| Leslie Stevenson, David Haberman:
Zehn Theorien zur Natur des Menschen: Konfuzianismus, Hinduismus, Bibel,
Platon, Aristoteles, Kant, Marx, Freud, Sartre,
Evolutionstheorien Stuttgart: Metzler, 2008. Übersetzer: Nikolaus de Palézieux. Broschiert, 296 Seiten. Nikolaus de Palézieux, Übs. |
| Zu den grossen Fragen der Philosophie,
ja der Menschheit, gehört: Was ist der
Mensch? (siehe Immanuel Kant, |
| Die Zehn Theorien zur Natur des Menschen helfen bei der Einschätzung. Aus den ursprünglich Seven Theories of Human Nature [1974] wurden durch mehrere Auflagen Ten Theories of Human Nature. Die beiden Autoren stellen nicht gegenwärtig akute Fragen (beispielsweise Beginn und Ende des Menschseins) in den Mittelpunkt, sondern geben eine gründliche, historisch-systematische Übersicht. Behandelt werden Konfuzianismus, Hinduismus, Bibel, Platon, Aristoteles, Kant, Marx, Freud, Sartre und Evolutionstheorien. Dazu kommt Zwischenkapitel zum Mittelalter und ein abschließendes Kapitel mit dem Versuch einer Synthese. Der Schwerpunkt liegt auf Religionen und Philosophen. |
Zwei Kapitel stechen hervor, nicht nur,
weil sie hochaktuell sind: das dritte zur Bibel und das zehnte zur Evolution.
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| Leider fand ich
nirgends die Arbeitsteilung der beiden Autoren, doch nehme ich an, dass
David L. Haberman, der Spezialist für
asiatische Religionen, für Konfuzianismus und Hinduismus zeichnet.
Stevenson gibt fairerweise seine religiöse Position kurz preis (S. 62-63).
Sie kommt nur ganz vereinzelt und nicht dominierend zum Tragen. So
leugnen manche Philosophen die Existenz Gottes; wer umgekehrt
schreiben würde, andere bilden sich dessen Existenz ein oder fantasieren
sie, kommt heutzutage immer noch nicht so gut an. Atheisten erhalten von
Stevenson gerne das Attribut militant (Friedrich Nietzsche S. 205, Richard Dawkins, S. 232). Alle Kapitel zeugen von einer großen Sachkenntnis und geben zunächst immer eine Gesamtsicht der jeweiligen Position. Somit dient das Buch auch als Einführung in die Philosophie allgemein. Für westlich fixierte Leser (und das sind wir doch meist) gibt es eine gute Kurzeinführung in Konfuzianismus und Hinduismus. Manches aus dem Christentum (Goldene Regel, S. 31, siehe Alle Positionen scheinen fair behandelt zu sein. Inwieweit die Kritik an Edward O. Wilson berechtigt ist, müßte im einzelnen diskutiert werden (siehe dazu meine Rezension unter Durch die chronologische Behandlung der großen philosophischen Positionen kommen aktuelle Autoren wie (alphabetisch!) Viktor Frankl, Hans Küng, Karl Popper und Bertrand Russell oder überragende Positionen wie säkularer Humanismus und kritischer Rationalismus zu kurz. Ebenso werden wichtige Punkte zur Natur des Menschseins wie Durchsetzung der Menschenrechte nur im Rahmen der jeweiligen Denker behandelt. Durchgehend fordern die Autoren für Überzeugungen entsprechende Begründungen, beispielsweise Kein Mensch, der auf einem auch nur etwas höheren als dem tierischen Niveau lebt, kann darauf verzichten, Gründe für seine Überlegungen und Taten darzulegen. (S. 21) Manchmal vergessen sie es aber selbst. Da genügt dann eine Frage: Warum sollten wir nicht einfach sagen, dass wir in der Tat einige objektive Werte haben, die unser Leben bestimmen? (S. 252) und anscheinend das einfache Sagen-wir es-mal. Anschließend wird Edward O. Wilson getadelt, da er für seine gegensätzliche Position (kein Ziel oder Zeck in der Evolution; keine objektive Moral) kein Argument vorträgt (S. 252). Da meine ich, dass die Belegpflicht bei demjenigen liegt, der meint, objektive Werte auszumachen. Durch gezielte und kommentierte Literaturangaben zu jedem einzelnen Kapitel wird das Weiterstudium angeregt. Diese sind auf den deutschsprachigen Markt angepasst. |
| Kleine editorischen Fehler: S. 9 statt Konfizianismus: Konfuzianismus; S. 92 ist Evolutionslehre getrennt; S. 253, Fn. 35: Richtig ist: Defenders of the Truth; Pico della Mirandola (S. 132) fehlt im Register. |
| Die Autoren präsentieren in einem Gang durch die Jahrhunderte zehn Theorien, die sich mit dem Menschen beschäftigen. Dabei stehen diese geschichtlichen Positionen im Vordergrund, nicht so sehr die heute drängenden Fragen zum Menschsein. Damit ist Zehn Theorien zur Natur des Menschen nicht nur ein gründlicher Einstieg und Ausgangspunkt zum Thema, sondern auch eine gute Einführung in Philosophiegeschichte und Religion. |
| Die Autoren |
| Leslie Stevenson, University of St. Andrews,
Schottland David L. Haberman, Professor für Religionswissenschaft an der Indiana University, Bloomington/USA. |
| Links |
| Literatur |
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| Leslie Stevenson, David L.
Haberman: Ten Theories of Human Nature. Oxford: Oxford UP, 2004.
Paperback, 272 Seiten
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