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Erik J. Wielenberg: God and the Reach of Reason:
C.S. Lewis, David Hume, and Bertrand Russell
Cambridge: Cambridge UP, 2008. Taschenbuch, 243 Seiten rezension Linksrezension Literatur
Erik Wielenberg stellt der theologischen Sicht C.S. Lewis diejenige der Philosophen David Hume und Bertrand Russell gegenüber.Dabei tritt er nicht nur als Schiedsrichter auf, sondern verstärkt je nach Situation einmal die Argumente von Lewis, das ander Mal die von Hume oder Russell. So verstärkt Wielenberg die Position Lewis' gegen Russell (S. 65) und zerplückt sie dann. Es fließen also reichlich eigene Gedanken des Autors mit ein.
Die Probleme sind dabei so grundlegender Art, der Ansatz von C.S. Lewis oft recht originell, dass wohl jeder Leser von dem gut durchkomponierten Werk profitiert.
Das erste zu diskutierende Problem ist das so heikle der Theodizee, hier „the problem from pain and suffering“ oder „the problem of evil“. Einiges Unverständliche in der aktualen Welt wird durch Lewis' Argumentation recht gut erklärt. Letztlich überzeugt sein Ansatz besonders bezüglich natürliches Übel (Vulkanausbrüche, Hurrikane, Tsunami) nicht.
Die positiven Argumente von C.S. Lewis pro Christentum sind sehr originell. Im Gegensatz zu vielen anderen argumentiert er nicht mit der uns umgebenden Natur, die auf einen Schöpfer verweist (ID; das lehnt Lewis ab) oder den fein abgestuften Kenngrößen (Anthropisches Prinzip) sondern er argumentiert vom Menschen aus.
Die menschliche Moralität, die Vernunft und das Verlangen nach Freude und Glück sind so verschieden von allem was wir sonst in der Natur finden, dass sie daraufhindeuten Abglanz einer entsprechend ausgestatteten transzendeten Entität zu sein. Diese nennen wir Gott.
Zur Moralität ist Lewis Realist, d.h. es gibt ein moralisches Grundgesetz; nicht so, dass wir uns wie an ein Naturgesetz notwendigerweise darin fügen müssen, aber so, dass wir es erkennen können. Allen Menschen (ohne extreme Defizite) sind gewisse übereinstimmende moralische Vorstellungen zueigen.
Das zweite Argument ist das bekannte “Argument from Reason”.
Wielenberg rekonstruiert die beiden ersten Argumente als abduktive, d. h. auf die bestmögliche Erklärung. Das dritte Argument wird als induktives wiedergegeben. Für alles, für das wir Verlangen haben, gibt es eine Ressource (ich bin hungrig: es gibt Essbares, etc.). Für unser Verlangen nach dem höchsten Glück, das ist für Lewis die Vereinigung mit Gott, muss es dann auch eine Erfüllung geben. Alle drei Argumente sind originell aber nicht zwingend.
Weitere lesenswerte Themen sind u.a. das Prinzip der Gleichförmigkeit der Natur und die Argumentation gegen Wunder von Hume. Lewis widerspricht dem Humeschen Argument zum Wunder. Als Beispiel nimmt der das Wunder der Auferstehung Jesus. Dieses Lewis-Argument hat aber als Voraussetzung das Ergebnis der vorherigen auf einen Gott. Da diese fehlgingen, greift auch Lewis' Entgegnung zu Hume nicht. Ganz am Ende weist Wielenberg noch auf einige Übereinstimmungen den drei großen Denkern hin.
God and the Reach of Reason ist ein hervorragendes Buch, vor allem weil man den Eindruck hat, dass der Autor allen drei Denkern gerecht wird und da er zeigt, dass die Beschäftigung mit der Relgionsphilosophie von C.S. Lewis lohnend ist. Trotz der schwierigen Thematik ist es exzellent lesebar, da Wielenberg zusammenfasst und sich nicht scheut Argument zu wiederholen.
Beste Leseempfehlung!
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