Selbstreflexion scheint unhaltbar. Auch wenn Wissen also "natürlich" vorkommt und evolutiv entstanden ist, überzeugte mich Kornbliths Plädoyer für Wissen als natürliche Art nicht. Hier scheint mir der soziale Wortgebrauch doch zu wichtig. Ich stimme Alvin Goldman zu, dass es eine Kontinuität zwischen dem Allgemeinverständnis von Wissen und dem philosophischen Gebrauch geben muss; wenn nicht, so sprechen die Philosophen schlicht über ein anderes Phänomen (S. 18). Kornbliths Hereinholen der Normativität gelingt nur, weil er biologische Ziele voraussetzt. Diese kommen aber nur durch eine Zuschreibung von Subjekten (von Menschen, von Göttern als Schöpfungsauftrag etc.) zustande. Die Natur kennt und hat keine Ziele. Damit ist Wissen in unserem Sprachgebrauch gleich nicht mehr so natürlich.
Knowledge and its Place in Nature ist ein gut struktiertes Werk. Kornblith argumentiert sehr genau und geht auf viele Gegenposition einfühlsam und fair ein. Um Wissen in der Natur aufzufinden und zu untersuchen – ähnlich wie man Pilze, Gold oder Wasser (unter)sucht, – muss man schon ein gewisses Vorverständnis haben. Das erscheint mir zirkulär.
Links
Hilary Kornblith, University of Massachusetts, Amherst, MA
KornblithDepartment of PhilosophyKornblithFaculty
Literatur
  • “Knowledge in Humans and Other Animals” Philosophical Perspectives 13 (1999). 327-346.
  • Übersetzt in “Wissen beim Menschen und anderen Tieren”. In: Thomas Grundmann, Hg.: Erkenntnistheorie. Positionen zwischen Tradition und Gegenwart . Paderborn 2001. 303-327. Siehe kornblith Literatur.
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Kornblith KornblithHilary Kornblith: Knowledge and its Place in Nature. Clarendon, Oxford UP, 2004. Broschiert, 160 Seiten Kornblith
Hilary Kornblith: Knowledge and its Place in Nature. Clarendon, Oxford UP, 2002.Gebunden, 200 Seiten Kornblith
grundmann Kornblith Thomas Grundmann: Erkenntnistheorie. Positionen zwischenTradition und Gegenwart. Paderborn: Mentis, 2003. 2., unveränd. Aufl.  
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