| L. Jonathan Cohen: An Essay on
Belief and Acceptance Oxford: Clarendon, 1992. Gebunden, 176 Seiten |
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| Vielfach wird Akzeptanz nur als eine
besondere Art von Überzeugung/Glauben angesehen. Dabei wird an eine
Aussage/Hypothese eine bestimmte Bedingung gestellt. Zum Beispiel: Hypothese h ist für S akzeptierbar, wenn und nur dann wenn S wenn die Belege e für h ausreichend sind (Hintikka 1966, S. 2). Wenn man von Glaubensgraden zwischen 0 und 1 ausgeht, wird eine Aussage p dann akzeptiert, wenn der Glaubensgrad über einer gewissen Schwelle liegt. Wer eine Aussage akzeptiert glaubt sie auch. Manche Philosophen vertreten aber die Ansicht, dass zwischen Überzeugung/Glauben und Akzeptanz zu trennen ist. Diese Position verteidigt Cohen im vorliegenden An Essay on Belief and Acceptance. Cohen beklagt (S. 2-3), dass zuwenig auf den wesentlichen Unterschied zwischen Glauben und Akzeptanz gesetzt wird. An epistemology that does not at some point explore the differing roles of active and passive cognition is radically defective (S. 3). |
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| Ich verwende ab hier nur noch "Glauben" im Sinne von Meinung/Überzeugung; von der üblichen religiösen Konnotation ist abzusehen. | |
| Glauben ist eine Disposition p für wahr zu halten/anzusehen graduell normalerweise nicht willentlich (Ausnahmen gibt's) vorlinguistische Kinder und Tiere können etwas glauben, nicht aber akzeptieren Beispiele (Glauben geht nicht mit Akzeptanz einher): Jemand hat Vorurteile gegenüber Frauen in einer bestimmten Position. Er begründet die Ablehnung der weiblichen Bewerberin aber völlig anders (und nicht weil er bewußt schwindelt). Er würde sein Vorurteil auch nie als Prämisse einer begründeten Ausführung verwenden. |
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| Akzeptanz ist going along with that proposition (either for the long term or for immediate purposes only) as a premiss in some or all contexts for one's own and others' proofs, argumentations, inferences, deliberations, etc. (S. 368). eine mentale Handlung. eine ja/nein-Entscheidung willentlich vorlinguistische Kinder und Tiere sind (noch) unfähig etwas zu akzeptieren Beispiele (Akzeptanz geht nicht mit Glauben einher): Man kann etwas for the sake of the argument akzeptieren Ein Anwalt akzeptiert, dass sein Klient unschuldig ist, aber ist davon nicht überzeugt Cohens überzeugendes Beispiel; und ergänzend von mir: Ein Beschuldigter gibt an, das Geld sei ihm von einem gebrochen deutsch redenden, vermutlichen Osteuropäer abgenommen worden. Der Kommissar akzeptiert es und lässt eine Fahndung anlaufen, aber er glaubt es nicht. Cohen plädiert dafür, dass Wissenschaftler Theorien akzeptieren sollten, nicht ungedingt glauben. |
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| Daraus folgert Cohen: Verantwortlichkeit: people are held responsible and accountable for what they accept, not for what they believe (S. 370) Für Akzeptanz gilt das Geschlossenheitsprinzip für deduktive Folgerungen, für Glauben nicht Wahrscheinlichkeitsüberlegungen beziehen sich auf Akzeptanz und nicht auf Glauben (S. 383). Das klingt zunächst widersprüchlich, da ja Cohens Akzeptanz eine ja/nein-Angelegenheit ist, er führt es aber im Essay näher aus: acceptance-worthiness is a matter of degree. But it is not a subjective state of mind, like degree of beliefs (S. 114). |
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| Vorwortparadox Jemand kann ganz vernünftig p1, p2, ... pn glauben und glauben, dass p1 & p2 ... pn falsch ist, wenn n ziemlich gross ist (S. 35). Da hier das Geschlossenheitsprinzip nicht anzuwenden ist, entstehen keine Widersprüche: "Because belief is not deductively closed it is not necessarily an intellectual disaster if a person does have an inconsistency between some of his beliefs" (S. 36). Anders sieht es mit der Akzeptanz aus. Wegen der deduktiven Geschlossenheit würde die Akzeptanz von p1, p2, ... pn glauben und nicht-(p1 & p2 ... pn) zu Widerspruch führen. Das kann nicht vernünftig sein. Eine überzeugende Lösung gibt Cohen aber mit seinem Rat
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| Akzeptanz und
Überzeugung werden im üblichen Sprachgebrauch oft austauschbar
verwendet Sagt man: (1): Ich glaube dem Wetterbericht (der Sonnenschein voraussagt), akzeptiere ihn aber nicht und nehme einen Regenschirm mit. oder (2): Ich akzeptiere den Wetterbericht (der Sonnenschein voraussagt), glaube ihn aber nicht und nehme einen Regenschirm mit.? Glaube/akzeptiere ich den Wetterbericht willentlich? Eher nein, wohin das Regenschirm mitnehmen wohl willentlich ist. Dann wäre Version (1) richtig!? Monty-Hall Problem Jemand gibt einem Zweifler (der also meint, es wäre nicht besser die Tür zu wechseln) eine lupenreine Argumentation für das Wechseln Jetzt kann man sowohl sagen: Der Zweifler akzeptiert, dass es besser sei, die Tür zu wechseln, aber überzeugt ist er nicht. ebenso gut aber auch: Der Zweifler wurde nun überzeugt, dass es besser sei, die Tür zu wechseln, aber akzeptiert dies nicht, weil seine Intuition immer noch dagegen spricht. |
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| Cohen vertritt in An Essay on Belief and Acceptance eine polare Position zu Akzeptanz einerseits und Überzeugung/Glauben andrerseits. Er gibt dem Leser eine tiefe Einsicht in viele Zusammenhänge zwischen Glauben/überzeugt sein und Akzeptieren. Damit löst er einige epistemische Probleme (Verantwortlichkeit für Überzeugungen; epistemische Paradoxien). Akzeptanz und Glauben sind für ihn getrennte Angelegenheiten. Man kann zugute halten, dass er die Unterschiede betonen muss um seine Sicht zu klar zu machen. Er vermerkt auch öfters die (enge?) Verbindung zwischen Akzeptanz und Glauben. Die Übergänge sind aber meines Erachtens eher fliessend, zumindest vielfältiger als sie Cohen darstellt. | |
| L. Jonathan
Cohen 7. Mai 1923 26. September 2006 Jonathan Adler: A philosopher of extraordinary breadth of vision, his insights took in international law, the nature of meaning, and belief. The Guardian, September 30 2006 |
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| Links | |
| Literatur | |
| Cohen, L. Jonathan (1989): "Belief and Acceptance". Mind 98:391, S. 367-389. | |
| Engel, Pascal (1998): "Believing, holding true, and accepting". Philosophical Explorations 1:2, S. 140-151. | |
| Engel, Pascal (2000): Believing and Accepting. Dordrecht: Kluwer. | |
| Hempel, Carl G. (2001): Deductive Nomological vs. Statistical Explanation. In: James H. Fetzer, Hg.: Carl G. Hempel: The Philosophy of Carl G. Hempel: Studies in Science, Explanation, and Rationality. Oxford: Oxford UP. | |
| Hintikka, Jaakko, Risto Hilpinen (1966): Knowledge, Acceptance, and Inductive Logic. In: Hintikka, Jaakko, Suppes, Patrick, Hg.: Aspects of Inductive Logic. Amsterdam: North Holland. S. 1-20. | |
| Maher, Patrick (1986): "The Irrelevance of Belief to Rational Action". Erkenntnis 24:3, S. 363-384. | |
| Moore, Joseph (1994): "Review: An Essay on Belief and Acceptance. by L. Jonathan Cohen". The Philosophical Review 103:4, S. 705-709. | |
| Radford, Colin (1995): "Review: Jonathan L. Cohen: An Essay on Belief and Acceptance". Mind 104:413, S. 154-162. | |
| Sousa, Ronald B. de (1971): "How to Give a Piece of Your Mind: or, The Logic of Belief and Assent". Review of Metaphysics 25.1, S. 52-79. | |
| Ullmann-Margalit, Edna, Avishai Margalit (1992): "Holding True and Holding as True". Synthese 92, S. 167-187. |
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| L. Jonathan Cohen: An Essay on
Belief and Acceptance. Oxford: Clarendon, 1992. Gebunden, 176 Seiten
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| Zur Ergänzung | ||
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| Daniel C. Dennett: The
Intentional Stance. Mit Press 1989. Taschenbuch: 400 Seiten
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