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Atheismus: aggressiv, kämpferisch, militant?
Was wird unter einem aggressiven, kämpferisch, militanten Atheismus verstanden? – Atheismus LinksAtheismus Literatur
Was wird unter einem aggressiven, kämpferisch, militanten Atheismus verstanden?
Reinhard Marx, Kardinal der Katholischen Kirche, setzte den aggressiven Religionen einen aggressiven Atheimsus gegenüber
In einem Interview mit Die Welt stellte Reinhard Marx, Kardinal der Katholischen Kirche, fest, dass ein neuer, aggressiver Atheismus nicht zu leugnen sei. Er begründete wie folgt:
  • „Es gibt die Tendenz, Religion als etwas Vormodernes, Unruhestiftendes wahrzunehmen.“
  • „Es führt zu Versuchen, Religion aus dem öffentlichen Bereich herauszuhalten.“
Damit hat Marx sicher recht. Doch vergleichen wir es mit den Religionen:
  • Jahrhunderte von Religionskriegen, die bis heute andauern
  • Verfolgung Andersdenkender seitdem das Christentum Staatsreligion wurde. Verfolgung meint dabei nicht nur andere Weltanschauungen aus dem öffentlichen Bereich herauszuhalten, sondern Verbrennung, Bestrafung, Verdammung von Andersdenkenden.
  • tausendfacher Tod an sich selbst (Martyrer, Selbstmordattentäter) und anderen.
  • Die Katholische Kirche als Hort der Pädophilie und anderer Verbrechen an Kindern
  • Kindesraub durch katholische Ordensschwestern im Namen der Religion
  • Religionsvertreter dominieren den öffentlichen Bereich. Beispiele: Zusammensetzung des Ethikrats und der Medienräte; verpflichtender Religionsunterricht, aber kaum religionsneutraler Werteunterricht; religiöse Symbole sind überall; die öffentlich-rechtlichen Sender bringen viele religiös dominierte Sendungen aber kaum ebensolche für das Drittel der Bevölkerung, das an keine Religion gebunden ist, usw.
Atheismus"Ein aggressiver Atheismus ist nicht zu leugnen", Die Welt, 6.1.13
Atheismus Die Katholische Kirche als Hort der Pädophilie und anderer Verbrechen an Kindern

Der Theologe Herbert Frohnhofen spricht von einem aggressiven Atheismus (in besonderem Zusammenhang), wenn dem religiösen (dem monotheistischen) Bekenntnis grundsätzlich die Tendenz zur Verursachung von zerstörerischer Gewalt zugeschrieben wird.
Da Herbert Frohnhofen die „Initialzündung“ des aggressiven Atheismus in den Attentaten am 11. September 2001 in den USA und dem folgenden Kreuzzug der USA gegen das Böse sieht, ist es kaum verwunderlich, dass man Relgion (erneut) mit der Verursachung von zerstörerischer Gewalt in Verbindung bringt. Aggressiv ist wohl kaum der Atheist, der auf diese kausale Beziehung zeigt, sondern doch wohl die Attentäter und Kriegstreiber.
Herbert Frohnhofen: § 5. Der aktuelle Atheismus und das Wort »Gott«. I. Die »Wiederkehr des Atheismus«,
in: AtheismusDas christliche Menschenbild als Sinnhorizont der Sozialen Arbeit.
Herbert Frohnhofen (* 1955 in Lövenich) deutscher Theologe und Philosoph; seit 1992 Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Katholischen Fachhochschule Mainz.

Behauptung: In den letzten Jahren ist der Atheismus kämpferischer geworden.
Als Beleg wird die Busaktion 2009 angeführt. Auf dem Bus stand: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.“
Sogar der religionskritische Philosoph Joachim Kahl hat das als „Krawall-Atheismus“ bezeichnet.
Anna Wirth im Interview mit Reinhard Hempelmann: Dritte Konfession: Humanismus. pro Christliches Medienmagazin, 2 (2012). S. 16-17
Rund 100 Bundestagsabgeordnete blieben der Rede des Oberhaupts der Katholischen Kirche Benedikt XVI. im Bundestag im September 2011 fern. Dazu kommentierte Hans Michael Heinig: „Der aggressiv-kämpferische Atheismus sucht bewusst den religiös-weltanschaulichen Konflikt, um in dessen permanenter Verschärfung den Laizismus als probate Lösung anpreisen zu können.“
AtheismusHans Michael Heinig: Gastkommentar, 23.9.2011
„Kulturkritik und ein neu erwachter militanter Atheismus setzen das Brecheisen ihrer Destruktionsprogramm so gut wie immer bei der theologischen Lehre von den Eigenschaften Gottes an, als deren provokativste seine Allmacht gilt.“
Hier wird also die rein verbale Kritik an den Eigenschaften des monotheistischen Gottes bereits als „militant“ empfunden; obwohl argumentiert wird, wird mit dem „Brecheisen“ gleich ein beliebtes Mordwerkzeug oder zumindest eines der Zerstörung bemüht.
Klaus Müller (2011): "Allmacht Gottes – Freiheit des Menschen. Der monotheistische Gottesgedanke im Kreuzfeuer kritischer Vernunft". S. 139-158. In: Albert Franz, Clemens Maaß, Hg.: Diesseits des Schweigens: Heute von Gott sprechen.
Eigenartig argumentiert Hans-Jürgen Broszinski. Er fragt sich, woher es kommt, dass Atheisten so eineutig gegen Gott Stellung beziehen: „Warum bekämpft man die Religion, anstatt sie einfach schulterzuckend abzutun wie einenVoodoo-Kult?“ (S. 1) Er antwortet (zunächst) nicht, sondern findet es erstaunlich, „wie gleichgültig viele Christen angesichts solcher Angriffe bleiben“ (S. 1). Das heißt auf Seiten der Atheisten erstaunt ihn die Positionierung, auf Seiten der Christen erstaunt ihn die Gleichgültigkeit.
Ich denke, er sieht es mal falsch: auch Christen beziehen seit zweitausend Jahren laut Stellung, von Gleichgültigkeit kann – zumindest bei den medienwirksamen Christen – keine Rede sein. Broszinski findet dann die Stellungnnahmen von Ludwig Feuerbach, Sigmund Freud, Stephen Hawking und Richard Dawkins als aggressiven Atheismus (S. 2). Dazu zählt er auch, dass die atheistische Begründung mit wissenschaftlich Autorität vorgetragen wird.
Dies übrigens genau wie die Theologen, die oft sogar weitergehen und ihren Glaubenssätzen Gewissheit bescheinigen oder gleich Unfehlbarkeit. Wissenschaftler wie Stephen Hawking oder Richard Dawkins sind sich dagegen der Fallibilität wissenschaftlicher Theoren sehr bewusst. Hans-Jürgen Broszinski (2010): Argumente: Eine Standortsuche zwischen Wissen und Glauben
Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner bringt den „selbstbewussten bis militanten Atheismus“ mit der DDR in kausalen Zusammenhang. Wenn es die NS-Zeit nicht hergibt, greift man gerne auf die DDR zurück um etwas zu desavouieren. Argumente sind dann nicht mehr nötig.
AtheismusDorothea Greiner: Bayreuther Regionalbischöfin warnt vor militantem Atheismus, 25.01.2010
Im Bayerischen Rundfunkt sprach Dr. Hans Joachim Türk, Professor für Philosophie und Sozialethik von „kämpferischen Atheistenverbänden“, die auch militant auftreten.
Hans-Joachim Türk: Wiederkehr des klassischen Atheismus. Bayern 2, „Katholische Welt“, 3. Januar 2010
Bischof Dr. Gebhard Fürst sprach 2009 beim Priesterseniorentag in Rottenburg von der „Offensive des neuen Atheismus“ und nannte zwei Beispiele für den „kämpferisch-aggressiven Atheismus:
  1. Michael Schmidt-Salomon: Wo bitte geht’s zu Gott?
  2. Die Omnibusse, die 2009 durch mehrere europäische Großstädten fuhren und die Aufschrift trugen: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Nun höre auf, dir deswegen Sorgen zu machen und genieße dein Leben."
Für Fürst nannte in diesem Vortrag Kirchenkritik ständig Polemik. Er huldigt auch der fragwürdigen These: Ohne Gott keine Moral ( Atheismus Links ).
Sein Argument:
Wenn sich der Mensch nicht vor Gott verantworten muss, gerät Ethos und Moral ins Wanken.
Da unterstellt Bischof Fürst, dass man nur moralisch handelt, wenn man Angst vor der Strafe durch Gott hat. Wenn „es keinen Gott gibt, gegenüber dem man letztlich Verantwortung zu tragen hat und vor dem man sich letztlich verantworten muss“ werden die Menschen in seinem Weltbild aggressiver. „Die Bestreitung Gottes ist letztlich eine Kampfansage auch an eine alle bindende Moral“.
AtheismusBischof Dr. Gebhard Fürst: Rede beim Priesterseniorentag, 9. Juli 2009
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AtheismusHerbert Frohnhofen: Das christliche Menschenbild als Sinnhorizont der Sozialen Arbeit
AtheismusBischof Dr. Gebhard Fürst: Rede beim Priesterseniorentag, 9. Juli 2009
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Broszinski AtheismusHans-Jürgen Broszinski: Argumente: Eine Standortsuche zwischen Wissen und Glauben. Books on Demand, 2010. Broschiert, 208 Seiten Franz
Albert Franz, Clemens Maaß, Hg.: Diesseits des Schweigens: Heute von Gott sprechen. Freiburg: Herder, 2011. Taschenbuch, 240 Seiten Atheismus
Kotsch AtheismusMichael Kotsch: Atheismus: Der neue Streit um Gott. Hänssler, 2008. Broschiert, 112 Seiten Striet
Magnus Striet, Hg.: Wiederkehr des Atheismus. Fluch oder Segen für die Theologie? Freiburg: Herder, 2008. Taschenbuch, 128 Seiten Atheismus
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 7.1.2013