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Keil
Geert Keil: Wenn ich mich nicht irre. Ein Versuch über die menschliche Fehlbarkeit
Reclam, 2019. Taschenbuch, 96 Seiten – Keil LinksKeil Literatur
In der Reihe „Was bedeutet das alles?” hat Geert Keil, Professor für Philosophische Anthropologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und  Präsident der Gesellschaft für Analytische Philosophie ein bemerkenswertes Büchlein einbegracht.
Schon im Umschlagtext geht der Autor auf ein erkenntnistheoretisches Problem ein. Wie passt das zusammen, wenn ein Konzil, bestehend aus fehlbaren Kardinälen und Bischöfen, befindet, dass der Papst unter gewissen Voraussetzungen unfehlbar ist?
Keil legt auf unter 90 Textseiten dar, was es mit Fehlbarkeit, Fallibilismus, Wahrheit und Wissen auf sich hat.
Jeder, der argumentiert, sollte das Buch lesen.
Er gliedert wie folgt
1. Einleitung
2. Wer oder was kann fehlbar sein?
3. Was ist Fallibilismus?
4. Wahrheit: das, was man verfehlen kann
5. Können wir uns über schlechthin alles irren?
6. Und der Papst?
7. Worin Skeptiker sich irren
8. Widerlegt sich der Fallibilismus selbst?
9. Intellektuelle Demut, Wissenschaft und Philosophie
10. Fehlbarkeit, blinde Flecken und das Heilbronner Phantom
11. Schluss
Anmerkungen
Zuerst geht es um die Fehlbarkeit. Er geht von der Defintion des Dudens aus: „nicht gegen Irrtümer oder Fehler gefeit.” Das kann man Aussagen, Theorien und Menschen zuschreiben. Er schließt sich der dritten Möglichkeit an.
Es gefiel mir (da mit meiner Auffassung übereinstimmend), dass er Überzeugung klar bestimmte:

 „Wer sich einer Sache gewiss ist, ist so stark von ihr überzeugt, dass er sich schlechterdings nicht vorstellen kann, dass die Überzeugung falsch sein könnte.”
(S. 22–23)
Da müßte statt „Sache” „Sachverhalt” stehen und die Definition wäre perfekt.

Im weiteren Verlauf des Kapitels „Was ist Fallibilismus?” führt Keil dann überzeugend aus, dass trotz Fallibilismus und Fehlbarkeit Wissen möglich ist. Für Wissen ist keine – dem Wissenden zugängliche – wahrheitsgarantierende Rechtfertigung notwendig (S. 25).
Wahrsein ist dagegen eine Eigenschaft von Aussagen (nicht von Menschen). Bei der Diskussion über Wahrheit und Wahrheitsrelativismus postuliert Keil:

„Einen Gottesstandpunkt, von dem aus man den Dissens [zwischen zwei gut begründeten, sich widerpsrechende Aussagen] schlichten könne, gibt es nicht” (S. 34).

Das geht mir zu weit. Den Gottesstandpunkt könnte es ja geben, aber er ist uns, als fehlbare Wesen, nicht zugänglich.
In den weiteren Kapiteln entzaubert Keil den Papst und den Skeptiker. Der Skeptiker kombiniert die erkenntnisanthropologische These des Falliblismus mit einem infallibilistischen Wissensbegriff (S. 50).
Auch über die Wissenschaft kann Keil Erhellendes sagen. Hinsichtlich unserer Erkenntnissuche sind sie das Beste, das wir haben. Doch das ändert nichts daran, dass auch auf die Aussagen der Wissenschaft der Quinesche Befund (von mir etwas erweitert zitiert) zutrifft:
„Any statement can be held true come what may, if we make drastic enough adjustments elsewhere in the system ... by the same token, no statement is immune to revision”. Quine 1953
Siehe dazu S. 39 und S. 70.
Mit den 90 Seiten gelingt Geert Keil Bemerkenswertes. Ohne lange Defintionen, ohne Philosophenjargon erläutert er wichtige Begriffe und Sachverhalte aus der Erkenntnistheorie griffig und verständlich. Die Lektüre dieses Büchleins würde allen Argumentierenden gut tun.
Links
KeilJosef König: Irren ist menschlich- Menschliche Fehlbarkeit und Fallibilismus als erkenntnistheoretische Überzeugung.Spektrum.de
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