| Satire auf Islam: Meinungsfreiheit auf den Papst:
scharfer Protest |
| Oberstleutnant Uwe
Kort, bis Juni 2007 Chefredakteur von aktuell. Zeitung für die
Bundeswehr übte in einem Editorial der Zeitung leichte Kritik
(wirklich nur leichte: der Papst möge den Mut finden zur Lösung
grundlegender Probleme Abtreibung, Homosexualität, Sterbehilfe,
Gentechnik, Ökumene Schritte einzuleiten). Walter Mixa,
katholischer Hardliner und bar jeder abwägenden Vernunft,
Militärbischof, rügte das Editorial beim Leiter des Pressestabs
Thomas Raabe. Chefredakteur Kort mußte den Gang nach Canossa antreten und
sich schriftlich entschuldigen. Außerdem wurde er so schlimm
gemaßregelt, dass er um seine Versetzung bat. Jetzt ist er Pressesprecher
im Nordosten. Es gilt noch immer wie vor 70 Jahr: Katholische Kirche und Militär, Bomben und Krieg paßt gut zusammen. |
| Ohne die Cartoon-Serie »Popetown« gesehen zu haben wetterte
Joachim Herrmann, CSU, dagegen und zeigte
die Werbekampagne dafür gerichtlich an. Nachdem Herrmann die erste Folge
gesehen hatte fand er: »Popetown« überschreite weder die
Grenze der Blasphemie noch der Beleidigung. Folge des lautstarken,
gescheiterten Zensurversuchs der CSU und der Katholiken: MTV konnte seine
Zuschaueranzahl verdreifachen. SZ, 5.5.2006, S.
19 |
| Das Erzbistum
München und Freising stellte einen Untersagungsantrag um die Ausstrahlung
der Cartoon-Serie »Popetown« in MTV zu verbieten. Begründung:
Beschimpfung von Religion, §166 StGB. Das Landgericht München I
lehnte den Zensurantrag ab. Die erste Folge der Serie wurde gesendet.
Während die Vertreter der katholischen Kirche anscheinend in der
dreist-dummen Sendung eine erkennbare Ähnlichkeit ihrer Institution sahen,
meinten die Richter, die Serie stellte keine Beeinträchtigung des
öffentlichen Friedens im Sinne §166 StGB dar. Az. 9 O
8051/06; SZ 4.5.2006, S. 21 |
| Bayerns Medienminister Eberhard Sinner, CSU, plädierte auf der
Jahrestagung des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger in Aschaffenburg
für »freiwillige«
Selbstzensur: "Zu unserem Wertefundament gehört Respekt vor den
religiösen Gefühlen und Anschauungen eines jeden Menschen, gleich
welcher Glaubensrichtung. MTV sollte deswegen auf die Ausstrahlung der Serie
»Popetown«, die gezielt die religiösen Gefühle der
Christen verletzt, generell verzichten." |
Liberale Kreise forderten die Geschäftsführung des Berliner Senders MTV auf, sich den Versuchen einer Zensur durch katholische Kreise nicht zu beugen. Die Karikatur kirchlicher Strukturen ist durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Bemerkenswert ist (wie so oft), dass die Forderung nach Verbot und neuen Gesetzen erhoben wurde, obwohl bislang nur ein Trailer für die Fernseh-Serie zu sehen war. Die Menschen in Deutschland sollen die Gelegenheit erhalten, sich selbst ein Urteil über "Popetown" zu bilden. |
Ein durchgeknallter Papst und ein krimineller Kardinal bedingen ungewollt-gewollte Todesfälle, die Versklavung von Kindern und weitere, äußerst seltsame Vorfälle in der Zeichentrickserie »Popetown«. |
| September 2005: In einer dänische Zeitung erscheinen Karikaturen, durch die sich viele gläubige Muslime verletzt sahen. In der westlichen Welt wurde die Meinungsfreiheit betont. Z.B. Hermann Gröhe, CDU, MdB, Mitglied der Synode und Mitglied des Rates der Evangelische Kirche in Deutschland EKD, Mitherausgeber chrismon: "Keiner wird dies alles aber bei uns verbieten wollen", chrismon 4/2006, S. 10 | April 2006: Die MTV-Zeichentrickserie
»Popetown« wird angekündigt (noch nicht aufgeführt!). Es
protestierten scharf: das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ZdK durch
Herrn Hans Joachim Meyer; Joachim Herrmann, CSU; evangelische Kirchenvertreter:
es wird Boykott und "freiwillige Zensur" gefordert. OVB,
11.4.2006, S. 35; SZ, 12.4.2006, S. 15 Weitere Proteste siehe nächsten Eintrag. |
Gegen die geplante deutsche Erstausstrahlung der Parodie »Popetown« am 3. Mai 2006 auf MTV protestierte auch Edmund Stoiber, CSU. Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda, forderte den Werbe-Boykott von MTV: »Jene Firmen, die MTV finanziell unterstützen, sind schlecht beraten, wenn sie es zulassen, weiterhin als Sponsoren der Verunglimpfung des christlichen Glaubens betrachtet zu werden« Joachim Herrmann, CSU: Ich fordere den Sender auf, nicht auf den religiösen Gefühlen der Christen herumzutrampeln und die Sendung sowie die besonders geschmacklose Werbung dazu einzustellen. Joachim Herrmann stellte Strafanzeige wegen Werbung für die TV-Serie »Popetown«, die unter dem Titel: "Lachen statt Rumhängen" läuft. OVB, 26.4.2006, S. 7; SZ, 26.4.2006, S. 21 Hans Joachim Meyer, ZdK-Präsident: Nur wenige Tage vor Karfreitag und dem Osterfest werden die Christen in Deutschland in empörender Weise provoziert. Johannes Vogel, Vorsitzender der Jungen Liberalen, erklärte, es sei höchst unwahrscheinlich, daß die Kritiker die Sendung schon gesehen haben. Im übrigen sei man für die Pressefreiheit. Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) forderte am 10.4.2006 alle Christen in Deutschland zu Protesten auf und von MTV den Verzicht auf die Serie Popetown zu fordern. "Satire-Experte Stoiber gegen »Popetown«", Junge Welt, 15.04.2006, Seite 12 |