| Paul Mooser: Gott, Zufall oder Geist?: Die
Analyse eines Spekulanten München: Buch & Media, 2005. Taschenbuch, 150 Seiten |
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| Man kann sich nicht
beschweren. Der Haupttitel hat ein Fragezeichen, der Untertitel sagt dem Leser:
hier schreibt jemand spekulativ. Dass das Werk völlig abgehoben vermutete
ich allerdings nicht. Da ich mich mit dem Zufall auseinandersetzen wollte, las ich das Buch. |
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| Der Autor leitet seine Spekulation ein
mit: "Nachdem ich jahrelang Bücher mit wissenschaftlichen,
philosophischen, esoterischen, mystischen und religiösen Inhalten
über dieses Universum, Gott und die Welt gelesen hatte, wurde es Zeit,
selbst nachzudenken" (S. 7). Ha? Erst nach jahrelangem Bücherlesen kam dem
Autor die Idee selbst nachzudenken? Aber keine Vorverurteilung.
Weiterlesen! Gleich anschließend bekennt der Autor, dass ihm alles bisher Gelesene "zu unrealistisch" und "nicht nachvollziehbar" erschien. Nun weiß ich nicht, was er da jahrelang gelesen hat, aber schon, dass er jahrelang unrealistische und nicht nachvollziehbar Werke las zeugt an Selbstkasteiung. Die Eingangsbemerkung war kein rhetorischer Fehltritt: am Ende des ersten Absatzes wiederholt der Autor, dass er erst nach dem diesen jahrelangen Wälzen ohne Sinn dei eigene Meinung einschalten wollte. Entsetzlich. Aber keine Vorverurteilung. Weiterlesen! Dem Einleitungskapitel folgt ein kurzes zur Frage: "Was sind fundamentale Daten?" Die Antwort, die der Autor hier gibt ist mehr als sonderbar. Am Beispiel der Gleichberechtigung von Mann und Frau will er diese Frage erörtern und zieht ein »Polaritätsgesetz« aus dem Ärmel. |
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| »Polaritätsgesetz« Zu diesem mir unbekannten Gesetz zitiert der Autor das Bertelsmann-Lexikon 1992 mit einem Kräfteverhältnis. Aus dieser knappen Aussage ergibt sich kein Gesetzescharakter. Mein Brockhaus 2000 hat dazu keinen Eintrag. Allerdings gibt dieses Werk für Polarität in etwas das, was Mooser für das Gesetz zitiert:
Auf einer Omkara.de Webauftritt geht es ebenfallsreichlich esoterisch zu: Channelings, kosmische Gesetze, Lichtarbeit, ... klingt abschreckend. Unter "universelles Gesetz der Polarität" finde ich haarsträubende Aussagen wie: "Das Thermometer zeigt unterschiedlich viele Grade zwischen Plus und Minus". Auf meinen Thermometern liegt zwischen Plus und Minus genau 1 Grad, das ist Null. Der Geltungsbereich und die Wirkung des »Polaritätsgesetz« bleibt bei Mooser offen, die Wirksamkeit wird einfach behauptet, aber nicht einmal plausibel gemacht. Weiterlesen! |
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| Am Ende eines mehr oder weniger literarischen und historischen Exkurs verwirft Mooser schnell den Glauben an Gott als Erklärung für die Existenz des Universums. Warum schreibt er nicht. Oder ich kann es dem schwadronnierendem Text nicht entnehmen. Nur weil "glauben" in vielen Fällen "nicht wissen" bedeutet? (S. 26). | ||
| Der Zufall (S. 27-31) Wieder erregt schon der erste Absatz Widerspruch bis Widerwillen. Die Prüfung, ob sich die Existenz des Universums eines zufälligen Ereignisses verdankt sei schwieriger so Mooser als die Gottesvorstellung, denn der Gottesglaube sei ein Glaubenssatz, der nicht überprüft werden könne, dagegen sei der Zufall unser "ständiger Begleiter" (S. 27). Das müßte die Überprüfung doch eigentlich erleichtern!? Wahrscheinlichkeitsüberlegungen zu einem singulären Ereignis sind extrem problematisch. Wahrscheinlichkeitsberechnung nach dem Eintreten eines Ereignisses sind ebenfalls fragwürdig. Das läßt Mooser These: "Die Chancen für ein zufälliges Entstehen des Universum und des Lebens tendieren gegen null" äußerst gewagt erscheinen. Die zitierten Stephen Hawking und Paul Davies geben dazu wenig her. Auch die nachfolgenden Erläuterung sind sehr kritikwürdig. So meint Mooser zunächst, der Zufall könne als Ursache definiert werden (S. 28). Der Zufall wird aber in der Physik immer dann angenommen, wenn die Ursachen zu kompliziert sind und damit unerkennbar sind (Wurf des Würfels; Schmetterlingsschlag in Brasilien) oder es keine Ursache gibt (Quantenmachanik). Im ersten Fall gibt es zwar Ursachen aber nur eine subjektiven, nicht wirklichen Zufall. Im zweiten Fall handelt es sich um objektiven Zufall aber ohne Ursache. Dann greift Mooser auf eine Zufallsdefinition von Paul Davies zurück. Dumm ist nur, dass Zufall als regelloses, ungeordnetes Ereignis nur einen Teilbereich des Zufalls abdeckt. |
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| Bei einem belletristischen Werk, das
nichts taugt, lese ich bis etwa Seite 100 (es könnte an mir liegen, bis
ich ins Fahrwasser des Autors gelange; das Werk könnte sich
allmählich als lohnend herausstellen), dann klappe ich es zu. Bei
Sachbüchern erkennt man die Untauglichkeit schneller. Hier war es bei Seite 32. Weiterlesen vertrödelt nur Zeit. |
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| Dem Wirtschaftsspekulanten Paul Mooser rufe ich zu: "Schuster, bleibe bei deinen Leisten!" Möge er an der Börse erfolgreicher sein als im Grenzgebiet zwischen Philosophie, Physik und Theologie. | ||
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