| Graham Ward: True
Religion [Deutsch: Auf der Suche nach der wahren Religion, Annerose Karkowski, Übs.] London: Blackwell, 2003. Gebunden, 168 Seiten |
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| Die Religionen
erleben in den letzten Jahrzehnten eine erstaunliche Revitalisierung.
Angesichts Aufklärung, wissenschaftlichen Fortschritt und Verbreitung der
Menschenrechte, des 11.Septembers und der zahlreichen religiös zumindest
teilmotivierten Kriege ist dies eine erstaunliche Entwicklung. Ward billigt den Religionen künftig (wieder) einen höheren Stellenwert in der Öffentlichkeit zu. Hier geht er vielleicht zu sehr von Grossbritannien aus, in Deutschland (und den USA) hatten und haben Religionen immer enormen Einfluss, kein Politiker kann es sich leisten ihre Macht zu unterschätzen. Ward gründet seinen Befund auf eine Krise der säkularen Strömungen und der liberalen Werteordnung (S. 2). Allerdings tauchen die wiedererstandenen Religionen in vielerlei (neuen) Ausprägungen auf. Oft befriedigen sie eine Sehnsucht nach höherem Sinn, Mystik und Geborgenheit die weder die alten Religionen noch eine säkulare Position geben können. |
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| Dazu analysiert Ward zunächst
Religion und Philosophie durch die Jahrhunderte, besonders auch anhand von
Shakespeare, John Donne, Daniel Defoe: Robinson
Crusoe und philosophischen Traktaten. Besonders erhellend fand
ich die Analyse zu Herman Melville: Moby
Dick (S. 106-113; siehe Einen Abschnitt widmet Ward der Durchsetzung des Christentums in Amerika nach 1492. Die Privatisierung des Religiösen ist ein markantes historisches Merkmal der letzten Jahrhunderte. Die Trennung von Staat und Religion ist ein weiterer Wesenszug. In die Lücke des Religiösen stießen Ideologien vor. Es findet aber auch eine erstaunliche Merkantilisierung des Religiösen statt. Graham Ward behandelt ausführlich The Holy Land Experience in Florida und Virginia, USA, und andere religiöse Erlebnisparks. Zum Ende geht er auf die Durchdringung der Kultur (besonders Film) durch das Religiöse ein. |
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| Designargument | |
| Das Designargument von William Paley
bringt Ward kritiklos. Er scheint es zu billigen, denn er fragt, was sein wird,
wenn die Ordnung ohne Gott erklärt werden könnte? (Seine Antwort: die
Religion würde sich anpassen, S. 73). Das alles greift mir zu kurz.
(Siehe Evolution und Intelligentes Design unter |
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| Die eigentliche
Argumentation Wards erschloss sich mir nicht immer. Ein Befund ist, dass die
Unterschiede der Religionen eine größere Rolle spielen werden bis
hin zu culture wars (siehe |
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Der Buchtitel True
Religion ist irreführend (der deutsche Titel Auf der Suche
nach der wahren Religion ist es noch stärker irreführend,
außer wenn man den historischen Verlauf im Buch als Suche nach der wahren
Religion interpretiert; was er aber nie war: jeder Gläubige meint der
wahren Religion anzuhängen. Es gibt nur einen verschwindend kleinen
Prozentsatz von Konvertiten). Es geht weder um die wahre Religion im Sinne von
echt, vielleicht in Richtung von Hans Küngs
Weltethos, noch geht es um Kritierien zur Auswahl der
wahren Religion aus dem weiten Fächer all der
Weltanschauungen, mit oder ohne Wahrheitsanspruch. Am besten passt noch eine
Wortspiel mit dem deutschen Ausdruck: Ware Religion. Im Zug des
Bedeutungsgewinns der Religion werden diese zunehmend konsumfreundlicher
gestaltet, sei es im Christentum
light oder in medialen Religionsshows.
Durch die fundamentalistisch ausgeprägten Strömungen werden zudem die errungenen Menschen- und Bürgerrechte wieder da angeblich nicht vereinbar mit der Bibel zur Disposition gestellt (S. 136). Dass die radikalen religiösen Strömungen zumindest im Westen friedlich nebeneinander bestehen (S. 139) trifft so uneingeschränkt wie Ward meint, nicht zu und kann sich schnell ändern. |
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| Das Buch des
Professors für Theologie und Ethik an der University of Manchester,
England, ist schwer zugänglich, da sich Ward in Einzelheiten verliert und
seine Argumentation oft schwer durchschaubar ist. Der historische Rückblick und die literarischen Interpretationen sind für Kenner sicher bereicherend. Die Analysen zur derzeitigen Situation der Religionen machen nur einen kleinen Teil des Textes aus. |
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| Vergleichsliteratur | |
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| Links | |
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| Graham Ward:
The Future of Religion. Journal of the American Academy of
Religion 74.1 (2006) 179-186.
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| Literatur |
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| Graham Ward: True Religion.
Blackwell 2002. Taschenbuch, 184 Seiten
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