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Keine
Religion —> keine
Moral
Einwände und Widerlegungen – |
| Die
fehlerhafte
Argumentation »Keine
Religion —> keine
Moral«
ist kaum auszurotten. Das Argument läuft in etwa wie folgt. |
| Ausgehend von der Prämisse
: "Religion gibt eine Moral vor" (Dass diese Moral oft nicht eingehalten wird, steht auf einem anderen Blatt.) wird behauptet: |
| (1) Religion —> Moral. |
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In Holzhackermanier wird gefolgert: (2) keine Religion —> keine Moral. |
| Oft auch
noch aus (2): (3) Mensch ohne Moral —> Mensch ohne Religion, also Atheist. |
| • Die Folgerung
auf (2) ist so hanebüchen, dass sie – soweit ich weiß –
nicht mal einen eigenen Namen hat. Sie geht nach dem Schema: (1') Das ist ein Dackel —> Das ist ein Hund. (2') kein Dackel —> kein Hund. Alle Pinscher, Schäferhunde, usw. würden aufheulen. Der Übergang von (1) auf (2) ist völlig verfehlt. • Die Folgerung auf (3) ist die nicht gültige Argumentationsfigur: Bejahung des Antezedens (wenn der Konsequens zutrifft), ausgehend von (2). |
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| Auch
wenn der Behauptung »Ohne Religion —> keine Moral« nicht der
oben ausgeführte stümperhaften Übergang zugrundeliegt, sondern, wenn
die These unabhängig aufgestellt wird, gilt: "Diese Sichtweise ignoriert nicht nur wesentliche Traditionen der Geistesgeschichte, sondern denunziert zugleich rund 1,1 Milliarden nichtreligiöse Menschen respektive – auf Deutschland bezogen – 23,4 Millionen Bürger, denen damit sittliches Denken und Handeln de facto abgesprochen wird." Ingolf Bossenz, siehe |
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| Oft wird zur
Untermauerung der Auffassung, dass es ohne Religion keine Moral geben
kann, Fjodor Dostojewskij:
Die Brüdern Karamasow oder aus einem seiner
Briefe: "Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt" (Zitate siehe Da hat Dostojewskij recht, doch schließt das nicht aus, dass man seinen Verstand einsetzt und sich selbst moralische Regeln vorgibt. Das hat den Vorteil: durch eigene Überlegung gewonne Einsichten werden eher eingehalten als Vorgaben einer irdischen oder transzendenten Macht. Im Gegensatz dazu vertrat Jean Paul Sartre die Ansicht, dass Moral die Freiheit des Menschen voraussetzt. Der Mensch ist nur frei, wenn kein Gott existiert. Moral ist also nur ohne Religion und unabhängig von ihr möglich (Sabina Mistlberger, siehe |
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| Typisch
für die moralische Haltung ist die Erzählung "Von Reichtum und Nachfolge", Mk 10,17-31 Ein Mann fragte Jesus: "Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" Ganz unabhängig davon, was die Antwort ist, muss doch schon die Frage zu denken geben, wie es um die christliche Moral bestellt ist. Der Mann fragt nicht, was er tun soll um gut zu sein, sich charakterlich zu verbessern oder um anderen zu helfen, eine Freude zu machen. Er kümmert sich nur um die mögliche Belohnung für sich selbst! Religiöse Menschen handeln oft nur moralisch um eines Vorteils willen. Gäbe es keine Belohnung und auch keine Bestrafung, dann würden sie vermutlich die Sau rauslassen. |
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| Beispiele für diese verfehlte Argumentation | |
| Joseph
Ratzinger aka Bendikt XVI. „Dass da, wo Gott den Menschen außer Sichtweite gerät, auch der Friede verfällt und die Gewalt mit vorher ungeahnten Grausamkeiten überhandnimmt, sehen wir heute nur allzu deutlich.“ Joseph Ratzinger: Jesus von Nazareth. Erster Teil. Freiburg: Herder, 2008. S. 116. Das kauft dem Papst noch nicht einmal sein Kardinal Karl Lehmann ab. Später hören wir dann, daß "da, wo Gott den Menschen außer Sichtweite gerät, auch der Friede verfällt und die Gewalt mit vorher ungeahnten Grausamkeiten überhandnimmt, sehen wir heute nur allzu deutlich." ( S. 116) Dieser Hinweis auf die Rolle des Gottesglauben scheint mir angesichts der tatsächlichen Rolle religiöser Übrzeugungen in der bisherigen Geschichte und gerade auch in der heutigen Weltsituation – milde gesagt – wenig plausibel zu sein.", S. 135 Karl Lehmann in: "Jesus von Nazareth" kontrovers: Rückfragen an Joseph Ratzinger. Berlin: Lit, 2007. |
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| chrismon Ein Leserbriefschreiber fragt in der Rubrik "religion für einsteiger": “Gehören Glauben und Moral selbstverständlich zusammen? Wie verhält es sich, wenn das Sündenbewusstsein bei einem Unrecht fehlt, weil einem die christliche Lehre nicht vermittelt wurde?” chrismon antwortet: “Glauben und Moral gehören "selbstverständlich" zusammen, sie sind eng miteinander verbunden. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass konfessionslose Menschen keine Moral hätten. ...” chrismon 2 (2009) S. 22 Daran ist vieles fragwürdig (obwohl die Antwort immerhin eingesteht, dass man moralisch sein kann ohne religiös zu sein). • Ob Glauben und Moral selbstverständlich zusammen gehören kann man nach 2000 Jahren Christentum gut begründet bezweifeln. Immerhin wurde es eingangs als Frage gestellt, aber irgendwie wurde die Zusammengehörigkeit sowohl vom Frager, als vom Antwortenden unterstellt. • Sünde und Unrecht wird vermengt. Dabei mag es nach christlicher Auffassung eine Todsünde sein, am Sonntag nicht zur Messfeier zu gehen, Unrecht kann ich da aber nicht erkennen. |
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| Günter
Rohrmoser »Wenn die Macht in die Hände von Leuten gelegt wird, die nichts Höheres über sich anerkennen und denen also nichts heilig ist, dann sind wir verloren. Denn diese Politiker sind grundsätzlich zu allem im Stande.« Günter Rohrmoser (zitiert nach Ingolf Bossenz, siehe
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| Walter Mixa “Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen.” Walter Mixa, damals noch Bischof von Augsburg und katholischer Militärbischof, inzwischen aus dem Amt gejagt. Zitiert nach: Walter Mixa ist offensichtlich der Ansicht, dass Gottlose unmenschlich sind. Er übersieht z.B. viele NS-Schergen (wohl die meisten) Christen waren, dass Adolf Hitler Katholik war, dass der Papst mit dem Konkordat der NSDAP zu Ansehen verhalf. |
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| “Ohne
Glaube keine Werte“ behauptete auch Richard Steinbichler, Vorstand der Sparkasse Wasserburg und spricht damit ein Drittel der Deutschen die Werte ab. |
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| Beispiel einer Absage an “Ohne Gott keine Moral“ | |
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“Diese Ansicht, dass ohne Gott keine (christliche) Morla zu denken und
erst recht nicht unter die Leute zu bringen sei, erfreut sich, so
unberechtigt sie ist, bis heute großer Beliebtheit – insbesondere beid
enen, die den Glauben in der traditionellen Form zu verteidigen haben.
Wenn theologische Argumente nicht ausreichen, führen moralische
Bedenken zunächst weiter.” S. 235 Gert Scobel: Der Ausweg aus dem Fliegenglas: Wie wir Glauben und Vernunft in Einklang bringen können. Frankfurt: Fischer, 2010 |
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