| John Beversluis: C.S. Lewis and the
Search for Rational Religion Grand Rapids, Michigan: Eerdmans, 1985. Taschenbuch, 182 Seiten |
| C.S. Lewis war ein
einflussreicher Verteidiger des Christentums. Er spricht vor allem diejenigen
an, die per vernünftiger Überlegung die Frage nach Gott klären
wollen. Sein Rat war: "I am not asking anyone to
accept Christianity if his best reasoning tells him that the weight of the
evidence is against it." (11. Kapitel "Faith" in: Mere
Christianity). Seine zahlreichen Werke sind soweit ich sie gelesen
habe sehr überzeugend formuliert. Befasst man sich damit
näher, wird aber klar, dass sie mehr überreden als überzeugen,
mehr rhetorisch als logisch sind. Neben Erik Wielenberg (siehe
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| Anmerkung 1: es liegt eine
erweiterte Version von 2007 vor, die Kritiken der Erstauflage
berücksichtigt (siehe |
| Anmerkung 2: ich kenne nur wenige Werke C.S. Lewis'. Für die Rekonstruktion seiner Argumente habe ich mich (soweit sie nicht in den von mir gelesenen Werken vorkamen) auf Beversluis verlassen. Man kann dessen Gegenargumentation also durchaus dadurch erschüttern, dass man zeigt, dass Lewis manche Prämisse anders formulierte oder verstanden wissen wollte. |
| Lewis hat im Wesentlichen drei
Argumente für die Existenz von Übernatürlichem, das er dann Gott
nennt: Argument from Desire Moral Argument
Argument from Reason. Dazu kommt eine Dichotomie derart, dass was
Jesus laut Neuem Testament sagte, so ungeheuerlich, dass Lewis nur zwei
Optionen sieht: entweder war Jesus ein lügnerischer
Größenwahnsinniger oder er war Gott. Eine große Schwierigkeit für Lewis Gotteskonzept (es sollte nicht nur für ihn berücksichtigenswert sein) ist die Theodizee. Er behandelt sie explizit in zwei Werken: The Problem of Pain und A Grief Observed. Hier kann ich nur ganz kurz auf die Argumente und ihre Widerlegung durch Beversluis eingehen. Sie funktionieren im Wesentlichen nach einem einzigen Schema: es gibt etwas in uns Menschen, das nicht aus der Natur stammt. Also ... Ich behandle die drei Argumente ganz kurz im einzelnen: unbedingt bei Lewis, Beversluis und Wielenberg selbst nachlesen! |
| Argument from Desire |
| Wir Menschen haben ein Streben nach
Höherem, ein Verlangen nach etwas außerhalb der Natur. Dieses
Streben kommt nicht von ungefähr. Es wurde von etwas
Übernatürlichem injeziert. Es verlangt nach Erfüllung. Ein
natürliches Objekt kann unser Verlangen nie ganz erüllen. Also gibt
es etwas außerhalb der Natur, dass dies vollbringen wird. In diesem Argument steckt eine Zusatzprämisse: Die Natur macht nichts umsonst. Ein nicht zu befriedigendes Verlangen ist daher natürlich nicht zu erklären. Man hat kann das Argument an verschiedenen Stellen angreifen: a) es ist unklar, warum dieses Verlangen nicht völlig natürlich entstanden sein sollte und b) warum muss jedes Verlangen erfüllt werden. Schon Bertrand Russell merkte an, dass aus dem Verlangen nach Essen nicht folgt, dass Futter vorhanden sein muss (S. 18). Dieser Einwand scheint mir aber schwach, da Hunger normalerweise erfüllbar ist. Nur in besonderen Situationen wird er nicht erfüllt. Hunger entsteht, damit der Organismus nicht ans Essen vergisst. |
| Moral Argument |
| Alle Menschen haben eine
Unterscheidungsfähigkeit zwischen Gut und Böse, ein moralisches
Gewissen. Als einzige zufriedenstellende Erklärung sieht Lewis eine
übernatürliche Macht. Bei diesem Argument (und nicht nur bei diesem) fällt auf, was Beversluis durchgängig bemängelt: Lewis baut sich gottlose Strohmänner auf, knallt sie ab und sonnt sich im Erfolg. So wird kaum ein Gottloser davon ausgehen, dass das Universum ungerecht oder schlecht ist (S. 37). Das Universum ist keines von beidem, man kann diese Kategorien darauf nicht anwenden. Gut und böse sind menschliche Kategorien, die wir auf Vorgänge und Menschen projezieren. Allerdings leiten viele aus dieser Projektion ab: Völkermord ist schlecht, ein Tsunami ist schlecht (immer bezogen auf die Menschen). Eine Lawine kann nicht von Haus aus schlecht sein: dem Schnee ist das völlig egal, ebenso den abgeknickten Bäumen. Doch der Gottesgläubige hat ein Problem, wenn er behauptet, Gott ist die Güte, er liebt die Menschen, er will nur das Beste für uns. Da passt weder Tsunami noch Lawine. In dieses Argument fließt eine weitere beliebte stille Prämisse ein. Wenn Moral nicht objektiv ableitbar oder von Gott vorgegeben ist, dann ist alles erlaubt, dann ist man morallos (dazu wird dann meist Dostojewski zitiert, siehe das Argument mit der Moral aus Mere Christianity nimmt Beversluis gnadenlos auseinander. |
| Argument from Reason |
| Dieses Argument las ich schon
ausführlich in Lewis' Miracles. Hir baut Lewis darauf, dass
Vernunft, und vernünftiges Denken rein natürlich nicht erklärbar
sind. Er vertritt und verteidigt also insbesondere diese hypothetische
Implikation: Wenn der Naturalismus richtig ist, dann ist der Modus ponens
ungültig. Wie schon in der Besprechung zu Miracles (siehe |
| Theodizee |
| Hier sieht Beversluis den rationalen
Apologeten Lewis in die selbst aufgebaute Sackgasse zu tappen. Er will einen
Gott mit dem Verständnis von Gut und Böse, das auch wir haben (der
Mensch als Ebenbild Gottes), andrerseits sieht er als einzigen Ausweg aus dem
Dilemma um die Theodizee, dass Gott seinen eigenen Begriff von Gut und
Böse hat. Das Problem um die Theodizee entsteht nur, wenn wir unsere Bedeutung von gut und schlecht auf Gott übertragen. Beversluis nennt das die Position Ockhams (S. 102): Was immer Gott macht ist per Definition gut; wir verstehen es halt nur nicht. Das beißt sich mit seinem durchgängigen Faden, dass beim Gottesglauben alles rational ergründet werden kann, ansonsten will er niemand zumuten, den Glauben an Gott anzunehmen (siehe oben das Zitat aus Mere Christianity). Am Ende besteht Lewis doch darauf, dass die Güte Gottes gut nach unseren moralischen Standards ist (S. 144, S. 150-154). Beversluis zerlegt auch das häufig gelesene Argument, dass für Gott die Freiheit des Menschen höchsten Rang hat. Abgesehen davon, dass dieses Argument nicht gegen natürliche Katastrophen, die Leid und Tod bringen, herhalten kann, genügt sie nicht einmal in Bezug auf die Menschen. Gott hätte manches anders machen können ohne die Freiheit aufzugeben. Krebs hat wenig mit menschlicher Freiheit zu tun; Schmerzen als Signal eines Defektes könnte man auch anders realisieren usw. (S. 110-112). Beversluis greift auch mal zum intuitiven Vergleich. Was würde man von einem Versicherungsagenten halten, der eine Police anbietet, die alle Unfälle abdeckt außer Verkehrs-, Berufs- oder Privatunfälle? Ähnlich arbeiten die Apologeten für das Böse in der Welt. Gott liebt alle Menschen, doch das schließt nicht aus, dass es weiter Kriege gibt, Vergewaltigungen, Krankheitsepidemien, Tornados und Erdbeben (S. 126). |
| Lord-or-lunatic Dilemma (z. B. S. 38) |
| Die Dichotomie: entweder ist Jesus ein Irrsinniger oder Gottes Sohn weist Beversluis zurück. Es gibt viele Optionen dazwischen. Er sieht in Lewis' häufigen zwei Alternativen (und nichts dazwischen) ein Mittel der Beschwätzung: "false dilemma" (S. 43). Lewis verneint einen der beiden konstruierten Gegensätze und kann triumphierend den verbleibenden als wahr feiern. Fast immer gibt es aber mehr als zwei Optionen. |
| Es genügt nicht, Lewis' Argumente zu zertrümmern: es muss/sollte auch überlegt werden: warum wirkte Lewis so überzeugend? |
| Die Stärke und
Überzeugungskraft von C.S. Lewis resultiert aus seiner rationalen
Vorgehensweise. Seine Schriften sind nicht darauf ausgelegt, den Leser
einzulullen oder beim Gemüt zu packen oder auf generelle
Verständigung: alles wird gut zu machen. Lewis wählte den
schwierigeren Weg. Daher hat er viele Leser überzeugt, die keine
emotionalen oder spirituellen Zugang zum Gottesglauben fanden. Allerdings
zeigen die Werke von Wielenberg und Beversluis, dass Lewis' Argumente nicht
wirklich überzeugen können. Die meisten Religionsphilosophen widersprechen Lewis' Vorgehensweise: rational überzeugen, dass der Naturalismus nicht genügt; daraus etwas Übernatürliches ableiten und es Gott nennen; dann Eintritt in eine Halle mit mehreren Kaminzimmern, die den verschiedenen Religionen entsprechen (ein Bild von C.S. Lewis). In welches man eintritt ist nicht mehr so wichtig; Lewis trat zur anglikanischen Kirche übert. Es muss angemerkt werden, dass die Religionsphilosophen den Weg Lewis' nicht deshalb ablehnen, da er scheitert, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen. Entgegen der Betonung durch den Papst Benedikt den 16. der engen Verbindung Vernunft Religion, bevorzugen die meisten einen intuitiven Zugang. Empirische Belege spielen dabei kaum eine Rolle. Beversluis behandelt diese Diskrepanz im Kapitel Fideism (ab S. 121). |
| Victor Reppert, Apologet des Apologeten Lewis
gemerkt: Beversluis is generally thought of as the consummate Lewis-basher (siehe |
| Lewis gibt sich den
Anschein gründlicher Problembehandlung, er formuliert aber seine Argumente
selten gut nachvollziehbar: Beversluis holt dies an vielen Stellen für ihn
nach. Mit dem Gründlichkeits- und Genauigkeitsanspruch suggeriert Lewis
aber einwandfreie Argumentation. Trotzdem Beversluis den guten C.S. Lewis zíemlich auseinandernimmt, obwohl er ihm viele Fehler und mangelnde Logik nachweist, beurteile ich nach diesem ausgezeichneten Buch C.S. Lewis als gescheitert auf hohem Niveau. Seine apologetischen Schriften und ihre Widerlegungen durch Wielenberg und Beversluis sind anregend zu lesen. |
| John Beversluis: Professor of Philosophy, emeritus, Butler University; Indianapolis |
| Links |
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| Literatur |
| Antony Flew: Theology and
Falsification. Excerpt from Reason and Responsibility (1968),
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| William Lane Craig: Reasonable
Faith: Christian Truth and Apologetics. Crossway 2008. Taschenbuch: 416
Seiten
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| John W. Loftus: Why I Became an
Atheist: A Former Preacher Rejects Christianity. Prometheus Books 2008.
Taschenbuch, 428 Seiten
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| Erik J. Wielenberg: God and the
Reach of Reason: C.S. Lewis, David Hume, and Bertrand Russell. Cambridge:
Cambridge UP, 2008. Taschenbuch, 243 Seiten
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