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Evnine
Simon J. Evnine: Epistemic Dimensions of Personhood
New York, Oxford: Oxford UP, 2008. Gebunden, 176 Seiten – Evnine LinksEvnine Literatur
Das Konzept der Person unterlag seit dem späten Altertum ständigen Wandel. Es ist gut erforscht. Die Erkenntnistheorie ist es nicht minder. Simon Evnine untersucht in Epistemic Dimensions of Personhood die Zusammenhänge.
Dazu klärt er zuerst sein Konzept der Person.
Die Person ist raumzeitlich lokalisiert und kausal wirkungsvoll; begrenzt; hat Begriffe, Glaubensansichten und Überzeugungen; ist handelnd und denkt über ihre und die Überzeugungen anderer nach.
Diese Konzept der Person hat epistemische Konsequenzen. Die Person hat logische Fähigkeiten: sie hat logische Begriffe und kann sie anwenden. Dies untersucht das 2. Kapitel. Dort stellt der Autor auch das wichtige Konjunktionsprinzip in verschiedenen Lesarten vor.
Die allgemeinste ist: Wer von der Aussage p überzeugt ist und gleichzeitig auch von der Aussage q, der glaubt auch (p und q).
Im umfangreichsten, dem 3. Kapitel diskutiert er dieses Konjunktionsprinzip und verteidigt es. Paradoxien der rationalen Akzeptanz, wie das Lotterieparadox, das Vorwortparadox und das Paradox des sich ansammelnden Zweifels werden oft herangezogen, um das Konjunktionsprinzip abzureden oder zumindest abzuschwächen. Ein grosser Verdienst des Autors ist es, dass er hier zahlreiche Einwände fair abwägt und seine Argumente dagegenstellt.
Wenn keine mentale Aufteilung vorliegt (diesem Konzept ist das vierte Kapitel gewidmet) gilt das Konjunktionsprinzip und mit ihm können die genannten Paradoxien aufgelöst werden.
Im fünften Kapitel wird das Reflexionsprinzip beleuchtet. Es ist eine Metaüberzeugung und ein diachronisches Prinzip. Eine Person sollte Vertrauen in sich als künftigen epistemischen Agenten setzen.
Das Prinzip bedeutet, "if one were to come to know one's future beliefs and not learn of any reason why one should not, one should make these beliefs one's current beliefs" (S. 109). An anderer Stelle: "the principle that says, roughly, that if one knew now what one would believe in the future, one ought to believe it now" (Evnine 2007, S. 91).
Im letzten Kapitel diskutiert Evnine das Prinzip der epistemischen Gleichgültigkeit (im Sinne von: Neutralität; "Principle of Epistemic Impartiality"). Man sollte rationalerweise keinem Agenten einen bevorzugten epistemischen Status einräumen, auch sich selbst nicht. Der Autor zeigt die problemtische Seite dieses Prinzips.
Evnine beleuchtet seine Thesen von vielen Seiten, mit pro und contra Argumenten und zahlreichen Beispielen. Dazu bedient sich der Autor einer klaren Sprache, so dass man gut folgen kann. Auch wenn ich mit einigen Thesen nicht einverstanden war – nicht alle Argumente überzeugten –, so zeigte Evnine die Fallstricke, die es zu beachten gilt und die Hauptargumente aus der aktuellen Literatur.
Die Themen bewegen sich zwischen Erkenntnistheorie, Logik, Handlungstheorie und Philosophie des Geistes und mit dem Konzept der Person auch nahe der Ethik. Für alle Studierende dieser Gebiete kann das Buch bestens empfohlen werden. Für Einsteiger in die Philosophie nicht geeignet.
Links
EvnineSimon Evnine, Department of Philosophy, University of Miami
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Evnine Klein, Peter (1981): Certainty: A Refutation of Scepticism
Christensen Bibliografien, Diskussion und Links zur Erkenntnistheorie
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Christensen Lotterie-Paradox und Vorwort Paradox
Christensen Bibliografie zum Lotterie-Paradox und Vorwort Paradox
evnineBesprechungen
Baumann, Peter (2009): "Book Review - Epistemic Dimensions of Personhood, by Simon Evnine". Mind 118, S. 823-827.
Bortolotti, Lisa (2009): "Review of Evnine, Simon J., Epistemic Dimensions of Personhood". Australasian Journal of Philosophy 87:3, S. 349-352.
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Literatur
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