| Joseph Ratzinger, Paolo Flores d'Arcais:
Gibt es Gott? Wahrheit, Glaube, Atheismus [Dio esiste? - Ateismo e verità] Berlin: Wagenbach, 2006. Broschiert: 105 Seiten. Friederike Hausmann, Übs. |
Das Buch enthält drei Teile:
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| 1. Joseph Ratzinger: "Der angezweifelte Wahrheitsanspruch. Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends" |
| Im ersten Essay bereitet Ratzinger
gedanklich seine These aus der berühmten Regensburger Rede (siehe Wenn das so ist, kann man über religiöse Aussagen nur schweigen oder fantasieren. Paolo Flores d'Arcais (PFA) widerspricht dem energisch in seinem abschliessenden Essay. Die erste These formuliert Ratzinger so: "Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden" (S. 9). Starker Tobak, wenn man an die zweitausendjährige Geschichte des Christentums denkt und daran, das die Ideale und Rechte der Aufklärung wenn überhaupt immer gegen die Kirchen durchgesetzt wurden. Die Notwendigkeit der Religion zur Begründung der Ethik begründet Ratzinger nicht. Ich erlebe in Diskussionen gerade die umgekehrte These, denn Christen wollen ungern zugeben, dass sie sich nur deshalb moralisch verhalten, weil es ihr Gott vorschreibt und eine Belohnung winkt. Auch gegen diese These hat PFA in seinem Essay gute Konter. |
| 2. Diskussion zwischen Joseph Ratzinger und Paolo Flores d'Arcais unter der Moderation von Gad Lerner |
Anfangs dachte ich: Wie geht denn Paolo
Flores d'Arcais (PFA) die Themen an? Ziemlich schnell begriff ich: PFA
Leider kamen alle Themen zu kurz, vieles wurde anfangs auf später verschoben und konnte dann nicht mehr behandelt werden. Für meine Lesart gab es einen klaren Punktsieg für Paolo Flores d'Arcais. |
| 3. Paolo Flores d`Arcais: "Die Kirche ohne Wahrheit?" |
| Hier formuliert Paolo Flores d'Arcais
gleich eingangs, dass die Katholische Kirche (KK) dem Dialog oft ausweicht.
Dafür bin ich dankbar, denn das ist auch meine Erfahrung und ich fragte
mich schon lange, ob das generell so ist. Kritik seitens der KK schnell als
»primitv und vulgär« abgekanzelt (S. 72). Zwie wichtige Themen
sind die Theodizee und die Erbsünde. Zur Theodizee habe ich eigentlich die
Theisten stark verteidigt, doch die Argumente PFAs geben mir zu denken. Zur
Erbsünde ist immer noch unerklärlich, warum die KK einerseits die
befruchtete Eizelle als Beginn des Menschen propagiert, andrerseits aber die
Befreiung von der Erbsünde erst nach der Geburt durchführt. (Immerhin wurde von Joseph Ratzinger im April 2007 die Vorhölle
für ungetaufte Kinder für überholt erklärt; siehe
PFA argumentiert sehr gut gegen die dritte These Ratzingers: "Eine Religion der Sinnfindung (statt der Wahrheit) ist nicht mehr eine Religion von Menschen, sondern von Konsumenten (von Sinn)" (S. 89). Die Religion wird so "als Zuflucht für die Armen im Geiste instrumentalisiert" (S. 88). |
| Fazit Ein lesenswertes Büchlein für alle Gläubigen und auch für die Nicht-Gläubigen. Die Diskussion ist anregend, aber zu kurz. Nur Weniges konnte ausargumentiert werden. Da Paolo Flores d'Arcais die KK, ihre Schriften und Taten extrem gut kennt, gelingen ihm sehr feinsinnige Angriffe. |
| Links |
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| Joseph Ratzinger, Gesine Schwan,
Adel Th. Khoury, Karl Lehmann: Glaube und Vernunft. Die Regensburger
Vorlesung von Benedikt XVI. Freiburg: Herder, 2006. Gebunden, 141 Seiten
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