| Robert Nozick: The Nature of
Rationality Princeton NJ: Princeton UP, 1993. Gebunden, 252 Seiten |
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| Robert Nozick gibt in The Nature of Rationality einen Überblick zur Rationalität, den ich hier mit dem Schwerpunkt auf der Rationalität von Überzeugungen bespreche. | |
| Empirische Unterbestimmtheit als Argument gegen einen naiven wissenschaftlichen Realismus | |
| Unterbestimmtheitsthese: Zu jeder Theorie T gibt es
mindestens eine empirisch äquivalente Theorie T, die sich jedoch von
T unterscheidet (weil T und T genau dieselben empirisch
überprüfbaren Aussagen enthalten, muss sich der Unterschied zwischen
T und T auf Aussagen beziehen, die nicht direkt überprüfbar
sind). Argumentation (1) Für jede Theorie T existiert eine von ihr verschiedene Theorie T, so dass es keine Gründe gibt, auf deren Basis wir entscheiden können, welche der beiden Theorien richtig ist. (2) Für jede Theorie T gilt: wir können nicht wissen, dass T wahr ist. Der naive wissenschaftliche Realismus ist somit widerlegt. Zur Entscheidung, welche Theorien (Hypothesen, Gesetze) man verwendet, bedarf es also weiterer Kriterien. Diese können sein: Einfachheit, Analogie zu anderen Gesetzen, Erklärungskraft, leichtere Berechenbarkeit. (S. 7) |
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| Rationalität von Überzeugungen | |
| Die Rationalität von
Überzeugungen betrifft nach Nozick zwei Sichtweisen: RS1) die Unterstützung durch Gründe um Überzeugungen zu rechtfertigen RS2) die Erzeugung der Überzeugungen durch einen Prozeß, der verlässlich wahre Überzeugungen liefert (S. xiv, 65). An action is rational when it is generated by a process that tends to produce the best actions, the ones with maximal Decision Value DV (S. 65) Die Entscheidungstheorie befasst sich mit den besten Aktionen, nicht mit rationalen Aktionen. Auch ein zufälliger Treffer kann einen hohen DV haben. Die Rationalität von Überzeugungen kann instrumental aufgefasst werden. Die Ziele sind z.B. wahre Überzeugungen, Vermeidung fehlerhafter Überzeugungen, Erklärungskraft etc. (S. 65). Man kann rational handeln und rationale Überzeugungen haben, unabhängig von der Qualität der Ziele. Rationalität gebührt in erster Linie einem Prozess, einem Verfahren und davon abgeleitet einer einzelnen, besonderen Überzeugung, die mit einem rationalen Verfahren erzeugt wurde. Die Überzeugung erbt ihre Rationalität vom benutzten Verfahren. Auch eine Person, die vorzüglich rationale Verfahren einsetzt wird als rational bezeichnet. Rationalität erfordert Gründe pro und contra in Betracht zu ziehen (S. 72) |
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| Vom Vorteil falscher Überzeugungen | |
| Eine falsche Überzeugung senkt normalerweise die Rate der wahren Überzeugungen in einem Überzeugungssystem; sie kann aber auch das Gegenteil bewirken: wenn jemand für seine Geographiekenntnisse gelobt wird (obwohl sie nicht so besonders waren), kommt der Gelobte eventuell zu den (falschen) Überzeugungen: Ich bin schon ganz gut in Geographie - Ich mache in Geographie gute Fortschritte. Das kann ihn motivieren, sich stärker mit dem Fach zu befassen und somit viele neue wahre Überzeugungen gewinnen. (S. 69) | |
| Regeln für die Rationalität einer Aussage | |
Nozick stellt Regeln für die
Rationalität der Aussage h auf.
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| Paarweise Inkonsistenz | |
| Das Lotterieparadox zeigt, dass Überzeugungen paarweise konsistent sein können; nicht jedoch insgesamt. Nozick ergänzt seine Regeln der Rationalität um dem Lotterieparadox entsprechen zu können. Er vertritt eine Revision aller Überzeugungen (die die Lotterie betreffen) für jede einzelne Überzeugung die hinzukommt. (S. 89-93) | |
| Warum Überzeugungen? | |
| Im Abschnitt Belief zeigt
Nozick, dass es vorteilhaft ist, zu Überzeugungen (ja/nein) zu kommen
anstatt z.B. nur Wahrscheinlichkeiten zu vergeben: der Aufwand Wahrscheinlichkeiten zu vergeben ist zu hoch; wenn man eine Überzeugung hat, kann man inkompatible Möglichkeiten dazu ausschließen. Ich meine zusätzlich: der Mensch ist schwach im Abschätzen von Wahrscheinlichkeiten und noch schwächer im Operieren mit Wahrscheinlichkeiten. |
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| Instrumentale Rationalität | |
| Im Kapitel "5 Instrumental Rationality
and Its Limits" behandelt Nozick die instrumentale Rationalität und ihre
Grenzen. Die instrumentale Rationalität ist die Schnittmenge aller Rationalitätserklärungen. Sie braucht keine Rechtfertigung, da sie per definitionem gerechtfertigt ist. Die Frage ist: ist die instrumentale Rationalität alles, was zur Rationalität zu sagen ist? Deckt sie alles ab? (S. 133) Zunächst beantwortet er die Frage: Warum rational sein? wie folgt: The instrumentalist may take the goal of satisfying desires to be given, rather than rational, and a critic who demands that satisfying desire itself be shown to be rational is importing a standard the instrumentalist would reject (S. 134). Ich sehe es so: zur Definition von Ziel gehört es, dass man es erreichen will. In diesem Sinn ist es nicht (extra) rational, sondern es liegt in der Sache selbst, dass man Ziele erreichen will (sonst sind es keine, oder eben keine vorrangigen). Wer dazu eine weitere Begründung verlangt, versteht die deutsche Sprache nicht. |
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Nozick plädiert dafür, dass der Rationalitätsbegriff über die instrumentale Rationalität hinausgeht. Die Standards der Rationalität müssen sich nach der Welt, so wie wir sie vorfinden, richten. Es gibt eine gegenseitige Abhängigkeit: wir nutzen die Standards um die Welt zu erkennen und diese wiederum verändert die Standards (S. 135). Zu einem Standard oder Prinzip der Rationalität gehört nicht nur, wie gut es die Wahrheit verfolgt, sondern auch, wie sie (in wenigen Fällen) versagt. Ein Methode, die in kritischen Fällen zwar oft die Wahrheit liefert, aber doch auch katastrophal versagt, wird von einer anderen Methode übertrumpft, die in diesen Fällen zwar weniger oft die Wahrheit liefert aber auch weniger oft versagt. (S. 135-136) Wenn das Verstehen der Welt ein Wert an sich ist und Rationalität der geeignete Weg dazu, dann ist auch Rationalität an sich ein Wert. ?
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| Rationalität von Zielen | |
| Bei der Erörterung der
Rationalität von Überzeugungen sah Nozick von den Zielen (z.B. wahre
Überzeugungen, Vermeidung fehlerhafter Überzeugungen,
Erklärungskraft etc., S. 65) ab. Sie sind zunächst irrelevant
dafür, ob Handlungen oder Überzeugungen rational sind. Obwohl also die Rationalität zunächst nur über die Wege der Zielerreichung urteilt, sagt sie doch etwas über Gruppen von Zielen. Z.B. scheint es irrational, wenn Ziele nicht transitiv sind. Beispiel: Ananaseis, Schokoladeneis, Zitroneneis. Jemand bevorzugt A vor S, und S vor Z, und Z vor A (nicht transitiv). |
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| Rationalität und Einbildungskraft (imagination) | |
| Die Glaubwürdigkeit einer Aussage
hängt ab, von den Gründen, der Quelle, den alternative Aussagen. Zur Aufspürung relevanter alternativen Aussagen ist nicht so sehr eine mechanische Methode erforderlich, sondern die Einbildungskraft, die Kreativität. Um die Glaubwürdigkeit einer Aussage zu betonen müssen die bestmöglichen inkompatiblen Aussagen herangezogen werden. |
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| Überziehung oder Überschreitung der Rationalität | |
| Die Rationalität entstand als
evolutive Anpassung mit einer beschränkten Funktion. Many of philosophy's traditional intractable problems, resistant to rational resolution, may result from attempts to extend rationality beyond this delimited function. These include the problems of induction, of other minds, of the external world, and of justifying goalsthe Kantian attempt to make principled behavior the sole ultimate standard of conduct is another extension of rationality beyond its bound (S. 176) |
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| Robert Nozick behandelt mit einigem Tiefgang zahlreiche Probleme mit der Rationalität. Auch Newcombs Problem und das Gefangendilemma wird ausführlich diskutiert; ich habe beides bewußt in der obigen Besprechung ausgelassen. Insgesamt ein reichhaltiges Programm, das trotzdem einiges ausspart. Das Werk gab und gibt zahlreiche Anstösse zum Weiterforschen. Sehr empfehlenswert | |
| Links | |
| Robert Nozick:
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| Literatur | |
| Christensen, David (1995): "Reviewed work(s): The Nature of Rationality by Robert Nozick". Noûs 29:2, S. 259-274. | |
| Lowe, E. J. (1995): "The Nature of Rationality by Robert Nozick". The Philosophical Quarterly 45:180, S. 397-399 | |
| Talbott, W. J. (1995): "The Nature of Rationality by Robert Nozick". The Philosophical Review 104:2, S. 324-329 |
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| Robert Nozick: The Nature of
Rationality. Princeton NJ: Princeton UP, 1995. Taschenbuch, 242 Seiten
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Inhalt 1. David Schmidtz: Introductions 2. David Miller: The justification of political authority 3. John T. Sanders: Projects and property 4. Loren Lomasky: Nozicks libertarian utopia 5. Gerald Gaus: Goals, symbols, principles: Nozick on practical rationality 6. Philip Pettit: Non-consequentialism and political philosophy 7. Michael Williams: Nozick on knowledge and skepticism 8. Michael Bratman: Nozick on free will 9. Elijah Millgram: How to make something of yourself 10. David Schmidtz: The meanings of life |
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