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Spohn
Wolfgang Spohn: The Laws of Belief: Ranking Theory and Its Philosophical Applications
Oxford: Oxford UP, 2012. Gebunden, 598 Seiten – Wolfgang LinksWolfgang Literatur
Wolfgang Spohn forscht seit Jahren auf den Gebieten der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Er behauptet mit der Rangtheorie schlankweg die Gesetze für Überzeugungen und Überzeugungsänderungen gefunden zu haben. Das erscheint kühn.
Diese Hauptfelder werden in The Laws of Belief behandelt:
  • Theorie der Überzeugungen und der Glaubensgrade
  • Deduktion / Induktion
  • Änderungen von Überzeugungen
Der Autor stellt dazu die Rangtheorie umfassend und mit hohem formalen Aufwand (Logik, Mengenlehre, Wahrscheinlichkeitstheorie) präzise vor. Spohn sieht die Rangtheorie als Teil der Baconschen Wahrscheinlichkeitstheorie (nach Jonathan Cohen), als einzige ihrer Art auf Augenhöhe mit der Pascalschen Wahrscheinlichkeitstheorie.
Wolfgang Spohn bietet den umfangreichen Stoff aus der formalen Philoophie in 17 Kapiteln dar.
Nach Kapiteln einführender Art wird die Rangtheorie präsentiert, mit konkurrierenden Ansätzen verglichen und in den letzten sechs Kapiteln ihre Anwendung  in der Wissenschaftstheorie, Kausalität und der Erkenntnistheorie diskutiert.
Das Kapitel 3 widmet sich der wahrscheinlichkeitstheoretischen Behandlung von Überzeugungssystemen inklusive der Änderung von Überzeugungen. Warum genügt die Wahrscheinlichkeitstheorie nicht? Das Lotterieparadox zeigt – so Spohn –, dass subjektive Wahrscheinlichkeiten nicht geeignet sind die auftretenden Probleme zu lösen. Die Sicherheit von Überzeugungen ist immer vage und kontextabhängig. Wahrscheinlichkeiten <1 können zu absurden Ergebnissen führen. Überzeugungen mit einer subjektiven Wahrscheinlichkeit haben zudem ein Problem mit der Wahrheit. Wissen – ein zentraler Begriff der Erkenntnistheorie – ist aber wahre Überzeugung (und weitere Bedingungen). Mit der rein wahrscheinlichkeitstheoretischen Auffassung von Überzeugungen gerät man also in Schwierigkeiten und läuft gar in Widersprüche (S. 44).
Im Kapitel 4 bespricht Spohn dann folgerichtig andere Standardmethoden, insbesondere für Überzeugungsänderungen. Zwei Anforderung an Überzeugungssysteme sieht Spohn als unaufgebbar an:
  1. Konsistenz
  2. Deduktive Geschlossenheit
Spohn bezeichnet die beiden Forderungen als Gesetze für rationale Überzeugungsmengen (S. 47).
Demzufolge entwickelt er die Rangtheorie, die sich strikt an diese Forderungen hält und innerhalb der wahre Überzeugungen möglich sind. Sie meistert zudem die Dynamik und hier besonders die heikle mehrfache Kontraktion von Überzeugungsmengen. Darüber hinaus bietet die Rangtheorie einen neuen Lösungsansatz für das Problem der Induktion. Sie schlägt damit eine Brücke zwischen Überzeugungen in Glaubensgraden (z.B. repräsentiert in subjektiven Wahrscheinlichkeiten) und glattem Für-wahr-halten, der üblichen Auffassung von Überzeugungen.
Zwar wird das Studium der Rangtheorie im vorliegenden Werk hauptsächlich Experten ansprechen. Durch mehr konkrete Beispiele würde sich der Stoff aber auch für interessierte Forscher aus anderen Disziplinen besser erschließen. Den wenigen Beispiele im 6. Kapitel hätten weitere folgen können oder gleich ein Abschnitt mit Beispielen wie im Kapitel 14 "Causation". Bei aller Umsicht unterliefen doch Fehler. So fehlt gleich die allererste Literaturangabe „Spohn 2005c” (S. xiii) im Literaturverzeichnis.
Die Rangtheorie ist nicht der einzige Ansatz, der eine Brücke zwischen  Glaubensgraden und dem Für-wahr-halten schlägt. Neben der AGM-Theorie für Überzeugungssysteme und deren Änderungen wurden gerade in jüngster Zeit weitere Ansätze präsentiert, auf die der Autor nur kanpp eingeht (Leitgeb 2010).
Nach Spohn beschäftigt sich die Philosophie zu sehr mit eingebildeten, ausgedachten Theorien. Spohn will sich einer aktualen, das ist wohl einer in der Wirklichkeit vorhandenen Theorie widmen (S. 8). Ob er diesenAnspruch erfüllt hat bezweifle ich. Die zugrunde liegenden Phänomene sind zu komplex, dass man von den Gesetzen der Überzeugungen sprechen kann.
Die Entwicklung der Rangtheorie durch Wolfgang Spohn durch die letzten Jahrzehnte wurde auch in der angelsächsischen akademischen Welt aufmerksam verfolgt. Das ist bemerkenswert.  Dazu trug Spohn 1988 stark bei.
Für die Erforschung der Rangtheorie und ihren umfassenden Präsentation in The Laws of Belief wurde der Autor von der London School of Economics und der Latsis Foundation mit dem Lakatos-Preis 2012 ausgezeichnet.
The Laws of Belief gibt für Spezialisten der Theorie von Überzeugungen und der Glaubensgrade, die den Formalismus beherrschen, eine detaillierte Einführung in einen hoch interessanten formalen Ansatz. Ob sich einer der konkurrierenden Ansätze durchsetzen wird, wird die Zukunft zeigen.
Links
SpohnSpohn, Wolfgang
SpohnProf. Dr. Wolfgang Spohn erhält den Lakatos-Preis für Wissenschaftsphilosophie, 7.1.2013
SpohnFormal epistemology
SpohnAbstract
SpohnBayesian inference
SpohnFormal Representations of Belief
SpohnLaws: A Ranking Theoretic Account (pdf)
SpohnDynamics of Belief and its Logic
RottHans Rott: Die Gesetze des Glaubens
Spohn Bibliografie zum Lotterie-Paradox und Vorwort-Paradox
Spohn Wolfgang Spohn, Peter Schroeder-Heister, Erik J. Olsson, Hg.: Logik in der Philosophie
Literatur
Baron, Richard (2013): „The Laws of Belief by Wolfgang Spohn. Richard Baron forms some beliefs about Wolfgang Spohn’s book”. Philosophy Now 94 – Spohnonline
Bartelborth, Thomas (2013): „Wolfgang Spohns Opus Magnum”. Information Philosophie 1. S. 70-72
Halpern, Joseph Y. (2005): Reasoning about Uncertainty. Cambridge, Mass., London: The MIT Press.
Huber, Franz, Christoph Schmidt-Petri, Hg. (2009): Degrees of Belief. Berlin, Heidelberg: Springer.
Huber, Franz (2012): „Review: The Laws of Belief”. Philosophy of Science 79:4. S. 584-588
Spohnonline
Leitgeb, Hannes (2010): “Reducing Belief Simpliciter to Degrees of Belief” – online: paradox 1paradox2
Spohn, Wolfgang (1988): „Ordinal conditional functions: A dynamic theory of epistemic states”. In: William L. Harper, Hg.: Causation in Decision, Belief Change, and Statistics. Dordrecht: Kluwer, 1988, S. 105-134 (Proceedings of the Irvine Conference on Probability and Causation 2). SpohnOnline verfügbar
Spohn, Wolfgang (2009): „A Survey of Ranking Theory”. In: Huber & Schmidt-Petri 2009, S. 185-228.
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