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Ackermann
Robert J. Ackermann: Belief and Knowledge
Garden City, New York: Doubleday, 1972. 149 Seiten – Ackermann LinksAckermann Literatur
Ziel des Werks ist es die Bedingungen für rationale Überzeugungen und Wissen zu untersuchen. Das gelingt dem Autor originell.
Arten von Überzeugungen (Kinds of Belief )
Ackermann will nur Lebewesen mit entsprechender linguistischer Fähigkeit Überzeugungen zusprechen. Ratten handeln nur so als ob sie Überzeugungen hätten. Diese begriffliche Annahme wird dadurch untermauert, dass man das Verhalten von anderen Tieren als dem Menschen mechanistisch modellieren und nachbauen kann (S. 3). Ackermann unterscheidet folgende Überzeugungsarten:
• Gewohnheiten
• unbewusste Überzeugungen
• bewusste Überzeugungen
• rationale Überzeugungen
Seine These: "Rational belief will be an ideal standard for critical assessment, which no human being could actually exhibit" (S. 8)
Bedingungen für und Anforderungen an rationale Überzeugungen
• konsistent
• vollständig bezüglich logischer Operationen: "The completeness condition reveals the essentially ideal nature of rational belief" (S. 9). "The usual philosophical account of rationality has it that the rational man will accept any consequences of his beliefs licensed by valid logical inferences" (S. 9).
Rationalitätsbedingungen
Stärkere Form: Die aktualen Überzeugungen eines Agenten sind rational, wenn sie eine Teilmenge der Überzeugungsmenge eines idealen Agenten sind.
Schwächere Form: Die aktualen Überzeugungen eines Agenten sind rational, wenn sie eine Teilmenge der Überzeugungsmenge eines idealen Agenten sind oder wenn sie/er gewillt ist, die Überzeugungen zu revidieren, wenn gezeigt wird, dass sie das nicht sind (S. 10).
Konsistente Überzeugungen – »... beliefs can be crazy as hell« (S. 14)
Ackermann wählt eine interessant Herangehensweise. Er analysiert Überzeugungskontexte zunächst grob, indem er den gesamten Ausdruck »ist überzeugt von _« als Prädikat nimmt. Also: "John ist überzeugt von _" wird als a = John und P= "ist–überzeugt–von _" (»hyphenated predicate«) analysiert: Pa. Vorteil: Vermeidung vorschneller Annahmen bezüglich Folgerungen etc. im kognitiven Kontext.
Doch scheint es, dass man logische Operationen auch im kognitiven Kontext durchführen kann.
John glaubt, dass Tom groß und dünn ist. Daher: John glaubt, dass Tom groß ist.
Das hyphenated predicate ist dafür zu grob. Man kann z.B. Überzeugungen nicht mehr miteinander abgleichen etc. Wenn John erfährt, dass Tom klein ist, muß er seine Überzeugung revidieren; nicht so, wenn das Prädikat undurchsichtig bleibt.
Ackermann stellt ein verbessertes Verfahren zum Test auf konsistente Überzeugungen vor. Er nennt es Belief Augmentation.Überzeugungen sind konsistent, wenn sie alle wahr sein könnten. Belief Augmentation ist ein formaler Weg dies zu prüfen (S. 25).
Rationale Überzeugungen
Rationale Überzeugungen müssen nicht nur konsistent und abgeschlossen sein, sondern auch in Bezug zu den vorhandenen Belegen stehen. Ackermann koppelt die Überzeugungen damit an die Überzeugungskraft der Belege (S. 33).
Eine rationale Überzeugungsmenge ist eine logisch abgeschlossene, konsistente Überzeugungsmenge in der die Überzeugungsstärken gemäß den Belegstärken gebildet sind. Ackermann wird noch expliziter: Die Überzeugungsstärken müssen dem Wahrscheinlichkeitskalkül genügen (S. 35).
Wenn p den Überzeugungsgrad 0,4 hat, dann not p = 1– 0,4 = 0,6.
Wenn p und q unabhängig sind, und die Wahrscheinlichkeit P(p) bzw. P(q) haben, dann gilt: p »oder« q haben P(p) + P(q) und p »und« q haben P(p) x P(q).
Wenn eine Überzeugung p wahrscheinlicher ist als q, dann muss sie auch einen höheren Überzeugungsgrad erhalten. So entsteht eine rational geordnete Überzeugungsmenge.
Ackermann zeigt wie die bisherigen Forderungen im bekannten Lotteriefall auf Probleme stossen.
Das Lotterieparadox legt nahe, eine der Annahmen aufzugeben:
1. Deductive Assumption (Geschlossenheitsprinzip)
2. Detachment Assumption
Detachment Assumption: Man hat die Überzeugung p oder not p oder enthält sich der Überzeugung zu p. Punkt. Ohne Überzeugungsgrade oder Wahrscheinlichkeiten.
Ackermann plädiert dafür die Detachment Assumption aufzugeben und die Deductive Assumption innerhalb des Wahrscheinlcihkeitskalküls zu interpretieren. Wenn man die Detachment Assumption aufgibt, heißt dies, man nimmt zu jeder Überzeugung ihre Wahrscheinlichkeit mit. Man hat also nicht die Überzeugung p geradeheraus, sondern p mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. "...beliefs should always be regarded as probability assignments—the theory of partial belief" (S. 43).

Im zweiten Teil des Buches beschäftigt sich Ackermann mit dem Wissen. Darauf gehe ich hier nicht weiter ein.
Belief and Knowledge gibt hilfreiche Einblicke und Verfahren zur Untersuchung der Bedingungen für rationale Überzeugungen und zur Analyse des Wissens im Zusammenhang mit Überzeugungen.
Links
Ackermann Lotterie-Paradox und Vorwort Paradox
Ackermann Rezensionen philosophischer und verwandter Bücher
Ackermann Rezensionen zur Erkenntnistheorie – Epistemology Reviews
Literatur
David Annis (1974): "Reviewed work(s): Belief and Knowledge by Robert J. Ackermann". The Philosophical Quarterly 24:94, S. 81-82.
Roger Gallie (1975): "Reviewed work(s): Belief and Knowledge by Robert J. Ackermann". Mind 84:333, S. 137-138.
Earl McLane (1979): "On the possibility of epistemic logic". Notre Dame Journal of Formal Logic 20:3. S. 559-574.
Jack Nelson (1975): "Knowledge and Truth". Philosophical Studies 27:1, S. 65-72.
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