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Foley
Richard Foley: When Is True Belief Knowledge?
Princeton, Oxford: Princeton UP, 2012. Gebunden, 153 Seiten – Foley LinksFoley Literatur
Eine Kernfrage der Erkenntnistheorie ist: „Was ist Wissen?” Die erste Antwort: „gerechtfertigte wahre Überzeugung” überzeugte nicht ganz. Deshalb qualifizierte man die Rechtfertigung oder forderte eine vierte Bedingung: nicht entwertbare Rechtfertigung ist dafür ein Beispiel. Oder man ging völlig neue Wege und legte beispielsweise Wert auf die Verläßlichkeit der Methode, die zur Überzeugung führt.
Richard Foley, Professor der Philosophie an der New York University, engt in seiner ausgezeichneten Monografie die Frage auf „Wann ist eine wahre Überzeugung Wissen?” ein. Diese Beschränkung auf wahre Überzeugungen ist statthaft, da nahezu alle Erkenntnistheoretiker wahre Überzeugung als Minimalkonsens für Wissensansprüche ansehen.
In 27 kurzen Kapiteln legt Foley seine Position dar und begründet sie:
 1: An Observation
 2: Post-Gettier Accounts of Knowledge
 3: Knowledge Stories
 4: Intuitions about Knowledge
 5: Important Truths
 6: Maximally Accurate and Comprehensive Beliefs
 7: The Beetle in the Box
 8: Knowledge Blocks
 9: The Theory of Knowledge and Theory of Justified Belief
10: The Value of True Belief
11: The Value of Knowledge
12: The Lottery and Preface
13: Reverse Lottery Stories
14: Lucky Knowledge
15: Closure and Skepticism
16: Disjunctions
17: Fixedness and Knowledge
18: Instability and Knowledge
19: Misleading Defeaters
20: Believing That I Don't Know
21: Introspective Knowledge
22: Perceptual Knowledge
23: A Priori Knowledge
24: Collective Knowledge
25: A Look Back
26: Epistemology within a General Theory of Rationality
27: The Core Concepts of Epistemology
Die Antwort Foleys auf die Frage: „Wann ist eine wahre Überzeugung Wissen?” läßt nicht lange auf sich warten: das erkennende Subjekt S hat Wissen von der Aussage p, wenn p wahr ist, S von p überzeugt ist und S keine wichtige Lücke in den Informationen hat, die für p relevant sind (S. 5, ..., S. 51, ..., S. 136).
Foley wendet seine Position auf zahlreiche der üblichen Gedankenexperimente der Erkenntnistheorie an, die für oder wider bestimmte Positionen durchgespielt werden.
Nehmen wir die Fahrt durch den Landstrich mit Scheunen (Goldman 1976 u.v.a.). Barney fährt mit dem Auto durch eine Landschaft mit Scheunen. Er sieht klar und deutlich eine Scheune am Strassenrand und kommt zur Überzeugung: „Dort steht eine Scheune”. Man wird ihm Wissen zugestehen. Doch ohne dass es Barney ahnt: hier wird gerade ein Film gedreht und es handelt sich lediglich um Scheunenattrappen. Nur eine Scheune (in der die Filmmannschaft und die Geräte untergebracht sind) ist echt und genau diese sah Barney. Hat man die wichtigen Zusatzinformationen (und Barney hat sie nicht) wird man ihm kein Wissen mehr zugestehen. Seine wahre Überzeugung kam glücklich zustande.
Doch Foley greift nicht aufs Glück, Zufall oder Intuition zurück, um die Verneinung von Wissen zu begründen, sondern konstatiert, dass Barney wichtige Informationen im Umfeld seiner Wahrnehmung fehlen: er weiß weder, dass hier viele Scheunenattrappen aufgestellt sind, noch weiß er, dass die eine Scheune eine echte ist.
Wie man am Inhaltsverzeichnis sieht, läßt Foley keine der brennenden Fragenkomplexe im Zusammenhang mit Überzeugung und Wissen aus. Kurz behandelt der Autor die alternativen Positionen (Rechtfertigungspositionen, Verläßlichkeit, Wahrheitsverfolgung) und viele der im Laufe der Zeit vorgebrachten Gedankenexperimente, die die Intuition für oder wider Wissensanspruch hervorrufen. Das Werk kann daher auch gut als Einführung in die zeitgenössische Diskussion über Skeptik, Wertproblem des Wissens, Geschlossenheitsprinzip, Lotterie– und Vorwortparadox, Apriori-Wissen, Gettier-Fälle, Rationalität usw. dienen.
Foley versteht es die diffizilen Probleme dem Leser klar zu übermitteln und den Zusammenhang mit seiner Position klarzustellen. Die Kürze der 27 Kapitel ist einerseits vorteilhaft, weil man nicht durch lange Ausführungen vom Kern abgelenkt wird, andrerseits kann Foley manche Punkte nicht vertiefen.
Es ist – um beim Scheunenbeispiel zu bleiben – nicht klar, warum nicht jeder, der Scheunen sieht, als wichtige Information wissen muss, dass er gerade nicht durch den Attrappenlandstrich fährt. Auch das Wissen um den nicht bestehenden Sachverhalt ist doch wohl wichtig. Wann also eine Information wichtig und relevant ist, ist nur schwer entscheidbar. Foley unterscheidet lokales, globales und blindes Glück (S. 83). Da hätte ich mir Genaueres erwartet; ähnlich zu den „misleading defeaters” (S. 95 ff).
Clayton Littlejohn bezeichnet in seiner Notre Dame Review Foleys Position als völlig neu. Das stimmt in einer Hinsicht, in einer anderen nicht. Sie ist neu, da so noch nie die Frage „Wann ist eine wahre Überzeugung Wissen?” beantwortet wurde. Zu kurz kommt der Gedanke, dass die Antwort im Grunde eine Rechtfertigungsposition ist: alle wichtigen und relevanten Informationen zu einer Aussage p dienen als Rechtfertigung für p.
Ob eine wahre Überzeugung als Wissen durchgeht hängt von der Wichtigkeit der dazu relevanten Information, die jemand hat oder nicht hat, ab. Diese glasklare Antwort führt Richard Foley in dichter Diskussion aus. Auch wer nicht völlig von Foleys Antwort überzeugt wird, profitiert von der Lektüre, da alle wichtigen Punkte der gegenwärtigen Diskussion um den individuellen Wissensanspruch angesprochen werden.
Links
foleyRichard Foley: Professor of Philosophy, New York University
FoleyWhen Is True Belief Knowledge? Richard Foley @ Princeton UP
FoleyReviewed by Clayton Littlejohn, King's College, London, Notre Dame Reviews
FoleyRichard Foley, New York University: "An Epistemology That Matters", (pdf)
FoleyRichard Foley: "Justified Belief As Responsible Belief", (pdf)
FoleyRichard Foley: "What's Wrong With Reliabilism?" (pdf)
Foley Richard Foley: Working Without a Net: A Study of Egocentric Epistemology
Foley Lotterie-Paradox und Vorwort-Paradox
Foley Rezensionen zur Erkenntnistheorie
Literatur
Goldman, Alvin I. (1976): „Discrimination and Perceptual Knowledge”. The Journal of Philosophy 73:20, S. 771-791.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 16.12.2012