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Haack
Susan Haack: Evidence and Inquiry: A Pragmatist Reconstruction of Epistemology
Amherst, New York: Prometheus Books, 2009. Broschiert, 425 Seiten [1. Ausgabe 1993] – Haack LinksHaack Literatur
Die Diskussion um die richtige Definition des Begriffs „Wissen“ nahm in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ungeheure Ausmasse an und verrannte sich in immer verzweigtere Bedingungen durch immer neue Varianten von Scheunenattrappen und Bücher stehlende Zwillinge. Susan Haack sagt in Evidence and Inquiry: A Pragmatist Reconstruction of Epistemology: „Haltet ein!“ Das eigentliche Problem ist die Rechtfertigung. Sie ist graduell, das Wissen jedoch einen ja/nein- Angelegenheit. Das scheint nur schwer überbrückbar, wie gleich noch ausgeführt wird.
An vielen Stellen in diesem reichhaltigen Werk versucht Haack die konträren Positionen auf einen vernünftigen Mittelweg zu bringen. In der Zuspitzung der Wissensexplikation in Fundamentalismus und Kohärentismus plädiert sie für einen Mittelweg, den „Foundherentism“ (siehe Links). Das veranschaulicht sie mit dem Lösen eines Kreuzworträtsels.
Diese Argumentation rannte bei mir offene Türen ein. Allerdings habe ich auch vorher schon einige Epistemologen so gelesen, dass der Fundamentalismus nicht nur baumartig zu verstehen ist. Wenn es überhaupt basale Überzeugungen gibt wird diese Wissenstheorie als fundamentalistisch eingeordnet. Das schließt nicht aus, dass die Überzeugungen sich auch untereinander stützen.
Susan Haack wendet sich im Weiteren sowohl gegen den strengen Fallibilismus Karl Poppers (und auch gegen dessen Induktionsverweigerung) als auch gegen die rigorosen Pragmatismus Richard Rortys.
Zur graduellen Rechtfertigung vertritt Haack die These, dass man daraus keine lineare Ordnung der Überzeugungen einer Person ableiten kann. Deshalb hält sie auch nichts vom weitergehenden Vorschlag, die Glaubensgrade auf Wahrscheinlichkeiten abzubilden.
In der Beziehung zwischen Rechtfertigung und Wissen sieht sie das folgende Dilemma: man kann den für Wissen nötigen Grad an Rechtfertigung nicht hoch genug setzen um alle Gettierfälle auszuschließen. Das heißt, wenn es beim Rechtfertigungsgrad eine Lücke zur Gewissheit gibt, kann man immer Fälle konstruieren, die intuitiv nicht als Wissen durchgehen oder die für das epistemische Glück anfällig sind. Setzt man den Grad aber zu nahe oder gleich mit Gewissheit führt das zum Skeptizismus: man weiß nichts.
Dem Hauptteil des sehr aufschlussreichen Werks sind vier Essays der Autorin beigefügt, die zeiltweise bislang unveröffentlich waren. Davon möchte ich den ersten „»Know« Is Just a Four-Letter Word“ hervorheben.
Auch wenn man Susan Haack nicht in allen Punkten folgt ist dieses Buch für alle an der aktuellen Wissensdiskussion Interessierten sehr zu empfehlen.
Links
Susan Haack: HaackSummary BioHaackPhilosophy Department, University of MiamiHaackWikipedia
HaackCoherentist Theories of Epistemic Justification
HaackFoundherentism
HaackNaturalized Epistemology
Haack Karl Popper
HaackRichard Rorty
HaackKelley L. Ross: „Evidence and Inquiry, Towards Reconstruction in Epistemology, by Susan Haack, Basil Blackwell, 1993“
Literatur
Bonjour, Laurence (1997): "Haack on Justification and Experience". Synthese 112, S. 13-23.
Cargile, James (1996): "Evidence and Inquiry by Susan Haack". Philosophy and Phenomenological Research 56:3, S. 621-625.
Grundmann, Thomas (1997): "Neuere Tendenzen in der Analytischen Erkenntnistheorie". Zeitschrift für philosophische Forschung 51:4, S. 627-648.
Haack, Susan (1993): "Double-Aspect Foundherentism: A New Theory of Empirical Justification". Philosophy and Phenomenological Research 53.1, S. 113-128.
Haack, Susan (1997): "Precis of Evidence and Inquiry: Towards Reconstrution in Epistemology". Synthese 112, S. 7-11.
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Haack HaackSusan Haack: Evidence and Inquiry: A Pragmatist Reconstruction of Epistemology. Amherst, New York: Prometheus Books, 2009. Broschiert, 425 Seiten Haack
Susan Haack: Evidence and Inquiry. Towards Reconstruction in Epistemology. Wiley, 1994. Taschenbuch, 272 Seiten Haack
Haack Anfang

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 22.8.2010