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Compelle intrare
Compelle intrare – „Nötige sie hereinzukommen“
wurde und wird oftmals benutzt, um die gewaltsame Bekehrung zu einer Religionsgemeinschaft zu rechtfertigen
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Compelle intrare – Nötige (sie) hereinzukommen – wurde und wird oftmals benutzt, um die gewaltsame Bekehrung zu einer Religionsgemeinschaft zu rechtfertigen. „Compelle intrare“ ist die lateinische Übersetzung des “anankason eiselthein” im Gleichnis vom Festmahl (Lk 14,16-24):
„Da sagte der Herr zu dem Diener: „ [...] und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird“ (Lk 14,23). Im Vulgatatext heißt es: „... et compelle intrare, ut impleatur domus mea“.
Hans Maier hält „Nötige sie hereinzukommen“ für die angemessene Übersetzung ( Maier, S. 7). Augustinus versteht „Compelle intrare“ als Aufforderung zur Gewaltanwendung und zur Billigung von Gewaltmaßnahmen gegen Häretiker: „Wenn deshalb die Kirche kraft der Gewalt, die ihr Gott zu gegebener Zeit übertragen hat, mit Hilfe der religiösen und gläubigen Könige jene in ihren Schoß einzutreten zwingt, die sie auf den Wegen und an den Hecken findet, das heißt unter den Schismen und Häresien, so sollen sich jene nicht beklagen, daß man sie gezwungen hat, sondern sollen schauen, wohin man sie treibt.“ (Epistula 185, 24).
Die manchmalige Berufung fürs „Compelle intrare“ auf Mt 22,9 übersieht freilich den dortigen Zusammenhang mit einem Hochzeitsmahl.
Augustinus stimmte daher auch den in den kaiserlichen Gesetzen vorgesehenen staatlichen Zwangsmaßnahmen zu. Das von Augustinus als erstem verwendete Zitat „Compelle intrare“ hatte für die Ketzerbekämpfung in Mittelalter und Neuzeit verheerende Wirkung.
„Das compelle intrare bot über lange Zeiten einen unauffälligen, einen - wie es schien – legitimen und unanstößigen Einstieg in die schwierige Problematik Religion – Mission – Gewalt (Maier, S. 6)“.
Es hat in der auf Augustinus „folgenden Zeit vor allem beim Umgang mit Glaubensabweichungen in der Kirche, bei der Behandlung von Häresien und Häretikern eine breite, oft verhängnisvolle Wirkung entfaltet“ (Maier, S. 8). Compelle intrare „diente zur Rechtfertigung der Ketzerbestrafung, der Inquisition und der Unterjochung der Indianer noch im 16. Jahrhundert.“ (Höffner S. 45)
Gewalt zum Schutz der Religion war seit dem 19. Jahrhundert – stark eingeschränkt – nur noch in katholischen Staaten durchsetzbar (Maier, S. 21). Erst im Zweiten Vatikanischen Konzil 1964-1965 setzte sich auch in der katholischen Kirche die Religionsfreiheit – zumindest offiziellerseits – durch.
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Gewalt Literatur zu Terror, Religion und Geheimbünden Toleranz
Gewalt Gerd Lüdemann: Die Intoleranz des Evangeliums
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Gewalt Zitate Augustinus
Literatur
Chelius, Karl Heinz: „Compelle intrare“. In: Augustinus-Lexikon 1, Basel 1986-1994, 1084-85.
Online auf Chelius„Compelle intrare“ – Texte von Augustinus
Fátima Gutiérrez: „Compelle Intrare - Von den Religionskriegen zu Voltaires Tratte sur la tolerance“, S. 183-196. In: Bernd F. W. Springer, Alexander Fidora, Hg.: Religiöse Toleranz im Spiegel der Literatur: Eine Idee und ihre ästhetische Gestaltung. Reihe: Literatur: Forschung und Wissenschaft Lit: Zürich, Berlin, 2009.
Höffner, Joseph (1969): Kolonialismus und Evangelium. Trier: Paulinus, 1969. 2. Aufl.
Maier, Hans (2008): „Compelle intrare. Rechtfertigungsgründe für die Anwendung von Gewalt zum Schutz und zur Ausbreitung des Glaubens in der Theologie des abendländischen Christentums“. Ludwig-Maximilians- Universität München, Vorträge Seniorenstudium, Mai – Compelleonline als pdf
Maier, Hans (2008a): „Gewalt im Christentum“. Stimmen der Zeit, 10, S. 679-692
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