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Keller
Timothy Keller: The Reason for God: Belief in an Age of Skepticism
Chicago, IL: Gale, 2009 Broschiert, 467 Seiten
Deutsche Ausgabe: Warum Gott? Vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit? Friedemann Lux, Übs. Gießen: Brunnen, 2010. Gebunden, 336 Seiten – Keller Knappe zusammenfassende BesprechungKeller LinksKeller Literatur
Aus der Praxis für die Praxis
Timothy Keller ist praktizierender Pastor einer Presbyterier Gemeinde in New York an der er Frage- und Antwortsitzungen abhält. Er pflegt demgemäss eine verständliche Sprache. Er nimmt auch die Zweifel und die Zweifler ernst. Die arrogante Haltung mancher Theologen: Eure Einwände sind uralt und ohne Wissen um die aktuelle theologische Diskussion! teilt Keller nicht.
Daher mahnt Keller sowohl die Gläubigen (“Gläubige” sind hier immer – sofern nicht anders angeführt – religiös Gläubige) Gründe für ihren Glauben zu finden, aber auch die Skeptiker die Annahmen hinter ihren Überzeugungen ausfindig zu machen (S. 22).
Viele Kapitel leitet er mit Fragen oder Bemerkungen aus dem Kreis seiner Gemeinde ein. Der Beantwortung widmet er dann das ganze Kapitel, formuliert allerdings die Fragen um, so dass am Ende die eigentlichen Fragen oft unbeantwortet bleiben. Dazu gleich ein Beispiel: “Christen glauben, dass sie die sie die absolute Wahrheit haben, die jeder andere zu glauben habe. Das gefährdet die Freiheit” lautet die ausgezeichnete Laienbemerkung zum Kapitel 3. Man ist gespannt, denn jetzt will man wissen, ob Christen wirklich meinen, die absolute Wahrheit zu haben, die jeder andere zu glauben habe. Doch Keller formuliert sofort seine eigene Frage zum Unterthema der Laienbemerkung: Ist ein Glaube an die absolute Wahrheit der Feind der Freiheit? (S. 82). Ein glatte Antwort auf die interessantere Frage vermisst man.
Inhaltsübersicht
Grundsätzliche inhaltliche Probleme
Formale Probleme
Teil 1: Der Sprung des Zweifels
Kap. 1 Es kann nicht nur eine wahre Religion geben
Kap. 2 Wie kann ein Gott das Leiden zulassen?
Kap. 3 Das Christentum ist eine Zwangsjacke
Kap. 4 Die Kirche ist für soviel Ungerechtigkeit verantwortlich
Kap. 5 Kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle schicken?
Kap. 6 Die Wissenschaft hat das Christentum widerlegt
Kap. 7 Man darf die Bibel nicht wörtlich lesen
Zwischenteil
Teil 2: Gründe für den Gottesglauben
Kap. 8 Die Spuren Gottes
Kap. 9 Das Wissen von Gott
Kap. 10 bis 14
Fazit
Links
Literatur
Keller beginnt mit einer These: Es gibt eine Polarisierung:
• einerseits Zulauf bei einigen (fundamentalistischen) Religionsgemeinschaften,
• andrerseits bei den Nichtgläubigen (S. 9-11). Dieser Befund für die USA kann wohl auch auf Europa übertragen werden.
Drei Hauptprobleme
Keller plagten drei Hauptprobleme (S. 14):
  • Pluralismus der Religionen
  • Theodizee
  • Warum überhaupt glauben?
Darauf will Keller antworten und gliedert seinen Stoff in zwei Abschnitte mit je sieben Kapiteln.
• Teil 1 soll zweifelnde Fragen beantworten, also negative Gründe zum religiösen Glauben ausräumen,
• Teil 2 will positive Gründe für den Glauben geben.
Beides gelingt, wenn überhaupt, nur sehr beschränkt. Die drei Hauptprobleme bleiben offen.
Grundsätzliche inhaltliche Probleme
1. Glaubenssprung
Vielen Zweiflern wirft Keller vor, dass sie einen Glaubenssprung vollziehen. Implizierter Vorwurf: warum dann nicht auch die Glaubensannahmen des Christen teilen? Prinzipiell hat Keller recht. So ist keine aussagekräftige wissenschaftliche Vorhersage ohne der Annahme, dass die Zukunft der Vergangenheit ähnlich ist, möglich (Gleichförmigkeit der Natur, Keller Links).
Auch das Alltagsverständnis kommt nicht ohne Annahmen aus: Ich gehe beispielsweise jeden Morgen davon aus, derjenige zu sein, der gestern eingeschlafen ist. Doch was sind diese Glaubenssprünge verglichen mit jenen die Keller seinen Lesern zumutet?
Nachdem sich die Beleglage im Teil 2 als so dürftig erweist, muss man so ziemlich alles am christlichen Glauben zunächst mal durch grosse Sprünge glauben: Gott, Engel, Teufel, Himmel. Hölle, ewiges Leben, Auferstehung, Dreifaltigkeit, unsterbliche Seele usw. Keller aber stellt die Sprünge auf dieselbe Stufe. Der Glaube, dass ich beim Aufwachen derselbe bin, ist gleichbedeutend mit dem Glauben an die ewige Höllenstrafe, der Glaube, dass ich besser fahre nur etwas Begründetes zu glauben (der schließlich zum Zweifel an unbegründeten Glaubensannahmen führt) ist für Keller gleichgewichtig mit dem Glauben an die Dreifaltigkeit: “Alle Zweifel [...] sind nur ein alternatives Glaubenssystem” (S. 22). Unterstellt ist hier eine gleichwertige Alternative, mit etwa gleichwertigen Sprüngen ins kalte Wasser.
Ich finde, dass das Wasser des Höllengläubigen sehr viel kälter ist, als desjenigen, der am Morgen aufwacht und sich erinnert Hans Dampf zu sein.
Zur Maxime, dass man nur glauben solle, für das ausreichend Belege vorliegen (direkt oder indirket), also in etwa Cliffords These, siehe Haught 2007, Keller Links.
Viele der nicht-religiösen Glaubensannahmen müssen zudem vom Gläubigen auch akzeptiert werden. Mehrfach ermuntert Keller die Zweifler und Leser den Sprung in den Glauben zu wagen. Wenn wir nur das Vertrauen in Jesus setzen, dann wird seine Sicht der Bibel die unsrige werden (S. 435). Das ist nicht nur wegen des verlangten grossen Glaubenssprung eine Zumutung. Es ist auch extrem diskutiertbar, ob Jesus überhaupt eine Sicht auf die Bibel hatte, von der das Neue Testament noch nicht einmal geschrieben war.
Zweifler sollen nur mal ins Zentrum der biblischen Aussagen tauchen, zu denen Einigkeit besteht: die Göttlichkeit Jesus', seinen Tod und Auferstehung. Implizit: der Rest an Glauben kommt dann schon (S. 203). Auch hier wieder: neben der Sprungzumutung besteht auch keine Einigkeit zu den drei genannten Punkten.
2. Relativismus zum Relativismus: mal dafür, mal dagegen
Vielfach nimmt Keller zweispältige Positionen ein. So steht seinem Appell an einen Relativismus bei der Beurteilung der Bibel (Kap. 7) eine Verurteilung jeglichen Relativismus bei der Grundlegung der Moral (Kap. 9) und bei der Wahrheit des religiösen Glaubens (Kap. 3) gegenüber. Wenn man der Bibel zugesteht, dass man das dortige Wohlwollen gegenüber der Sklaverei aus der andersartigen Zeit und Kultur heraus beurteilen sollte (wobei ich durchaus zustimme), dann kann man nicht, wenn es etwa um Fragen des heutigen Katechismus geht, jede Relativierung ablehnen.
3. Falsche Vorstellung von einer Tatsache
Mit dem Glaubenssprung verbunden ist Kellers falsche Auffassung einer Tatsache. Sie zeigt sich in der Einschätzung wissenschaftlicher Theorien (wenngleich dies bei Keller nicht so stark in den Vordergrund tritt, wie bei anderen Apologeten). So ist nach Keller eine Tatsache (S. 401, Fn.9) etwas, das
• a) für buchstäblich jeden selbsteinsichtig (“self-evident”) ist oder
• b) zwar nicht selbsteinsichtig per Sinneswahrnehmung ist, das aber wissenschaftlich bewiesen werden kann. Wenn wir etwas für wahr halten, dass nicht auf eine dieser beiden Arten gezeigt werden kann, dann ist es ein Glaube oder ein Glaubensakt (“act of faith”).
Damit wischt Keller viele Abstufungen zwischen starkem Für-wahr-Halten und Glauben ohne Belege hinweg, insbesonders nivelliert er die die Differenzierung im Englischen zwischen “belief” und “faith”. Bertrand Russell fasst die Explikation ganz anders: “We may define »faith« as a firm belief in something for which there is no evidence. Where there is evidence, no one speaks of »faith«” (Human Society in Ethics and Politics, 1954).
Alles, was nicht a) oder b) genügt, also ziemlich viele unserer Überzeugungen, wird zum reinen Glauben. 4. Das Fehlen von Belegen für etwas ist kein Beleg dafür, dass es dieses Etwas nicht gibt
Im Englischen wird dieses Wortspiel einprägsam so formuliert: “The absence of evidence is no evidence of absence” (siehe Sober 2009, Keller Literatur).
Anmerkung: “evidence” ist nicht – wie oft falsch übersetzt wird – Evidenz, sondern umfasst mehr: Beleg, Grund, ...
Oft wird mit diesem Slogan begründet, warum es das Etwas doch gibt.
• Der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld legte damit nahe, dass der Irak doch Massenvernichtungswaffen habe (obwohl es keine Belege dafür gab) und die USA begannen einen Krieg gegen das Land.
• Gläubige stampfen damit oft in der Diskussion auf: “Du kannst mir nicht beweisen, dass es Gott nicht gibt” und damit – sotto voce – gibt es ihn.
Der Fehlschluss folgt von der Möglichkeit auf die Existenz. Dieser Fehlschluss ist weit verbreitet und unter “Argument aus Nichtwissen” (“Argumentum ad ignorantiam”, Keller Links) gut bekannt. Nur zwei Beispiele, aus Geschichte und Gegenwart:
1. Die Idee des Anselmschen Gottesbeweises ist es, dass etwas, über das hinaus nichts Vollkommeneres gedacht werden könne, auch existieren muss. Ansonsten fehlt ihm Wesentliches an der gedachten Vollkommenheit. Für die Diskussion über den Anselmschen Gottesbeweis wurden schon ganze Wälder abgeholzt, man forsche gegebenfalls hier weiter: Gottesbeweisse, Keller Links.
2. Gegenwart: Prof. Walter Brandmüller argumentiert:
• (1) Wir wissen allein von der materiellen Welt wenig.
• (2) Der Bereich des Seienden und des Möglichen ist also größer ist als es mein Vorstellungs- bzw. mein Denkvermögen sich vorzustellen oder zu denken vermag.
• (3) Es gibt Dimensionen der Wirklichkeit, zu denen die bloße Vernunft keinen Zugang gewährt.
• (4) Der Standpunkt “Ich glaube nur, was ich sehe” (genauer: was empirisch nachzuweisen ist) ist ebenso naiv wie arrogant.
Den ersten beiden Prämissen werden wohl alle zustimmen. Extrem problematisch ist der Übergang von (2) zu (3) und zwar wegen drei Formulierungen:
1) “Dimensionen der Wirklichkeit”: Das ist eine Erweiterung, die über (2) hinausgeht. Dort ist nur vom Seienden und Möglichen die Rede: nichts von neuen Dimensionen. Zudem ist “Dimension” hier sehr vage. Nur weil wir nicht alles über die materielle Welt wissen muss es nicht neue Seinsbereiche (wenn man das unter Dimension versteht) geben.
2) “die Vernunft hat keinen Zugang”: Nur weil wir noch wenig über die materielle Welt wissen, bedeutet das nicht, dass wir nicht per Vernunft zu diesem Wissen kommen können (siehe »Ignorabimus«, Keller Links). Dort wo wir jetzt schon Zugang haben, geschah es ausschließlich mit Vernunft. Jeden Tag erweitert sich zudem unser Wissen.
3) “bloße”: das suggeriert, dass es außer der Vernunft noch andere Wege zur Erkenntnis gibt. Es gibt sie zwar (mancher tippt intuitiv 6 Richtige im Lotto; die Vogelflugschau mag manchmal zu korrekter Wettervorhersage führen), aber all diese Methoden sind – nach allem was wir wissen – sehr unzuverlässig.
Walter Brandmüller im Dialog mit Ingo Langner über die Rationalität des Glaubens, Welt Online, 8. 8. 2008, Keller Links.
Keller legt diesen Fehlschluss von der Möglichkeit auf die Wirklichkeit oft zumindest unterschwellig nahe. Man lese dazu Einleitung und Kapitel 1. Keller legt mehr oder weniger glaubhaft dar, dass es möglich ist, dass es nur eine wahre Religion gibt. Also ... Aber man lese selbst, was Keller daraus macht.
5 Der Autor ist Praktiker
Keller schreibt aus der Praxis mit Fragen, wie sie oft Laien stellen. Sie sind daher verständlich gestellt und oft prima facie nachvollziehbar beantwortet. Das ist von grossem Vorteil, hat aber auch den Nachteil, dass der Text mit Bekehrungsgeschichten, Bibelinterpretationen oder Predigtauszügen durchsetzt ist.
Formale Probleme
• Obwohl die 14 Kapitel thematisch gut gegliedert sind wird manches immer wieder diskutiert. Hier hätte eine Ausgliederung gut getan oder zumindest eine Aufstellung der Axiomen (hier: Dogmen), z.B. Vertrauen in die Bibel (“Der christliche Glauben verlangt Glauben an die Bibel”). Dort hätte man diese auch genauer erläutern können, beispielsweise was in diesem Zusammenhang “Glauben an die Bibel” bedeutet).
Ich sehe natürlich, dass die vorgeschlagene Vorgehensweise Kellers Taktik zuwiderläuft. Er will den Leser in kleinen Schritten den Axiomen zuführen ohne sie explizit möglichst genau hinzuschreiben. Typisch zu diesem Vorwurf ist gleich das erste Thema, das schon in der Einleitung begonnen wird und in Kapitel 1 mehrfach beleuchtet wird.
• Die Kapitelfragen werden oft nicht konkret beantwortet. Typische Beispiele:
Kap. 1 Es kann nicht nur eine wahre Religion geben und Kap. 3 Das Christentum ist eine Zwangsjacke. Keller vertritt die Ansicht das Chistentum ist die einzig wahre Religion. Wenn ich es aber nicht überlesen haben, schreibt Keller nie explizit: Das Christentum ist die einzig wahre Religion. Er müßte dann schon mal genauer sagen, ob es seine Presbyterianische Kirche ist oder welche auch immer. Er legt dem Leser diesen Schluss nur nahe, indem er zeigt, dass man Religion nicht ausrotten kann und dass die christliche Religion sehr wirkmächtig war.
Die Kapitelfrage 3 beantwortet Keller – sich lange windend – mit “Ja, aber der Christ empfindet es nicht so”.
Keller Anfang
Teil 1: Der Sprung des Zweifels
In den ersten sieben Kapitel will Keller den Zweiflern an der christlichen Religion begegnen. Das gelingt ihm nur sehr eingeschränkt.
Kap. 1 Es kann nicht nur eine wahre Religion geben
Die These “Es kann nicht nur eine wahre Religion geben” (S. 22) kann nicht empirisch nachgewiesen werden (siehe oben 3b). Sie stellt auch keine allgemein anerkannte Wahrheit dar (siehe oben 3a). Wer diese These vertritt vollzieht also einen Glaubensakt. Soweit hat Keller recht. Es ist sehr wohl möglich, dass es nur eine wahre Religion gibt.
Ich meine weitergehend: Widersprechen sich die Religionen zeigt das vielmehr, dass es höchstens eine wahre Religion gibt. Diese Folgerung zieht Keller freilich nicht.
In apologetischen Schriften wird oft eine weiche Einstellung zur eigenen Religion eingenommen. Der Andersgläubige sitzt ja mit im Boot wenn es gegen den Unglauben geht. Würde Keller die auf der Hand liegende Folgerung (“Höchstens eine der sich widersprechenden Religionen ist wahr”) aussprechen, würden viele Nicht-Presbyterianer aus dem Diskurs aussteigen.
Doch dann wird Keller zu allgemein und geht fehl. Der Grund für den Zweifel an A ist der unbeweisbare Glaube an B. Jeder Zweifel ist daher ein Sprung auf eine Glaubensannahme. (S. 22). Unterschwellig: beides sind gleich zu bewertende Glaubensannahmen. Dem ist nicht so.
Der Zweifel an A kann sein, dass es widersprüchliche Religionen A1, A2, ... An gibt. Sie können nicht alle gleichzeitig wahr sein. Das ist eine Metaüberzeugung aufgrund logischer Einsicht. Die These Kellers von S. 22 muss daher umgekehrt so formuliert werden: Von sich gegenseitig widersprechenden Religionen A1, A2, ... An kann allenfalls eine wahr sein. Keller kommt nach einer Differenzierung zur Person Jesus abgeschwächt ebenfalls zu dieser Überzeugung: “We [a Christian, a Jew, a Muslim] couldn't all be equally right about the nature of God” (S. 36). Hier gesteht er durch das “equally” den anderen Religionen zu, dass sie richtig liegen, aber die eine Religion liegt halt mehr richtig, die andere weniger. Das ist ein Wahrheitsrelativismus, von dem ich mir nicht sicher bin, ob ihn Keller letztlich unterschreiben würde. Keller weicht – wie noch oft in den folgenden Kapiteln – den kapiteleingangs gestellten Fragen aus und geht auf andere Probleme über.
Keller stimmt zu: ein Haupthindernis für eine Welt des Friedens ist die Religion und sind speziell die großen traditionellen Religionen mit ihrem Exklusivheitsanspruch (S. 37). Es gibt drei Gegenmassnahmen (S. 38):
1. Religion soll verboten werden. Dem gibt Keller keine Chance, da es Religion immer geben werde (S. 40).
2. Ächtung der Religion: durch Erziehung und soziale Ächtung soll die Religion zurückgedrängt werden. Folgende Thesen könnte man dafür anführen (S. 42-47).
• Alle großen Religionen sind gleich gültig und sie sagen grundsätzlich das Gleiche.
• Jede Religion hat einen Teil der Wahrheit, aber keine die ganze Wahrheit.
• Alle moralischen und geistigen Behauptungen sind zu kulturell und historisch bedingt um eine davon als wahr auszuzeichnen (siehe nachfolgend: Pluralismus Argument).
• Es ist arrogant darauf zu bestehen, dass die eigene Religion richtig ist und man daher die anderen missioniert.
3. Religion muss privat bleiben (S. 51)
Pluralismus Argument (S. 45-47)
(P1) Alle moralischen und geistigen Behauptungen sind zu kulturell und historisch bedingt.
(P2) Jeder gehört einem kulturellen und historischen Gesellschaftsausschnitt an, der die eigenen Behauptungen anerzieht und verstärkt und die anderen – aus anderen Kulturkreisen – abwertet.
(P3) Es ist daher unmöglich die Wahrheit der konkurrierenden Überzeugungen zu beurteilen.
Die von Keller herangezogenen Peter L. Berger und Alvin Plantinga (zu beiden siehe Keller Links) haben recht: (P3) folgt nicht. Die beiden Tatbestände der Prämissen (P1) und (P2) machen die Beurteilung nur schwieriger (S. 46). Daher folgt allenfalls:
(P3') Es ist schwierig die Wahrheit der konkurrierenden Überzeugungen zu beurteilen.
Andrerseits kann man auch nicht so sicher sein, das es überhaupt möglich ist. Aus der Verwerfung der Folgerung (P3) folgt nicht, dass man die wahren Behauptungen herausfindet.
Plantingas etwas abgewandeltes Pluralismusargument überzeugt dagegen nicht. Er stellt die Gegenfrage:
Folgt daraus, dass die fraglichen Überzeugungen auf unverlässliche Weise entstanden sind?
Wenn ja – so Plantinga –, gilt das auch für die Überzeugungen des Pluralisten.
Ich meine, das ist daneben. Es wird ja nicht behauptet, dass der Glauben an eine der vielen sich widersprechenden Religionen durch einen unzuverlässigen Prozess entstanden sei, sondern:
(P4) Die Religionen A1, A2, ... An widersprechen sich.
(P5) Folglich kann – wenn überhaupt – nur 1 der Religionen richtig sein.
(P6) Die allermeisten Menschen behalten ihren Glauben von Geburt an das ganze Leben. (P7) Entweder kann man zwischen A1, A2, ... An die einzig wahre Religion nicht herausfinden, da die Belege ungenügend sind, oder die Gläubigen sind unfähig (z.B. zu befangen) um zwischen A1, A2, ... An entscheiden zu können oder keine der Religionen ist wahr.
Die Pluralismusthesen (P3) und (P3') sind Metaaussagen über die Beurteilung verschiedener Theorien und daher entstehungsmässig nicht mit der Entstehung der Theorien selbst zu vergleichen. Die Aussage (P5) folgt logisch aus (P4); die These (P6) ist empirisch gut belegt:
Gäbe es 1 wahre Religion (sie sei An) unter den vorhandenen A1, ... An und wäre sie von der Beleglage her und dem Vermögen der Gläubigen gemäss gut entscheidbar, dann müssten nahe zu alle, die von Geburt an den Religion A1, ... A(n – 1) zur Religion An wechseln. Das tun sie nicht (P6), daher (P7).
Mit all seinen Argumentationen greift Keller nur diese Thesen an:
• “any exclusive claims to a superior knowledge of spiritual reality cannot be true” (S. 49)
• Alle Religionen sind gleich (S. 50-51).
Er argumentiert nicht für die These: Es gibt genau eine wahre Religion und sie ist eine unter den vielen bekannten. Das aber ist die These – so las ich es zumindest – die Keller vertritt.
Fazit zum Pluralismusargument
Die Vielzahl der sich widersprechenden Religionen ist für den Vertreter einer einzig wahren weiterhin ein grosses Problem.
Dagegen wirft Keller selbst eine weitere Frage auf: “Warum kümmern sich die Skeptiker um diese Frage?” (S. 50), gemeint ist: warum liegt Skeptikern die Frage nach der wahren Religion am Herzen? und gesteht, er habe darauf keine Antwort. Damit will er den Skeptikern die Frage nach der einzig wahren Religion absprechen oder zumindest ihre Argumentation erschüttern: sie beträfe es ja eh nicht. Mir fallen jedoch spontan zwei Antworten darauf ein.
• Eine davon gab Keller selbst: ein Haupthindernis für eine Welt des Friedens ist die Religion und speziell sind es die großen traditionellen Religionen mit ihrem Exklusivitätsanspruch. (S. 37).
• Mit Richard Dawkins (und vielen anderen) bin ich der Meinung, dass es einen sehr grossen Unterschied ausmacht, wenn eines der religiösen Glaubenssysteme wahr wäre. Wir wüßten auch als Skpetiker gerne, welches es ist.
In seinem Bemühen, eine religiöse Weltanschauung plausibel zu machen, beschreitet Keller auch den umgekehrten Weg. Er umfasst möglichst viele, damit seine Argumentation mehr quantitatives Gewicht erhält. Milliarden können nicht irren. So verwässert Keller den Religionsbegriff zu: “It is a set of beliefs that explain what life is all about, who we are, and the most important things that human beings should spend their time doing” (S. 53). Dann ist nahezu jede Weltanschauung, auch die agnostische oder atheistische eine Religion (S. 54). Also kann man wohl nichts mehr dagegen einwenden Keller?
Kap. 2 Wie kann ein Gott das Leiden zulassen?
Das Theodizee-Problem quält die Menschen seit langem. Keller formuliert es nie (dann läßt sich leichter argumentieren), beruft sich aber auf Mackie 1982. Ich übernehme das Argument etwas verkürzt von Hoerster 1985 (beide siehe Keller Literatur; siehe auch: “VII Warum läßt Gott das Übel zu?” in: Hoerster 2005, Keller Links).
(T1) Es gibt einen Gott, ein Wesen, das die Welt erschaffen hat und erhält.
(T2) Dieser Gott ist allmächtig und allwissend.
(T3) Dieser Gott ist allgütig.
(T4) Es gibt in der Welt, so wie wir sie aus der Erfahrung kennen, Übel.
(T5) Folgerung: Wenn es das Übel gibt kann Gott, so es dieses Wesen gibt, entweder nicht allgütig sein oder nicht allmächtig.
Keller führt im Wesentlichen zwei Gegenargumente an:
1) Für das Übel gibt es uns unbekannte Gründe und Zwecke.
2) Das Übel erfordert Gott.
1) Für das Übel gibt es uns unbekannte Gründe und Zwecke
Mackie argumentiert in The Miracle of Theism mit “pointless evil”. Dagegen hält Keller – zurecht – wir können nicht wissen, ob das Übel sinn- und zwecklos ist. Diese Einschränkung durch Mackie ist aber überflüssig, wie man an obiger Prämisse (T4) erkennt.
Keller fragt: Kann es nicht sein, dass es gute Gründe und Zwecke für das Böse gibt, ohne dass wir sie sehen? (S. 68). Ein Gott, wie unter den Prämissen (T1) bis (T3) spezifiziert, kann auch gute Gründe haben, die wir nicht kennen.
Wie so oft kann es Keller nicht lassen, mehr einfließen zu lassen als er bisher gezeigt hat. Er geht sofort über zu: “Horrendous, inexplicable suffering, though it cannot disprove God, ...” (S. 68). Keller hat gerade noch nicht gezeigt, dass das Theodizee-Argument nicht doch zwingt eine der drei ersten Prämissen aufzugeben.
Kellers “Argument aus Nichtwissen” (Keller Links) hilft nicht aus der Theodizee–Patsche, wie ich mit den folgenden Punkten a) bis c) zeigen werde.
a) Selbst wenn es möglich sein könnte, kann Keller nur sehr schwache Belege dafür angeben, dass es andere gute Gründe für das Übel gibt.
• Es sind die Geschichten, in denen Menschen Übles widerfährt, sie aber dadurch Gutes erfahren. Jedoch: nur in sehr wenigen Fällen führt der Tsunami zu Gutem, etwa, dass man durch eine Hilfsorganisation das weggeschwemmte Hotel wieder aufgebaut erhält und jetzt nagelneu und viel schöner als zuvor. Von diesen wenigen Fällen sind es wieder sehr wenige, bei denen dann das dadurch erfahrene Gute das zuvor geschehene Übel mindestens aufwiegt. Wenn der Tsunami zugleich die Kinder tötete, wird das neue Hotel kaum ein Ausgleich sein.
• Insbesondere all die Praxisbeispiele Kellers, bei denen mit dem Übel auch Gutes kam, ziehen nicht, beispielsweise Joseph in Ägypten (S. 66).
• Es ist geradezu zynisch z.B. ein unverschuldetes Unfallopfer damit zu trösten oder den Unfall gut zu reden, dass man darauf hinweist, es habe ja im Krankenhaus und in der Rehabilitation so viele nette Menschen kennengelernt. Ohne den Unfall hätte das Opfer all das Gute, dass ihm widerfahren ist, nicht erfahren. Genau das ist Kellers Argumentation im Falle des alttestamentlichen Joseph.
b) Da der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist, sollte er in der Lage sein, die verborgenen Vorteile zu erkennen. Der Idee vom »Deus absconditus« (Keller Links) wird öfters die Idee vom erkennbaren Gott entgegengesetzt. Dieser Kritikpunkt an Kellers Gegenargument ist freilich nicht so durchschlagend wie die anderen. Dagegen fegt der dritte Punkt Kellers “Argument aus Nichtwissen” – wie ich meine – hinweg.
c) Wegen der Prämissen (T2) und (T3) wäre es für Gott ohne weiteres möglich die mehr oder weniger verborgenen guten Folgen des Üblen oder auch die unerkennbaren Zwecke ohne das Übel zu bewerkstelligen. Das Theodizee-Argument greift also wieder voll. Wenn man nun auch dafür, dass Gott diesen Weg ohne Übel nicht nimmt, weitere, uns unbekannte Gründe reklamiert, so bleibt die Riposte jeweils dieselbe: auch diese könnte Gott ohne weiteres ohne Einsatz des Üblen realisieren. Es bleibt dabei: Wenn Gott aus seinem Blickwinkel gute Gründe und Zwecke (die wir nicht sehen) für das Übel in der Welt hat, könnte er als Allmächtiger diese Gründe und Zwecke auch bewerkstelligen ohne Übel in der Welt.
2) Das Übel erfordert Gott
Keller dreht den Spieß um: Das Böse und das Leiden sind Belege für Gott. Ohne den Begriff des Üblen fehlt dem Theodizee-Argument eine wichtige Prämisse. Wenn man trotzdem auf Prämisse (T4) beharrt, zeigt das gerade, dass es einen Gott gibt. Ansonsten gäbe es keine Instanz (ausgenommen die einzelnen Menschen mit ihrer subjektiven Einschätzung), die das Gute vom Bösen unterscheidet.
Man kann das Gegenargument so formulieren:
(GT1) Die Welt ist grausam und ungerecht.
(GT2) Die Wertungen “grausam und ungerecht” brauchen einen Massstab.
(GT3) Ist der Massstab subjektiv, dann ist die Welt nicht wirklich grausam und ungerecht, sondern lediglich an einem subjektiven Massstab gemessen.
(GT4) Ist der Massstab objektiv: woher stammt er? Wenn nicht subjektiv, dann von Gott.
Oder evolutionär argumentiert:
(ET1) Die Evolution bringt Tod und Überleben, Gewalt, ...
(ET2) In der naturalistischen Evolutionstheorie gehört Fressen und Gefressen werden, d.h. das “normale” Böse und Leiden zum natürlichen Geschehen.
(ET3) Auf welcher Grundlage stuft der Atheist die Welt als übel ein? (S. 67-70)
In Prämisse (GT1) erscheint uns die Welt nur so. An sich ist alles völlig natürlich. Das Argument kommt nicht ins Rollen oder der starke intuitive Schein für (GT1) zwingt uns zur Folgerung (GT4).
Hier wird zwischen den Ebenen jongliert. Nur unter der Voraussetzung, dass es nicht alleine die Evolution ist, sondern der Schöpfergott dahintersteht (Prämisse T1) stellt sich die Theodizee-Frage. Ohne den Schöpfergott stellt sie sich nicht, da ist der Tsunami tatsächlich völlig natürlich. Das Theodizee-Argument stellt dann, ausgehend von (T1) nicht Gott direkt in Frage, sondern einen allgütigen und allmächtigen Gott (“good and powerful God”, S. 65). Es setzt die Existenz eines allmächtigen, allgütigen Gottes voraus und zeigt, dass er entweder nicht allmächtig ist oder nicht allgütig oder beides nicht zutrifft.
Keller – verstärkt mit Plantinga (S. 70) – haben beide recht: dem Atheisten oder Agnostiker stellt sich die Theodizeefrage nicht. Aber unter den Voraussetzungen T1 bis T3 ist das Böse und das Leiden kein Beleg für die Existenz eines Gottes (die wird in T1 vorausgesetzt), sondern gegen einen Gott mit den in T2 und T3 genannten Eigenschaften. Zudem ist die Feststellung (GT3) zweifelhaft. Auch wenn man nur subjektiv die Welt als grausam und ungerecht erkennt, ist sie das aus dem subjektiven Blickwinkel. Das Theodizee- Problem ist damit nicht vom Tisch. Immanuel Kant destilliert in der Metaphysik der Sitten aus bloßen Überlegungen den Kategorischen Imperativ. Das zeigt, man kann, durch eigene Überlegung zu einer Sichtweise vom Bösen kommen, die auch für andere zum Massstab dienen kann.
Argument mit dem Kreuzestod Jesus
Absurd ist das Argument mit dem Kreuzestod Jesus. Ich führe es daher nur der Vollständigkeit halber an. Warum gibt es das Böse? Die Antwort – so Keller (S. 76) – kann nicht sein: “Da Gott uns nicht liebt”, weil Jesus am Kreuz gestorben ist. “God takes our misery and suffering so seriously that he was willing to take it on himself” (S. 76). Also: Gott liebt uns, trotzdem es uns anhand des Übel in der Welt anders erscheint. Es mündet in das erste Gegenargument oben: für das Übel gibt es uns unbekannte Gründe und Zwecke.
Diesem Argument kann nur derjenige folgen, der schon den Kreuzestod aus einem gläubigen Blinkwinkel sieht. Für andere kann es jede Menge anderer Gründe geben, dass Jesus am Kreuz starb, beispielsweise dass Gottessohn Jesus Leid gerne mag.
Fazit: Kapitel 2 ist nur an der Oberfläche stark. Die Theodizee ist weiter ein starkes Argument gegen einen allmächtigen & allgütigen Schöpfergott.
Kap. 3 Das Christentum ist eine Zwangsjacke
Die im Kapitel 3 eingangs gestellte Frage: “Ist der Glaube an eine absolute religiöse Wahrheit der Feind der Freiheit?” (S. 82) wird nicht zufriedenstellend beantwortet. Der Autor schweift ab, stellt ähnliche Fragen, gesteht einiges zu, erklärt es für gut und schreibt den Leser duselig.
Wenn ich es richtig las, antwortet Keller durch die Blume: Ja, aber der Christ empfindet es nicht so.
Kap. 4 Die Kirche ist für soviel Ungerechtigkeit verantwortlich
Kellers Taktik hier ist es, alles zuzugestehen und Gegenargumente zu formulieren. Beispiel: “Church officials seem to be at least (if not more) corrupt than leaders in the world at large” (S. 110). Gegenargument Kellers: auch Nichtgläubige sind korrupt. Keller bringt aber – soweit ich sehe – kein Pro-Argument in dem Sinne, dass der Glaube etwas Positives bewirkt oder ist.
Kap. 5 Kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle schicken?
Schon aus der Fragestellung kann man in etwa die Stossrichtung erkennen. Was man erwartet, ist eigentlich die Frage: Wie passt es zusammen, dass Gott ein allliebender Gott ist und trotzdem Leute für ewig in die Hölle schickt? Also eigentlich eine Erweiterung oder ein Unterpunkt zur Theodizeefrage, behandelt im Kap. 2. Wer nicht genau liest, merkt den Unterschied nicht und kann umso leichter schwindlig geredet werden.
Das Argument ist im Wesentlichen eine Berufung auf den Relativismus. Es fällt damit unter den grundsätzliche Einwand (siehe oben), dass Keller mal dem Relativimus das Wort redet, mal strikt ablehnt.
Nicht die gesamte Menschheit hat die westliche moderne Sicht der Dinge. Warum soll man sie für unausweichlich halten (S. 140)? Der Einspruch und die Abneigung gegen die Höllenstrafe ist Ausgeburt des modernen westlichen Denkens (S. 140). Aus anderen Kulturkreisen kommt dagegen ein Einspruch gegen die Gottes Aufforderung auch die andere Wange hinzuhalten (S. 140). Nun die rethorisch gedachte Frage: Soll man das moderne westliche Denken überlegen zu den anderen Kulturen einschätzen? Die meisten verneinen solchen West-Zentrismus. Da sie das Wange hinhalten ethisch für völlig in Ordnung halten – so Kellers implizite Folgerung – sollten sie auch nichts gegen die Höllenstrafe haben.
Keller plädiert also für einen Relativismus, der dazu führt, dass man die Höllenstrafe nicht mehr als so radikal ansieht. Unsere Abneigung dazu ist eine lokale und zeitlich begrenzte Einstellung ohne Allgemeingültigkeit.
Das kann man nicht als ausreichende Antwort auf die Kapitelfrage akzeptieren.
Dann greift Keller zu einem der schäbigsten Thesen gegenüber Minderheiten oder Benachteiligten (seien es Okies wie in John Steinbeck: The Grapes of Wrath oder Sinti und Roma oder Menschen in Slums oder ...): Sie wollen es nicht anders. Keller formuliert es so: “All God does in the end with people is give them what they most want, including freedom from himself” (S. 152). Wenn es so ist, will ich wirklich in die Hölle (und nicht nur aus Koketterie oder um Höllengläubige auf die Palme zu bringen). Das hat übrigens C. S. Lewis schon etwas eleganter formuliert: “There are two kinds of people: those who say to God, »Thy will be done,« and those to whom God says, »All right, then, have it your way«.” The Screwtape Letters, siehe Keller Links.
Kap. 6 Die Wissenschaft hat das Christentum widerlegt
Keller gibt die These vor: “Die Wissenschaft hat bewiesen, dass es Wunder nicht gibt” und fügt gleich an: Das stimmt nicht; es ist ein Sprung des Glaubens (S. 160).
Er hat recht: man kann nicht beweisen, dass es keine Wunder gibt (siehe dazu Beweis in Philosophie, Logik, Naturwissenschaft und vor Gericht, galilei Links). Ebenfalls kann weder bewiesen werden, dass es Gott gibt, noch dass es ihn nicht gibt (S. 162). Es schwingt wieder das “Argument aus Nichtwissen” durch den Text: also sind Wunder möglich, also gibt es sie wohl auch.
Richard Dawkins behauptet aber nur, die Wissenschaft habe mit Charles Darwin Gott als Erklärung überflüssig gemacht. Man kann die Entstehung des Lebens und des Bewusstseins heute wissenschaftlich erklären ohne supranatürliche Wesen anzunehmen. Darüber wäre zu diskutieren. Während Keller hier (und an vielen anderen Stellen, z. B. S. 23, 24, 49, ...) die versteckten, impliziten Hilfsannahmen, die letztlich geglaubt werden müssen, tadelt, nimmt er für ganz andere Sachverhalte ganz selbstverständlich die explizite Berufung auf den bloßen Glauben in Anspruch, beispielsweise: “the Christian faith requires belief in the Bible” (S. 181). Dabei bleibt freilich offen, auf was sich der Glaube hier bezieht: Teile der Bibel, metaphorische Interpretation, ...?
Zur Vereinbarkeit der Genesis mit der Evolution beruft sich Keller auf eine entsprechende Interpretation des Bibeltextes. Es stellt sich freilich die Frage: wenn die Bibel für uns Menschen sein soll, warum hat sie Gott nicht interpretierungssicher gemacht? Warum ist die Bibel so sehr der Interpretation bedürftig? (S. 172-173)
Keller argumentiert zu recht:
• Wenn ein Teil der Bibel nicht wörtlich aufgefasst werden darf (Keller meint es sind sehr wenige Stellen, S. 172), dann darf das nicht auf die ganze Bibel übertragen werden.
• Das gilt auch so bei der menschlichen Kommunikation (S. 173).
Allerdings ist es so:
• Wenn ein Teil der Bibel nicht wörtlich aufgefasst werden darf, dann sind die anderen Teile auch sehr vorsichtig zu lesen.
• Übertragen auf die menschliche Kommunikation: wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.
Es stellt sich die Frage: Welches Kriterium hat man für wörtlich oder nicht wörtlich oder metaphorisch oder gleichnishaft oder Legende?
Keller baut Zweiflern eine goldene Brücke: es gibt soviele unterschiedliche Positionen zur Genesis und Evolution im Christentum: der Zweifler muss keine davon annehmen. Wenn er nur mal die Grundaussagen annimmt, der Rest wird sich schon einstellen.
“The skeptical inquirer does not need to accept any of these positions in order to embrace the Christian faith.” (S. 173)
Es geht unmittelbar weiter: “Rather, he or she should concentrate on and weigh the central claims of Christianity. Only after drawing conclusions about the person of Christ, the resurrection, and the central tenets of the Christian message should one think through the various options with regard to creation and evolution” (S. 174)
Hier macht Keller seinen grossen Glaubenssprung: “Speaking personally, I take the whole Bible to be reliable not because I can somehow »prove« it all to be factual. I accept it because I believe in Jesus and that was his view of the Bible” (S. 435).
Während Keller also sehr oft den Nicht-Gläubigen ihren Glaubenssprung vorwirft, nimmt er ihn selbst in Anspruch. Zudem: wie kann er Jesus Sicht (“his view”) auf die Bibel kennen? Zumal zu Jesus' Lebzeiten das NT noch nicht einmal geschrieben war?
Das Kapitel 6 besteht mehr in der Überredung dazu, mit einer Vertrauensvorgabe die Bibel trotz allem sehr wörtlich zu lesen. Es ist ziemlich unbefriedigend.
Kap. 7 Man darf die Bibel nicht wörtlich lesen
Die Kapitelüberschrift läßt einen Neuaufguss der schon im vorherigen Kapitel diskutierten Fragen vermuten. Dem ist nicht so, denn hier sucht sich Keller einen anderen Gegner: den Bestsellerautor Dan Brown mit seinen fiktiven “Verschwörungstheorien”, auf die ich nicht eingehen werde.
Bei den heikligeren Fragen flüchtet Keller wieder in einen Relativismus. Der Bibeltext muss interpretiert werden und aus dem historischen Kontext heraus beurteilt werden. Man soll also beispielsweise zur Frage der Sklaverei den historischen Kontext berücksichtigen (S. 197–198). Zudem: keine Verallgemeinerung unseres heutigen Kontextes, kein Überlegenheitsgefühl unserer Zeit und ihrer (moralischen) Grundsätze (S. 199)!
Dieser relativistischen Position kann man zustimmen. Es passt aber nicht dazu, dass Keller andernorts im Buch den Relativismus scharf von sich weist. Auch von der römisch- katholischen Kirche wird jeder Relativismus abgelehnt. Es stellen sich außerdem die schon oben genannte Fragen:
• Wenn die Bibel für uns Menschen sein soll, warum hat sie Gott nicht kontextunabhängig überliefert? Z.B. bezüglich Stellung der Sklaverei.
• Warum ist die Bibel so sehr der Interpretation bedürftig? (S. 197)
• Im Zuge seines Plädoyers für eine relativistische Position fragt der Autor: “Wie können wir unseren Zeitstandard als Massstab nehmen um zu entscheiden, welche Teile der Bibel gültig sind und welche nicht?” (S. 201) Nun, wenn wir aus der Bibel Verhaltenslehren ziehen wollen, müssen wir irgendwie erkennen können, welche Positionen, Anweisungen und Gebote auf für hier und heute gültig sind. Die Alternative, statt der eigenen Erkenntnis sich auf Autoritäten, Schriftgelehrte und Experten zu verlassen, birgt zu hohe Gefahren. Keller versucht es geschickt. Das Christentum abzulehnen, weil Teile der Bibel anstößig (“offensive”) sind, bedeutet man geht von einem Gott aus, der keine Sichtweisen hat, die einen verärgern (“upset you”) (S. 201). Sotto voce: und das ist ja wohl vermessen und daher zurückzuweisen. So einfach bekommt man die anstößigen Bibelstellen nicht vom Tisch. Schließlich verlangt Keller die Bibel selektiv ernst zu nehmen: in der richtigen Ordnung. Beispiel: Zuerst ist wichtig, was wir über Jesus glauben und dann erst wie die Stellung der Frauen in der Kirche ist (S. 201-202). “Don't worry about gender roles until you figure out what you think about the central teachings of the faith” (S. 202). Auf derselben Seite dann stellt Keller fest: wenn Jesus der Sohn Gottes ist, sollten wir seine Lehren ernst nehmen inklusive der gesamten Bibel (S. 202). Da bleibt der Leser am Ende so ratlos wie zu Beginn des Kapitels.
Ich fasse die Ungereimtheiten und offenen Fragen zu Kellers Bibelverständnis zusammen: Der christliche Glaube verlangt den Vertrauenssprung in/an die Bibel.
• Wenn die Bibel für uns Menschen wichtig sein soll, warum ist sie nicht interpretierungssicher?
• Welches Kriterium hat man dafür welche Bibelabschnitte wie gelesen werden sollen?
• Welches Kriterium hat man für die selektiv essentielle und die weniger wichtigen Teile?
• Wie kann man den geforderten Relativismus bezüglich der Bibel begründen, wenn ansonsten (Moral, andere Religionen) der Relativismus abgelehnt wird?
Zwischenteil
Keller wirft Richard Dawkins, Daniel Dennett, Sam Harris and Christopher Hitchens (DDHH; siehe "Die vier Reiter der Gegen-Apokalypse", Keller Links) einen starken Rationalismus vor:
• Gott ist eine Hypothese / Proposition.
• Eine Hypothese / Proposition sollte man nur glauben, wenn sie logisch bewiesen oder empirisch belegt werden kann (S. 209).
Von meiner Lektüre der verschiedenen Werke dieser vier Autoren (Keller Links) habe ich nicht den Eindruck, dass sie einen wasserdichten Beweis fordern. Was sie fordern sind genügend Belege. Mit ihrer Verurteilung von “belief without evidence” fordern sie Belege ein, nicht aber Beweise. Die unterschiedliche Auffassung zu “faith” und “belief” (zwischen Keller und DDHH) spielt hier eine wichtige Rolle. Siehe dazu oben unter “Keller Grundsätzliche inhaltliche Probleme, 3. Falsche Vorstellung von einer Tatsache”.
Der starke Rationalismus – so Keller – hält seinem eigenen Standards nicht stand. Er kann nicht empirisch gerechtfertigt werden und verlangt einen Blick von außen (“view from nowhere”). Dieser ist unmöglich. Wir haben alle Hintergrunderfahrung, -annahmen, die wir nicht ausblenden können. Es ist nicht fair zu erwarten oder gar zu fordern, dass wir die ausblenden (S. 210).
Wie oben angeführt: DDHH vertreten keinen so starken Rationalismus, sondern sie fordern ausreichende Belege für die extrem starke Gottesthese. Und dieser Rationalismus ist sehr wohl gerechtfertigt: wir wollen wahre Propositionen oder zumindest nützliche Propositionen. Für beides haben wir keinen direkten Sinn (keine Empirie). Also müssen wir uns behelfen mit Rechtfertigungen, Belegen usw. Bisher ist keine besserer Weg für das epistemische Ziel Wahrheit oder das pragmatische Ziel Nützlichkeit bekannt. Als der Atheist Bertrand Russell gefragt wurde, was er sagen würde, wenn er nach seinem Tod Gott gegenüberstünde, antwortete er: “Not enough evidence, God, not enough evidence” (aus einem Interview mit Bertrand Russell).
Mantraartig wirft Keller den Zweiflern an den christlichen Glaubensinhalten vor, dass auch sie unbeweisbare Annahmen über die Natur der Dinge machen (S. 205). Der (kleine) “leap of faith” der Rationalisten, Wissenschaftler, Atheisten, Agnostiker wird bemängelt, der Vorwurf des grossen “leap of faith” = “belief without evidence” wird zurückgewiesen.
Keller Anfang
Teil 2: Gründe für den Gottesglauben
In den sieben Kapiteln des zweiten Teils gibt Keller Gründe für einen Glauben an Gott, insbesondere an der christlichen Religion. Mit dem Vorgebrachten überzeugt er kaum jemand.
Kap. 8 Die Spuren Gottes
Im Kapitel 8 versucht Keller die starken Spuren im Universum aufzuzeigen.
Er geht von der Frage aus “Warum gibt es etwas statt nichts?” und antwortet: weil es Gott gibt (S. 223-224).
• Doch dann stellt sich unmittelbar die Frage: “Warum gibt es einen Gott statt keinen?” Das erwähnt Keller nicht einmal.
• Die Frage “Warum gibt es etwas statt nichts?” unterstellt, dass “nichts” eher zu erwarten wäre, dass “nichts” sozusagen der “default” wäre. Dafür sehe ich keinen Grund.
Die folgenden Ausführungen haben im Hintergrund oft Wahrscheinlichkeitsüberlegungen.
Sehr unwahrscheinliche Sachverhalte sollen belegen, dass es ohne einen planvollen Designer nicht geht. • Ein Grundfehler dieser Überlegungen ist, dass dabei das sehr Unwahrscheinliche durch etwas ersetzt wird, das im Grunde genommen noch Unwahrscheinlicher ist.
• Das Fine-Tuning-Argument oder das Anthropische Prinzip hält Keller für sehr machtvoll, da viele heftige Widerlegungen, Entkräftigungen, Zurückweisungen, Gegenschriften (“fierce rebuttals”) publiziert wurden (S. 226). Das ist eine witzige Riposte aber kaum ernst zu nehmen. Da in allen ernsthaften Einführungswerken für Schach das Matt mit 2 Springer als nicht erzwingbar zurückgewiesen wird, kann man nicht folgern: also muss am Matt mit 2 Springer was dran sein.
Die Mehr-Welten-Annahme greift Keller an (S. 226-227): es gibt weder Beweise dafür noch dagegen. Da kann man mitgehen.
• Doch man will Keller sein Diktum entgegenhalten: “the absence of evidence is no evidence for absence”.
• Keller sieht keinen Schnipsel eines Beweises (“no shred of proof”, S. 227) für viele Universen (da hat er recht). Ebenso ist es aber mit anderen Annahmen, die über unser Universum hinausgehen. Alvin Plantinga bringt das Beispiel des Pokerspielers, der sich 20 x hintereinander 4 Asse gibt. Der Mitspieler greift zur Waffe: das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, d.h. es kann nicht rein zufallsbedingt auftreten (S. 227).
Plantingas Beispiel ist schlecht gewählt. Jede der 20 x Kartenverteilungen hat dieselbe Wahrscheinlichkeit. Genau genommen müßte also jedes Mal nach 20 Kartenverteilungen einer zur Waffe greifen.
Die Regelmässigkeit der Natur (S. 228)
Der Hinweis auf die Regelmässigkeit der Natur gibt tatsächlich zu denken. Sie schreit geradezu nach einem Designer. Doch man darf dann nicht stehen bleiben und muss umso mehr auf dem Designer für den Designer bestehen. Es ergibt sich sofort eine Hierarchie von Göttern und Designern. Will man dies? Wenn nicht bleibt es beim Staunen über die Regelmässigkeit der Natur.
Hier wie auch an anderen Orten der Argumentation möchte man den Gläubigen Mt 23,24 zurufen: “Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele.”
Die Schönheit (S. 230)
Wenn wir nur eine zufällige Anhäufung von Atomen sind ist Schönheit die Ausgeburt des Menschen (S. 231). So ist es. Darum ist dies, wenn überhaupt, eine schwache Spur. Alle abstrakten Begriffe wie Schönheit sind menschlich. Wären wir auf einem Planeten, der völlig anders aussieht (keine Kalkalpen, keine Hochgebirgsseen, keine Korallen, keine Wüstendünen, ...), wären ganz andere Landschaften für uns schön.
Zudem gilt das eben nicht: Wenn alles nur das Ergebnis blinder (!) natürlicher Kräfte ist, also biochemische Antworten, dann ist alles nur Illusion (S. 231).
Dawkins' Fallibilitätsthese der Sinne
Im weiteren Text greift Keller die Fallibilitätsthese der Sinne von Richard Dawkins an. Als Produkt der natürlichen Selektion können wir unseren Sinnen nicht 100-%-ig vertrauen. Das ist einen Binsenwahrheit und René Descartes verwendete die Fallibilität der Sinne prominent in seinem Illusionsargument. Die Sinne sind nur insofern zuverlässig, wie es die Natur fürs Überleben braucht. Unter gewissen Umständen gibt eine falsche Überzeugung bessere Überlebenschancen. Mein Beispiel: die Angst vor einem grossen Schatten (er könnte von einem Raubtier verursacht sein) veranlasst eine Antilope unnötigerweise zur Flucht. Dawkins geht davon aus, dass unter gewissen Umständen eine abweichende Überzeugung bessere Resultate erzielt. Keller macht daraus ungerechtfertigt “oft” (S. 236).
Nun argumentiert Keller wie folgt:
(E1) Evolutionisten sagen, dass der Gottesglauben uns evolutionär nur half, ohne dass deshalb ein Gott da sein muss.
(E2) Wir können unseren Sinnen nicht trauen.
(E3) Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass (E1) oder überhaupt die Evolutionstheorie richtig ist (S. 237-238).
Die Folgerung (E3) ist so natürlich kaum zu tadeln. Sie darf nur nicht verallgemeinert werden. Doch Keller tut genau dies, obwohl er sonst immer vor Allgemeinerungen warnt. Bekanntlich überzog René Descartes. Aus dem Umstand, dass uns die Sinne manchmal täuschen, kann man nicht ableiten, dass man ihnen nie trauen darf. Eine falliblistische Einstellung gegenüber unseren Sinnen schließt nicht aus, dass wir doch meistens sogar richtig liegen. Die Überzeugungsbildung ist oft sehr erfolgreich (sonst wäre sie aus evolutionären Gründen nicht so wie sie ist). Unsere Sinne + Vernunft ist alles was wir haben. Wir müssen auf sie vertrauen.
Nach Descartes weiß man, dass man absolute Sicherheit nicht benötigt. Wenn manchmal meine Sinne versagen (Sinnestäuschung), dann bedeutet das nicht, dass sie immer versagen oder dass ich nicht normalerweise den Sinnen + Vernunft vertrauen darf, ja sogar muss.
Obwohl die Folgerungen aus der evolutionären Biologie durch Dennett und Dawkins durchaus diskutabel sind, kann man sie so einfach wie es Keller versucht nicht machen. Deshalb liegt Keller mit der folgenden Behauptung völlig falsch (vergleiche mit Bibel, die manchmal falsch liegt, woraus – nach Keller und zurecht – nicht folgt, dass sie immer falsch liegt): “If we can't trust our belief-forming faculties in one area, we should not trust them in any area” (S. 241). Man könnte kontern: “Wenn man der Bibel an einer Stelle nicht vertrauen kann, dann sollten wir ihr an keiner Stelle vertrauen”.
Richtig ist: wir sollten wachsam bleiben und Sinnestäuschungen mit einkalkulieren.
Gott als Antwort auf viele Fragen
Zuletzt fahrt Keller noch ein Pro-Gott-Argument auf, das an die Funktion Gottes als Lückenbüßer in der Wissenschaft erinnert. Mit der Annahme, dass Gott existiert (wenn man will: durch den Glauben an Gott) können viele der von Keller aufgeworfenen Fragen beantwortet werden, die ansonsten ein Mysterium blieben (S. 242).
Richtig. Doch man handelt sich ein sehr viel größeres Mysterium ein. Ohne Glauben an Gott bleiben viele Sachverhalte unerklärlich. Aber mit dem Gottesglauben wird nichts richtig erklärt: die Erklärung wird nur verschoben, so wie wenn man die Entstehung des Lebens auf der Erde darauf zurückführt, dass von irgendwo aus dem Universum organische Gebilde zugeflogen sind.
Im 8. Kapitel überzeugt Keller nur ansatzweise. Für mich ist die Regelmässigkeit der Natur prima facie ein guter Beleg für einen Designer. Es ist das Überzeugendste, das Keller in diesem Kapitel auffährt. Die Einwände habe ich oben dargelegt.
Kap. 9 Das Wissen von Gott
Als es um die Bibel mit ihren teils haarsträubenden Texten ging verteidigte Keller einen rigorosen Relativimus (Kap. 7 Man darf die Bibel nicht wörtlich lesen). Das ging soweit, dass er davor warnte unsere derzeitigen Überzeugungen gegenüber anderen als überlegen einzustufen. Er meinte, das Problem, das wir mit manchen Bibelstellen haben, beruhe auf einen Glauben an die Überlegenheit unseres historischen Moments (S. 199). Und das sei nicht gerechtfertigt.
Um alle auf die richtige Moralbegründung (durch Gott) einzubetonieren beruft sich Keller dagegen auf einen universalen Standard und auf einen moralischen Realismus. Wir glauben, dass es (moralische) Standards gibt, die unabhängig von uns existieren (S. 251). In einer Diskussion griff Keller ein Paar aus seiner Pfarrpraxis an, das aus eigener Überzeugung dazu kam, die Unterdrückung der Frau zu verwerfen. Er verwies auf Tiere, die ohne Skrupel andere töten. Implizit: ohne Gott, wäre dann wohl auch die Unterdrückung der Frau kaum zu tadeln. Den Tieren gestand das zweifelnde Paar dann auch Rechte zu. Schließlich fragte Keller, ob es Tiere verurteile, weil sie andere fressen? Nein. Und warum nicht? (S. 247-248) Keller rechtfertigt damit nicht die Unterdrückung der Frau in der Bibel und in der röm.kath. Kirche, sondern er wollte dem Paar dessen doppelten moralischen Standard aufzeigen (Menschen werden anders beurteilt als Tiere), der ohne Gott rein evolutionär nicht zu begründen sei.
Die Antwort hätte jedoch ganz einfach ausfallen können: die Menschen sollten genug Vernunft haben um das Unrechtmäßige von Grausamkeit und Unterdrückung zu erkennen. Das kann man von Tieren, weitgehend ohne Vernunft, nicht verlangen. Die Rechte von Tieren werden seit dem bahnbrechenden Animal Liberation von Peter Singer (1975) verstärkt diskutiert: ohne Bezugnahme auf Gott. Siehe dazu Klaus Peter Rippe: Ethik im außerhumanen Bereich und Andreas Flury: Der moralische Status der Tiere, beides unter Flury Literatur.
Doch nein, Kellers Argumentation zielt natürlich darauf ab, dass die Moralstandards von Gott vorgegeben werden müssen. Keller meint, obwohl wir einen moralischen Relativismus gelernt haben, können wir danach nicht leben (S. 251).
Das stimmt einfach nicht und bei der Beurteilung moralischer Sachverhalte in der Bibel verurteilte Keller es, den westlichen Standard des 21. Jahrhunderts anzuwenden, er vertrat stattdessen einen moralischen Relativismus. Die nachfolgende These Kellers zeigt, dass es unterschiedliche Standards gibt: “In actual practice we inevitably treat some principles as absolute standards by which we judge the behavior of those who don't share our values” (S. 251). Daraus geht schon hervor, dass es – zumindest in der Praxis – Werte gibt, die wir als absolute Standards einschätzen, die aber nicht von allen geteilt werden. So ist es.
Keller ist zu sehr von seiner Position überzeugt, beispielsweise vom moralischen Realismus, d.h. dass es externe moralische Standards gibt: Wir glauben ebenso. dass es Standards gibt, die außerhalb von uns existieren und anhand derer wir unsere moralische Einschätzung ausrichten (S. 251). Wen meint er mit “wir”? Doch wohl nur sich und seine Glaubensfreunde. Dann schreibt er sogar von der Tatsache, dass wir alle das glauben (S. 254).
Anmerkung 1 Wenn jemand von Tatsachen redet, im Deutschen dann meist von “Fakten”, dann ist das ein Signal: hier tut jemand seine Meinung kund und zeichnet sie als Fakt aus. Also: es ist kein Fakt, dass alle glauben, dass es Standards gibt, die außerhalb von uns existieren und anhand derer wir unsere moralische Einschätzung ausrichten.
Anmerkung 2 Wie so viele Apologeten spricht und zitiert Keller von der »blinden Natur«.
“... the result of blind natural forces ...” (S. 231), “the product of blind impersonal forces” (S. 357), “blind Nature forces us...” (S. 452, Keller zitiert C.S. Lewis). "Blind" soll dabei immer unangenehme Gefühle hervorrufen!?
Keller bemerkt, dass man Moral und moralische Überzeugungen, die wir zweifelsohne haben, nicht alleine evolutionär erklären kann. Das stimmt. Er vergisst, dass es drei Komponenten sind, die zu moralischem Denken führen: Evolution – Kultur – Sozialisation.
Tadel des moralischen Relativismus
Dann greift Keller den moralischen Relativismus an. Er fragt: Welches Recht hat der moralische Relativist andere wegen ihres Handelns, das seiner moralischen Position zuwider ist, zu tadeln?
Warum sollte er nicht? Eine Gruppe pflegt die Sklaverei oder unterdrückt die Frau oder diskriminiert die Homosexuellen. Der moralische Relativist hat die Berechtigung zu sagen: Was ihr macht halte ich (nach meinem Standard) für moralisch verwerflich. Überlegt al, ob ihr nicht zur selben Bewertung kommt!
Keller unterstellt mit seiner Frage dem moralischen Relativisten die Vorgehensweisen der Christen: Wie kann ich – als moralischer Relativist – meine Werte der anderen Kultur aufzwingen? (S. 255).
Dazu gibt es zwei prinzipiell unterschiedliche Antworten:
1) Niemand hat dazu die Berechtigung.
2) Ich als moralische Relativist habe dazu die Berechtigung, denn mein moralischer Standpunkt sagt mir, dass es in Ordnung ist anderen meinen moralischen Standpunkt aufzuzwingen.
Die zweite Antwort wird der moralische Relativist auf wichtige Belange beschränken (muss aber nicht). • Der moralische Relativist hat also einen großen Vorteil über den Universalisten: er kann den anderen in Ruhe lassen (Antwort 1) oder sehr flexibel (abhängig von der Relevanz der moralischen Frage), dem anderen seine Position aufzwingen.
• Der moralische Universalist muss eigentlich dem anderen immer seine Position aufzwingen oder er muss sich zu einer der Positionen des Relativisten bekennen, wird aber damit selbst zum Relativisten. Der moralische Universalist stellt damit eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben der Kulturen dar. Zweitausend Jahre Christentum bestätigen dies.
Zwei Einwände gegen Kellers Attacke auf den moralischen Relativismus
1) Keller greift die oben genannte Position 2) des moralischen Relativisten hart an, weil es durch eine Erklärung des Relativisten geschieht: “Unsere Werte sind besser als ihre. Punkt” (S. 256). Er ist sehr schlau und schreibt nicht hin, was der moralische Universalist sagen muss. Das wäre: “Unsere Werte sind besser als ihre. Punkt”.
2) Zudem ist Kellers universalistische Position nicht kohärent zu seinem Bibelverständnis. Dort tadelte er: Wenn man der Bibel vorwirft, sie sei rückwärts gewandt (damit meint er: vertritt veraltete Standpunkte), nimmt an, dass man jetzt zum ultimativen historischen Zeitpunkt gekommen sei, an dem man feststellen kann, was veraltet ist. Diese Annahme ist sicherlich genauso eng und ausschließend wie die Ansichten in der Bibel, die man als anstößig einstuft (S. 199). Auch hier ist Keller sehr geschickt und schreibt nicht hin: folglich vertrete ich einen relativistischen Standpunkt bei der Beurteilung anstößiger Bibelabschnitte. Es wäre ein zu offensichtlicher Widerspruch zum Kapitel 9. Immerhin schreibt er aber dort im Kapitel 7: Wir dürfen ebensowenig unsere Zeit verallgemeinern, wie wir unsere Kultur verallgemeinern sollten (S. 199). Der aufmerksame Leser wird den Widerspruch entdecken.
Warum sollten wir dem universalistischen Standpunkt: “Es ist falsch die gleiche Würde aller Menschen zu verletzen” zustimmen? (S. 256)
Mögliche Antworten (S. 257):
• a) Gottesebenbildlichkeit des Menschen
• b) Menschenwürde als natürliches Gesetz
• c) Menschenrecht durch die Menschheit festgelegt
a) wird verworfen, da es Millionen Nichtgläubigen nicht zu vermitteln ist.
Gegen b) spricht die Gewalt und Grausamkeit in der Natur (meine Anmerkung: wobei das für den Menschen dank seiner Vernunft aufgehoben werden kann).
Zu c) fragt Keller: was ist, wenn sich eine Mehrheit dagegen ausspricht? Zudem scheinen die wünschenswerten Minderheitenrechte via c) kaum durchsetzbar. Hier argumentiert Keller ausgiebig mit der Ansicht anderer Autoren und resümiert: ohne Gott gibt es keine Rechtfertigung für moralische Verpflichtungen (S. 263): Die Natur ist gewalttätig. Sie ist nur durch einen übernatürlichen Standard zu durchbrechen (S. 264-265).
Keller regt die folgende Überlegung an: Wenn die Prämisse “Es gibt keinen Gott” zur Folgerung führt “Napalm auf Babies zu werfen ist kulturell relativ”, dann sollte man die Prämisse überdenken (S. 265). Keller setzt eins drauf: die Prämisse “Es gibt keinen Gott” macht nicht nur alle moralischen Entscheidungen sinnlos, sondern das Leben selbst. Wenn kein Richter da ist, ist jede Entscheidung gleich gut (S. 267). Keller sieht nur zwei Auswege (“two options”, S. 267):
1) Wir weigern uns die Folgerungen zu durchdenken.
2) Wir halten an unseren Überzeugungen fest und leben so als ob das Leben sinnvoll wäre und Liebe und Grausamkeit unterschiedlich zu bewerten sind.
3) Es gibt einen Gott (S. 268).
Kritik
• Keller hat sich verzählt: es sind drei Optionen und die zweite verwirft er, weil sie nicht integer ist, sie ist in sich nicht stimmig. Hier übersieht Keller, dass wir per Vernunft einen Sinn vorgeben können, wie es viele große Denker vorschlugen (siehe Glück – Sinn – Zufriedenheit / Viktor Frankls Prinzip unter Keller Links).
• Wer einen externen Standard benötigt um entscheiden zu können, was richtig und falsch (S. 265), wer meint nur Gott macht moralische Entscheidungen und das Leben selbst sinnvoll (S. 266) stellt sich ein Armutszeugnis aus. Man kann das fremdbestimmt entscheiden, gibt dann aber eine wichtiges Fundament des Menschseins aus der Hand.
• Ähnlich wie Keller die Mehrheitsentscheidung in Frage stellt (Was wenn die Mehrheit entscheidet eine Minderheit auszulöschen? S. 261; “Napalm auf Babies”, S. 265) kann man die Übergabe der Entscheidung an ein übernatürliches Wesen in Frage stellen: “Was wenn das übernatürliche Wesen fordert: Nimm deinen Sohn und bring ihn dort auf einem der Berge als Brandopfer dar! (vgl. 1 Mo 22,2)?”
• Keller meint, ohne Gott führe es dazu, dass die Menschheit – selbst wenn sie Millionen Jahre bestehen sollte – im Ganzen nur ein kurzer Funke ist. Es macht dann keinen Unterschied, ob wir liebevoll oder grausam sind (S. 267). Da hat Keller recht, doch für uns heute macht es einen gewaltigen Unterschied.
Kap. 10 bis 14
Ab Kapitel 10 ist Kellers Werk für Nichtchristen kaum mehr lohnend zu lesen: es gleicht mehr einem Katechismusunterricht oder einer Sonntagspredigt.
Nur Weniges ist noch diskussionswert.
Im Gegensatz zu John Haught, der das Pochen auf Belegen in Frage stellte, will Keller Gründe und Belege geben. Im ersten Teil gegen die Argument der Gottlosen, im zweiten Teil für den christlichen Standpunkt. Hier sind noch einige:
Leibliche Auferstehung Jesus
Die Argumente für die leibliche Auferstehung Jesus (Kap. 13) sind sehr schwach. Er beruft sich auf Paulus.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der «Missgeburt». 1 Kor 3-8
Die Begründung Kellers, dass dieser Bericht aus drittem Munde (Paulus hat Jesus zu Lebzeiten nie gesehen) zuverlässig ist (S. 338ff) ist extrem bezweifelbar. Nur weil beispielsweise Paulus konkret vom dritten Tag schreibt, hält Keller das für einen glaubwürdigen Tatsachenbericht. Die Fragwürdigkeit eines Berichts von jemand, der noch nicht mal Augenzeuge war, streift Keller schnell ab.
Zwei Indizien scheinen ihm besonders wichtig für die Glaubwürdigkeit: das leere Grab und die persönlichen Erscheinungen von Jesus bei Einzelnen, aber auch bei fünfhundert Brüdern (1 Kor 6).
• Zum leeren Grab gibt es aber ganz unterschiedliche Berichte der Evangelisten. Paulus schreibt im zeitlich ersten Bericht nichts zum Grab. Siehe dazu: Gerd Lüdemann: “Das Grab des Gekreuzigten war nicht leer”, Keller Links.
Dreieiniger Gott
Keller gibt ein sehr merkwürdiges Argument für die Dreieinigkeit des christlichen Gottes.
Ohne die Dreieinigkeit hätte es vor der Schöpfung der Menschen keine Liebe gegeben, denn dazu braucht es mindestens zwei (S. 357-358).
Kritik dieses Arguments
• Anthropozentrisch
• Gott kann alles, also auch alleine lieben
• Was ist mit den Engeln und Teufeln? Gab es die nicht auch schon vor der Schöpfung? Gibt es überhaupt ein “vor” vor der Schöpfung?
Wie wenig Keller seinen eigenen Ausführungen vertraut ersieht man daran, dass er im Epilog auf die Methode des Blaise Pascal zurückgreift. Pascal bewies mit seiner Wette (Pascals Wette, Keller Links), dass es besser ist an Gott zu glauben nach dem Motto: “It's better to be safe than sorry”. Wer das nicht kann (es ist sehr fraglich, ob man willentlich etwas glauben kann, für das nur ungenügende Gründe vorliegen, siehe aber die gegensätzliche Position in: James A. Montmarquet: Epistemic Virtue and Doxastic Responsibility, Keller Links) soll sich begünstigende Umstände schaffen.
Auf Keller übertragen: Wenn man sich nach einer Art Inventur der im Buch behandelten Antworten nicht zum Glauben durchringen kann, dann sollte man sich der religiösen Gemeinschaft anvertrauen, in eine christliche Kirche gehen und mit anderen Christen darüber reden (S. 381).
Die Kapitel 10 bis 14 fügen keine guten Gründe für Gott hinzu.
Fazit
Nach interessantem Beginn, in dem Keller einige Klärungen und überlegenswerte Riposten zu den Argumenten der Nichtgläubigen auffährt, wird The Reason for God besonders im zweiten Teil schwach und sandet in einen Katechismusunterricht aus. Zugute halten kann man, dass Keller brennende Fragen nicht scheut. Er bespricht sie verständlich. Allerdings bleibt er dann nicht immer beim Thema, sondern beantwortet andere Fragen.
Das Buch eignet sich damit für alle jene,
• die auf schwierige Fragen allzu leichte Antworten suchen,
• Christen, die für ihren Glauben nachträglich Gründe suchen,
• die meinen, die Theologen, theologischen Praktiker und Apologeten haben auf die schwierigen Fragen schon passende Antworten. Sie werden erkennen: zumindest Timothy Keller hat kaum überzeugende Antworten.
Wenn dies die beste Begründung des Glaubens, die in diesem Jahrhundert geschrieben wurde, ist (wie man in Besprechungen lesen kann), dann steht es schlecht um die Vernünftigkeit des Glaubens. Aber das Jahrhundert ist ja noch jung.
Keller Anfang
Links
KellerTimothy J. Keller
KellerTim Keller - The Reason For God
Besprechungen:
  KellerTim Challies: Book Review - "The Reason for God" by Tim Keller
  KellerChristian Döring 13.09.2010
  KellerErin Collazo Miller, About.com Guide

KellerArgumentum ad ignorantiam
KellerPeter L. Berger
Beweis Beweise in Philosophie, Logik, Naturwissenschaft und vor Gericht
KellerBrandmüller, Walter, Ingo Langner (2008): "Kann man mit Vernunft Gottes Existenz beweisen?"
Keller Richard Dawkins: The God Delusion
KellerDeus absconditus
Keller Evolution – Anthropisches Prinzip – Intelligent Design – Kreationismus
Keller Gleichförmigkeit der Natur
Keller Glück– Sinn – Zufriedenheit
Keller Gottesbeweise: Links und Literatur
Keller A.C. Grayling: Against All Gods: Six Polemics on Religion and an Essay on Kindness
Keller Viktor Frankls Prinzip
Keller Sam Harris: The End of Faith. Religion, Terror, and the Future of Reason
Keller John F. Haught: God and the New Atheism: A Critical Response to Dawkins, Harris, and Hitchens
Keller Christopher Hitchens: God Is Not Great: The Case Against Religion
Keller Norbert Hoerster: Die Frage nach Gott
Keller »Ignorabimus«
Keller Alexander Kissler: Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam
Keller C. S. Lewis: Miracles
Keller C.S. Lewis: The Screwtape Letters
Keller Literatur zu religiöser Glaube und Vernunft
KellerGerd Lüdemann: "Das Grab des Gekreuzigten war nicht leer", Welt am Sonntag, 1.06.2008
Keller James A. Montmarquet: Epistemic Virtue and Doxastic Responsibility
de Sousa Pascals Wette
KellerAlvin Plantinga
Keller Religiöser Glaube und Vernunft
KellerReligionstheologischer Pluralismus
KellerJean-Paul Sartre (1946): "Existentialism Is a Humanism"
Theodizee: KellerKath.deKellerWikipedia
KellerTheodizee - Der Fels des Atheismus?
Keller Die vier Reiter der Gegen-Apokalypse
Keller Erik J. Wielenberg: God and the Reach of Reason: C.S. Lewis, David Hume, and Bertrand Russell
Keller Zitate aus der Bibel
Keller Anfang
Literatur
Hoerster, Norbert (1985): "Unlösbarkeit des Theodizee-Problems". Theologie und Philosophie 60:3, S. 400-409. Kelleronline
Kaempfer, Ralf (2010): "Ermutigung zum Zweifeln". pro Christliches Medienmagazin 4, S. 26-27
Sober, Elliott (2009): "Absence of Evidence and Evidence of Absence: Evidential Transitivity in Connection with Fossils, Fishing, Fine-Tuning, and Firing Squads". Philosophical Studies 143, S. 63-90.
Walton, Douglas N. (1999): "The Appeal to Ignorance, or Argumentum Ad Ignorantiam". Argumentation 13, S. 367-377. Kelleronline (pdf)
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Keller KellerTimothy Keller: The Reason for God: Belief in an Age of Skepticism. Hodder & Stoughton, 2009. Taschenbuch, 320 Seiten Keller
Timothy Keller: The Reason for God: Belief in an Age of Skepticism. Hodder & Stoughton, 2008. Gebunden, 320 Seiten Keller
Keller KellerTimothy Keller: Warum Gott? Vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit? Friedemann Lux, Übs. Gießen: Brunnen, 2010. Gebunden, 336 Seiten
Mackie Mackie Mackie, John Leslie: The Miracle of Theism: Arguments for and Against the Existence of God. Oxford: Oxford UP, 1982. Taschenbuch, 276 Seiten mackie
Mackie, John Leslie: Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Existenz Gottes. Rudolf Ginters, Übs. Ditzingen: Reclam, 1985. Broschiert, 424 Seiten Mackie
Flury FluryAndreas Flury: Der moralische Status der Tiere: Henry Salt, Peter Singer und Tom Regan. Freiburg: Alber, 1999. Gebunden, 316 Seiten Rippe
Klaus Peter Rippe: Ethik im außerhumanen Bereich. Paderborn: Mentis, 2008. Broschiert, 367 Seiten Rippe
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