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Evolutionäre
Gerhard Vollmer: Evolutionäre Erkenntnistheorie: Angeborene Erkenntnisstrukturen im Kontext von Biologie, Psychologie, Linguistik, Philosophie und Wissenschaftstheorie
Stuttgart: Hirzel, 2002. Gebunden, 226 Seiten. 8. Auflage. Mit einem Geleitwort von Ernst Peter Fischer: "Warten auf den nächsten Sprung" – rezension Linksrezension Literatur
Der Ausdruck „Evolutionäre Erkenntnistheorie“ stammt von Donald T. Campbell, einem US-amerikanischen Psychologen, der seinen Beitrag von 1974 für einen Karl Popper Band mit „Evolutionary Epistemology“ betitelte (rezension Literatur). Seit langem gilt Prof. Dr. rer. nat. Dr. phil. Gerhard Vollmer als einer der bedeutendsten Vertreter dieser Richtung.
Aus einer Liste von Fragen, mit der sich die Erkenntnistheorie beschäftigt, konzentriert sich der Autor auf
• Warum erkennen wir gerade so, dies und nur dies?
• Wie sicher ist unsere Erkenntnis?
• Worauf beruht ihre Sicherheit?
Dazu setzt Vollmer einen hypothetischen Realismus voraus, den er im Abschnitt B entwickelt. Mit der evolutionären Erkenntnistheorie beantwortet er die erste Frage. Daran knüpft er zahlreiche Folgerungen. Aus Biologie und Psychologie, insbesondere der Verhaltensforschung, wissen wir, wie sich die Erkenntnisfähigkeit im Laufe der Evolution entwickelt hat. Setzt man hypothetisch eine außersubjektive Wirklichkeit voraus, kann man aufgrund der Erfolge auch sagen, dass die Erkenntnisse sich dieser Welt annähern. Allerdings ist unser Wissen – ganz im Sinne Poppers – immer hypothetisch, d.h. es kann sich als falsch erweisen. Trotzdem kann man natürlich verschiedene Aussagen für wahr halten.
Vollmer postuliert etliche Voraussetzungen, sie sich als Hypothesen extrem gut bewährt haben, wie beispielsweise, dass es eine reale Welt, unabhängig von Wahrnehmung und Bewusstsein gibt (S. 28). Den hypothetischen Realismus formuliert der Autor dann so: „Wir nehmen an, dass es eine reale Welt gibt, das sie gewisse Strukturen hat und dass diese Strukturen teilweise erkennbar sind, und prüfen, wie weit wir mit diesen Hypothesen kommen" (S. 35).
Die Antwort auf die drei eingangs gestellten Fragen ergibt sich dann recht simpel aus dieser Feststellung. „Unser Erkenntnisapparat ist ein Ergebnis der Evolution. Die subjektiven Erkenntnisstrukturen passen auf die Welt, weil sie sich im Laufe der Evolution in Anpassung an diese reale Welt herausgebildet haben. Und sie stimmen mit den realen Strukturen (teilweise) überein, weil nur eine solche Übereinstimmung das Überleben ermöglicht.“ (S. 102) Mutattion und Selektion erzwingen diese Anpassung an die realen Strukturen. Allerdings gilt dies nur für den Bereich, der für das Überleben notwendig ist, also die Welt der mittleren Dimension. Im Allerkleinsten und Allergrößten kann es und sieht es anders aus.
Vollmer betont den interdisziplinären Kontext der Evolutionären Erkenntnistheorie und spart offene Fragen nicht aus.
Für die genannten Teilfragen und viele über die Erkenntnistheorie hinausgehenden Belange (Theorienbildung und -bewährung, Induktion etc.) ist Evolutionäre Erkenntnistheorie ein sehr wertvoller Beitrag. Das Werk eignet sich hervorragend möglicherweise vorhandene Vorbehalte oder gar Vorurteile gegenüber der Evolutionäre Erkenntnistheorie richtig zu stellen.
Links
Gerhard Vollmer: VollmerTU BraunschweigVollmerWikipedia
evolution Evolution
evolution Die Kernthesen der Evolutionstheorie und die häufigsten Missverständnisse
Evolutionary epistemology
  VollmerNathalie Gontier in IEP
  VollmerPrincipia Cybernetica Web
  VollmerBradie, Michael, William Harms in Stanford Encyclopedia of Philosophy
  VollmerWikipedia

erkenntnis Bibliografien, Diskussion und Links zur Erkenntnistheorie
erkenntnis Rezensionen zur Erkenntnistheorie
spaemann Spaemann, Robert, Peter Koslowski, Reinhard Löw, Hg.: Evolutionstheorie und menschliches Selbstverständnis. Zur philosophischen Kritik eines Paradigmas moderner Wissenschaft
Literatur
Campbell, Donald T. (1974): "Evolutionary epistemology". In P. A. Schilpp, Hg.: The Philosophy of Karl R. Popper. LaSalle, IL: Open Court. S. 412-463.
Nachgedruckt in D. T. Campbell, E. S. Overman, Hg. (1988): Methodology and epistemology for social sciences: Selected papers. Chicago: University of Chicago Press. S. 393-434.
Vollmer, Gerhard (1995): Biophilosophie. Mit einem Geleitwort von Ernst Mayr. Stuttgart: Reclam
Vollmer, Gerhard (1994): "Die vierte bis siebte Kränkung des Menschen. Gehirn, Evolution und Menschenbild". Aufklärung und Kritik 1, S. 81 ff. VollmerOnline
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vollmer VollmerGerhard Vollmer: Evolutionäre Erkenntnistheorie: Angeborene Erkenntnisstrukturen im Kontext von Biologie, Psychologie, Linguistik, Philosophie und Wissenschaftstheorie. Stuttgart: Hirzel, 2002. Gebunden, 226 Seiten. 8. Auflage vollmer
Gerhard Vollmer: Evolutionäre Erkenntnistheorie: Angeborene Erkenntnisstrukturen im Kontext von Biologie, Psychologie, Linguistik, Philosophie und Wissenschaftstheorie. Stuttgart: Hirzel, 2002. Taschenbuch, 226 Seiten. 7., unveränd. Aufl. Vollmer
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