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Lütz
Manfred Lütz: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten
München: Pattloch, 2007. Gebunden, 296 Seiten – Lütz FazitLütz LinksLütz Literatur
Leute mit wenig Zeit oder Lust eine gründliche Kritik zu lesen springen gleich zum Lütz Fazit.
“Wenn sich ein Theologe wie Lütz dazu hinreißen lässt, den Faschismus und den Kommunismus als »atheistische Freilandversuche« zu bezeichnen, muss man ihn eigentlich keiner Antwort würdigen”,
S. 187, Edgar Dahl,: "Das Opium des Volkes". Aufklärung und Kritik 18:2, S. 187-190.
Ich will das Buch von Manfred Lütz doch mit einer ausführlichen Antwort kritisch würdigen. Das fällt leicht, da es – wie der Autor selbst eingesteht – voller Defizite steckt.
Gott: Eine kleine Geschichte des Größten ist ein leidenschaftliches Plädoyer fürs Christentum, genauer für die Römisch Katholische Kirche (RKK). Das bekennt Manfred Lütz (ML) allerdings erst ziemlich spät im Buch, auf der vorletzten Seite, S. 296, ausdrücklich. Bis dahin wirbt er mit fairen und oft mit unfairen Tricks (diese überwiegen) fürs Christentum.
Auf der allerletzten Seite (S. 297) gesteht Manfred Lütz die “unbestreitbaren Defizite dieses Buches” ein. Dem Kunden wäre mehr gedient, wenn der Verlag schon auf dem Umschlag vor diesem extrem defizitären Buch warnen würde. Man könnte sein Geld für Sinnvolleres ausgeben.
Die Gottesfrage, die ML gleich zu Beginn erwähnt wird beiläufig behandelt. Ob er mit seinem Rat, der Ungläubige solle schon mal mit dem Beten beginnen, der Rest stellt sich dann schon ein, nüchterne Zweifler überzeugen kann, bezweifle ich.
Ein erster Blick gilt dem Inhaltsverzeichnis. Es läßt keine einsichtige Gliederung des Stoffs erwarten. Da auch der Buchtitel undurchsichtig ist (*), wird man umso gespannter auf den Inhalt.
(*) Eine Geschichte Gottes? Die wäre zwar zeitlich lang (ewig gemäss den meisten Vorstellungen), aber schnell erzählt. Oder eine Geschichte der Gottesvorstellungen bei den Menschen? Oder doch die Erörterung der Frage, ob es Götter gibt (Klappentext)? ML läßt alles offen.
Die Vorfreude erhält schon in den ersten beiden Sätzen einen Dämpfer. ML spricht von mindestens zwei Fragen (Werte und Gott) und dann beklagt er, dass niemand die Frage direkt beantwortet. Welche Frage er nun meint ist unklar, zumal er zuvor auch noch die Tugenden und den Kampf der Kulturen anführt. Doch das ist die übliche Methode um Aufmerksamkeit zu erregen: niemand traut sich bisher (Tabu!) und jahrtausendelang gelang keine Antwort, aber jetzt kommt der Psychiater ML und erklärt es uns mal (S. XI).
Ich könnte nun weiter das Buch, die zugrundeliegenden Themen, die Technik des Autors, die Stärken und Schwächen besprechen. Doch ich gehe kapitelweise vor, dabei immer schon Übergreifendes ansprechend, und füge noch einige allgemeine Bemerkungen an. Deshalb hier ein kleines Inhaltsverzeichnis, damit man – die Besprechung fiel ziemlich lang aus – interessierende Punkte direkt anspringen kann.
Übersicht
Vorwort & Einleitung
Musik und Kunst – Elton John und die nackte Venus
Die Psychologie und Gott – Über einen kleinen Mann im Ohr
Die Frage – Expeditionen durch den Feuerbach
Der Gott der Atheisten – Ein großartiger Protest
Der Gott der Kinder – Von der Selbstverständlichkeit des Glücks
Der Gott der Lehrer – Verschwörung in der Kellerbar
Der Gott der Wissenschaftler – Galilei, Darwin, Einstein und die Wahrheit
Der Gott der Philosophen – Die große Schlacht der reinen Vernunft
Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – Das Geheimnis im Mantelsaum
Dies und die weiteren Kapitel lösen sich in den allgemeinen Anmerkungen auf
Fazit
Religionen in Deutschland
Unvollständige Werksliste des Autors
Links
Literatur
Vorwort & Einleitung
Im Vorwort legt ML seine erste Absicht mit dem Buch offen. Er will von seinem Stand aus, ein Buch zum Thema der Gottesfrage (sie ist immer noch nicht formuliert) schreiben. Am Ende des Vorworts biedert er sich an: er läßt sich vom Leser gerne eines Besseren belehren. Wie soll das gehen? Ein Buch ist eine einseitige Kommunikation. ML will kommunikativ punkten.
Vielschreiber Manfred Lütz ...
Und er droht dann ein neues Buch zu schreiben. ML schreibt eh schon (zu)viele Ratgeber (Lütz Werksliste), da kommt es auf einen Ratgeber mehr oder weniger nicht drauf an.
Warum sich ML aufgerufen fühlt, es der Fachwelt zu zeigen, verrät er in der Einleitung: die Religionsvertreter reden unverständlich. Protest regt sich beim Leser, erst im nächsten Absatz wird klar: ML meint die akademischen Theologen (S. XIV).
... schreibt sorglos und schlampig
ML schreibt also recht sorglos, um nicht zu sagen, schlampig.
Am Ende der Einleitung gibt ML eine weitere Absicht mit dem Buch kund: „Es sollen also sorgfältig alle gängigen Einwände gegen die Existenz Gottes beachtet werden. Umgekehrt sollen alle überzeugenden Argumente für Gott bis hin zu den berühmten »Gottesbeweisen« dargestellt werden“ (S. XV-XVI). Die Leser sind gespannt. An Sorgfalt freilich mangelt es bis zur letzten Seite.
Vorweg: beide Absichten werden nicht eingelöst.
Musik und Kunst – Elton John und die nackte Venus
Das erste Kapitel trägt wenig zur Frage des Buches bei. Auf zehn Seiten will ML die Leser dusselig reden mit Musik, Baukunst und einem Eilgang durch die Jahrhunderte. Das Kapitel mündet in einer suggestiven Behauptung: Kunst „weist zweifellos über all das hinaus“ und einer leicht rethorischen Frage: oder ist die beglückende Wirkung der Kunst nur eine Illusion? (S. 10). Schon hier fallen Manipulation und eine unzulässige Zweiteilung auf, die zu einer falschen Dichotomie führen (siehe Lütz Fehlschlüsse). Entweder – so ML – weist Kunst „über all das“ (manipulativ: „Hormonstau“, „Hirnreflex“, „Massensuggestion“) hinaus oder sie ist – wieder manipulativ – : „wunderbare, ergreifende, beglückende Illusion“ (S. 10). Die ersten Abnicker wird ML hier schon auf seiner Seite haben. Doch wer sich nicht einlullen läßt bleibt dabei: Hormonfluss und Kunstgenuss ist kompatibel.
Die Psychologie und Gott – Über einen kleinen Mann im Ohr
Nach der Kunst und Kunstgeschichte geht's im nächsten Kapitel mit Abschweifungen zur Psychoanalyse und Psychologie weiter. Am Ende erklärt ML, dass die Psychologie nichts über Gott aussagen könne (S. 24). Bis hierher ist das Werk wie ein Buch über den Yeti, dem sagenhaften Schneewesen im Himalaya. Jemand schreibt zur Frage ob es das Wesen gibt ein Buch und erklärt auf den ersten vierundzwanzig Seiten, dass man den Yeti weder in der Sahara noch der Atacamawüste gefunden habe. Auch im Detail vergreift sich der Autor.
Zu Sigmund Freud kenne ich mich nicht so gut aus. Doch ich meine, Freud wollte nur den von Theisten häufig benutzten Schluss auf die beste Erklärung desavouvieren und eine andere Erklärung liefern. Theisten argumentieren oft, von mir etwas plakativ vereinfacht:
(1) Milliarden Gläubige können sich nicht irren. Also
(2) Es gibt Gott.
Die Leser werden auf dieses Argument mit der Mehrheit im Buch noch öfters stoßen. Siehe dazu die zusammenfassenden Bemerkungen Lütz Argument mit der Mehrheit und Lütz Fehlschlüsse.
Freud fand psychologische Erklärungen für den weit verbreiteten Götterglauben. Das sagt zur Existenzfrage nichts, gibt aber eine plausible Alternativerklärung zur verbreiteten Götterverehrung. Auf diese Verbreitung des Christentums in Zeit und Raum beruft sich auch ML etliche Male.
Ein weiterer der vielen Fehlschlüsse bei ML: Non sequitur („es folgt nicht“) S. 13
(1) Jürgen Habermas hält die Psychoanalyse nicht für eine Wissenschaft im naturwissenschaftlichen Sinne (da stimmten ihm Karl Popper u.v.a. zu). Sie ist eine hermeneutische Methode.
(2) „Die Wahrheit kann man mit der Psychoanalyse nicht erkennen.“
(3) „Damit werden ... die religionskritischen Schriften Freuds zur Makulatur.“
(2) muss noch eine Prämisse sein, denn selbstverständlich ist es möglich, dass man durch eine hermeneutische Methode die Wahrheit erkennt. Wenn (2) eine Folgerung aus (1) sein soll, so steht das konträr zur theologischen und allgemeinen Auffassung: die Wissenschaft ist nicht der alleinige Zugang zur Wahrheit. Bei ML bleibt der Status von (2) unklar, ist aber für das Non sequitur nicht entscheidend. Vielmehr: (3) folgt weder aus (1), noch aus (2), noch aus (1) & (2).
Auch ein Astrologe kann bedeutende und stimmige Schriften zur Zahlentheorie schreiben.
Gleich anschließend wird ML hinterhältig: Freud belegt seine Thesen mit „inzwischen überholten Literaturangaben“ (S. 13). Das ist bei älteren Gelehrten immer der Fall, wenn sie sich in einer lebendigen Disziplin äußerten.
• Wenn Gott nicht existiert, ist Religion eine „kollektive Zwangsneurose“ (S. 14).
• Das kehrt ML um: wenn Gott existiert, dann sind „die atheistischen Verhaltensweisen“ (manipulativ: die gibt es eigentlich nicht, nur atheistische Überzeugungen) „schwere Pathologie“ (S. 14).
• Das stimmt nicht. Da ML dieses Non sequitur an mehreren Stellen vorbringt, habe ich es zusammenfassend unter Lütz Umkehrung der kollektiven Zwangsneurose behandelt.
Viktor Frankl hat für sich die Gottesfrage mit „ja“ beantwortet und legte es nahe, an Gott zu glauben, überließ es ansonsten aber dem Patienten. Im Rahmen der Logotherapie wollte er darauf keine abschließende Antwort geben. Folglich ist der Vorwurf, dass die Antwort auf die Sinnfrage durch die Logotherapie nichts darüber sagt, ob Gott existiert (S. 17), völlig verfehlt (Lütz Links).
Mit den ersten beiden Kapiteln las man also das falsche Buch. Wie geht's weiter?
Die Frage – Expeditionen durch den Feuerbach (S. 25-42)
ML stellt fest: Ludwig Feuerbach lieferte dem Atheismus was noch fehlte: eine psychologische Erklärung der Religion (S. 27). Genauso ist es. Darin gleicht sein Vorhaben also dem von Freud. Siehe dazu weiter unten: Lütz Umkehrung der kollektiven Zwangsneurose.
• Die weitverbreitete Verehrung der Götter kann diese Ursache haben: Götter gibt es und sie fordern Verehrung.
• Wenn es aber keine Götter gibt, entfällt dies und die empirisch unschwer festzustellende Götterverehrung erfordert eine andere Erklärung.
Dies leisten Feuerbach und Freud.
Immer Ärger mit dem Höchsten
Im Unterkapitel „Immer Ärger mit dem Höchsten“ versucht ML analog zu Feuerbach umgekehrt zu erklären, warum – angenommen ein X gibt es – soviele Leute nicht daran glauben. All seine erklärenden Argumente sind keinesfalls zwingend.
Umkehrung der kollektiven Zwangsneurose
Wenn Gott nicht existiert, ist Religion eine „kollektive Zwangsneurose“ (S. 14). Soweit gibt ML also Richard Dawkins (Der Gotteswahn [The God Delusion], Dawkins 2006) recht. Umgekehrt will ML zeigen, dass Atheismus, wenn es Gott gibt, „schwere Pathologie“ (S. 14) sei.
Zunächst verwechselt ML hier Entscheidendes.
• Mangels fehlender Belege an etwas zu glauben, das es nicht gibt, verlangt nach psychologischer Erklärung. Also: wenn viele an die Existenz von Einhörner in den Karpaten glauben würden: das wäre erklärungsbedürftig. Wenn jedoch jemand in Europa mangels Belege vor dem (wenn auch vagen) Bericht Marco Polos 1292 nicht an die Existenz Australiens glaubte, war das völlig in Ordnung. Es bräuchte keine Erklärung. Erst mit der Theorie, dass die Landmassen im Norden der Erdkugel auf der Südseite ein Gegengewicht benötigten, war der Glaube an ein Australien zumindest akzeptabel.
• Nochmals, da es von so vielen falsch gesehen wird, in anderen Worten:
Wenn jemand behauptet X1 ... Xn gibt es nicht, aber Milliarden Menschen glauben an eines der Xi, dann heischt dieser Glaube nach einer vernünftigen Erklärung.
Sigmund Freud und Ludwig Feuerbach leisten das. Diese Erklärung sagt nichts darüber aus – da hat ML zweifelsfrei recht (S. 28) – ob es ein X gibt. Wenn es eines oder mehrere der X1 ... Xn gibt und jemand hat mangels ausreichender Belege trotzdem die Überzeugung: „Xi gibt es nicht“, so ist das völlig vernünftig.
Die Lektüre fortsetzend begegnet der Leser gleich einem weiteren kolossalen Irrtum des Autors.
„Die Sau rauslassen“ (S. 30)
Im Abschnitt „Sturmfreie Bude“ (S. 30ff) zeigt sich eine durchgehende Fehleinschätzung MLs. Er hält „die Sau rauslassen“ (S. 30) für die „Default“-Position, für das wünschenswerte (?), auszuübende Verhalten, wenn es keinen Gott gibt. Das ist falsch. Da nicht nur ML dieses verfehlte Argument vertritt, gehe ich darauf näher ein.
Argument „die Sau rauszulassen“
(1) Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt.
(2) Gott gibt es nicht. Also:
(3) Es ist alles erlaubt.
• Zur Prämisse (1): „Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt“ (zitiert ML Fjodor Dostojewski: Die Brüder Karamasow; Lütz S. XIII). Die angegebene Stelle findet man in Die Brüder Karamasow VI. Buch 3. „Aus den Reden und Lehren des Starez Sosima“. Sosima ist ein russischer Mönch, der über die höheren Schichten der Gesellschaft nachdenkt, die alles allein mit dem Verstand beurteilen und daher verkündeten, „daß es kein Verbrechen und keine Sünde gibt. In ihrem Sinne haben sie auch recht, denn wenn es keinen Gott gibt, so gibt es auch keine Sünde.“ (Dostojewski S. 254).
Da Schuld und Sühne von Swetlana Geier neu zu Verbrechen und Strafe übersetzt wurde (was die grosse Bandbreite der möglichen Übersetzung Dostojewskis zeigt), weiß ich nicht, ob man der von mir herangezogenen Übersetzung voll vertrauen kann. Nehmen wir es mal an, dann gibt es dazu folgende Amerkungen:
• Es sind Gedanken eines Mönches, also einer literarische Figur in einem fiktiven Werk. Da ist alles erlaubt (in einem anderen Sinne) ohne Allgemeingültigkeit zu beanspruchen und ohne dass man es dem Autor unterlegen sollte (siehe aber weiter unten den Hinweis auf Dostojewskis Briefe).
• Obwohl die Verstandesmenschen – nach Mönch Sosima – Verbrechen und Sünde ausschließen (wenn es keinen Gott gibt), beschränkt sich Sosima auf die Sünde. Das ist bemerkenswert. Denn so bliebe, selbst wenn es keinen Gott gibt, Platz für Verbrechen. Nur der von Gott verhängte Sündenmakel und die damit verbundene Strafe verschwinden.
• Klüger wäre es von all denen, die Dostojewskis Hilfe benötigen, aus seinen Briefen zu zitieren, denn da greifen sie auf Dostojewskis eigene Aussage zurück. "Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt" schreibt Dostojewski selbst in einem seiner Briefe (siehe Wikiquote unter Lütz Links).
• Genau darauf beruft sich Jean-Paul Sartre um die menschliche Freiheit abzuleiten:
“Dostojewski hatte geschrieben: »Wenn Gott nicht existierte, so wäre alles erlaubt.« Da ist der Ausgangspunkt des Existentialismus. In der Tat, alles ist erlaubt, wenn Gott nicht existiert, und demzufolge ist der Mensch verlassen, da er weder in sich noch außerhalb seiner eine Möglichkeit findet, sich anzuklammern. Vor allem findet er keine Entschuldigungen.”
Daraus leitet Sartre weiter ab: “der Mensch ist frei, der Mensch ist Freiheit“ („Ist der Existentialismus ein Humanismus?“, in Sartre 1960, S. 16).
Ich vermute, in der von Sartre beschriebenen Situation ist die Angst zu finden, die ML hat, wenn er an ein gottloses Universum denkt. Darüber später mehr.
• Zur Folgerung (3)
Diese korrekte Folgerung bedeutet gerade nicht, dass man nun „die Sau rauslassen“ muss.
Für ML scheint es nichts anderes zu geben. Er will anscheinend immer „die Sau rauslassen“ und nur Gott, seine Gebote und die angedrohten Strafen halten ihn davon ab. Da ML diese Position (wenn alles erlaubt ist, dann lassen wir die Sau raus) durchgehend unterstellt, werde ich an den markanten Stellen auf diesen Fehlschluss hinweisen mit: „Die Sau rauslassen“.
• Es ist jedoch so: Wenn alles erlaubt ist, dann ist alles erlaubt. Es klingt banal, aber man muss es den Dostojewski -Zitieren ins Gehirn hämmern. Man kann eine Bank überfallen oder nicht. Man kann die Sau rauslassen, muss es aber nicht. Wenn alles erlaubt ist, weil es keinen Verhaltensweisen vorschreibenden Gott gibt, darf und kann man seinen eigenen Verstand gebrauchen um herauszufinden, was die angemessenen Verhaltensweisen sind.
• Auch wenn ML später die Wette Blaise Pascals diskutiert (S. 41-42; siehe Lütz Pascals Wette) scheint wieder „die Sau rauslassen“ durch: ML kontrastiert das gläubige Leben (ein gewisser Verlust an Lebensfreude, S. 42) mit dem ungläubigen, das – so ML – ein egoistisches ist. Jedoch, zum x-ten Mal sei's wiederholt: wenn alles erlaubt ist, zwingt das zu nichts, also auch nicht zum Egoismus. Man kann sich beispielsweise auch solidarisch verhalten. Immer wieder bringt oder unterstellt ML dieselbe verfehlte Denkfigur:
Verhaltensweise ohne Anweisung transzendenter Mächte ist „die Sau rauslassen“, egoistisch sein, die Bank überfallen. Nur Gott und seine Gesetze zwingen die Menschen die Bank nicht zu überfallen. Da unterliegt ML einem ähnlichen Fehlurteil, wie jemand, der meint, die Naturgesetze zwingen die Planeten in ihre Bahn, so als ob die Planeten eigentlich ausreißen wollten. Moritz Schlick tadelte dies:
„Die Gesetze der Himmelsmechanik schreiben den Planeten nicht vor, wie sie sich zu bewegen haben, gleich als ob die Planeten sich eigentlich ganz anders bewegen möchten und nur durch diese lästigen Keplerschen Gesetze genötigt würden, in ordentlichen Bahnen zu bleiben“, Schlick 1978, S. 160.
ML folgt da Max Horkheimer, den er später mit „Warum soll ich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?“ zitiert (S. 254). Man kann ebenso fragen: „Warum soll ich böse sein, wenn es keinen Gott gibt?“ und schon ist man in einer vernünftigen Abwägung.
ML pervertiert damit sogar noch Thomas Hobbes Lehre vom Menschen im Naturzustand. Im eigentlich Naturzustand pflichtet Hobbes (in De Cive) Plautus bei: „lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit“, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, nicht ein Mensch, wenn man sich nicht kennt. Im Leviathan verbindet Hobbes das Naturrecht jedoch mit der Verpflichtung, niemanden zu verletzen.
„Atheismus und Libertinage“
Die These „Atheismus und Libertinage, völlige sittliche Freizügigkeit, gingen oft zusammen“ (S. 30) gilt auch für Gläubige. Päpste und Mönche hurten, (sogenannte) christliche Politiker stehen der Nächstenliebe völlig fern.
Religion, Glaube, Gott und Geld
MLs Diktum, mit Glaubensdingen könne man nicht wirklich Geld machen (S. 30), und der Hintergedanke: nur weltlicher Schnickschnack mache Kohle, sind aus mindestens zwei Gründen gründlich falsch.
• 1) Geld regiert die Welt (S. 30). Richtig, aber das ist keine psychologische Erklärung für Gottlosigkeit oder ein Zeichen für Geldgier bei Gottlosen. Gerade die RKK gehört seit Jahrhunderten zu den reichsten Organisationen dieser Welt. Vom Mönch gibt es das Klischee des Wohlbeleibten, da es den Klöstern fast immer gut ging.
• 2) Bestseller auf dem Buchmarkt macht man – nach einem Bonmot Martha Grimes – mit diesen Ingridenzien: Verbrechen, Adel, Sex und Gott. Joseph Ratzinger, ML und Anselm Grün machen mit Religion, Glauben und Gott wirklich Geld.
Schauen wir auf die derzeitige Spiegel Bestsellerliste Hardcover 16/2011 (Lütz Links) nach den Kritierien Religion, Glauben und Gott:
2 Margot Käßmann: Sehnsucht nach Leben
4 Benedikt XVI. aka Joseph Ratzinger: Jesus von Nazareth 2
11 Margot Käßmann: In der Mitte des Lebens
17 Hans Küng: Ist die Kirche noch zu retten?
18 Rhonda Byrne: The Secret - Das Geheimnis (aus der Kurzbeschreibung: „Die Kraft, die wir "Gott" nennen, war und ist nie wirklich von uns getrennt.“)
Die Ausbeute von 20 % (5 aus 25) religiöser Bestseller ist beachtlich. Zugegeben: gleichzeitig war auf der Taschenbuch-Liste kein religiöser Bestseller, dafür
2 Manfred Lütz: Irre! - Wir behandeln die Falschen
Beiläufig lese ich in meiner Besprechung Alexander Kissler: Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam (ein ähnliches Werk, das mich ebenfalls enttäuschte), dass auch Kissler meinte, religöse Bücher kommen nicht so leicht in die Bestsellerlisten. Das widerlegte ich durch einen Blick in die damalige Bestsellerliste vom 11. Mai 2008.
Argumentation mit Gregor Gysi
Die Argumentation mit Gregor Gysi ist mir unklar, ich meine es ist wieder ein Non sequitur. Ich fasse MLs Gedankengang so auf: Der Atheist Gysi mache sich Sorgen vor einer gottlosen Gesellschaft wegen der zu befürchtenden fehlenden Solidarität. „Damit bestätigt er die hier durchgespielte antifeuerbachsche Hypothese“: wenn es Gott gäbe, wäre trotzdem ein allgemeiner Atheismus angebracht (S. 31), da man nur dann „die Sau rauslassen“ kann und darf.
Aus der Ansicht Gysis kann man allenfalls ableiten, dass der Gottesglaube – auch wenn es Gott nicht gibt – vorteilhaft ist, weil er die Solidarität fördert. Also genau das Gegenteil der Folgerung ML, die er mit „Damit“ einleitet. Wenn man seinen zweiten Punkt (Atheismus gibt Freiraum für skrupelloses Geschäftemachen) akzeptiert und Gysi einbezieht, ergibt sich vielmehr diese Wunschvorstellung: das Volk wird im Gottesglauben belassen: sie üben untereinander Solidarität, sind zufriedener, freuen sich auf die Belohnung im Jenseits, ... Dagegen leben die Wirtschaftsbosse ohne Gottesglauben besser, da jegliche Skrupel entfallen. Diese Vorstellung legte schon Karl Marx zugrunde: Religion als Opium des Volkes (Links). ML zeigt wieder seine verfehlte Grundhaltung: ohne Gott gibt es keine Skrupel (dem kann man zustimmen), folglich wird man „die Sau rauslassen“ (das folgt eben nicht!). Auch das dritte Kapitel trägt also nichts zur Gottesfrage bei, wie ML selbst feststellt (S. 41). Immerhin ist das Ergebnis aber wichtig, da ML psychologische Erklärungen für oder gegen den Glauben als nicht relevant zurückweist. ML vergisst diese Irrelevanz und verwendet psychologische Erklärungen recht gerne: Musik und Kunst haben uns über die rein materielle Basis erhoben, ist eine von vielen (S. 41).
Pascals Wette
Die Wette Blaise Pascals überzeugt auch heute noch – so ML S. 42 – zweifelnde Menschen. Das mag schon sein, doch sehr viel mehr Menschen – wage ich zu behaupten – überzeugt sie nicht, vor allem dann nicht, wenn man über die wahrscheinlichkeitstheoretischen Kalkulationen hinaus denkt. Später gibt ML dem Leser, der praktische Anleitung sucht, den Rat – darin Blaise Pascal folgend –, er solle schon mal mit dem Beten beginnen.
Muss man Gott kennen um ihn negieren oder an ihn glauben zu können?
Viele meinen, man muss Gott kennen, bevor man ihn negieren kann (Lütkehaus 2000). J. Angelo Corlett gesteht die Negierung Gottes erst zu, wenn man alle Gotteskonzepte geprüft hat (Lütz Literatur). Man kennt das Aufstampfen des Gottesgläubigen: “Du kannst die Existenz meines Gottes nicht widerlegen.” Und dann unausgesprochen oder sotto voce: “Also gibt es ihn!”
Doch ML dreht den Spieß für den Gläubigen um: man muß Gott nicht kennen um an ihn zu glauben. Das von ihm vielzitierte Mütterchen, die Vetula, tut genau dies. Man solle erst mal mit dem Glauben beginnen, der Rest ergibt sich dann schon.
Dem können sich freilich selbständig denkende Menschen kaum anschließen.
In den folgenden Abschnitten beleuchtet ML die Gotteskonzepte verschiedener Gruppen: der Atheisten, der Kinder, der Lehrer, der Wissenschaftler, der Philosophen, im Alten Testament. All diesen Kapiteln unterliegt eine dreiste Pauschalierung. Die Götter der Lehrer oder Philosophen waren und sind so bunt und vielseitig wie nur vorstellbar. Auch wenn "der Gott der Philosophen" ein feststehender Terminus ist, so stecken dahinter zahlreiche Gotteskonzepte, die man kaum pauschal aburteilen kann. Ich erwarte von einem seriösen Autor, dass er dies seinen Lesern mitteilt. Sie pauschal zu behandeln führt zum zweiten Fehler im Zusammenhang mit der Kritik an diesen Kapiteln: ML watscht immer einen Strohmann ab, ausgenommen vielleicht im Kapitel zum Gott der Kinder.
Ein bekannter Vorwurf an die Atheisten, die gegen ein bestimmtes Gotteskonzept argumentieren, ist: „Diesen Gott habe ich nicht gemeint“. Das ist ein Hase und Igel Spiel. Immer wenn der Atheist (Hase) ein Gotteskonzept desavouiert hat, taucht der Theist (Igel) aus der Furche auf. Das ist natürlich viel einfacher als den Atheisten zu widerlegen. Man sagt, man habe ein ganz anderes Gotteskonzept. Siehe dazu besonders Corlett 2010 (Lütz Literatur). Dadurch wird auch das erste Kapitel dieser Pauschalierungsreihe „Der Gott der Atheisten – Ein großartiger Protest“ verständlich.
Der Gott der Atheisten – Ein großartiger Protest
Was ist Atheismus?
Der Wandel des Begriffs Atheismus erschwert eine Beurteilung in der Vergangenheit, galten doch sogar die Christen einst als Atheisten: sie leugneten Jupiter. So gesehen hat Richard Dawkins recht, alle sind Atheisten, da sie die jeweiligen Gotteskonzepte der anderen leugnen (Dawkins 2006).
MLs verquere Atheismusdefinition
ML ist bei der Begriffsbegrenzung schlampig. „Atheismus ist in neuerer Zeit im Allgemeinen die Leugnung dessen, was man für den christlichen Gottesbegriff hielt“ (S. 44) ist völlig verkorkst. a) Da wären alle Muslime, Taoisten, Hindi, Buddhisten usw. Atheisten.
b) Außerdem ist sie gedanklich unsinnig. Der Atheist neuerer Zeit wäre derjenige, der das leugnet, was man für den christlichen Gottesbegriff hielt (Vergangenheit!). Das ist
b1) zeitlicher Kuddelmuddel und
b2) einen Begriff kann man nicht leugnen. Man kann allenfalls mit seiner Definition oder Explikation nicht verstanden sein. Mit MLs Atheismus bin ich nicht einverstanden.
Ich halte mich hier an die Definition und Gliederung zum Atheismus, wie man sie in der Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie trifft (Schwemmer S. 272). Theoretische Atheisten weigern sich begründet die Existenz Gottes zu behaupten, beispielsweise weil sie die Rede von Gott als sinnlos ansehen. Darunter fallen dogmatische Atheisten, die die Existenzbehauptung Gottes der (dogmatischen) Theisten rundweg verneinen.
Man könnte Atheismus auch weiter auffassen: “the critique and denial of metaphysical beliefs in God or spiritual beings atheism”. Encyclopædia Britannica (2010). Ich bleibe bei der zuvor genannten.
Geschichte des Atheismus
Dass man frühe schriftliche Zeugnisse nur „vielleicht mit einiger Mühe als atheistisch bezeichnen könnte“ (S. 44) ist eine glatte Fehldeutung, die der Autor im folgenden Kapitel (S. 46ff) selbst richtigstellt.
Demokrit beispielsweise leugnete den Eingriff übernatürlicher Mächte. Die Furcht vor den Göttern ist für ihn unbegründet, sie sind bei ihm ethische Prinzipien.
Kritias von Athen scheint schon ML im Visier zu haben, wenn er schreibt:
„Dann als zwar die Gesetze sie hinderten, offen Gewalttaten zu begehen, sie aber im Verborgnen solche begingen, da, scheint mir, hat (zuerst) ein schlauer und gedankenkluger Mann die (Götter)furcht den Sterblichen erfunden, auf daß ein Schreckmittel da sei für die Schlechten, auch wenn sie im Verborgnen etwas täten oder sprächen oder dächten.“
(Diels S. 143).
Nicht richtig zu Ende gedacht ist MLs rethorische Frage: „Denn wie sollte man damals Gott schon so sehen, wie wir ihn heute sehen?“ (S. 44).
• Warum sollte man den ewigen Gott damals nicht auch schon so (richtig?) sehen? Ein ewiger Gott, der zudem vom Menschen geachtet werden will und ihm etwas abverlangt, sollte sich doch auch schon den antiken Menschen offenbaren, oder nicht?
• Noch unverständlicher wird MLs rethorische Frage, wenn er an anderer Stelle behauptet, dass die „Intelligenz und Fähigkeit zu existenziellen Fragen“ vor 3300 Jahren genauso bestand wie heute (S. 182); siehe dazu Widersprüche unter Lütz Allgemeine Anmerkungen.
ML gesteht zu einen vagen Begriff vom Atheismus zu haben (S. 45), aber er erklärt ihn (S. 44) und schreibt mal ein Buch über Gott, das notwendigerweise den Atheismus diskutieren muss.
Auch dieses Kapitel bringt bisher wenig zur Gottesfrage und nur wenig zur Geschichte des Größten. Es ist eher eine Skizze des Atheismus durch die Jahrhunderte. Bezeichnend ist, dass ML zwar die „dunklen Seiten des Atheismus“ (S. 53) schildert, über den Balken im eigenen Auge aber nichts schreibt (Mt 7,3).
Christentum als Wegbereiter der Naturwissenschaft?
Im Folgenden flicht ML zwei Thesen ein, die nicht ganz falsch sind, aber doch diskutierbar.
1) Das Christentum habe mit der Trennung Gottes von der Natur den Siegeszug der Naturwissenschaft erst möglich gemacht (S. 54).
Dagegen spricht:
• Naturwissenschaft gab es schon vor Christus,
• Der Siegeszug begann etwa 1500 Jahre nach Christus.
2) Die Kirche und die Wissenschaft hatten ein entspanntes Verhältnis (S. 55).
Giordano Bruno und Galileo Galilei – um nur die prominentesten zu nennen – belehren uns etwas anderes. Giolamo Cardano (1501-1576), Francesco Patrizi (1529-1597) und Tommaso Campanella (1568-1638) sind weitere Wissenschaftler jener Zeit, die von der Inquisition hinter Gittern gebracht wurden (Henry 2010, S. 41)
Zu beiden Punkten siehe auch das Kapitel Lütz „Der Gott der Wissenschaftler“ weiter unten.
Das Theodizee-Problem (1)
Das Theodizee-Problem „löst“ ML indem er das zugrundeliegende Konzept eines vernünftigen Gottes als verfehlt ansieht (S. 57). Da ist es nicht mehr weit zum Deus absconditus, dem uns verborgenen Gott (Lütz Links). Damit wären wir nicht weiter als in der Antike, für die ML noch die Frage stellte: „wie sollte man damals Gott schon so sehen, wie wir ihn heute sehen?“ (S. 44).
Die Theodizee-Frage behandle ich näher im Kapitel Lütz „Der Gott der Philosophen“; auf MLs variable Einstellung zum verborgenen Gott und anderen Geheimnissen gehe ich im Abschnitt „Geheimnis im christlichen Glauben“, am Ende des Kapitels Lütz „Der Gott der Wissenschaftler“ ein.
Zufall
Mit dem Zufall der Quantentheorie sieht ML den „Showdown des Atheismus“ (S. 65). Das ist völlig verfehlt. So war schon für die Evolutionstheorie die zufällige Mutation von entscheidender Bedeutung. Der Zufall war also schon Bestandteil der Naturwissenschaft vor der Quantentheorie und der Atheismus blühte trotzdem auf.
Mit dem Zufall brach der Determinismus zusammen, nicht der Atheismus.
Mit dem Zusammenbruch des Determinismus fällt die wichtige Prämisse (1) des Kalam Kosmologischen Arguments für Gott weg.
(1) Was immer zu existieren beginnt hat eine Ursache für diese Existenz.
(2) Das Universum hat einen Beginn seiner Existenz.
Daher (3) Das Universum hat eine Ursache für ihre Existenz.
Der Zufall in der Naturwissenschaft scheint eher ein Problem für christliche Theologen zu sein. Wenn man die Äußerungen zeitgenössischer Bischöfe (z. B. Christoph Schönborn) oder Päpste (z. B. Joseph Ratzinger) anhört, so ist der „blinde“ Zufall (der Zufall wird von den Ablehnern immer als blind gebrandmarkt) für die RKK fast noch schlimmer als der Teufel.
Atheismus & newtonsches Weltbild
• Wieso der Atheismus an das newtonsche Weltbild gekoppelt sein soll (S. 65), bleibt das Geheimnis des Autors. Vielleicht setzt ML hier das newtonsche Weltbild mit dem Determinismus gleich und diesen verfehlt – wie schon oben angemerkt – mit dem Atheismus. So könnte ML ticken:
newtonsches Weltbild = Determinismus = Atheismus !?
Das ist natürlich Schmarrn und deckt sich nicht mal mit MLs eigener Atheismus Atheismusdefinition. Im Folgeschluss koppelt er dann den Atheismus an das newtonsche Weltbild. Wenn meine Vermutung richtig ist, so habe ich schon gezeigt, wo ML hier irrt.
• Das Eingreifen eines Schöpfers wird mit der Quantentheorie nicht gewährleistet (wie ML gegensätzlich S. 65 triumphierend vermerkt). Es wäre schier lächerlich, wenn das Eingreifen sich auf quantenmikroskopische Sachverhalte beschränken würde.
• Die Himmelfahrt Jesus (siehe auch Himmelfahrt Himmelfahrt) kann man damit nicht erklären, entgegen ML. Zwar wäre es durch einen extrem unwahrscheinlichen quantentheoretischen Zufall schon möglich, dass ein Ziegelstein oder eben ein Leichnam aufsteigt, aber ML wird ja nicht die Atmosphäre naiv mit dem Himmel des Christentums gleichsetzen. – Wenn die Himmelfahrt Jesus auf einen quantenmechanischen Zufall zurückzuführen wäre, dann hätte sie jedem passieren können, egal ob Mensch oder Tier.
Das bedeutete, die Himmelfahrt
• wäre kein Wunder, sondern ein naturgesetzlich erklärbares Ereignis
• würde keinen Deut zu Jesus Göttlichkeit hinzufügen.
Lütz schwankt – wie andere Apologeten – zwischen Skylla und Charybdis.
a) Er will biblische Ereignisse glaubhaft machen und sucht daher dafür naturwissenschaftlich mögliche Erklärungen. Damit redet er aber das Ereignis klein: es ist kein Wunder mehr. Andrerseits braucht er aber Wunder um den göttlichen Kontext zu belegen. Folgt man der These von Paulus im 1. Korintherbrief (siehe obige Zitate) wird speziell das Auferstehungswunder benötigt um die christliche Religion vor allen anderen auszuzeichnen.
b) Er frohlockt über die wissenschaftliche Abkehr vom strengen Determinismus. Sie scheint ein Eingreifen Gottes möglich zu machen (siehe aber a), direkt hier zuvor). Andrerseits wird der Determinismus und besonders die strenge Ursachenkette für manche Gottesbeweise benötigt. So vertreten diese Apologeten genau das aus a) und b), was sie gerade brauchen. Sie werden damit widersprüchlich und vollends unglaubwürdig.
• Außerdem macht ML sich ein falsche Vorstellung von der Unwahrscheinlichkeit dieser Möglichkeiten. Verglichen dazu wäre es alltäglich, dass beim Umrühren der Milch im Kaffee die Milch sich an einer einzigen Stelle sammeln würde. Oder an einem anderen Beispiel verdeutlicht. Es ist logisch nicht ausgeschlossen, dass ab diesem Zeitpunkt jeder Wurf mit einem normalen Würfel weltweit immer die "1" ergibt. Das ist – für eine gewisse sehr hohe Anzahl von Würfen – sogar noch wahrscheinlicher als ein himmelwärts steigender Körper. Doch will jemand so ein zufälliges Ereignis zum Kernpunkt seiner Weltanschauung machen?
• Insgesamt wundert man sich, wie hier ML transzendente Sachverhalte mit naturwissenschaftlichen vermengt.
• Wieso die Relativitätstheorie ein vernichtender Schlag gegen den Materialismus sein soll (S. 66), bleibt Geheimnis des Autors.
• Auch die Urknalltheorie ficht die Atheisten nicht an, entgegen MLs Ansicht (S. 66).
Agonie des Atheismus
Eine Agonie des Atheismus, die ML feststellt (S. 68) ist ebenfalls nicht erkennbar.
• Gerade jetzt wettern die Theologen und christliche Apologeten gegen den „neuen“, aggressiven Atheismus (theoretische Seite). Man müßte auf eine Weltanschauung in Agonie nicht so vehement draufhauen.
• Auf der praktischen Seite: die Gottlosen stellen inzwischen in Deutschland die größte Sparte (34,6 % konfessionslos, 30,5 % RKK, 29,5 % EKD; siehe unten Lütz „Religionen in Deutschland“).
Nach der kleinen Geschichte der Anti-Größten kann man feststellen: zur eigentlichen Gottesfrage ist ML nach über 70 Seiten nur ansatzweise gelangt.
Der Gott der Kinder – Von der Selbstverständlichkeit des Glücks
Die Botschaft dieses Kapitels ist trivial: Kinder sind keine ausdrücklichen Atheisten (S. 71; S. 86 „ausdrücklich“ ist wichtig). Dem kann man nicht gut widersprechen. Es sind aber auch keine Theisten. Kinder sind aufnahmefähig und gutgläubig. Deshalb stimmt es nicht, dass ihr Erkenntnisvermögen gleich dem der Erwachsenen ist (S. 84). Wenn dem so wäre müßten sie nur noch Wissen anhäufen und nichts mehr für das Erkenntnisvermögen hinzulernen. ML bekundet am Ende dieses Kapitels, dass es hier nicht um betuliche Kindergeschichten geht (S. 84). Wenn ihm das nur 13 Seiten früher eingefallen wäre, dann hätte er uns Lesern diese erneute Themaverfehlung erspart!
NB: Bei Freud und Feuerbach lehnte ML empirische Untersuchungen und Erklärungen zur Religion, Frömmigkeit und Götterglauben ab, selbst betreibt er sie aber in vielen Abschnitten des Werks ungeniert, beispielsweise besonders hier, wo er aufs kindliche Gemüt setzt, oder in den beiden flankierenden Kapitel über Lütz Musik und Kunst.
Der Gott der Lehrer – Verschwörung in der Kellerbar
Hier berichtet ML seitenlang über den Religionsunterricht der 70-er Jahre des vorigen Jhdts. Erst allmählich merke ich bei der Lektüre des Lehrerkapitels, dass ML einen Schnelldurchgang durch die Geschichte und einen Rundumschlag gegen andere Religionen ausführt.
Die Indianer Mittel- und Südamerikas
Die gewaltsame Missionierung – manche sprechen vom Genozid – der Indianer Amerikas spielt ML gehörig herunter.
Inakzeptable Mittel, aber ansonsten ...
Man könne nicht bestreiten, dass die Spanier „mit völlig inakzeptablen Mitteln blühende Kulturen zerstörten“ (S. 93) entlarvt die Einstellung des Autors: die Mittel waren inakzeptabel, ansonsten war es schon in Ordnung.
Dabei wurde allenfalls die Grausamkeit der kultischen Menschenopfer der Indios ersetzt durch neue Grausamkeiten der eingewanderten Konquistadoren, Missionare und Ordensleute. Dazu neutrale Stimmen:
„Welchen Anteil wirtschaftliche Ausbeutung und desolate Sozialverhältnisse, Vernachlässigung, kriegerische Auseinandersetzungen, Epidemien, Sklavenjagd, »ethnische Säuberungen« und Genozidversuche an dieser demographischen Katastrophe tatsächlich hatten – der Tiefpunkt wurde erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durchschritten – und in welchem Verhältnis sie zueinander standen, wird kaum genau geklärt werden können. Fest steht nur, dass zahlreiche Völker mitsamt ihrer Kultur und Sprache vernichtet worden sind – die, gemessen an der Zahl der Opfer, größte demographische und wohl auch kulturelle Katastrophe in der Geschichte der Menschheit.“
„Missionare veranlassten die Indianer, oftmals unter Ausnutzung ihrer Schutzbemühungen gegen Ausbeutung und Tötung, ihre Glaubensüberzeugungen aufzugeben. Ihre kulturellen Eigenheiten wurden von den Missionaren als »unzivilisiert« oder »widernatürlich« diskreditiert.“ „Indianer“, Wikipedia, Lütz Links
„Die Indianer kamen entweder freiwillig – insbesondere aus Neugier – oder wurden von Soldaten, notfalls mit Gewalt, in die Mission gebracht. Die Padres duldeten keine andere Religion neben dem Christentum. Das spirituelle Leben der Indianer war in ihren Augen überhaupt keine Religion, sondern heidnischer Aberglaube und Hexerei. In der Mission wurden die Neuankömmlinge überwacht und bei Übertretung der strengen Regeln oder Widersetzlichkeiten schwer bestraft. Man bekehrte sie, brachte ihnen handwerkliche Fertigkeiten bei und wies ihnen nach einer gewissen Zeit schließlich ein Stück Land in der Nähe der Mission zu. Sie sollten christliche Bauern und Arbeiter werden, was aber tatsächlich nichts anderes als ein Sklavendasein in den spanischen Missionen darstellte.“ „Spanischen Missionen“, „Spanische Eroberung Perus“, Wikipedia, Lütz Links; Lewy (2004), Lütz Literatur
Naturreligionen
Die Naturreligionen werden angeprangert.
• Sie pflegen Menschenopfer, Tabus und andere Verbote. Hier und im weiteren Verlauf des Kapitels kann man ML nur an Mt 7,3 erinnern. All das, Menschenopfer, Tabus, andere Verbote, kennt auch das Christentum. Das Opfer, auch das Menschenopfer, ist zentral in vielen Religionen so auch und besonders im Christentum.
• Angeprangert werden die Azteken, Hinduismus (S. 93), Buddhismus (S. 94f), Konfuzianismus (S. 100, eine halbe Seite) und der Taoismus (S. 100, eine Viertel Seite).
• Die Missionsarbeit der Zeugen Jehovas wird gegeißelt (S. 101), die katholische und protestantische nicht mal erwähnt.
• Abfällig äußert sich ML auch zu anderen, kleineren Religionen – der Anthropologe Anthony F. C. Wallace schätzte, dass mindestens 100.000 verschiedene Religionen im Laufe der Geschichte Anhänger fanden (Wallace 1996, S. 4) –: diese Religionen spotten jeder Vernunft (Lütz, S. 105). Wieder ist ein Hinweis auf Mt 7,3 angebracht, man denke an Jungfrauengeburt, Höllenfeuer, Himmelfahrt, Transsubstantiation, usw. in der RKK.
• Die Essenz ist: diese Religionen haben nichts zu bieten, also bleibt nur das Christentum. ML: wir haben alles – außer den monotheistischen Religionen – mit dürftigem Ergebnis abgesucht (S. 100).
• Wenn man so oberflächlich vorgeht ist das Ergebnis vorhersehbar.
Vernunft & das erste Vatikanische Konzil 1868-1870 (S. 105-106)
Das erste Vatikanische Konzil 1868-1870 wurde von von Papst Pius IX. einberufen.
ML zitiert (S. 105-106) den Katechismus der Katholischen Kirche nicht – wie er behauptet – das Konzilsdokument, welches lautet: “Gott, der Urgrund (principium) und das Ziel aller Dinge, kann mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewißheit (certo) erkannt werden.” (I. Vat., Dei filius c. 2; DS 3004; zitiert nach Knauer, Lütz Links).
Katechismus: “36 Die heilige Mutter Kirche hält fest und lehrt, daß Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen gewiß erkannt werden kann” (Katechismus der Katholischen Kirche, Lütz Links).
Das ergibt unmittelbar eine Diskrepanz zwischen dem vom Konzil und Papst propagierten Gewissheitsanspruch und den wissenschaftlichen Theorien und der wissenschaftlichen Erkenntnis.
ML betont es an etlichen Stellen: wissenschaftliche Erkenntnis, wie z.B. die Evolutionstheorie oder „Die Erde ist ein Geoid“ ist immer nur wahrscheinlich, nie gewiss. Ebenso wird Kardinal Bellarmin im 17. Jhdt. von Galilei verlangen, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse als bloße Hypothesen zu formulieren und damit glauben viele, dass die RKK doch zurecht gegen Galilei vorging. Die RKK masst sich aber an, gerade etwas so Schwieriges wie Gott – die Erkenntnis davon ist umstritten – aus den geschaffenen Dingen gewiß erkennen zu können.
Nochmals zum Vergleich und zum Mitschreiben:
• 1615 Galilei, Kopernikus und Kepler vertreten nur hypothetische Thesen (was korrekt ist, aber nicht Stand der Wissenschaftstheorie des 17. Jhdt.ist). Darauf besteht die RKK und heutige Apologeten weiden es aus.
• 1870 Gott und das Ziel aller Dinge kann man (und natürlich erst recht die RKK) mit Gewissheit erkennen.
• 2011 alle wissenschaftliche Erkenntnis – egal wieviel millionenfach belegt und bewährt – hat nur Wahrscheinlichkeitsstatus.
ML verschweigt, dass
• auf dem Konzil 1870 auch das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verkündet wurde.
• jener Papst Pius IX am 8. Dezember 1864 den Syllabus Errorum ("Verzeichnis der Irrtümer"; siehe Lütz Links), eine Liste von 80 Thesen, die als falsch verurteilt wurden, veröffentlicht hatte. Darin führte der Papst einen peinlichen Hieb gegen die Vernunft.
Bitte beachten: die aufgeführten Punkte 3. bis 78. sind nach der RKK verdammenswerte Irrtümer.
3. Die menschliche Vernunft ist, ohne dass wir sie irgendwie auf Gott beziehen müssten, der einzige Richter über Wahrheit und Falsches, über Gut und Böse. Sie ist sich selbst Gesetz und mit ihrer natürlichen Kraft ausreichend, um das Wohl der Menschen und Völker zu sichern.
15. Es steht jedem Menschen frei, jene Religion anzunehmen und zu bekennen, welche er, durch das Licht der Vernunft geführt, für wahr hält.
18. Der Protestantismus ist nichts anderes, als eine verschiedene Form derselben christlichen Religion, in welcher es ebenso gut möglich ist, Gott zu gefallen, wie in der katholischen Kirche.
77. In unserer Zeit ist es nicht mehr nützlich, dass die katholische Religion unter Ausschluss aller anderen Kulte als einzige Staatsreligion gelte.
78. Es ist daher zu loben, dass in gewissen katholischen Ländern gesetzlich verordnet ist, dass den Einwanderern die öffentliche Ausübung ihres Kultes, welcher er auch sei, gestattet sein solle.
Ende der auszugsweisen päpstlichen Liste der Irrtümer.
Lütz Anfang
Der Gott der Wissenschaftler – Galilei, Darwin, Einstein und die Wahrheit
Dieses Kapitel strotzt von Irrtümern. Ich hoffe, ich kann die Wichtigsten klarstellen oder zumindest benennen.
• ML hat recht: das mythische Denken behindert das wissenschaftliche Begreifen der Natur. Doch haben sich die Menschen davon teilweise schon vor dem Christentum befreit. Die Ägypter, die Assyrer und Griechen betrieben Wissenschaft. Es stimmt daher nicht, dass
• das Christentum erst die Möglichkeit zur Entstehung der Wissenschaft gab (S. 110)
• die Aneignung des Christentums parallel mit der Entwicklung der Wissenschaft erfolgte (S. 111)
Albertus Magnus der erste Wissenschaftler war (S. 112); Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.), Archimedes (um 287 v. Chr. - 212 v. Chr.) und Claudius Ptolemäus (100 v. Chr. - um 175) haben schon über 1000 Jahre vorher diesen Anspruch. ML zeichnet Ptolemäus selbst als heidnischen Wissenschaftler aus (S. 116; das kritisiere ich noch kurz unter Lütz „Galileo Galilei“).
• Wenn die Bildung im Mittelalter fast ausschließlich dem Klerus vorbehalten war und Wissenschaftler daher Dominikaner usw. waren, ist es nicht verwunderlich, dass deren Gott der christliche war (S. 112). • Völlig übersieht ML dabei die Muslime und Wissenschaft im Mittelalter (Blütezeit des Islam, Lütz Links). Mathematik, Astronomie, Philosophie und Medizin (Ibn Sina aka Avicenna, Philosoph und Arzt; Al- Gazali; Averoes) profitierten von den Muslimen seit dem 12. Jhdt. Die arabischen Übersetzungen aus dem Griechischen ermöglichten es beispielsweise Euklid zu rezipieren (siehe „Simon Grynaeus als Wegbereiter René Descartes“, Lütz Links).
Erdscheibe
Eine weitere Unkenntnis (wenn auch eine weit verbreitete) leistet sich ML mit der Scheibentheorie der Erde bis zu Columbus und Magellan (S. 113).
• „Die Vorstellung einer flachen Erde (auch: Erdscheibe) findet sich in vielen frühen Kulturen. Sie wurde bereits von Autoren der Antike kritisiert und durch die Vorstellung der Erde als einer Kugel („Erdkugel“) ersetzt. Letzteres blieb auch im europäischen Mittelalter die vorherrschende Lehrmeinung.“ (Flache Erde, siehe Links)
Aristoteles: „Von der Form eines jeden Gestirnes aber dürfte man am meisten wohlbegründet annehmen, daß sie die Kugel sei; ...“ „beim Monde aber lehrt der Anblick, daß er kugelförmig ist“ (Aristoteles: Vier Bücher über das Weltgebäude. In: Zinner, 1951, S. 19)
• Die Form der Erde hielt Aristoteles bei anderen Gelehrten für umstritten: „den einen scheint sie kugelförmig zu sein, anderen aber platt und von der Gestalt einer Pauke.“ (S. 21) Er selbst aber folgerte begründet: „ihre Form aber muß notwendig die einer Kugel sein.“ ( S. 23).
Ptolemäus: „Ihrer Gestalt nach ist die Erde für die sinnliche Wahrnehmung, als Ganzes betrachtet, gleichfalls kugelförmig.“ (Claudius Ptolemäus: Handbuch der Astronomie. In: Zinner 1951, S. 28). Das erörtert und begründet Ptolemäus in einem eigenen Kapitel (S. 31-33).
Zwiespalt zwischen Kirche und Wissenschaft
Dass es bis Galilei keinen Zwiespalt zwischen Kirche und Wissenschaft gab (Lütz S. 114) bezweifle ich, kann es aber derzeit nicht belegen. In den vielen Jahren zwischen Aristoteles und Ptolemäus einerseits und Galilei andrerseits passierte wissenschaftlich auch nicht so Aufregendes – MLs ersten Wissenschaftler Albertus Magnus mal ausgenommen Albertus – was vielleicht auf die Ausbreitung und Dominanz des Christentums zurückzuführen ist.
Galileo Galilei
Das gesamte Unterkapitel zu Galilei ist gegenüber der RKK extrem beschönigend und glättend und teilweise ein nachträglicher Schlag ins Gesicht Galileis.
• Zuerst zu Nikolaus Kopernikus, dem Kopernikanischen Weltbild und dessen Aufnahme in der RKK. Papst Klemens VII. ließ sich 1533 von seinem Sekretär Johann Albrecht Widmannstadt die Kopernikanischen Sätze über die Bewegung der Erde vortragen. In außerkirchlichen Kreisen fand das kopernikanische Weltsystem 1540 durch eine Veröffentlichung unter dem Namen und in Zusammenarbeit mit Kopernikus' Schüler Georg Joachim Reticus Verbreitung: Narratio prima.
„Sein Hauptwerk »De revolutionibus orbium coelestium« hielt Kopernikus allerdings lange zurück, sei es, weil er es noch für verbesserungswürdig hielt, sei es, weil er die »weltanschaulichen« Konsequenzen sah und eine Kollision mit der Kirche vermeiden wollte.“ (Gebhardt 2004, S. 6)
»De revolutionibus« erschien erst im Todesjahr Keplers 1543, herausgegeben vom lutherischen Theologe Andreas Osiander, gegen den starken Widerstand Martin Luthers und Philipp Melanchthons (da hat ML recht). Der Legende nach drückte man Kopernikus auf dem Sterbebett noch ein Druckexemplar in die Hände. Das Werk wurde 1616 auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Erst 1757 wurde es davon entfernt und erst im Jahre 1822 legitimierte der Papst die Lehre von der Bewegung um die Sonne (Gebhardt 2004, S. 6; North 2001, S. 189; siehe Lütz Literatur; Andreas Osiander, siehe Lütz Links). Man erkennt: so problemfrei, wie ML die Lage schildert, war es nicht.
• Galileo Galilei wird möglichst negativ dargestellt; was vielleicht im Einzelnen zutrifft, für den „Fall Galilei“ aber zweitrangig ist:
• wahrscheinlich (!) ein schwieriges Kind (S. 115)
• bekam vielleicht (!) nicht genug Aufmerksamkeit (S. 115)
• erzürnend falsch ist: „Er sollte wissenschaftlich dann doch nicht wirklich sehr viel Neues hervorbringen.“ (S. 115). Hier empfiehlt sich die Lektüre zu Galilei unter Lütz Links und Brandmüller 1982 (hoher päpstlicher Kerikaler), Lauth, Sareiter 2002, unter Lütz Literatur).
• Ptolemäus war ein heidnischer Wissenschaftler (S. 116) , das ist ähnlich doof wie „jüdische Physik“. Es widerlegt aber, dass angeblich erst das Christentum Wissenschaft ermöglichte.
Änderung des wissenschaftlichen Weltbilds war für Christen kein Problem
• Man fragt sich umso mehr, warum die RKK dann Giordano Bruno verbrannte, Nikolaus Kopernikus einschüchterte und Galileo Galilei unter Hausarrest stellte.
• Doch ML hat eine Erklärung: „psychologische Kriegsführung und um die Macht der Medien“. Der erste Grund verbessert nichts, den zweiten bezweifle ich stark: es ging um die Macht der Kirche.
• „Der größte Mediencoup aller Zeiten“ (S. 115) schreibt ML, welche Medien er meint, unterlässt er uns mitzuteilen.
• Galileo wird weiter negativ dargestellt (um es vornehm auszudrücken):
• er weigerte sich einem Konkurrenten zu helfen.
• Galilei war eitel und wenig kollegial (S. 116)
• Galilei hatte ein vulkanisches Temperament (S. 116)
• „er arbeitete einen Kontroverse mit dem traditionell vertretenen ptolemäischen Weltbild heraus“ (S. 117). Ja, das war seine Erkenntnis; um das ging es. Es ist unklar, was ML erwartet. Das war ja die Änderung des wissenschaftlichen Weltbilds, von der ML gerade behauptete, sie wäre für Christen kein Problem (S. 116). Wie hätte Galilei eine seiner Haupterkenntnisse – die Unterstützung und Bekräftigung des kopernikanischen Weltbilds durch empirische Untersuchungen – ohne Angriff auf das konträre ptolemäische Weltbild bewerkstelligen sollen?
• Dass gleichzeitig die RKK eine Riesenkontroverse mit den Protestanten hatte (S. 117) kann ja wohl keine Entschuldigung für die RKK sein, eines ihrer Schafe zu verbrennen, das andere unter Hausarrest zu stellen.
• ML betont immer wieder, dass das ptolemäische Weltbild nicht zur Glaubenslehre der Kirche gehörte, ein Weltbildwechsel kein Problem war für die geschmeidige Kirche (sie hatte „ohne irgendwelche Berührungsängste“, S. 116, auch andere Ansichten übernommen): umso unverständlicher wird ihr Verhalten zu Galileo durch 400 Jahre.
• Bald nach Galileis Veröffentlichkung kam es zum Dreißigjährigen Krieg. ML schreibt das echt in 1 Satz, so als ob Galileis Veröffentlichung dafür verantwortlich sei (S. 117)
• Die RKK gründete soeben die Inquisition. Ist das ein Grund sie gleich an Galilei auszuprobieren?
• „Theaterdonner“ nennt ML Galileos Ausführungen (S. 117)
• Warum der Fall Galilei einen „Riesenente“ und der „vielleicht der größe Mediencoup aller Zeiten“ war erklärt ML nie.
• Dann verniedlicht ML weiter: die Inquisition legte es Galilei „lediglich nahe“ das kopernikanische Weltbild nicht mehr öffentlich zu vertreten (S. 118). Genau darum ging es. Galilei kuschte wegen Androhung der Folter.
• Ein Punkt wird im Fall Galilei immer – nicht nur von ML – genüßlich vorgebracht: Kardinal Bellarmin riet ihm, das kopernikanische Weltbild nur als Hypothese zu vertreten (S .119).
1) Da hätte Galilei also schon die Wissenschaftstheorie des 20. Jhdt. mit Karl Poppers Fallibilismus voraussehen müssen!
2) George V. Coyne SJ, US-amerikanischer Jesuit und Astronom, lange Jahre Direktor der Vatikanischen Sternwarte, und an vordester Stelle bei der Aufrollung des Fall Galileis dabei, weist unermüdlich darauf hin, dass "Hypothese" zwei Bedeutungen hat:
a) die damalige im Sinne eines nützlichen wisssenschaftlichen Instruments und
b) die heutige im Sinne der besten wisssenschaftlichen These, die uns derzeit zur Verfügung steht.
Galilei lehnte aufgrund der damaligen Bedeutung des Wortes und dem Stand der Wissenschaftstheorie zurecht das Ansinnen Bellarmins ab. Leider jonglierte die sogenannte Rehabilitierung Galileis mit beiden Bedeutungen, genauer: sie stellte nie klar, dass "Hypothese" damals eine andere hatte.
• Im April 1615 bemängelte Kardinal Bellarmi, dass das von Galilei vertretene kopernikanische Weltbild mit der Bibel nicht übereinstimme. Er berief sich auf:
„ 4 ... die Erde aber bleibt ewiglich. 5 Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, daß sie wieder daselbst aufgehe.“ (Prediger 1, 4-5)
• Ein Jahr später erklärte die römische Inquisition „die Idee, daß sich die Erde um die Sonne dreht“ offiziell als „dumm, absurd, sowie philosophisch und formal häretisch“, da sie „ausdrücklich der Lehre der Heiligen Schrift (widerspricht)“ (Lauth 2002, S. 53).
• Drei andere Stimmen zum Fall Galilei
„Im ersten Prozess wurde Galilei ein Maulkorb verhängt: er wurde »ermahnt«, von der Vertiefung und Verbreitung diesen irrtümlichen Meinungen abzulassen. Erst als 1632 der »Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo tolemaico e copernicano« erschien, wurde Galilei unter Androhung von Strafe nach Rom beordert und – im Frühjahr 1633 – dreimal von der Inquisition verhört. Ob ihm dabei ausdrücklich mit der Folter gedroht wurde, ist umstritten; aber allein schon die »formale« Erwähnung der Folter, die zum Ritual gehörte, dürfte in dieser Situation bedrohlich genug gewirkt haben. Am 22. Juni 1633 schwor Galilei im großen Saal von Santa Maria sopa Minerva der kopernikanischen Theorie ab und gelobte, derartige ketzerische Meinung nicht weiter zu vertreten.“ (Gebhardt 2004, S. 6-7)
„Mit diesem Prozeß war die Trennung von Naturwissenschaft und Theologie vollzogen. Die Einengung der freien Forschung war für Jahrhunderte festgemauert. Gedacht und erforscht durfte nur werden, was in das Weltbild der römischen Kirche passte Doch auch heute noch ist die Auffassung nicht ausgeräumt, daß im Konflikt zwischen einer Lehre der Kirche und beobachtbaren, erwiesenen Tatsachen die Lehre der Kirche recht hat und nicht das Faktum – getreu dem Grundsatz: „ Um so schlimmer für die Tatsachen, wenn sie mit der Kirchenlehre nicht übereinstimmen".“ (Bellian 1999, Lütz Links)
„Sehr schnell ist G.'s Verurteilung praktisch beschlossene Sache, doch ist diese nicht Resultat einer tragischen Auseinandersetzung zwischen zwei Männern, sondern durchaus als Versuch zu werten, im institutionellen Rahmen und mit den Instrumenten der Inquisition den Konflik zwischen der neuen Wissenschaft und der Kirche auszutragen.“
(Heckl 1995, S. 304)
Kurze Würdigung Galileis
Nach MLs abwertenden Bermerkungen ist eine kurze Würdigung Galileis angebracht.
• Galileo Galilei steht an der Schwelle der modernen Naturwissenschaft.
• Er führte konsequent mathematische Methoden zur Beschreibung der Natur ein.
• Lauth/Sareiter nennen zwei wichtige Prinzipien nach dem großen Naturforscher (Astronomie, Mechanik):
  • „Galileis erstes Prinzip: Physikalische Vorgänge sind durch mathematische Modelle zu beschreiben.“ (Lauth/Sareiter S. 46)
  • „Galileis zweites Prinzip: Naturwissenschaftliche Theorien müssen experimentell überprüfbar sein.“ (Lauth/Sareiter S. 49)
• George V. Coyne SJ (siehe weiter oben) stellte es in einer öffentlichen Ansprache so dar: “Galilei stellte die Authorität der Bibel so zurecht: »The Bible tells us how to go to heaven, not how the heavens go«.”
• Galilei schrieb den Dialogo in der Umgangssprache, der Sprache des Volkes, eine revolutionäre Neuerung. Auch das war der Kirche ein Dorn im Auge.
• Die Rehabilitierung von 1992 – auf die sich Freunde des Vatikans gerne gerufen (ML S. 120) – war nur eine halbherzige. Siehe Coyne 2005, Mayer 2010.
Evolution
• ML meint, der Fall Galilei löste nicht das Band zwischen Christentum und Wissenschaft (S. 122). Ich stimme ihm zu, aber es wurde zerfleddert. Kopernikus Werk kam auf den Index usw.
• ML betont, dass die Wissenschaftler Christen waren und schreibt auf derselben Seite vom „Gott der Wissenschaftler“ (S. 122), der gewaltig vom christlichen Gott abweicht. Diese Diskrepanz wird nie aufgeklärt. Entweder er kann die Wissenschaftler für das Christentum (hier unterscheidet er mal nicht von der RKK, sondern vereinnahmt alle Christen) reklamieren oder sie huldigen ihrem eigenen Gott.
• Ganz so einfach kann ML die Naturwissenschaftler nicht als (überwiegend) christlich deklarieren, denn: „Über 90% der Spitzen- Naturwissenschaftler auch der USA sind »ungläubig«.“ (Czermak 2009, S. 34).
Pierre-Simon Laplace
In die forsche Antwort Pierre-Simon Laplaces an Napoleon (S. 123 und Motto, S. IX.) hat ML ein „plus“ hineingeschmuggelt. Ist zwar nicht ganz wichtig, aber immerhin. Das Zitat wird verschieden berichtet
• „[Sire,] je n'ai pas eu besoin de cette hypothèse“
• „[Sire,] je n'avais pas besoin de cette hypothèse-là“ aber jeweils ohne dem „mehr“.
Das „mehr“ suggeriert, Laplace habe die Hypothese Gott vorher benötigt. Die erste Form nennt beispielsweise Charles Taylor 1992, S. 324.
Zur genannten Diskrepanz zwischen der Vereinnahmung der Wissenschaftler als Christen und Unterschiebung eines eigenen, verwerfenswürdigem Gottesbild kommt hier die unzulässige Verallgemeinerung. Der Ausspruch Laplaces mache – so ML – klar, dass der Gott der Wissenschaft des 18. Jhdts. schon lange nicht mehr der christliche Gott war (S. 123). ML schließt vom Gotteskonzept Laplaces auf alle Wissenschaftler. Das ist unzulässig und hier sicher falsch.
Mit den Pauschalierungen kommt ML in Teufels Küche (um in Jargon zu bleiben Laplace): sind (alle) Wissenschaftler nun Christen oder weicht ihr Gottesbild – so sie eines haben –, wie es das Kapitel nahelegt, davon ab? Würde ML nicht alle Wissenschaftler jeweils in einen (anderen) Topf werfen, könnte er diesen Widerspruch leicht vermeiden.
RKK & Evolution (1)
Mit Darwins Theorie stand die Schöpfungsgeschichte der Bibel auf dem Prüfstand, meint ML. Damit stellt ML eine Ähnlichkeit mit dem Fall Galilei fest (S. 124). Das trifft zwar zu, deckt sich aber nicht mit MLs Schilderung und Auslegung des Fall Galileis: dort konzedierte er ausdrücklich keine Diskrepanz mit der Kirche und Bibel und inszenierte den Fall als Machtkampf und Mediendrama.
Insgesamt schildert ML die Akzeptanz der Evolution durch die RKK recht locker aus heutiger Sicht. Er unterschlägt den jahrzehntelangen Streit (u.a. Prozesse in den USA), der teilweise bis heute anhält. Dass viele – besonders aus christlichen Kirchenkreisen – die Evolution einfach nicht begreifen, zeigt das folgende Zitat des Kardinals Christoph Schönborn:
“Darwin suchte nach einer Schöpfungstheorie ohne Schöpfer.
Als Darwin 1859 mit seinem berühmten Buch Vom Ursprung der Arten herauskam, war wohl die Grundbotschaft, dass er einen Mechanismus gefunden hat, der eine selbsttätige Entwicklung von Pflanzen und Tieren darstellt, ohne dazu eines Schöpfers zu bedürfen. Wie er selber sagt, ging es darum, eine Theorie zu finden, die bei der Entwicklung der Arten vom Niedrigen zum Höheren nicht neue, immer vollkommenere Schöpfungsarten erfordert, sondern allein mit den Zufallsvariationen und dem Überleben des Stärkeren auskommt. Also die Vorstellung: Wir haben einen Weg gefunden, wie wir einzelne Schöpfungsakte nicht mehr brauchen. Zweifellos ist Darwin mit seinem Hauptwerk ein genialer Wurf gelungen, und es bleibt eines der ganz großen Werke der Geistesgeschichte. [...] Es braucht nicht mehr einzelne Schöpfungsakte um die Entstehung der Arten zu erklären.” (Schönborn 2005, Lütz Links)
Der Essay von Schönborn ist gespickt mit typischen Fehlern:
• schon die Überschrift ist falsch: Darwin suchte nicht nach einer Schöpfungstheorie ohne Schöpfer. Sie drängte sich ihm aufgrund der überwältigenden Belege auf. Selbst dann sagte er nichts zur Schöpfung. Aus den verschiedensten Gründen (eigene Sozialisierung, gläubige Ehefrau, Vermeidung von Aufruhr, ...) verneinte er nirgends öffentlich – soweit mir bekannt – die Schöpfungslegende.
• „Entwicklung der Arten vom Niedrigen zum Höheren“; eine Entwicklung zum Komplexeren ist erkennbar, wobei das einfachere bleibt (Bakterien); Evolution nicht verstanden. „
• „vollkommenere Schöpfungsarten“: sie sind angepasst,. nicht vollkommen; Evolution nicht verstanden. • „Überleben des Stärkeren“; des Angepassten! Evolution nicht verstanden.
Christoph Schönborn ist kein Einzelfall, siehe ganz aktuell:
Man hat Charles Darwins Die Entstehung der Arten nicht oder nur oberflächlich gelesen, schreibt aber darüber. Da wird von “niederen Lebensformen”, “Aufwärtsentwicklung” und über den vorläufigen Höhepunkt, der Homo sapiens, fabuliert (Missverständniss #3).
Jörn Schumacher: "Explosion der Evolution", pro Christliches Medienmagazin, 2 / 2011, S. 42-43
Siehe "Missverständnisse zur Evolutionstheorie" unter Lütz Links
Popanz und Strohmann
Oft schafft sich ML einen Popanz oder Strohmann.
• Mythos Galilei (S. 116) Darüber habe ich oben schon ausführlich geschrieben.
• schlecht informierte Kreise verbinden die Unbefleckte Empfängnis mit Sex (S. 126). Es mag sein, dass es solche Kreise gibt. Alle die ich kenne, verbinden damit genau das Gegenteil: Maria wird schwanger ganz ohne Sex. Im Katholischen Katechismus steht dazu, dass sie durch die Kraft des Heiligen Geistes den Sohn des Höchsten gebären werde, ohne einen Mann zu erkennen. (Katechismus der Katholischen Kirche §494). Maria war zwar mit Josef verlobt, aber der hat mit ihrer Schwangerschaft nichts zu tun. Es handelte sich um eine Patchwork-Familie. Der sexfreie Fehltritt Marias wurde 1854 dogmatisiert.
Pierre Teilhard de Chardin
Gerne berufen sich heutzutage Katholiken bezüglich Evolution auf Pierre Teilhard de Chardin, so auch ML (S. 127). Sie übersehen, vergessen oder wissen nicht, dass die RKK in dessen evolutionärer Synthese eine Bedrohung ihrer Lehre sah. Einige seiner Werke durften nicht veröffentlicht werden. Seinem Hauptwerk Le Phénomène Humain verweigerte der Vatikan zehn Jahre (bis zu seinem Tod) die Imprimatur. Im Jahre 1926 hatte ihm die Inquisition bereits den Lehrstuhl am Institut catholique de Paris entzogen.
RKK & Evolution (2)
ML hat – soweit ich weiß – schon recht: lehramtlich wurde die Evolutionstheorie nie verurteilt (S. 127), aber das Primat der kirchlichen Lehre wurde immer wieder betont, der Wissenschaft und ihren Lehren wurde – zurecht – immer nur ein vorläufiger hypothetischer Status zugesprochen. Wohingegen sich gerade die RKK als Verkünder der Wahrheit inszeniert.
Gerne wird von Leuten, die vielleicht nicht ganz aus Überzeugung der Evolutionstheorie zustimmen (weil ja die RKK nichts gegen die Wissenschaft hat und ihre Lehre mit der Evolutionstheorie kompatibel ist), aufgezählt, was sie nicht leistet (S. 128). Es soll wohl den Eindruck der Dürftigkeit dieser Theorie erwecken. Das kann man mit jeder Theorie machen. Keine erklärt alles und die Evolutionstheorie beansprucht überhaupt nicht, z.B. ontologische oder metaphysische Fragen zu beantworten. ML zählt Fragen auf, die wissenschaftlich unbeantwortet sind. Das ist eine verbreitete Methode um den Eindruck zu verfestigen: Na schau, die Wissenschaft weiß darauf keine (abschließende) Antwort. Unterschwellig: also kann's mit ihren Aussagen nicht so weit her sein. Erst später gesteht ML zu, dass Darwin nie behauptete diese Fragen zu behandeln, ganz abgesehen davon, sie zu beantworten (S. 130).
Man muss sich dabei aber immer vor Augen führen:
• wer beantwortet diese Fragen abschließend?
• ist die Antwort einer Religion akzeptabel oder verschiebt sie – wie so oft – nur das Problem?
Ich nenne ein paar solcher Fragen:
• warum existiert etwas und nicht vielmehr nichts?
• warum gibt es Ordnung in der Welt?
• wie kommt es, dass die Naturgesetze so fein aufeinander abgestimmt erscheinen (Anthropisches Prinzip, Lütz Links)? (alle S. 128; siehe dazu Lütz Literatur)
Quantentheorie & Zufall
Vollends diffus wird ML in seiner Vereinnahmung der Quantentheorie, insbesondere des quantenmässigen Zufalls. Albert Einstein erteilte dem Zufall, dem ML so wichtige Funktionen beimisst, eine Absage:
„Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der Alte nicht würfelt.“
Brief an Max Born, 4. Dezember 1926, (Zitate Albert Einstein unter Lütz Links).
Das sagt wenig über den Zufall, doch auf Einstein kann sich ML für seine Zufallsinterpretation nicht berufen. Das zeugt von MLs selektiver Wahl der Stellungnahmen. Das ist nicht verwerfenswert, wenn man für etwas argumentiert; man zitiert dann gerne Pro-Stimmen und läßt die Contra-Stimmen unter den Tisch fallen. ML ruft Einstein daher zum Zeugen für den Gottesglauben eines der bedeutendsten Naturwissenschaftler des 20. Jhdt.s und unterschlägt, dass er an keinen personalen Gott glaubte. Derselbe Einstein hoffte bis zum Tod, dass man den objektiven Zufall aus der Physik eliminieren könne. Das zitiert ML nicht. Das Problem: ML will den Eindruck der Abwägung des Pro und Contras zur Frage nach Gott erwecken. Oder täusche ich mich da?
Der Zufall wird übrigens schon im Alten Testament in einer Art materialistischen Glaubensbekenntnis besungen: „Wir sind ja durch Zufall entstanden und später werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Ist doch nur Dunst und Hauch in unserer Nase und das Denken nur ein Funke beim Schlag unseres Herzens.“ (Weish 2,2).
Geheimnis im christlichen Glauben
„Christlicher Glaube hatte also nichts mit irgendwelcher Geheimnistuerei zu tun, sondern er musste sich rechtfertigen vor dem Gerichtshof der Vernunft“ (S. 131). Schon vorher erklärte ML seinen Lesern, dass ihn die Antwort „Das ist ein Geheimnis“ zur Weißglut bringt (S. 91) Auf S. 131 stimmen beide Teilsätze nicht.
“Das Wort »Geheimnis« gehört zur Imponierprosa der katholischen Kirche”, befindet Hans Albert, S. 65, in: "Religiöse Einsichten eines Kapuziners. zu den theologischen Betrachtungen des Paters Anselm Grün". Aufklärung und Kritik 3/2011. S. 59-69.
1) Christlicher Glaube hat nichts mit Geheimnistuerei zu tun
Zu „geheim“ und stammgleichen Wörtern verzeichnet der Katechismus der Katholischen Kirche 110 Fundstellen. Wenn man die Textstellen durchgeht ist sehr oft vom „christlichen Geheimnis” die Rede. Es ist sogar zentraler Teil des christlichen Glaubens: „das christliche Geheimnis ist Gegenstand des Glaubens (erster Teil); es wird in den liturgischen Handlungen gefeiert und mitgeteilt (zweiter Teil); es ist gegenwärtig, um die Kinder Gottes bei ihrem Tun zu erleuchten und zu unterstützen (dritter Teil); es bildet die Grundlage für unser Gebet, dessen bevorzugter Ausdruck das »Vaterunser« ist, und es bildet den Gegenstand unseres Bittens, unseres Lobes und unseres Fürbittgebetes (vierter Teil)“ lautet es im Katechismus gleich zu Beginn. Aber nicht nur der Katechismus kennt Geheimnisse zuhauf. Auch ML vergisst gelegentlich seine Weißglut.
• „Gott und der Mensch sind Geheimnis, das nicht lösbar ist, ...“ (S. 188)
• Zu Gott und dem auserwählten Volk der Juden: „manches wird der Außenstehende nicht ganz verstehen“ (S. 195).
• Die Entscheidung des Konzils von Chalkedon von 451 wahrte „das göttliche Geheimnis“ (S. 221). Hier übrigens typischerweise zu einer Frage, die knifflig war/ist.
• Das „bleibende Geheimnis“ des Theologen Karl Rahner – das merkt ML doch – widerspricht glatt seinem Befund, dass der christliche Glaube nichts mit Geheimnis am Hut habe. Rahner – so ML – deutet es eindrucksvoll zum „lichten Geheimnis“ um (S. 188). Na ja, wenn's so einfach geht.
2) Christlicher Glaube muss sich vor dem Gerichtshof der Vernunft rechtfertigen
Das gilt nur sehr eingeschränkt. Immer wieder betonten Kirchenvertreter den Vorrang der kirchlichen Lehre. So Papst Pius XII. über die Evolutionstheorie (Entwicklungslehre):
„Es sollen diese Verhandlungen in der Weise geschehen, dass die Gründe für beide Ansichten, also dieser, die der Entwicklungslehre zustimmt, wie jener, die ihr entgegensteht, mit nötigen Ernst abgewogen und beurteilt, vorausgesetzt, dass alle bereit sind, das Urteil der Kirche anzunehmen.“ (Enzyklika Humani Generis vom 12. August 1950).
Nicht der Gerichtshof der Vernunft ist die letzte Instanz, sondern der Vatikan. Auch wenn der Glaube über der Vernunft steht, so kann es doch niemals einen Widerspruch zwischen Glaube und Wissenschaft geben, denn beide haben ihren Ursprung in Gott. Es ist derselbe Gott, der dem Menschen sowohl das Licht der Vernunft als auch den Glauben schenkt. (Katechismus der Katholischen Kirche §159).
Der Glaube steht also nach Pius XII. und Katechismus über der Vernunft. Auch ML schränkt sein hehres Vorhaben vom Gerichtshof der Vernunft sofort wieder ein: eine Vernunft, die auf die Offenbarung hört (S. 131). Damit liegt er so ziemlich wieder auf der Linie der obigen Zitate.
Der Gott der Philosophen – Die große Schlacht der reinen Vernunft
Zuerst ein paar vermischte Ungereimtheiten
• Sich auf Thomas von Aquin berufend plädiert ML für eine verständliche Sprache (S. 147). Er selbst hält sich weitgehend (die letzten 4 Kapitel ausgenommen) daran. Doch Thomas von Aquin erfüllt diesen Anspruch, wenn er über „wichtige existentiell Einsichten“ schreibt nicht. Dann beruft sich ML auf Martin Heidegger. Dieser ist gleich nach Hegel einer der unverständlichsten deutschen Philosophen (S. 148).
• Auch an Thomas von Aquins Ratschlag: „Philosophie hat nicht die Aufgabe zu erfahren, was andere Leute früher einmal gedacht haben, sondern zu erfahren, wie die Wahrheit der Dinge sich verhält“ (S. 149) hält sich ML nicht. Sein Text strotzt von Berufungen auf das, was andere gedacht haben. Nur ein Beispiel: „der moderne französische Philosoph Jacques Maritain ist der Auffassung ...“ (S. 154). Das ist ja nicht schlecht, doch sollte man nicht so tun, als ob das andere machen, selbst entwickle man aber eigene Gedanken.
• Immerhin wird Jacques Maritains Auffassung, die “Fünf Wege des Thomas von Aquin” halten als Gottesbeweise „jeglicher [!] Kritik stand“ (S. 154), heute schon im philosophischen Proseminar widerlegt. Das gilt auch für den Ontologischen Gottesbeweis des Anselm von Canterbury.
• Ob Sokrates nicht doch schon ein vorher Wissender (also doch ein Besserwisser) war, müßte diskutiert werden (S. 149). „... der Gott der Bibel, der aus Liebe die Welt aus dem Nichts allmächtig schuf, ...“ (S. 151-152) zeigt das oft gedankenlose Geplappere MLs: eine Liebe ohne Objekt gibt es nicht. Es ist immer mindestens eine Zweierbeziehung. Also geht das nicht.
Das Theodizee-Problem (2)
Zur Theodizee hat ML die Standarderklärung vieler Theisten: die menschliche Freiheit erfordere, dass man das Böse zulasse. Wenn's ganz grob kommt, flüchtet ML in den „selbstgemachten Gott“ der Aufklärer (S. 158) oder ins Geheimnis (S. 160). Doch das Dilemma ergibt sich nicht durch den „selbstgemachten Gott“ sondern durch diejenigen, die dem christlichen Gott Eigenschaften in höchster Ausprägung zuschreiben. Dabei kann man das Problem recht einfach formulieren:
“Die theoretische Stärke des Atheismus ist der spätestens seit Kant gescheiterte Versuch von Gottesbeweisen, sein Fels ist das Scheitern der Theodizee-Frage: die Übel der Welt sind mit einem gleichzeitig gerechten, allwissenden und allmächtigen Gott schwer zu vereinbaren” (Czermak 2009, S. 34).
Da hätte man die Gottesbeweise auch gleich erschlagen.
Das Böse dürfe man daher (nach der genannten Standarderklärung) nicht dem Schöpfer zurechnen (S. 159). Freilich, fürs Gute und die Wunder wird Gott reklamiert.
• Zudem hätte Gott auch die Freiheit ohne Böses hingekriegt: er ist allmächtig.
• Die „Lösung“ der Theodizee mit der menschlichen Freiheit übersieht tierisches Leid,
• Leid vor dem Auftreten des Menschen in der Erdgeschichte, und
• all das Leid, das nichts mit der menschlichen Freiheit zu tun hat (Vulkane, Erdbeben, usw.)
Die Theodizee diskutiert ML kaum und das Wenige ist unzulänglich bis unverständlich. Wieso das Erlebnis im Taxi eine „existentielle Antwort auf die Theodizeefrage“ (S.159) sein soll entgeht mir. Wenn es die Frage des Taxifahrers (die ML mit einem Rufezeichen schmückt) sein soll („Wie sollen wir Gott am Jüngsten Tag bloß all diese Kriege erklären!“), dann formulieren wird die mal um zu „Wie sollen wir Gott am Jüngsten Tag bloß all diese Erdbeben, Tsunami und Vulkanausbrüche erklären?“ um und der Unsinn wird sofort klar.
Wenn ich nichts überlesen habe, schreibt ML die überaus wichtigen Eigenschaften Gottes, die für Theodizee–Argumentation entscheidend sind „allmächtig, allgütig, allwissend etc.“ erst auf S. 195 hin.
Gelegentlich stellt sich ML selbst ein Bein oder er widerspricht sich
• „Gewiss können Menschen diese Frage [Theodizee] niemals vollständig beantworten, ...“ versus „Doch zu behaupten, dass es darauf niemals eine befriedigende Antwort geben kann, nur weil man sie selbst jetzt nicht geben kann, mag eine stolze spektakuläre Geste sein – eine wissenschaftliche Aussage, eine philosophische Aussage ist das nicht.“ (S. 160)
• Sekten halten sich für Besitzer der Wahrheit (S. 213). Dann ist meine Einstufung der RKK als Grosssekte völlig in Ordnung. Und die wahren Glaubenssätze (Dogmen) der RKK darf man nicht ausdrücklich leugnen (S. 221). Es gibt also den unbedingten Wahrheitsanspruch der RKK. Damit wird sie in die Nähe einer Sekte gerückt.
• Wenn Gott (hier: Jesus) nur scheinbar sterben würde, „wäre das Ganze ein Possenspiel“ (S. 216). Gott stirbt natürlich nur scheinbar.
a) steht er wieder von denToten auf; also war der Tod nur scheinbar; selbst wenn man dem nicht zustimmt:
b) es ist für ihn ein Leichtes wieder zum Leben zu gelangen. Er könnte beispielsweise in einer Region, wo die Menschen auffassungsmässig noch nicht so weit waren (These von ML), später nochmals Mensch werden.
Kants Gedankengang aus der Kritik der praktichen Vernunft
Mit Immanuel Kants Gedankengang bin ich nicht so vertraut. Er wurde bei mir vor kurzem durch die Lektüre von Nicholas Everitt: The Non-Existence of God (Lütz Literatur) wieder aufgefrischt und von Everitt auch kritisiert, trotzdem kann ich zu MLs Interpretation nur wenige Anmerkungen machen.
• Es ist keineswegs so sicher, dass jeder Mensch von Geburt an (ohne entsprechende Erziehung und Sozialisation) nach dem Guten strebt. Ich bezweifele es und für den Kategorischen Imperativ (den angeblich jeder in sich habe) bestreite ich es (S. 168).
• Dass dies ohne Begründung unbezweifelbar sei ist eine manipulative Aussage MLs (S. 168). Es widerspricht zudem MLs ständiger Unterstellung, dass Menschen "by default" böse handeln würden („die Sau rauslassen“).
• Dass dieses Bestreben zudem die Freiheit des Menschen, seine Unsterblichkeit und Gott voraussetzt ist falsch (S. 169). Wenn jemand in bestimmter Weise handeln soll (von außen bestimmt, z.B. Zehn Gebote, staatliche Gesetze), setzt das Können voraus (siehe Moralisches Prinzip: “Sollen impliziert Können”, Lütz Links), doch ein blosses inneres Streben nach guter Tat setzt keine Freiheit voraus und erst recht nicht Unsterblichkeit und Gott. Hier irrt Kant oder ML interpretiert ihn falsch.
• Später kommt ML auf Kants Pflichtethik zu sprechen, die gerade ohne Belohnung auskommt. Wer nur deshalb die Bank nicht überfällt, weil er die Strafe scheut, handelt nicht moralisch im Sinne Kants. Das heißt für Kants Pflichtethik braucht es weder Unsterblichkeit noch Gott.
• MLs durchgängiger Fehler ist es, dass er ohne Unsterblichkeit und Gott davon ausgeht, dass jeder unmoralisch handeln würde, jeder würde „die Sau rauslassen“ und wenn er moralisch handeln würde, wäre das „zutiefst unvernünftig“, „zugleich ein Irrsinn“ (S. 170).
• ML ist gerade kein Pflichtethiker, sondern er braucht die Belohnung & Bestrafung. Da wir die im Erdenleben nur selten erfahren, müssen wir unsterblich sein, damit Gott Gelegenheit hat zu bestrafen und zu belohnen. Selbst das folgt nicht. Nach dem Tod könnte eine begrenzte Belohnungs- & Bestrafungszeit folgen.
Zusammenfassung zu ML über Kant: ML hält Moral für Irrsinn, außer sie wird im Jenseits auf ewig (!) belohnt (S. 171).
Ich meine, es gibt verlässlichere Kant-Exegeten. Zwei Jesuiten nenne ich:
Harald Schöndorf behandelt die Frage, wo Kants Philosophie implizit die Existenz Gottes voraussetzt. Er bejaht dies und belegt es (Schöndorf 1995).
Giovanni Sala ging der Frage nach, ob das Kantische Postulat der Existenz Gottes nicht doch (entgegen Kants Überwindung der Gottesbeweise) letztlich ein Beweis sei (Sala 1993).
Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – Das Geheimnis im Mantelsaum
Da haben wir gleich in der Überschrift von ML selbst das Geheimnis, das ihn eigentlich zur Weißglut bringt (S. 91), außer er benötigt es, siehe Abschnitt „Geheimnis im christlichen Glauben“, am Ende des Kapitels Lütz „Der Gott der Wissenschaftler“.
“Das Wort »Geheimnis« gehört zur Imponierprosa der katholischen Kirche”, S. 65,
Hans Albert: "Religiöse Einsichten eines Kapuziners. Zu den Theologischen Betrachtungen des Paters Anselm Grün", Aufklärung und Kritik 3 (2011). S. 59-69
Ein Lob der Zusammenfassung, die ML S. 200-201 gibt. Sie ist ausgewogen, hilfreich und enthält das Allerwichtigste.
Fragwürdig, lustig oder strukturell völlig verfehlt ist, dass ML erst später die zentralen Aussagen des Christentums, um die es schon dauernd ging, erklärt (S. 213).
Ansonsten habe ich zu diesem und den folgenden Kapiteln keine speziellen Anmerkungen; alles löst sich in die folgenden allgemeinen Anmerkungen auf. Ich habe sie nicht mehr weiter geordnet aber strukturiert.
Lütz Anfang
Allgemeine Anmerkungen
Widersprüche und Ungereimtes
ML widerspricht sich oft selbst.
• Er behauptet, jeder habe von Haus aus das Streben nach dem Guten in sich (S. 168), doch hält er unmoralisches Handeln für das Vernünftige, wenn nicht Unsterblichkeit und Gott wären. Wenn jeder eh nach dem Guten strebt, dann handelt sie/er auch gut, egal, ob und was im Jenseits kommt.
• ML mahnt: „Gläubige dürfen nicht alle Atheisten für böswillig halten und Atheisten nicht alle Gläubigen für dumm“ (S. 179). Doch folgt man seiner Argumentation, dann sind Atheisten entweder böswillig oder irrsinnig. Während er andere tadelt, die Gläubige für wahnhaft halten, erklärt er einen sehr grossen Anteil der Atheisten (diejenigen, die sich moralisch verhalten), für irrsinnig. Und dann vergleicht ML die RKK mit einem psychisch kranken Menschen und legt sie selbst auf die Couch (mir soll's recht sein): Der blockierte Riese – Psycho-Analyse der katholischen Kirche (S. 224-225; siehe Lütz Werksliste).
Ein Problem für Christen ist es, dass Gott ein Volk auserwählte, Jesus erst nach Jahrtausenden auf die Erde kam und dazu noch für wenige Jahre sich nur den Juden stellte. Das klärt ML so: die Juden glauben (immer versteckt sich ML hinter anderen!), dass sich Gott „liebevoll Schritt für Schritt offenbart hat, gemäß der Fassungskraft des Menschen“ (S. 190). Das klärt allenfalls das späte Auftreten Jesu in der Menschheitsgeschichte. Unklar bleibt, warum Gott den Menschen nicht von Anfang an die nötige Fassungskraft gab. Widersprüchlich ist es zum Befund von ML, dass die „Intelligenz und Fähigkeit zu existenziellen Fragen“ vor 3300 Jahren genauso bestand wie heute (S. 182). Es bleibt eine Kluft von 1300 Jahren.
Manchmal korrigiert ML (vermeintliche) Legenden und Mythen. Dabei greift er – wie schon ausgeführt – bei Galilei ziemlich fehl und beim Evangelium beispielsweise daneben.
• Er stutzt die Ansicht, das Johannesevangelium sei erst Jhdt.e nach dem Tod Jesu zusammengedichtet worden, auf hundert Jahre (130 n.Chr., S. 227). Das ist keine entscheidende Verbesserung. Man stelle sich vor, ich würde – bei heutiger bedeutend besserer Quellen- und Dokumentenlage – heute eine Biografie von beispielsweise Samuel Loyd, US-amerikanischer Spiele-Erfinder und Rätselspezialist (1841-1911) schreiben. Recht authentisch wäre die wohl nicht.
Lügen
• „Christen haben keine Gewalt angewandt, beugten sich aber auch keiner Gewalt“ (S. 225). Beide Teilsätze sind millionenfach widerlegt.
* Der Vatikan half den Nazis im Juli 1933 durch das Konkordat in den Sattel (Lütz Links), um nur den zweiten Teilsatz zu widerlegen. Zumindest verteidigte die RKK diesen Vertrag mit den aufstrebenden Nazis damit, dass sie sich der Gewalt beugte um ein höheres Gut zu erlangen.
* Den ersten Teilsatz zu „widerlegen“ ist wohl zu lächerlich.
Aufklärung
Die Aufklärung ist ML ein Dorn im Auge. Er sieht sie in der Französischen Revolution verblutet; er spricht vom „geistigen und historischen Bankrott der Aufklärung“. Das zeugt vom historischen und ideengeschichtlichen Bankrott MLs (S. 175). Aufklärung ist immer auch gegen Vorurteile gerichtet. Wer die Auflärung scheut hat wohl Angst, dass seine Vorurteile (und ML verbreitet sie in diesem Buch ausgiebig) als solche entlarvt werden.
Wer weiter liest kann MLs Vorurteile und ungültige Folgerungen leichter erkennen.
Pauschalierungen
Von einzelnen, verfehlten Verallgemeinerungen war schon die Rede. Wenn man das Inhaltsverzeichnis überblickt und die Kapitelüberschriften liest, erkennt man Pauschalierungen zuhauf. Die Gottesbilder der Atheisten, der Kinder, der Lehrer, der Wissenschaftler, der Philosophen werden jeweils zusammengeworfen. Völlig unzulässig und verzerrend. Daher kommt ML zu falschen Folgerungen. Auch das Gottesbild des Islam wird pauschalierend abgewertet.
Ad-hoc Erklärungen
Nicht nur die oben erwähnte Fassungskraft des Menschen ist eine Ad- Hoc Erklärung. Hier sind noch ein paar:
• Die dürftige Anzahl direkter Begegnung zwischen Gott und den Menschen und die karge Beleglage pro Gott erklärt ML mit: „Ein Gott, der sich aufdrängt, wäre peinlich“ (S. 189). Dabei berichtet die Bibel über zahlreiche Aufdrängungen, beispielsweise Gott im Dornbusch.
• Dass im Alten Testament von Göttern die Rede ist und dass sich Gott erst allmählich zum liebevollen Gott wandelt erklärt ML damit, dass Gott sich pädagogisch Schritt für Schritt kundtat, so dass die Menschen es wirklich verstehen konnten (S. 192). Da merkt ML selbst: dies ist ungenügend. Daher erklärt er weiter: wenn sich Gott schlagartig geoffenbart hätte, „dann wäre in diesem kommunikativen Tsunami jede Freiheit und Eigenständigkeit des Menschen hinweggespült worden“ (S. 194). Warum das mit schrittweiser Offenbarung anders sein soll, bleibt offen. Diese Erklärung widerspricht zudem MLs Behauptung dass die „Intelligenz und Fähigkeit zu existenziellen Fragen“ vor 3300 Jahren genauso bestand wie heute (S. 182).
• Zu Gott und dem auserwählten Volk der Juden: „manches wird der Außenstehende nicht ganz verstehen, wie auch bei manch anderer Liebesbeziehung“ (S. 195).
Willkür Gottes
„Der Glaube an Gott ist keine eigene Leistung, er ist ein Geschenk Gottes“ (S. 191). Vielen Milliarden Menschen wird dieses Geschenk vorenthalten, vielen nur teilweise gewährt (Zweifler) und anderen wieder überreichlich gegeben (die sich des Glaubens gewiss sind). ML gehört offenbar zur dritten Gruppe.
Absicherung
ML versteckt sich gerne hinter Prominenten, von Thomas von Aquin angefangen bis zu Georges Minois, Albert Einstein und Robert Spaemann.
ML vertritt durchwegs den christlichen Gott (alle anderen schlug er in der ersten Hälfte seines Werks etwas vorschnell aus dem Feld) und vereinnahmt dann Albert Einstein, der gerade nicht an einen persönlichen Gott glaubte: „Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzete Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“ - Brief vom 24. März 1954 (Zitate Albert Einstein unter Lütz Links).
Und dann baut er noch eine extra Sicherung ein und stellt sich gleich wieder ein Bein. Er erklärt sein gesamtes Buch zur persönlichen Erklärung. „Man kann sich das [was er damit genau meint bleibt offen; ich nehme an, alles, was er bisher erklärte] natürlich auch anders zu erklären versuchen“ (S. 217). Während er an anderer Stelle das moderne „Anything goes“ geißelt, öffnet er dem hier die Tür.
Argument mit der Mehrheit – Ad Populum
Dieser Fehlschluss ist weit verbreitet, leider auch im vorliegenden Buch über Gott.
(1) Viele Menschen halten p für wahr (glauben an p)
(2) Daher ist p wahr (kann p nicht falsch sein) (siehe Fehlschluss unter Links)
Ich habe ein ähnliches Argument schon im Kapitel Lütz Die Psychologie und Gott als verfehlt dargestellt. Prominentes Beispiel war auf dem LP-Umschlag von Elvis Presley Golden Records Vol. 2 vom November 1959:
„50,000,000 Elvis fans can't be wrong“
Diesen Fehlschluss benützt ML so häufig, dass man nur wenige Beispiele anführen kann. Wobei ML so klug ist, den Fehlschluss oft zu verstecken.
• Hier geht es um die Unsterblichkeit des Menschen (von Seele schreibt ML – soweit ich sehe – nichts): „Oder hält er die Evidenz von Milliarden Menschen aus allen Völkern und Epochen für wahr, dass der Mensch von einer Eigenart ist, dass er nicht ins Nichts versinkt?“ (S. 162) Milliarden Menschen können sich nicht irren. Elvis ist ... Nein, hier geht's ums Weiterleben nach dem Tod.
NB 1Dieser Fehlschluss basiert stark auf Psychologie, die ML bei Feuerbach und Freud abstrafte.
NB 2 Evidenz und -ien sind Anglizimen. Evident im Sinne von unmittelbar einleuchtend ist hier nichts, sonst müßte man nicht fragen.
• Dann versteckt sich ML hinter Robert Spaemann (Lütz Links). Spaemann ist „der Auffassung, dass Atheismus unvernünftig sei. Denn wenn vernünftig sei, was alle vernünftigen Wesen für vernünftig halten, dann war es zu allen Zeiten der Menschheit vernünftig, an Gott oder Göttliches zu glauben“ (S. 179). Das steckt außer dem Fehlschluss noch so voller Fehler, dass ich kaum glauben kann, es stamme von Spaemann.
• Das 19. Jhdt. hatte die meisten Ordensgründungen der Kirchengeschichte und eine beispielslose Konversion zur RKK (S. 227). Das ist mir zu mühsam zu überprüfen. Ich frage mich aber, ob ML die Austritte gegenrechnete, beispielsweise die der Alt-Katholiken. Sie weigerten sich die 1870 verkündeten Dogmen des Primat des Papstes und der päpstlichen Unfehlbarkeit anzuerkennen und wurden exkommuniziert.
• Ähnlich wie Psychologie nichts über Gott aussagen kann (S. 24), so sagt auch die Aufzählung mehr oder weniger gläubiger Menschen oder Wissenschaftler wenig (S. 134).
Argument der langen Zeit
Eine Abart des Arguments von der Mehrheit ist das Argument der langen Zeit. So nach dem Schema: (1) Das haben Menschen/wir schon immer so gemacht.
(2) Also muss es stimmen.
• So glaubte Pater Leppich an die RKK „weil dieser Saustall zweitausend Jahre nicht untergegangen ist!“ (S. 223).
• Ein Schnelldurchgang durch die Geschichte soll zeigen, dass sich die RKK durch alle Zeiten lebendig hielt (S. 227). Dabei macht ML wieder ein Wunder aus (das Überleben der RKK im 30-jährigen Krieg).
Fehlschluss Petitio principii
ML will ausdrücklich ein Bild eines Gottes vor dem er vor Scheu auf die Knie fallen kann, vor dem er musizieren und tanzen kann (S. 180). Er benutzt dann aber Musik und Kunst um zu folgern oder es zumindest nahe zu legen: Es gibt einen Gott (1. und letztes Kapitel). Das kommt dem Ontologischen Gottesbeweis nahe, der auch das, was als Folgerung rauskommt schon in seine Vorstellung hineinsteckt. Dabei können auch Atheisten oder Agnostiker Kirchenmusik schreiben.
• Der von ML oft genannte Johann Sebastian Bach war Protestant (Darf er in katholischen Kirchen mittlerweile aufgeführt werden?) und die Protestanten kommen bei ML oft nicht gut weg.
• Die russische Sopranistin Anna Netrebko singt ganz selbstverständlich wunderbar in Giovanni Battista Pergolesis „Stabat Mater“. Sie ist Atheistin, aber man merkt es beim Singen nicht (Tholl 2011).
Salopper Ton
ML wählte bewusst einen recht saloppen Ton. Das kommt sicher gut an und ist kaum zu tadeln. Der Text gewinnt damit für den nicht- akademisch-theologischen Leser und ist durchgehend (bis auf die letzten vier Abschnitte) verständlich. Manchmal wirkt das aber sehr bemüht, wie hier, wo er sich seitenweise abmüht die Dreifaltigkeit herüber zu bringen (und gegen die Muslime, die es lieber klar monotheistisch wollen, Seitenhiebe austeilt): „als könnten da, salopp gesagt, die drei göttlichen Personen sozusagen zu dritt rumsitzen und Skat spielen“ (S. 220). Das wirkt doch recht aufgesetzt.
Falsche Unterstellungen
• Atheismus gibt es erst die letzten 300 Jahre, an anderer Stelle nennt ML gar Ludwig Feuerbach (1804 – 1872) den „Urvater des Atheismus“ (S. 229). Dabei hätte ML bei dem von ihm oft genannten Georges Minois gefunden: Atheismus ist „so alt wie das menschliche Denken, so alt wie der Glaube, und der Konflikt zwischen beiden ist ein ständiges Merkmal der abendländischen Zivilisation“ (Minois 2000, S. 648, zitiert nach: Atheismus, Lütz Links). Man denke nur an die antiken Philosophen Demokrit und Epikur.
• Im 19. Jhdt. gab es die letzten heftigen Angriffe des militanten Atheismus (S. 227), dann fiel er in Agonie. Das sehen viele Kleriken und Apologeten anders: man spricht von militanten Neuen Atheismus (wobei da wieder der widersprüchliche Vorwurf kommt, das wäre alles alter Schnee).
• Der Atheismus erlebte zu Beginn des 20. Jhdts. den Super-GAU (S. 227). Da verwechselt ML den Atheismus mit dem Determinismus.
Menschenopfer
Der Gedanke des Opfers, einschließlich des Menschenopfers, ist zentral für fast alle Religionen.
• Das Menschenopfer im Alten Testament (Abraham) und im Neuen Testament (Jesus) verteidigt ML reichlich burschikos. Man dürfe es nicht aus der Warte der „Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen“ und des Deutschen Strafgesetzbuches sehen (S. 185). Das ist merkwürdig, da ansonsten gerade Christen die universale Geltung der Moral und der Menschenrechte vertreten.
• Er kommt zu dem absurden Schluss, dass es beim Opfer des Sohnes Isaak durch Abraham „nicht um den beabsichtigten Mord an einem unschuldigen Kind“ geht (S. 185). Ja, ja, eine wohl überlegte Kindestötung mit religiösem Motiv ist natürlich kein Mord. So kann man auch die Angriffe des 11. Septembers religiös entschuldigen und es wird auch getan.
• Hier gilt plötzlich der zuvor beschworene „Gerichtshof der Vernunft“ (S. 186) nicht mehr. Die 19 Flugzeugentführer brauchen sich für ihren terroristischer Massenmord nicht dem vernünftigen Urteil zu unterwerfen, sondern können sich mit ihrem festen Gottvertrauen entschuldigen.
Wunder, Wahn und Wirklichkeit
• Wenn man Geburt, Grashalm und das rechtzeitige Aufkommen des Windes als Wunder bezeichnet: einverstanden, dann gibt es sie (S. 136, S. 140). Doch ML geht weiter. Ausführlich geht er auf die Errettung des Volkes Israel aus Ägypten und die Teilung des Roten Meers ein (S. 136-137). Hier hat ML weder Nicholas Everitt gelesen (was verzeihlich ist: man kann nicht alles lesen), der ausführlich die Wunder diskutiert, aber auch nicht David Hume: On Miracles (Lütz Links), was unverzeihlich ist, wenn man über dieses Thema schreibt.
• Warum beispielsweise ein Ereignis, das völlig naturgesetzlich abläuft (so ML) ein Wunder sein soll (S. 136) müßte erklärt werden. Zudem vergisst ML hier, dass er selbst feststellte, dass die Bibel die Welt nicht beschreibt, sondern deutet (S. 125). Da kann man all das Geschehen mit dem Volke Israel nicht plötzlich doch als genaue Beschreibung geschichtlicher Ereignisse einstufen.
• Die Himmelfahrt (siehe auch Himmelfahrt Himmelfahrt) mit zusammentreffenden Zufällen im Mikro-Bereich zu erklären (S. 138) ist dreist. Der Status der Naturgesetze ist ein diffiziles Problem, das hier nicht besprochen werden kann, siehe aber Carroll 2004 unter Lütz Literatur. ML macht es sich zu einfach. Also nochmals: zuerst Hume, dann Carroll und dann Everitt lesen!
• Wunder dürften kein Zirkuskunststück sein, schreibt ML an einer Stelle (S. 135). Wenn er es gerade für seinen Text braucht verwendet er merklich genüßlich ein ebensolches. Die verwählte Telefonnummer von Robert Spaemann wird bei ihm zur „mehr oder weniger direkten“ Begegnung mit Gott (S. 248).
• Das Gottvertrauen der Juden durch alle Zeiten und in allen Regionen der Welt hält ML für ein „unfassbares Wunder“ und einen Gottesbeweis (S. 196). Bei so einer lockeren Auffassung der beiden Begriffe gibt es das sehr oft.
Bekehrungsanekdoten
ML bringt einige Bekehrungsanekdoten. Das ist eigentlich in Ordnung, doch manchmal werden sie lang (Edith Stein, S. 203f, S. 231) widersprechen seinem Tadel der Psychologie bei Feuerbach und Freud bringen nur Konversionen zum Christentum (nur RKK?); sind daher nicht ausgewogen, aber es fragt sich, ob ML ausgewogen sein will.
Heiligenlegenden
• Noch unwilliger las ich die Heiligenlegenden, beispielsweise seitenweise über Franz von Assisi (S. 261-264). Er ist sicher eine interessante Persönlichkeit, doch zur Gottesfrage kann er wenig beitragen. Zumal ML ja bei anderen (Freud, Feuerbach) empirische Bereichte darüber, warum man glaubt, als nicht themenrelevant vom Tisch wischt.
• Das Verhalten von Bischof Clemens August Graf von Galen in der Nazi- Zeit (S. 274) ist sehr lobenwert. Man fragt sich: warum griff er so spät zu klaren Worten? Und vor allem: warum nur er und eine Handvoll anderer katholischer Kleriker? Dem stehen Tausende zustimmende Kleriker gegenüber, man denke nur an Franz Jägerstätter (Lütz Links) und dessen Linzer Bischof.
• Galens Geschichte straft auch die Apologeten des Papst Pius XII. Lügen: man konnte etwas bewirken. Wenn mehr den Mund aufgemacht hätten, wäre vielleicht vieles vereitelt worden.
Emotionen erheischend
Vieles zielt darauf ab, beim Leser Emotionen auszulösen. ML spricht mehr das Gemüt als den Verstand ein. Typisch dafür ist die Rahmung des Textes mit Kapiteln zu Musik und Kunst, das Lob der Messen des Johann Sebastian Bachs und selbst der Tod des Papstes Johannes Paul II. muss dafür herhalten: „er starb nicht auf Probe“ (S. 232). Was das bedeutet, müßte mir erläutert werden. Dass er keinen Bühnentod starb konnte man allerdings beim wochenlangen, weltweit inszenierten Trauerspiel fast vergessen. Bach und Mozart begeistern mit ihrer Musik. Das Requiem Verdis und Mozarts hebt ML besonders hervor. Er krönt seinen Appell die ergreifende Musik mit dem „ewigen Leben bei Gott“ (S. 292) zu assoziieren mit der rethorischen Frage: „kann man sich vorstellen, dass diese Musik irrt?“ (S. 292). Kurz nachgedacht: Musik kann nie irren. Wie auch?
Das es überwältigende Musik für Messen und Totenmessen gibt sagt nichts über die im Buch behandelten Fragen. Darauf reitet ML dann noch etwas herum (vielleicht meint er, der Leser sei schon weich gelabert): kann das, was Musik auslöst „bloß ein hormongesteuerter Irrtum“ sein (S. 293)? Warum er bei Musik so oft an Irrtum denkt, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht denkt er dabei an. “Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum”, Friedrich Nietzsche: Götzendämmerung. Sprüche und Pfeile. 33
Gottesbeweise
Zur Frage der Gottesbeweise – über die er im Text recht locker hinweg geht und nur andere Meinungen dazu zitiert (sie seien noch nicht widerlegt; was spätestens seit Kant auf wackligen Füßen steht) – äußert sich ML recht spät. Ein überwältigender Gottesbeweis würde jede menschliche Freiheit auslöschen (S. 236). Warum er „jede“ auslöschen würde, entgeht mir wieder einmal, aber die Freiheit des Gottesglauben wäre nicht mehr gegeben. Da stimmt ihm der deutsche Atheist Michael Schmidt-Salomon zu, wenn auch in einem belletristischen Text: »Das stärkste Argument gegen Gott - wäre der Beweis seiner Existenz.« (Stollbergs Inferno).
Reliquien
Den aufmerksamen Leser beschwichtigt ML: bei den Reliquien, die allerortens von Katholiken verehrt werden, ist unklar, ob sie echt sind. Darauf komme es nicht an (S. 287). Das müßte ML oder besser: der Pfarrer von der Kanzel dem von ML vielfach beschworenen frommen Mütterlein erzählen, der Vetula des Thomas von Aquin (S. 297), natürlich der „brillanteste Denker des Mittelalters“. Das Mütterlein beschreibt er so: „Ein altes Mütterchen irgendwo in einem Dorf, das kaum lesen und schreiben kann, das seine Kinder durch Krieg und Hunger gebracht hat, aber das in allen Fährnissen des Lebens nie die Hoffnung auf Gott aufgegeben hat, ...“ (ML beim Vatikan, Lütz Links).
Ich hatte den Eindruck, ML möchte jeden Leser zur Vetula machen. Man solle erst mal ganz kindlich oder altmütterlich glauben (z.B. aufgrund seiner Überredung in diesem Buch). Hinter vorgehaltener Hand lacht er über die Reliquien. Jeder möge dieses Vorhaben des Autors selbst beurteilen.
• Ist es zu loben, weil es den Leser zum richtigen Galuben und damit der himmlischen Belohnung bringt? • Oder ist es zu tadeln, weil das Vorgehen a) manipulativ ist und b) ganz im Trend von Karl Marx, dem einfachen Volk die Religion gibt, während man selbst die Reliquien (und anderes Bimborium) anzweifelt?
Gottesbild mit wallenden Bart
Obwohl ML an verschiedenen Stellen Gemälde der Renaissance verwendet um Emotionen zu wecken, entgeht ihm, dass beispielsweise das Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo (zwischen 1508 und 1512 entstanden), den Gott mit wallenden Bart zeigt. Dieser ist also – entgegen ML – keine „scheußliche Erfidung des 19. Jahrhunderts“ (S. 235).
Allgemeine Tendenz und Grundhaltung des Autors
• ML serviert dem Leser nur das, was passt; anderes verschweigt oder verharmlost er; mal betont er das eine (Bibel), mal das andere. Mal ist die Bibel bloße Deutung (S. 125) mal nimmt er sie wörtlich (S. 136).
• ML beschwafelt den Leser oder bezirpt ihn, was man schon daran erkennt, wieviele Seiten er braucht um zum Thema zu kommen. So schreibt er über den bewundernswerten Grashalm, die feinen Naturgesetze und die 9. Symphonie Beethovens (S. 140-141). Der Leser bekommt feuchte Augen. Was das aber für sein Thema bedeutet (das Wort „Gott“ fällt nicht), schreibt ML nicht. Die Suggestivtechnik wird schon wirken!
• Selten schreibt er etwas konkret über Gott hin.
• Gerne zitiert er Wissenschaftler und Poeten (was nicht falsch ist), wirft aber anderen vor, dass empirische Befunde über die Natur des Menschen nichts zum Thema beitragen (Freud, Feuerbach).
• ML plagen keine Zweifeln, in allem was er hinschreibt ist er sich sehr sicher. Deshalb wird sein Text bisweilen arrogant.
• ML quält eine Urangst, wenn er nicht an das belohnende Jenseits glauben kann. Die Vorstellung des Atheismus (mit dem Tod ist es aus, es gibt weder ewige Höllenstrafe noch ewige himmlische Belohnung) fasst er daher mit Angst auf, wobei er die Höllenstrafe der RKK (die eigentlich Angst erzeugt) verdrängt. „Da man ... die düsteren Folgen des konsequenten Atheismus fürchtete, ...“ (S. 157). Wenn es Gott nicht gibt, wenn es keine Schuld gibt, keine Erlösung (von was?), dann ängstigt sich ML (S. 273). Hier steckt auch das ausführlich besprochen Fehlurteil drin: ohne belohnenden / bestrafenden Gott gibt's keine Schuld; oder nochmals anders formuliert: wenn es keinen Gott gibt, muss man böse sein.
Oberflächlich
• Aufgrund der begrenzten Seitenzahl und der betont saloppen Schreibweise des Autors und weil er manche Philosophen und Argumente nicht mag, behandelt ML einige wichtige Philosophen und andere Personen sehr kurz. Für Richard Swinburne (ein Christ, aber etwas tiefsinniger als ML) und J. L. Mackie hat er jeweils nur 1 Satz übrig (S. 179).
• Manches wäre sehr erklärungsbedürftig. Entweder ML mangelte es wirklich am Platz oder er ist schlicht unverständlich (was er ja explizit vermeiden wollte), so in: „Doch gerade die Auferstehung des Fleisches ist die diesseitige Pointe des christlichen Jenseitsglaubens“ (S. 215). Das verstehe wer kann. Zwar vermerkt ML zurecht, dass viele andere Religionen die Unsterblichkeit des Seele kennen und nur (?) der christliche Glauben kennt die Auferstehung des Fleisches, also der Körper, am Jüngsten Tag, doch warum das die diesseitige Pointe sein soll, entgeht mir. Vielleicht meint ML aber auch die leibliche Auserstehung Jesu? Dann passt:
„Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ 1 Kor 15,14
„Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“, 1 Kor 15,17.
Ich meine, da wiederholt ML nur gedankenlos eine Behauptung Paulus und seiner Nachplapperer. Sehr viele Religionen kommen ohne Auferstehung des Propheten oder ihres Gottes in Menschenform aus und sind deswegen keineswegs nutzlos. Mir scheint, hier drängt wieder der Anspruch mancher christlichen Religionen durch, alleine die Wahrheit zu vertreten. Doch durch häufige Wiederholung wird eine Behauptung nicht wahr.
• Das Argument der Wiederholung verwendet ML auch bezüglich Friedrich Nietzsche. Da das Buch keinen Index hat (der ist wohl der Volkstümlichkeit zum Opfer gefallen) müßte man mühsam zählen, wie oft ML Friedrich Nietzsche „den einzig wirklich bis zum Letzten konsequenten Leugner Gottes“ nennt (z.B. S. 228).
• Sehr oberflächlich ist die Anekdote, mit der ML über die Frage des extremen Reichtums der RKK hinwegtänzelt (S. 246). Dass selbstverständlich die christlichen Sozialhilfeeinrichtungen nur gegen Geld tätig werden, übersieht ML. Sie werden fast zu 100% vom Staat subventioniert und kassieren auch von ihren Patienten und Kunden. Dass dabei die Ordensleute und Diakonissen leer ausgehen, liegt an deren oft bedingungsloser Armut als Einzelpersonen und der Ausbeutung dieser Menschen durch die Kirchen und Orden.
Gewissheit versus Hypothese
• Ein beliebter Topos der christlichen Apologeten ist es, die wissenschaftlichen Theorien als hypothetisch und fallibilistisch hervorzuheben; was richtig ist. Die These, dass ein Schöpfergott nicht mit der Evolutionstheorie vereinbar ist, erfüllt kein wissenschaftliches Kritierium (S. 143). Korrekt. Doch die These, dass es einen Schöpfergott gibt, erfüllt sie auch nicht.
• ML weist die Wissenschaft und die Wissenschaftler in ihre Schranken (S. 145-146). Wenn man das tut, sollte man aber auch als Psychologe bei seinen Leisten bleiben und die Theologen sollten sich auf ihr Gebiet beschränken. Doch finde mal den Theologen, der sich aufs Jenseits beschränkt.
• Sobald sich Wissenschaftler (scheinbar) im Sinne ML äußern, werden sie von ihm gerne zitiert, so Werner Heisenberg (u.a. S. 119), Carl Friedrich von Weizsäcker (S. 131), Max Planck (S. 134), und Albert Einstein (S. 134). Wobei Einstein nicht der Erfinder der Relativitätstheorie ist (ML), sondern ihr Entdecker. ML bestreitet Gewissheit für wissenschaftliche Theorien (zurecht) nimmt sie aber für seine Belange in Anspruch, erst recht macht das die RKK. Die Erkenntnis der Menschenwürde oder die Unsterblichkeit des Menschen (so klar geht es aus dem Text nicht hervor, was ML gerade meint) haben eine „tiefe Gewissheit“. Und für ML ist es auch klar, dass wir bei diesen Fragen Gewissheit haben: „Bei wirklich Existenziellem geht es nämlich niemals bloß um Wissen, sondern immer um mehr, um Gewissheit“ (S. 162).
Priorität für die RKK, gegen Proestantismus
• Mit Christentum meint ML fast immer die RKK, siehe z.B. Christentum vs. Calvinismus (S. 111), Christen vs. Prostanten vs. Orthodoxe (S. 115).
• Das Christentum (=RKK) bereitete den Boden für die Entwicklung der Wissenschaft (S.111-133) und Papst Clemens VII. (der illegitime Sohn von Giuliano de' Medici) war von Kopernikus Forschung begeistert, doch Luther und Melanchton bekämpften ihn (S. 113).
• Der Protestantismus legt zu starken Wert auf eine „moralische Veranstaltung“ (S. 172).
• Die Protestanten machen zu gerne mit Gott den Kindern Angst (S. 173). Vernünftige Menschen (! also nicht jene Protestanten) werden von so einem Gottesbild abgestossen (S. 173).
• Die RKK ist der einzige spirituelle „Global Player“ (S. 228). Das stimmt nur bedingt deshalb, weil in der RKK alles streng zentralisiert auf den Vatikan ausgerichtet ist. Ansonsten sind weltweit
1,1 Milliarden Katholiken
2 Milliarden sonstige Christen
1,3 Mrd. Islam, die auch wieder in teils verfeindete Gruppen zerfallen
Quellen: Weltreligion, Christentum, siehe Lütz Links
Der von ML so gerne zitierte Georges Minois stellte 1993 fest, dass mehr als ein Fünftel der Menschheit nicht mehr an einen Gott glaube (Quelle: Atheismus, siehe Lütz Links). Bei 8 Milliarden Weltbevölkerung wären das 1,6 Milliarden. Allerdings kann man diese Menschen noch weniger als die „sonstigen Christen“ spirituell einer Gruppe zuordnen.
• Vertreter der RKK erhalten sehr oft lobende Attribute, so ist Joseph Ratzinger der „große Intellektuelle“ und liefert „hochgescheite“ Arbeit.
Andere macht ML oft lächerlich
Andere macht ML oft lächerlich oder schlecht, so
• „Uta Ranke-Heinemann, die alte Dame des unfreiwilligen Kirchenkabaretts“ (S. 193).
• Konvertiten zum Islam können nur entwurzelte Westeuropäer sein (S. 198).
• Muslime konnten „keinen wirklichen industriellen Fortschritt produzieren“ (S. 199). Wobei sich fragt, ob das wirklich nachteilig ist. An anderer Stelle tadelt er genau die Christen, die nicht an Wunder glauben sondern an die Technologie (S. 229). Wie er's braucht.
• „primitiver Materialismus“ (S. 200).
• Martin Luther und das Konzil von Trient bahnten dem Atheismus den Weg (S. 226; da gibt ML eine Meinung von Georges Minois wider).
* Beim Protestantismus nennt er eine Person.
* Zudem ist die Aussage schon deshalb grundfalsch, weil es Atheisten seit der Antike gab.
* Immerhin begründet diese Meinung ML anschließend (S. 227).
• Luther ist der „kleine Mönch“, er erwähnt in Zusammenhang mit dem großen Michelangelo (S. 103).
• die Dialog suchenden (ich meine, ML zählt dazu beispielsweise Hans Küng) pflegen ein banales, aber im Trend liegendes Geschwätz (S. 259).
• Dagegen haben die Christen, besonders die Katholiken oder Konvertiten „geistige und menschliche Weite“ (S. 211)
Fazit
Gott: Eine kleine Geschichte des Größten ist ein leidenschaftliches Plädoyer fürs Christentum genauer für die Römisch Katholische Kirche (RKK).Das bekennt Manfred Lütz (ML) allerdings erst ziemlich spät im Buch, auf der vorletzten Seite, S. 296, ausdrücklich.. Die „Geschichten des Größten“ in anderen Religionen werden kurz gehalten.
Lütz schreibt umgangssprachlich und in saloppem Ton, manchmal etwas zu bemüht salopp (“Elton John und die nackte Venus”). Im thematischen Mittelpunkt stehen Fragen zu Gott, Werten und das Verhältnis der RKK und den Wissenschaften. Die apologetische Grundhaltung und das Bemühen locker zu schreiben sind nicht immer zum Vorteil der Verständlichkeit. So benennt Lütz wichtige Eigenschaften Gottes, wie „allmächtig, allgütig, allwissend etc.“ erst auf S. 195. Dem Titel und Anspruch nach erwartet man eine Abwägung von Pro und Contra zu bestimmten Fragen (die formuliert Lütz selten ausdrücklich).
Lütz argumentiert jedoch mit fairen und oft mit unfairen Tricks für sein Christentum. Die unfairen Tricks umfassen so ziemlich alle Suggestivtechniken und Fehlschlussarten.
• Schon im Inhaltsverzeichnis erkennt man massive Pauschalierungen („Gott der Wissenschaftler“).
• Wenn moralisch alles erlaubt wäre, ist „die Sau rauslassen“ die scheinbar unabdingbare Grundhaltung des Autors.
• Die anderen Religionen und ihre Begründer und Vertreter, auch manche Wissenschaftler werden abfällig beurteilt. Nur gegenüber den Theologen entschuldigt sich ML (S. 296).
Inhaltlich leidet das Buch an faktischen Sorglosigkeiten bis Fehlern und Widersprüchen. Die Fragen werden kaum ausgesprochen. Je nachdem was man unterstellt werden sie beantwortet oder man vermisst überzeugende Antworten. Meine Lektüre brachte mich ins zweite Lager.
Gott: Eine kleine Geschichte des Größten kann nur denjenigen empfohlen werden, die erfahren wollen, wie man mit fast 300 Seiten Reden über Gott in die Bestsellerlisten kommt und reichlich Kohle macht, entgegen der Behauptung des Autors mit Glaubensdingen könne man nicht wirklich Geld machen.
Zur Entlastung des Autors: Was kann man von einem Autor erwarten, der sich selbst eine „kollektive Zwangsneurose“ (S. 14) bescheinigt?
Wer sich zur Geschichte des Gottesbegriff kompetent informieren will, greife beispielsweise zu
Emerich Coreth: Gott im philosophischen Denken, ganz unten unter Coreth Literatur.
Religionen in Deutschland
Repräsentative Allensbach-Umfrage in kirchlichem Auftrag, Oktober und November 2009
mehr als 2000 Katholiken älter als 16 Jahre wurden befragt, noch bevor das Ausmaß des Missbrauchsskandals bekannt wurde.
von den befragten Katholiken 2009 2002
"gläubige Kirchennähe" 17 % 19 %
"kritisch kirchenverbunden" 37 % 32 %
"kirchlich distanziert" 32 %  
überhaupt nicht religiös 6 %  
"religiös, aber nicht christlich" 3 %  
"glaubensunsicher" 5 %  
Der Autor der Studie, Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie Allensbach, widersprach der These von einer Renaissance des Religiösen.
AllensbachAllensbach-Umfrage: Gläubige distanzieren sich von der Kirche (Frankfurter Rundschau 17. Juni 2010)
Religionen in Deutschland
Konfessionslos 34,6 %
RKK 30,5 %
EKD 29,5 %
aus muslimisch geprägten Ländern stammend 4,9 %
Siehe Religionen in Deutschland, Lütz Links
Unvollständige Werksliste des Autors
2001 Der blockierte Riese: Psycho-Analyse der katholischen Kirche (dazu schrieb Paul Watzlawick den Epilog)
2005 Lebenslust: Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult
2006 Lebenslust: Über Risiken und Nebenwirkungen des Gesundheitswahns
2009 Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde (mit einem Vorwort vom Glücksbringer und -verheißer Eckart von Hirschhausen)
2009 Das Leben kann so leicht sein. Lustvoll genießen statt zwanghaft gesund
2010 Lebenslust in unlustigen Zeiten
Man fragt sich, warum Manfred Lütz nicht mal ein paar Jahre lustvoll genießt, statt Jahr für Jahr zwanghaft einen Lebenslust-Ratgeber zu schreiben. Aber solange der Markt es honoriert, kann man der Geldvermehrung wohl kaum widerstehen.
Lütz Anfang
Links
Lütz Anthropisches Prinzip
GottAtheismus
GottBelian, Hugo (1999): "Galileo Galilei (1564 - 1642) + Galileo Galilei und das Kopernikanische Weltbild"
GottRobert Bellarmine
Beweis Beweis in Philosophie, Logik, Naturwissenschaft und vor Gericht
GottChristentum
George V. Coyne S.J.: "The Church's Most Recent Attempt to Dispel the Galileo Myth". In: Ernan McMullin: The Church and Galileo. University of Notre Dame, 2005. S. 340-355 – 8 Dec 2008
Gottaudio
DahlEdgar Dahl: Buchrezension: Das Elend der Theologie, 21.03.2008
GottDeus absconditus
GottAlbert Einstein, Zitate
Fehlschlüsse
  GottArgumentum ad populum
  GottArgument von der Mehrheit
  Lütz Argumentationstheorie: Anmerkungen zur Rhetorik und informalen Argumentationstheorie
  GottFallacy: Appeal to Belief
  GottFallacy Files
  GottFalsches Dilemma
  False Dilemma / Bifurcation Fallacy: Gott1Gott2
  GottNon sequitur („es folgt nicht“)

GottFlache Erde
Lütz Viktor E. Frankl
Lütz Galileo GalileiLütz Literatur mit RezensionenGottWikipedia
Lütz Fall GalileiGottGalileo affair
Lütz Gottesbeweise: Links und Literatur
Lütz Simon Grynaeus als Wegbereiter René Descartes
GottThomas Hobbes
Lütz Thomas Hobbes, Zitate
GottHomo homini lupus
GottDavid Hume: On Miracles
GottIndianer
GottBlütezeit des Islam
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KosmologischKalam Kosmologisches Argument
Katechismus der Katholischen Kirche: GottVatikanGottSt. Josef
Lütz Position der Katholischen Kirche zur Evolution
Lütz Die Katholische Kirche und die Wissenschaften
Lütz Alexander Kissler: Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam
GottKnauer SJ, Peter: "Natürliche Gotteserkenntnis"
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Lütz Literatur zu religiöser Glaube und Vernunft
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GottSchönborn, Christoph (2005): „Erste Katechese von Kardinal Schönborn der Katechesen aus dem Jahr 2005-2006 über Schöpfung“, Sonntag, 2. Oktober 2005, Stephansdom
Lütz Robert Spaemann: Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne
GottSpanische Eroberung Perus
GottSpanischen Missionen
GottSPIEGEL-Bestseller Hardcover 16/2011
AuferstehungSullivan, Scott M.: The Historical Argument for the Resurrection of Jesus (pdf)
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GottPierre Teilhard de Chardin
GottWeltreligion
GottWikiquote zu Dostojewski
Lütz Zitate Fjodor Dostojewskij
Gott50,000,000 Elvis Fans Can't Be Wrong
Literatur
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gott LützManfred Lütz: Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. München: Knaur, 2009. Taschenbuch, 320 Seiten Luetz
Manfred Lütz: Gott. Eine kleine Geschichte des Größten. München: Pattloch, 2007. Gebunden, 296 Seiten Gott
Coreth Coreth Emerich Coreth: Gott im philosophischen Denken. Stuttgart: Kohlhammer, 2001. Taschenbuch, 303 Seiten Oppy
OppyGraham Oppy: Arguing about Gods. Cambridge: Cambridge University Press, 2009. Taschenbuch, 472 Seiten
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