| Markus Patrick Hess: Is Truth the
Primary Epistemic Goal? Frankfurt: Ontos, 2010. Gebunden, 165 Seiten |
| Die offene Frage im Buchtitel ist ungewöhnlich und wird daher vom Autor eigens begründet (S. 7). Sie forderte ihn jeden Tag aufs Neue heraus. Die Beantwortung im gut strukturierten und schlüssig geschriebenen Buch fällt sehr viel überlegter und differnzierter als ein glattes ja / nein aus. Trotzdem kann man sie grob so zusammenfassen: Ja, und die Wahrheit ist sogar das einzige fundamentale epistemische Ziel. Wen diese Antwort verblüfft, der lese das Buch. Meine Besprechung folgt in etwa der Buchgliederung. |
| 1. Einleitung |
| Hess diskutiert die folgenden
Positionen: Pluralismus Es gibt mehrere epistemische Ziele, die nicht (alle) auf Wahrheit zurückzuführen sind. Oder anders formuliert: Es ist nicht der Fall, dass jeder der anderen epistemischen Werte nur einen von Wahrheit abgeleiteten Wert hat (S. 11). Durchgehend unterstellt Hess, dass ein Ziel einen Wert hat. Ich meine, darin ist er semantisch gerechtfertigt. Wenn etwas ein Ziel ist, so will/soll man es erreichen. Damit es einen Wert, egal ob der in Worten formulierbar ist. Im Pluralismus gibt es zwei Unterpositionen bezüglich des wichtigsten der vielen Ziele. Es ist a) die Wahrheit b) nicht die Wahrheit. Diese beiden Unterpositionen sind im allgemeinen erschöpfend, da nur wenige Erkenntnistheoretiker die Wahrheit als epistemisches Ziel völlig ausschließen. Monismus Es gibt nur ein epistemisches Ziel. Wieder gibt es zwei Unterpositionen: a) die Wahrheit b) nicht die Wahrheit. Der Ziele-Monist kann durchaus mehrere epistemische Ziele einräumen, wenn er zusätzlich vertritt, dass alle auf Wahrheit reduzierbar sind. Nicht epistemische Ziele, insbesondere praktischer oder pragmatischer Art, wie Wirkung einer Überzeugung oder Wunschdenken, sind bei der Glaubensbildung oft beteiligt, werden aber bei Hess gemäß seinem Programm allenfalls am Rande erwähnt. Der Autor selbst vertritt einen epistemischen Werte-Monismus (epistemic value monism, veristic unitarianism bei Goldman 2001). ... one can only attain something of epistemic value by attaining tuth. (S. 11) If truth is our primary goal then all other goals have merely instrumental value, insofar as they help to attain that primary goal. (S. 102, Mitte) Dabei hat Hess in dieser These das so ungemein wichtige epistemisch unterschlagen, aber sicher dazu gedacht. Vorstellbare Ziele neben der Wahrheit sind Wissen, Verständnis, Weisheit, Rationalität, Rechtfertigung, Sinngebung und empirisch adäquate Theorien (nach Kvanvig 2005). Hintergrundvoraussetzung der folgenden Überlegungen Die Epistemologie ist normativ, da wichtige Komponenten, wie Rechtfertigung und rationale Überzeugung normativ sind (S. 10). |
| Meno-Problem In Platons Dialog Meno wird diskutiert, welchen Mehrwert Wissen gegenüber wahren Glauben hat. Es wird unterstellt, dass es diesen Wert gibt und dass es nicht nur ein praktischer Wert ist. Auch die epistemischen Subjekte selbst ziehen Wissen dem wahren Glauben vor. Verschärft wird das Meno-Problem zum Einwand des dualen Werts: Wissen hat einen zusätzlichen epistemischen Wert gegenüber wahrem Glauben. Dazu behandelt Hess im 7. Kapitel The Value of Knowledge zwei Positionen: 1) Revisionismus: Wissen kann kein epistemisches Ziel sein: Positionen von Marian David, Mark Kaplan und Sartwell. AnmerkungUnsere starke Intuition gegenüber glücklich zustande gekommenen wahren Glauben wir gestehen dafür kein Wissen zu resultiert aus dem Meno-Problem. Wir erwarten eine Rechtfertigung, etwas über den wahren Glauben hinaus. Man daher auch berechtigt zwischen perspektivischen und objektiven Wissen unterscheiden (Ernst 2002). 2) Einwand des dualen Werts: Hat Wissen einen eigenen (intrinsischen) epistemischen Wert? Hierzu diskutiert der Autor Positionen von Wayne Riggs, Jonathan Kvanvig, Ernest Sosa, John Greco, Duncan Pritchard, Matt Weiner u.a. Seine Folgerung: Wissen hat keinen über die Wahrheit hinausgehenden Wert, der nicht instrumentell für Wahrheit ist. |
| 2. Wahrheit ist kein epistemisches Ziel |
| Nur wenige Epistemologen
schließen Wahrheit als epistemisches Ziel aus. Dazu gehören Richard Rorty und Donald
Davidson. Ihre Einwände behandelt Hess im 2. Kapitel.
Für Rorty scheinen die zwei Punkte, die ich zum Meno-Poblem anführte (Kein Sinn für Wahrheit ud die Unentscheidbarkeit der Wahrheit) die Gründe zu sein, darauf gleich zu verzichten (S. 26). Ähnlich argumentiert Mark Kaplan in anderem Zusammenhang (S. 123). Da wir in vielen Fällen nur gerechtfertigte wahre Überzeugungen erreichen, sollten wir uns damit zufrieden geben und auf Wissen verzichten. Rorty formuliert es prägnant so: If I have concrete, specific doubts about whether one of my beliefs is true, I can only resolve those doubts by asking if it is adequately justified by finding and assessing additional reasons pro and con. I cannot bypass justification and confine my attention to truth. Assessment of truth and assessment of justification are, when the question is about what I should believe now, [...] the same activity. (Rorty 1995, S. 281; zitiert S. 27)Da also Wahrheit und Rechtfertigung in ihrer Bewertung ununterscheidbar sind, Wahrheit aber nicht erzielbar, kann man gleich die Rechtfertigung als das epistemische Ziel verankern. AnmerkungÄhnlich wie Rorty argumentiert auch Davidson: But I do not find it adds anything to say that truth can be a goal of science or anything else. We do not aim at truth, but at honest justification. (Davidson 1998, S. 461; zitiert S. 30) since it [truth] is neither visible as a target nor reognizable when achieved, there is no point in calling truth a goal. [...] Form the fact that we will never be able to tell for certain which of our beliefs are trut, pragmatics conclude that we may as well identify our best researched, most successful beliefs with the true ones, and give up the idea of objectivity. (Davidson 2005, S. 6-7; zitiert S. 30) AnmerkungIch pflichte der Entgegnung Hess' bei: Wahrheit bleibt ein wichtiges epistemisches Ziel. Man kann sie als regulatives Ideal auffassen (S. 34-37). |
| 3. Der Wert der Wahrheit |
| Nicht alle Wahrheiten sind
erstrebenswert. Triviale Wahrheiten erscheinen eine
Zeitverschwendung. Hierzu unterstellt Hess, dass menschliche Agenten unterscheiden können, was für sie relevant ist und was nicht (S. 42). These zum Wert der Wahrheit (VT) True belief acquired cost-free is always beneficial for human decision-making (S. 41). Epistemologen unterstellen, dass die Glaubensaneignung kostenfrei erfolgt. Diese Haltung macht sich auch Hess zu eigen. Kritischer zur (VT)-These ist, dass sie zu grosszügig triviale Aussagen einschließt. Hess eliminiert dies wie oben erwähnt: menschliche Agenten können unterscheiden, was für sie relevant ist und was nicht. Wahrer Glauben ist stets nützlich für unsere Entscheidungen; wenn nicht unmittelbar, dann für künftige. Das (vorläufige) Resümee zu (VT) Try to have at all times an accurate and comprehensive belief system, because you can never predict the complete contour of all situations for which you imagine your practical goals, and hence, you can't predict which items in your belief system might turn out to be profitable (S. 51). As long as there is no overriding personal or moral reason for not seeking the truth, we like to think that the truth itself provides us with a sufficient reason to seek for it (S. 52).Mit scheint die 2. Aussage zielt bereits auf einen intrinsischen Wert der Wahrheit (abgesehen vom praktischen in der 1. Aussage). Der intrinsische Wert der Wahrheit ergibt sich aus des Agenten unmittelbaren Verlangen, Sehnsucht und Sorge um die Wahrheit (S. 54). Hess diskutiert 3 Argumente für den intrinsischen Wert der Wahrheit a) Verlangen nach Wahrheit b) Neugierig auf Wahrheit c) Wahrheit ist ein grundlegendes Gut Er verwirft alle drei Argumente. Zu a): Wert und Verlangen fallen oftz auseinander; daher sollte man nicht annehmen, dass, wenn es einen Wert gibt, dann muss es ein Verlangen danach geben. Diese Argument leuchtet nicht ganz ein. Zu b): das würde so Hess die trivialen Wahrheiten einschließen; daher ist b) zu verwerfen. Das leuchtet mir ebenfalls nicht ein. Neugierde muss ja nicht uneingeschränkt gelten. Ich will nicht wissen, wieviel Grashalme am Fussballplatz in Kircheiselfing sind, auch wenn ich dazu nur einen Zettel umdrehen müßte. AnmerkungZwingender scheint mir die Zusammenfassung der Ablehnung zu sein. All three arguments have one deficit in common: Truth is an intrinsic good concerning the epistemic value domain, but all three arguments attempt to locate the intrinsic value of truth outside of the epistemic value domain (S. 62). AnmerkungPrimitivismus zum Wert der Wahrheit Es gibt einen intrinsischen Wert der Wahrheit, der aber nicht weiter analysierbar ist. Das zeigt, dass wir das Ende der Wertehierarchie erreicht haben. Methodologisch erscheint Hess das nicht attraktiv, da man das, was man erklären will, nicht mehr analysiert (S. 62). Anmerkung |
| 4. Anforderung zum Ziel der Wahrheit |
| Die traditionelle Sicht sieht das
epistemische Ziel der rationalen Überzeugungen zweiteilig: Glaube alles,
was wahr ist und vermeide alles, was falsch ist. Hess zeigt, dass diese traditionelle Sicht verfehlt ist. Die traditionelle Sicht sagt nichts zur Relevanz der (wahren) Aussagen. Daher ist sie unvollständig. Die traditionelle Sicht geht davon aus, dass Erweiterungen des Glaubenssystems immer mit einem Risiko verbunden sind und somit das zweite Teilziel torpedieren. Dazu gibt Hess ein Gegenbeispiel. Ein weiteres wäre die Erweiterung durch Konjunktion. AnmerkungAuch beim 2. Teilziel gibt es Probleme: nicht alle falschen Überzeugungen sind ernstliche Mängel. Kurzum: alle wahren Aussagen zu glauben und alle falschen zu vermeiden und die Angst, dass mit all den wahren sich eine falsche einschleicht, gibt nicht das wahre Bild wieder. Das Risiko bei der Erweiterung unseres Glaubenssystems hängt ab vom Grad der Zuverlässigkeit der Quelle/Methode mit das Glaubenssystem erweitert wird (S. 67). Z.B. ist eine Konjunktion mit einer bereits geglaubten Aussage problemlos einzufügen. Hess schlägt daher das folgende Ziel vor: (TS) Concerning all propositions p, S believes the proposition p if p is true and significant, and S believes p only if p is true (S. 73). Balancing the traditional requirements (S. 74ff) Wayne Riggs geht einen von (TS) abweichenden Weg um die traditionelle Sicht zu verbessern. (RST) Any theory of epistemic justification and knowledge needs to spell out the weighting issue between the requirement of avoiding error and the requirement of believing the truth with respect to the varying degree of justification.Im Grunde geht es um die Einführung eines Schwellwerts der Rechtfertigung. Mit den Worten das Autors: the weighting issue concerns the situations where the balance between the requirements of believing the truth and avoiding error depends on how we adjust the standards of epistemic justification. If we have high standards for epistemic justification, for instance, we will stoke fear of believing falsehoods and make the avoiding-error requirement dominant over believing truth.With somewhat lower standards of epistemic justification we lessen the need for weighing the two requirements. (S. 74-75).Riggs führt zur Untermauerung ein Beispiel aus der Wirtschaft an (Riggs 2003a, S. 343-345; zitiert S. 75ff). Zwei Fabriken einer Firma sollen im nächsten Jahr soviele Geräte wie möglich produzieren. Es dürfen keine defekten Geräte auf den Markt kommen: das wäre ruf- und geschäftsschädigend. Die beiden Ziele widersprechen sich. Die Fabrik A legt Priorität auf Ziel 1 und produziert viel, darunter auch defekte Geräte. Die Fabrik B legt Priorität auf Ziel 2 und produziert nur 1 Gerät, das aber picobello. Die Anordnung ähnelt dem Lotterieparadox ( Hess fasst zusammen: Wahres zu glauben hat Vorrang vor Fehlervermeidung (S. 78). |
| 5. Der Vorrang des Ziels der Wahrheit |
| Manchen Überzeugungen wird epistemischer Wert zugesprochen, obwohl sie nicht wahr sind. Wenn das stimmt, gäbe es ein zweites epistemisches Ziel neben der Wahrheit. Der epistemische Wertemonismus wäre widerlegt. Dazu benötigt der Angreifer nur ein passendes Beispiel. Es müßte erkennbaren kognitiven Vorteil zeigen, der unabhängig von der Wahrheit ist. Hess unterstellt hier, dass prima facie der Wertemonismus zutrifft. Die Last des Beweises liegt bei der Gegenseite. Er diskutiert drei Fälle a)Der Wert des Verständnisses b)Der böse Dämon Fall c)Empirisch adäquate Überzeugungen Zu a) Der Wert des Verständnisses These: Das Verständnis des Zusammenhangs ist ein eigenständiger epistemischer Wert. Dazu weist Hess nach, dass Verständnis nur dann wertvoll ist, wenn es auf Wahrheit beruht. Damit kann es nicht als eigenständiger epistemischer Wert neben der Wahrheit reklamiert werden. Zu b) Der böse / gute Dämon Fall soll zeigen, dass es verantwortliche epistemische Agenten gibt, die von der Wahrheit abgetrennt sind. Wie oft bei den konstruierten Fällen, ist auch dieser stark diskutierbar. Es wird unterschieden zwischen a)einem bösen Dämon, der alle Überzeugungen des Subjekts falsch macht. Nur die internen Einstellungen des Subjekts bleiben vom Dämon unbeeinflusst. b)einem guten Dämon, der alle Überzeugungen des Subjekts egal ob epistemisch verantwortlich oder unverantwortlich gewonnen wahr macht. Die Intuition soll so das Ziel dieses Gedankenexperiments zeigen, dass wir das epistemische Subjekt im Fall a) bevorzugen. Damit geben wir der verantwortlichen Überzeugungsgewinnung Vorrang vor der Wahrheit. Hess diskutiert, wie es zu Fall a) kommen kann. Das Subjekt war zuerst in einer normalen Welt und übernahm die dort epistemisch verantwortlich gewonnenen Methoden der Glaubensaneignung. Hess' Einwand hierzu (er will ja die Wahrheitsverbindung retten) scheint zu sein, dass das epistemisch verantwortliche Subjekt immer noch mit der Wahrheit verbunden ist, aber nur Pech hat, dass jetzt ein böser Dämon diese Verbindung systematisch zerstört. Anmerkung Ich meine, im Fall a) müßte das Subjekt merken, dass die ehemals erfolgreichen Methoden nun nichts mehr taugen und sie verwerfen und so will es das Gedankenexperiment immer wieder verwerfen. Das wäre dann epistemisch verantwortlich mit Blick auf die Vermeidung falscher Überzeugungen (was leider nie gelingt). Im Fall b) ist es epistemisch verantwortlich seine Überzeugung irgendwie zu bilden: sie werden immer wahr. Wenn wir entdecken, dass eine bestimmte Art des Kaffeesatzlesens immer zur Wahrheit führt, dann ist dies halt eine epistemisch verantwortliche Methode, die immer erfolgreich ist. Der Kaffeesatzleser handelt epistemisch verantwortlich. Hess bringt noch andere Varianten in die Diskussion. Letzlich weist er dass Böse-Dämon-Argument zurück. Es kann nicht wirklich glaubhaft machen, das es epistemische Ziele abgekoppelt und unabhängig von der Wahrheit gibt. Zu c) Empirisch adäquate Überzeugungen Van Fraassen schlug vor, dass für die Akzeptanz einer Theorie nicht die Wahrheit auschlaggebend ist (sie ist eh nicht feststellbar), sondern die empirische Adäquatheit. Kvanvig zieht die Analogie zur Akzeptanz einer Aussage. Er vertritt dazu einen Monismus in which inquiry is always ultimately aimed at empirical adequacy (S. 97). Er ersetzt also den Monismus bezüglich Wahrheit mit einen Monismus der empirischen Adäquatheit. Um en Monismus der empirischen Adäquatheit zu Fall zu bringen, genügt ein Gegenbeispiel. Hess führt eine mathematische Wahrheit an. Damit hat er nur den Monismus der empirischen Adäquatheit widerlegt, offen bleibt ein Pluralismus mit der empirischen Adäquatheit als ein Ziel (ein Wert) unter mehreren. Hess behandelt den Pluralismus (wenn auch nicht mehr mit der empirischen Adäquatheit im Fokus) im nächsten Abschnitt. Fazit: solange es um einen epistemische Aktion geht, ist Wahrheit das Ziel. |
| 6. Alternativer Monismus |
| Es bleibt noch der Einwand, der an die
Stelle von Wahrheit ein anderes erstes epistemisches Ziel setzt. Er geht wie
folgt vor: Ein epistemisches Subjekt, das eine gerechtfertigte Überzeugung akzeptiert hat bereits ein epistemisches Ziel erreicht. Wenn man also seinen Glauben in rationaler (=verantwortlicher) Weise erwirbt, hat man bereits ein Ziel erreicht, das nicht die Wahrheit ist. Der alternative Monismus behauptet zudem, dass die Wahrheit (sofern sie im Ziel-Wertekatalog verbleibt) dem ersten Ziel dient, also nur instrumental als Ziel zu sehen ist. Als Kandidaten für den alternativen Monismus nennt Hess mehrere: reasonably belief (Chisholm, S. 103) justified belief (Goldman, S. 102; These V2, S. 103) rationally belief (Minimal epistemic goal, S. 104) Bei der Erläuterung zum Minimal epistemic goal ist unklar, was Hess hiermit meint: I call it minimal in the sense that it is more fundamental than the truth goal (S. 104). Fundamental bedeutet für Hess, dass die anderen Ziele vom fundamentalen ableitbar oder auf dieses reduzierbar sind. Unklar ist 1) was dabei mehr sein soll; besonders auch im Vergleich des Ziels des alternativen Monisten zum Wahrheitsmonisten. 2) wie die abschließenden Bemerkungen in diesem Abschnitt (S. 104) zu verstehen sind. Dazu diskutiert Hess zwei Positionen. a) Evidentialismus (evidential standard) Conee, Feldman Ein Subjekt handelt verantwortlich, wenn es seinen Glauben nach den verfügbaren Gründen und Belegen richtet. Dies wird am überzeugendsten hiermit begründet: I don't see anything epistemically good about the person who irrationally gets true belief (Feldman 2004, S. 186; zitiert S. 106). Das leuchtet prima facie ein. Das Glück oder gar Irrationalität sollte bei der Glaubensgewinnung keine Rolle spielen. Anmerkungb) Egozentrischer Rationalitätsstandard (egocentrical-rationality standard) Foley Ein Agent handelt verantwortlich, wenn es seinen Glauben gemäß seinem eigenen intellektuellen Standard ausrichtet. Die Ziele des alternativen Monismus (siehe obige Liste) sind wirkungsvoller erreichbar, direkt kontrollierbar, für das Subjekt zugänglich. Wenn dies eine Begründung für das alternative monistische Ziel sein soll, dann gilt wieder der Einwand: die Erreichbarkeit eines Ziels sollte nicht die Zielwahl aus epistemischer Sicht beeinflussen; sie kann zur Zielwahl aus pragmatischen oder praktischen Gründen dienen. Die Argumentation wäre dann etwa so: Das Ziel der Wahrheit ist nicht überprüfbar erreichbar, daher nehmen wir eins aus obiger Liste. Dieses Argument wäre Wasser auf die Mühlen des Wahrheitsmonisten. AnmerkungHess fasst zusammen: Was immer die Wahrheit ist, es ist vernünftig wahre Überzeugungen zu haben. Solange unklar ist, ob eine Aussage wahr ist, ist es vernünftig sich des Urteils zu enthalten und gegebenenfalls neue Belege abzuwarten oder zu suchen. Wahrheit ist so fundmanetal, dass es nicht durch ein anderes epistemisches Ziel ersetzt werden kann (S. 11, S. 116, S. 117). |
| 7. Der Wert des Wissens |
| Siehe dazu die Anmerkungen oben unter
|
| 8. Folgerung |
| Im achten Kapitel fasst der Autor seinen Gedankengang kurz zusammen und folgert: Wahrheit ist ein epistemisches Ziel und sie ist wertvoll. Alle anderen epistemischen (!) Ziele dienen dem Wahrheitsziel. |
| 9. Anhang: Überwindung des Problems des epistemischen Relativismus |
Unter epistemischen Relativismus
versteht Hess die These, dass man letztlich nicht entscheiden kann, welche
Standards der Rechtfertigung besser sind. Er verdeutlicht es aus einem Wunder
in der Bibel. Der wissenschaftliche Leser wird es nicht für wahr halten;
der Bibeltreue wird es für wahr halten, da er die Bibel als
verläßliche Quelle ansieht. Das Problem des epistemischen
Relativismus entsteht durch das folgende Argument:
Anmerkung |
| Allgemeines |
| Indices fehlen bedauerlicherweise. Als
ich die Verwendungsweise von fundamental nachlesen wollte, suchte
ich lange. Sie wird in der Einleitung diskutiert (S. 10) und nochmals (S. 104)
und abermals am Ende des 7. Kapitels (S. 137). Fundamental ist ein Ziel, wenn
die anderen Ziele davon ableitbar oder darauf zurückführbar
sind. Einige Druckfehler trüben den guten Gesamteindruck nicht. |
| Wie man der
ausführlichen Besprechung entnimmt: Markus Patrick Hess hat ein sehr
lesenswertes, kompaktes Werk zu einem derzeit heiß diskutierten Thema
(siehe |
| Links |
| Literatur |
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