| Thomas Dixon: Science and Religion:
A Very Short Introduction Oxford: Oxford UP, 2008. Taschenbuch, 144 Seiten |
| Die Auseinandersetzungen um
Wissenschaft und Religion werden manchmal erbittert geführt. Man kann es
in den Büchern der sogenannten "Neuen Atheisten" Richard Dawkins, Sam Harris, Christopher Hitchens, Michel
Onfray, und den "Antwortbücher" von Alexander Kissler und Alister McGrath nachlesen ( Diese Einseitigkeit hat Thomas Dixon vermieden. Er spricht bei aller Kürze die wichtigsten Themen zu Religion (Schwerpunkt: Christentum) und Wissenschaft an und will beiden Seiten gerecht werden. Meist beruhen Werke dieser Art dann auf den Motti: "Lasst die Wissenschaftler ihre Aussagen ruhig machen, im theologischen Bereich haben sie keine Kompetenz!" oder "Es gibt verschiedene Wahrheiten. Jeder darf seine vertreten!". Nicht so das vorliegende Science and Religion. Dixon gibt der Theologie genügend Raum, letztlich denkt er aber konsequent wissenschaftlich. |
| Schon zu Beginn überrascht Dixon mit der Feststellung, dass es in diesem Diskursbereich ja eigentlich darum geht wer (wenn überhaupt) ein Wissensmonopol beanspruchen darf und um das Verhältnis Politik zu Religion. |
| Wissensquellen Im alltäglichen und wissenschaftlichen Bereich: Sinneswahrnehmung rationales Denken das Zeugnis Dritter Gedächtnis (S. 19; die beiden letzten sind "nur" abgeleitet, das erwähnt Dixon nicht). Im religiösen Bereich kommen hinzu oder werden bevorzugt: das sog. Buch der Natur ("natural theology") heilige Bücher Erleuchtung ("revelation"). Die Erleuchtung geschieht durch heilige Bücher oder durch direkte Begegnung mit einem übernatürlichen Wesen (S. 21). Damit ist es klar: es muss zu Diskrepanzen kommen. Anmerkung (nicht bei Dixon): Die gläubige Sarah Palin, Kandidatin der Republikaner 2008 für die Vizepräsidentschaft der USA, beruft sich darauf, dass die $30 Milliarden teure Erdölleitung in Alaska "Gottes Wille" war; der Krieg im Irak war ein Auftrag Gottes. Wenn man so direkten Zugang zur Wahrheit hat, muss die Wissenschaft passenGläubige Wissenschaftler nehmen den umgekehrten Standpunkt ein: wenn eine heilige Schrift der Wissenschaft widerspricht, muss sie (die Schrift) neu interpretiert werden. Religiöse Nicht-Hardliner verteidigen in diesen Kontexten die heilige Schrift, mit dem Argument, dass sie angepasst an Sprache und Verständnis der Entstehungszeit sein musste. Anmerkung (nicht bei Dixon): stimmt das? Einem allmächtigen Gott wäre es ein Leichtes, jede Kopie seiner heiligen Schrift immer der Sprache und dem Verständnis des jeweiligen Lesers anzupassen. |
| Soweit ist es sehe
lässt Dixon kein heikles Thema aus, treibt die Religiösen aber (wohl
bewusst) nicht in die Ecke. Im Kapitel 3 "Does God act in nature?" diese
Frage werden die meisten Gottesgläubigen wohl mit "ja" beantworten
müsst er sich sonst wundern. Wenn jede Religion beansprucht, dass ihr Gott
in die Natur eingreift und Wunder bewirkt, wie geht das? Doch ein
Gottesgläubiger geht per Dogma davon aus, dass wir mit unserer Vernunft
nicht alles begreifen. Religiöse Aussagen müssen nicht belegt werden,
sie werden gläubig akzeptiert (S. 54). Daher nimmt der Streit um die Evolution, Kreationismus und ID zurecht einen breiten Raum im Büchlein ein. Die beiden letzten Pseudotheorien weist Dixon zurück. |
Im letzten Kapitel "Mind and morality"
weist Dixon nach, dass Moral selbstverständlich ohne Religion zu haben
ist.
Anmerkung (nicht bei Dixon). vielleicht ist Moral nur ohne Religion zu haben. Die meisten Kriege und viele menschliche Schandtaten sind religiös motiviert.Er weist auch Versuche zurück aus natürlichen Eigenschaft (ohne weitere Annahmen) eine Moral abzuleiten: das scheitert immer soweit ich es überblicke am Naturalistischen Fehlschluss. |
| Science and Religion ist ein hervorragender Einstieg in das Thema. Ich meine, es wird beiden Seiten gerecht. Was will mehr bei so einer heiklen Debatte? |
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