Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Esoterik
Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik
München: Beck, 2006. Taschenbuch, 176 Seiten – Lambeck LinksLambeck Literatur
Viele Werke kritisieren alternative Heilmethoden und pseudowissenschaftliche Disziplinen wie die Astrologie. Das Fazit ist meist: die Naturwissenschaften haben recht, der Nachweis der behaupteten Phänomene wurde nicht erbracht und kann es auch nicht.
Martin Lambeck geht die Titelfrage  „Irrt die Physik?” im Gegensatz dazu sehr offen an. Er argumentiert (vereinfacht): Wenn dieses oder jenes Phänomen zutrifft ist die Physik in ihren Grundfesten erschüttert. Das gesteht er aber nur zu, wenn der Nachweis nach wissenschaftlich sauberen Kritierien (in der Medizin z.B. doppelter Blindversuch) und signifikant erfolgt.
In den drei einleitenden Kapiteln klärt der Autor einige Kernsätze und erklärt für das Thema wichtige Verfahren der Naturwissenschaften, der Wissenschaftstheorie und der Statistik. Er formuliert seine Behautungen klar und präzise, so z.B. seine Vermutung als 
Psycho-physikalischer Hauptsatz:
„Kein Mensch kann allein durch Denken (mental) Wirkungen außerhalb des eigenen Körpers hervorbringen oder Informationn aus der Umwelt aufnehmen” (S. 31).
Dann wird über Homöopathie aufgeklärt (Kap. 4). Das Kapitel 5 beschäftigt sich mit Rudolf Steiner und dessen Anthroposophie. Im Kapitel 6 stellt der Autor vor, wie Homöopathie ernsthaft auf Wirksamkeit getestet werden kann. In den Kapiteln 7 bis 9 behandelt Lambeck weitere esoterische Methoden wie
  • Psychokinese
  • Gedankenübertragung
  • Hellsehen
  • Geistiges Heilen
  • Heilen mit Nah– und Fernwirkung
  • Wünschelrute
  • Pendel
  • Erdstrahlen
  • Feng Shui
  • weitere alternative physikalisch-medizinische Verfahren
Im letzten Kapitel beschäftigt sich mit allgemeinen Fragen zur Forschung und Forschungspolitik.
Lambecks Hauptthese ist
Wenn die Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus wirksam wäre  und/oder esoterische Phänomene zuträfen, wäre das Lehrgebäude der derzeitigen Naturwissenschaften unvollständig.
Und das in einem besonderen Sinne. Auch jetzt werden täglich naturwissenschaftliche Fragen beantwortet, neue Fragen stellen sich. Das Lehrgebäude wird ständig korrigiert und ergänzt. Doch wenn z.B. die Psychokinese (S. 108) oder die Geistheilung (S. 111ff) nachgewiesen würde, wären die Grundfesten der Physik erschüttert.
Wer die Wirksamkeit nachweisen kann hätte den Nobelpreis verdient und würde ihn auch bekommen. Es steht auch immer noch das Angebot von James Randi auf: Wer den Nachweis der Wirksamkeit der Homöopathie oder eines Phänomens der sog. "Außersinnlichen Wahrnehmung" erbringt, erhält 1 Million Dollar.
Das besondere Verdienst des Autors ist zweierlei:
  1. Lambeck beschränkt sich auf die behaupteten Phänomene, die dem heutigen Wissensstand eklatant widersprechen, also z.B. die Wirksamkeit bei hoher Potenzierung der homöopathischen Mittel über die Avogadro-Grenze (S. 14f) hinaus. Echte Naturheilverfahren nimmt er ausdrücklich von seiner Kritik aus. Er gesteht von vornherein zu, dass selbstverständlich z.B. Arnikablüten wirksame Stoffe enthalten. Doch „wo Belladonna D30 draufsteht, ist kein Belladonna drin” (S. 67).
  2. Lambeckgibt für zahlreiche behaupteten Phänomene genaue Bedingungen vor, welche eingehalten werden müssten, um nachweis- und wiederholbare Ergebnisse zu erzielen.
Der erste Punkt erleichtert es den Esoterikern: Lambeck überläßt ihnen ein weites Feld, auf dem er Wirksamkeit (zumindest vorläufig) zugesteht. Doch mit dem zweiten Punkt erschwert er deren Aufgabe: sie haben nun genaue Konditionen zum Nachweis ihrer Phänome. Ausreden sind nahezu ausgeschlossen.
Nachweislast („Burden of proof”)
Die Nachweislast für die behaupteten Wirkungen sieht Lambeck zurecht bei denjenigen, die sie aufstellen, also z.B. bei demjenigen, der vorgibt mit der Wünschelrute eine Wasserader zu finden.
Dazu werden oft Immunisierungsargumente gebraucht, darunter das Hamlet-Argument, das Lambeck ebenfalls behandelt; siehe Lambeck Immunisierungs- und Totschlagargumente.
Der manchmal an die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP; ihr gehört der Autor Martin Lambeck an) erhobene Vorwurf, sie stelle keine derartigen Nachforschungen an, ist verfehlt. Jedes Individuum und jede Gesellschaft ist völlig überfordert, wenn sie all die aufgestellten Existenzbehauptungen nachweisen müßte.
Mit Irrt die Physik? beschränkt sich Martin Lambeck auf wissenschaftlich nicht belegte Behauptungen, die die vom Autor festgehaltenen Grundpfeiler der Physik erschüttern würden. Die Nachweislast liegt weiterhin bei den Vertretern der alternative Medizin und Esoterik. Bis dahin ist eine Bezahlungen dieser Methoden auf Kosten der Versicherungsgemeinschaft abzulehnen. Lambeck gibt konkrete Versuchsanordnungen vor um diese Behauptungen seriös zu testen.
Wer sich darüber orientieren will, was alles (oft sich gegenseitig Widersprechendes) entgegen dem derzeitigen Wissensstand der Physik bezweifelbar ist, findet hier eine gut strukturierte und klar geschriebene Abhandlung.
Links
Martin Lambeck (* 18. Mai 1934 in Berlin) deutscher Physiker. Er lehrte an der TU Berlin, seit 1997 im Ruhestand. Mitglied des Wissenschaftsrates der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften – LambeckWikipedia
Rezensionen
LambeckIrrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik @GWUP
LambeckBernd Klein: Logik wider alle Vernunft – Irrt die Physik
LambeckPerlentaucher

Lambeck Aberglaube auch heute noch weit verbreitet
LambeckSabrina Adlbrecht: Das große Geschäft mit der Spiritualität. Dimensionen: Megatrend Esoterik
EvidenzbasiertEvidenzbasierte Medizin
LambeckGesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften
Lambeck Immunisierungs- und Totschlagargumente
LambeckMartin Lambeck: Harter Test für sanfte Heiler. Elektroakupunktur, angewandte Kinesiologie, Bioresonanztherapie: Selbst hoch gebildete Menschen vertrauen esoterischer Pseudomedizin. Obwohl deren Wirkung unbewiesen ist. Ein Aufruf. ZEIT Online, 11. Januar 2006
Homöopathie Literatur (kritische) zur Homöopathie (und anderem Aberglauben)
LambeckPara- und Pseudowissenschaft
LambeckRandi, James: 1 Million Dollar für den Nachweis der Homöopathie! Interview mit James Randi        29.06.2003
Lambeck Rezensionen philosophischer und verwandter Bücher
Lambeck Rezensionen politischer  und verwandter Bücher
Lambeck Simon Singh, Edzard Ernst: Trick or Treatment? Alternative Medicine on Trial
Lambeck Immunisierungs- und Totschlagargumente
Literatur
Danzinger, Rainer , Josef W. Egger (2013): „Heilen komplementär-alternative Methoden?”.
Psychologische Medizin 24:1. S. 3-15 – Lambeckonline
Lambeck, Martin (2008): „Fehldeutungen der Physik und Philosophie in der Alternativmedizin”. Schweizerische Ärztezeitung 89:50, S. 2186-2189.
Riedl, Stefan (2010): „Gesundheitswisenschaftliche Kontroversen als journalistische Herausforderung. Mehr Überblick und Hintergrund statt nur Diskursfragmente”. Fachjournalist 4, S. 11-16 – Lambeckonline
Schmidt, Josef M. (2007): „Die Entstehung, Verbreitung und Entwicklung von Heilsystemen als Gegenstand der Medizingeschichte — am Beispiel der Homöopathie”. Sudhoffs Archiv 91:1. S. 38-72
Weymayr, Christian (2013): „Scientabilität —ein Konzept zum Umgang der EbM mit homöopathischen Arzneimitteln”. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen 107:9-10. S. 606-610
Bei Amazon nachschauen  
Lambeck Lambeckb. München: Beck, 2006. Taschenbuch, 176 Seiten
Lambeck Anfang

Esoterik
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.4.2014