| Parteispendenaffäre CDU / CSU
Ein endloses Thema |
| Karlheinz
Schreiber ließ bei Gericht vortragen: 1991 seien 1,4 Millionen Mark an Provisionen aus dem Panzergeschäft mit Saudi-Arabien als Spenden an die CSU gegangen. Dazu habe Schreiber gestückelte Beträge auf ein Schweizer Nummerkonto eingezahlt, das er als "inoffizielles Konto der CSU" bezeichnete. Hans Leyendecker: Von Dummen und Fleißigen. Der Strauß-Verehrer Schreiber redet über Geld und bringt so sein Idol in Verruf", SZ, 22.1.2020, S. 5 |
| Karlheinz Schreiber, Ex-Waffenlobbyist, Ex-CSU
Mitglied, berichtete am Montag, 18. Januar 2010, vor der 9. Strafkammer des
Landgerichts Augsburg über Details der Schmiergeldpraxis in Bayern und
Deutschland. Er meinte: Es hat keinen Auftrag
ohne Gegenleistung gegeben. Laut Schreiber haben die CSU und einzelne CSU-Mitglieder einen beachtlichen Teil der Schmiergelder für die Lieferung von 36 Fuchs-Spürpanzern an Saudi-Arabien im Jahr 1991 erhalten. Josef Dannecker, CSU, ein 1992 verstorbener Vertrauter des ehemaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, soll diese illegalen Machenschaften organisiert haben: Wenn das Geld in die offizielle Parteikasse sollte, habe Dannecker die Spenden gestückelt. Dafür hat er oft Todesanzeigen aus den Zeitungen genommen und irgendwelche verstorbene Personen als angebliche Spender eingetragen, heißt es in der Erklärung Schreibers, die sein Anwalt Jan Olaf Leisner vortrug. Mit dieser Stückelung wurde verhindert, dass die Spenden die meldepflichtige Grenze überschritten. Es gab angeblich auch Briefkastenfirmen in Panama und in Liechtenstein, die Schmiergeld für die CSU auf ein Nummernkonto in der Schweiz überwiesen hätten. Von dort hob dann Schreiber entweder Bargeld ab oder überwies die Gelder in Abstimmung mit Josef Dannecker weiter. CSU-Chef Franz-Josef Strauß sei in diese Verwaltung sensibler Spenden eingeweiht gewesen. Fünf Beispiele für diese Spendenpraxis aus dem Jahr 1991, die Schreibers Erklärung auflistet, summieren sich auf eine Summe von umgerechnet rund 1,4 Millionen Euro. Insgesamt flossen bei dem Panzer-Deal rund 200 Millionen Mark. 24 Millionen davon flossen formell auf Schreibers Konten, sie seien aber anderen Personen zuzurechnen. Am Rande der Verhandlung sagte Schreibers Anwalt Leisner, dass nicht nur die CSU, sondern alle vier damals agierenden Parteien von diesen 24 Millionen Mark profitierten, also auch CDU, SPD und FDP. Wie fast immer: Ex-CSU-Chef Erwin Huber, damals Generalsekretär der CSU, zu Schreibers Vorwürfen: Ich wusste von solchen Spenden nichts, "Schreiber: CSU kassierte illegale Spenden", SZ 21.1.2010, S. 1 "Schreibers Erzählungen. Das Spendensystem der Ära Strauß war ein undurchsichtiges Finanzreich mit wenigen Eingeweihten - Belege und Dokumente gibt es kaum", SZ 21.1.2010, S. 5 |
| Harald
Güller, Parlamentarischer Geschäftsführers der
SPD-Landtagsfraktion in Bayern, forderte, dass Schreibers Behauptungen
krimineller Machenschaften der CSU lückenlos geklärt werden.
Güller leitete 2001/2002 den Schreiber-Untersuchungsausschuss des
Bayerischen Landtag. Die Landtagsgrünen forderten die CSU auf, die Spendenvorwürfe des Waffenhändlers Karl-Heinz Schreiber aufzuklären. Wenn die Aussagen Schreibers tatsächlich stimmen, wäre das hochgradig kriminell, sagte die innenpolitische Sprecherin Susanna Tausendfreund, ehemals Vertreterin der Grünen im Schreiber-Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtag.Das alles können Güller, SPD, und die Landtagsgrünen lange fordern.
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