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Tagebuch des
Internetsurfers und Zeitungslesers - Archiv 2004 Bemerkenswertes aus dem Internet und der Presse. Mit Archiv früherer Jahre Tagebuch des Internetsurfers und Zeitungslesers-Archiv |
| Arbeitstempo der bayerischen
Landtagsabgeordneten 20. Juli 2004 Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Margarete Bause, Dr. Christian Magerl, Dr. Martin Runge und Fraktion Bündnis 90 Die Grüne: Auflösung der Bayerischen Magnetbahnvorbereitungsgesellschaft (BMG) 30. November 2004 Beschluss des Plenums zu Dringlichkeitsantrag DRS 15/1473 |
| Ute Köhler ist
schwerkrank und kann ihre Schmerzen nur durch Dronabinol (ca. 860 Euro
pro Monat) oder durch selbst angebauten Cannabis lindern. Das ist in
Deutschland verboten. Seit Jahren kämpft Frau Köhler gegen die
Bürokraten und Gerichte: ohne Erfolg. Ärzte, die das Dronabinol
verschrieben, wurden von den Krankenkassen in Regress genommen.Von den
6-8 Millionen chronischen Schmerzkranken nehmen sich jährlich 5000
Menschen das Leben, weil sie die Dauerschmerzen nicht mehr aushalten.
Ute Köhler ist Mitglied der |
| Zwei
Friedensaktivisten hatten im November 2002 zum Widerstand gegen den
Aufmarsch der Neonazis in München aufgerufen. Beide wurden vom
Geheimdienst beobachtet und wegen "öffentlicher Aufforderunge zu
Straftaten" angeklagt und verurteilt. Berufungen beim Landgericht und
Revision beim Bayerischen Obersten Landesgericht änderten nichts. Zivilcourage
gegen neonazistische Radikale wird in Bayern bestraft. SZ, 25.9.2004, S.45 |
| Keine Auslastung der Ministerien und in der
Staatskanzlei Bayerns: genehmigte
Nebentätigkeiten. Staatskanzleichef
Erwin Huber, CSU, kündigte an, dass er die Zahl
(warum nur die Zahl?) von Nebentätigkeitsgenehmigungen in den einzelnen
Ministerien und in der Staatskanzlei vorlegen wird. Vize-Fraktionsvorsitzende Karin Radermacher, SPD: „In der CSU besteht bislang offenbar kein Bewusstsein dafür, dass Staat und Partei zwei verschiedene Dinge sind“ |
| Stümperei im Bundestag: unfähig auf Anhieb
bis 604 zu zählen Bei der Auszählung der Stimmen zur Wahl des Bundespräsidenten am 23.5.2004 gab es eine Unstimmigkeit. In der ersten Zählung wurden für Köhler nur 602 Stimmen gezählt, was einen zweiten Wahlgang nötig gemacht hätte. Auf Vorschlag der Unionsvertreter sei erneut gezählt worden und jetzt erreichte Köhler 604 Stimmen. Die Bundestagsverwaltung erklärte, bei wichtigen Wahlen sei es üblich, das Ergebnis mehrfach auszuzählen. Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr.118, 24. 5. 2004, S. 1 |
| Peter
Müller, CDU, fordert als Verhandlungsführer der Union die Einführung
einer Warndatei (SZ, 17.5.2004, S. 5).
Diese gibt es längst und zwar hier: Warndatei.
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| Ein
Fluchthelfer (im Politikerdeutsch: Schleuser)
wurde beim Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der irakische
Kurde hatte vom April 2002 bis zum Kriegsausbruch März 2003 135
Landsleuten die Flucht aus dem Kriegsgebiet ermöglicht. SZ, 17.5.2004, S.46
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| Riesige
Feiern zur EU Erweiterung am 1. Mai 2004, doch für den EU Bürger ändert
sich kaum etwas. Kann ich in den neuen EU-Ländern einkaufen? Nein. Nur für den persönlichen Bedarf. Selbst dazu gibt es Ausnahmen: Alkohol, Benzin und Zigaretten. Gibt es überhaupt noch Zollkontrollen? Es gibt keine Zollbeamten mehr, aber dafür gibt es "mobile Kontrollgruppen" an allen Hauptverkehrswegen. Vom Regen in die Traufe. Wird an den Grenzen zu den neuen EU-Ländern kontrolliert? Ja. Süddeutsche Zeitung, 3.5.2004, S. 24 "Offiziell kein Euro bei den Nachbarn, die Schengen-Grenze noch lang nicht eliminiert, die Pässe jederzeit vorzuweisen: Die Ausweitung des EU-Territoriums ist in vielem ein schöner Schein. Jedenfalls keine Erleichterung im Alltag." Gerfried Sperl: "Historisches Friedensprojekt.Ungeliebt ist die Erweiterung der Europäischen Union trotzdem", Der Standard, Wien. 30.4.2004 |
| Weltweit protestieren Tierschützer gegen das
Abschlachten von Robben in Kanada Laut Internationalem Tierschutzfond, IFAW, ist Deutschland in der EU der drittgrößte Direktimporteur von Robbenfellen aus Kanada und Norwegen. Die wichtigsten Märkte für Kanada sind Westeuropa, Russland und China. SZ, 23.4.2004, S. 14 |
| Kardinal
Friedrich Wetter
sah in seiner Osterpredigt 2004 die Deutschen auf dem Wege, „ein
aussterbendes Volk zu sein“. Was tut er dagegen? Der gesamte katholische Klerus trägt zum aussterbenden deutschen Volk bei. |
| "Nur Dienst
nach Vorschrift zu leisten, wäre rechtswidrig", warnte das Bayerische
Finanzministerium. OVB, 6.4.2004, S.1 Ist Dienst nach Vorschrift
vorschriftswidrig ?
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| Die
Politiker in verschiedenen Ländern wollen die Wochenarbeitszeiten der
Bürger im öffentlichen Dienst erhöhen. Die Dienstleistungsgewerkschaft
Verdi stellt den Bundesländern im Streit darüber ein Ultimatum. Stoiber
zeigte sich unbeeindruckt von den Drohungen. "Wir können als Staat nicht von den Bürgern
Einschränkungen verlangen und selbst nicht ausreichend sparen."
SZ, 3.4.2004, S.1 An dieser Bemerkung Stoibers ist zumindest dies falsch: Die betroffenen Angestellten und Beamte sind Bürger. Der Staat und seine Politiker sparen kaum. Ich kenne keine Gehaltskürzungen bei den Politikern. |
| Die Bürgerferne der
Bundestagsabgeordneten ist bereits im Grundgesetz festgeschrieben. Artikel 38, Absatz (1), Satz 2 lautet: "Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen." Da steht nichts vom Bürger oder dessen Interessen; im Gegenteil: die Abgeordneten dürfen sich nicht um den Bürger und seine eventuellen Aufträge kümmern, wenn sie das Grundgesetz ernst nehmen. Und das wollen wir doch annehmen. Eine Bitte von mir an den Petitionsausschuss eine Bürgervertretung auf Bundesebene einzurichten wurde mit Berufung auf Art. 38 abgelehnt. Pet 2-15-02-1101-012979 |
| "Für
Politiker ist es attraktiv, Politik zu »inszenieren« und durch
kurzfristige Ad-hoc-Maßnahmen Handlungsfähigkeit zu demonstrieren", S.
32. Hans-Peter Meister: "Diskursive
Politikgestaltung: Von der »Beraterrepublik« zum organisierten Dialog",
in: Aus Politik und Zeitgeschichte B14 / 2004.
S.31-38
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| "Viele
Lohnnebenkosten, die heute falsch sind, wurden in guten Zeiten gemacht.
Die Arbeitslosen sind nicht von der Regierung gemacht, sondern in
erster Linie von den Unternehmern. Egal, ob diese Edzard Reuter heißen,
Thomas Haffa, Leo Kirch oder ob es Bankvorstände sind. Das sind die
Ursachen unserer heutigen Misere." Wolfgang
Grupp, Chef von Trigema, Interview mit Marco
Dalan: "Ein fataler Hang zum Abkassieren", Die
Welt, 24.3.2004, S.3
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| Vom Boykottaufruf der Trachtler und
deren Redeverbot für CSU-Politiker schwer getroffen, nahm Minister
Thomas Goppel, CSU, die Kürzungen gegenüber dem Trachtenverband und
drei weiteren Brauchtumsorganisationen zurück und gewährt ihnen 400 000
Euro aus dem Kulturfonds. Andere gekürzte Gruppen wie Blinde,
Behindert, Studenten, Beamte, Polizei gehen leer aus. SZ, 19.3.2004, S. 45 |
| "Dass
Manager-Boni obszöne Höhen erreichen, die Bundesbürger jährlich rund 70
Milliarden Euro am Fiskus vorbeimogeln und Schwarzarbeiter im letzten
Jahr 370 Milliarden Euro umsetzten, sind Indizien dafür, dass in
unserem Gemeinwesen die Anreiz- und Kontrollmechanismen nicht (mehr)
funktionieren." |
| Gerd Gigerenzer
bescheinigt dem bayerischen Innenminister (Günther
Beckstein ?; Gerd Gigerenzer: Das Einmaleins der Skepsis. Berlin, 2002, S. 41-42; |
| Der Rosenheimer
Landrat Dr. Max Gimple,
CSU, klagte als Vorsitzender des Bezirksverbands Oberbayern in einem
Brief an Bayerns Finanzminister Dr. Kurt
Faltlhauser, CSU, dass unter anderem die
«drastische Erhöhung der Bezirksumlage für die Landkreise und Gemeinden
nicht mehr hinnehmbar sei. Nachdem
aber «alle politischen Vorstöße nichts gebracht» haben,
wollen die Landkreise nach Aussage des Rosenheimer Landrats nun
«nötigenfalls verfassungsrechtlich prüfen, ob es nicht möglich ist, den
Freistaat Bayern und den Bund zu zwingen, angepasstere Bedingungen zu
schaffen, mit denen die Kommunen finanziell überleben können». |
| "In
Deutschland ändert sich nichts, bevor nicht eine Katastrophe droht –
ändert sich aber etwas, wird ebendies als Katastrophe wahrgenommen", Robert Leich: "Geliebter Katzenjammer", Die
Zeit, 19.2.2004, S. 1
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| Projektkoordinator
Dr. Michael Edinger,
Politologe an der Universität Jena: "Es wird offenbar ein erhebliches
Spannungsfeld zwischen der Ausübung des Mandats und der Gestaltung des
Privatlebens gesehen. Außerdem wird als belastend empfunden, dass man
relativ wenig Zeit zur Verfügung hat, um über Probleme vertiefend
nachzudenken zu können." Wissenschaftler der
Friedrich-Schiller-Universität Jena haben über 900 Landes-, Bundes- und
Europapolitiker befragt. Die Gestaltung des Privatleben unserer
Abgeordneten wird also immer wieder durch die lästige Ausübung des
Mandats gestört. |
| Keine
Vorverurteilung, ist eine beliebte Floskel, wenn Politiker vorm Kadi
stehen. Der Bürger wird vorverurteilt: jeder ist verdächtig. Seit
September 2002 werden die Bürger in der Nürnberger Innenstadt im
Bereich der Königsstraße und der Luitpoldstraße mit einer mobilen
Videoüberwachungsanlage gefilmt. Innenminister Dr. Günther Beckstein
kündigte nun auch die Überwachung der Bürger im Umfeld des Münchner
Hauptbahnhof an. Die hochauflösende Videoüberwachung ermögliche die gezielte Überwachung von Einzelpersonen. Der Grünen-Fraktionschef im Rathaus Siegfried Benker: „Die Freiheit stirbt zentimeterweise“. Dominik Hutter: "Vorsicht, Kamera! Video-Überwachung am Hauptbahnhof" , SZ 22.1.2004 |
| Sozialministerin Ulla Schmidt, SPD,
ist verantwortlich für eine undurchdachte Praxisgebühr bei
Arztbesuchen. Wie üblich bei Politikern, führt sie die eigene
Unzulänglichkeit auf die Presse zurück. Sie warf der „Bild“-Zeitung
vor, eine Kampagne gegen sie zu führen. Die Praxisgebühr verärgert
Ärzte und Patienten wegen des hohen Verwaltungsaufwand. . In NRW
müssten Verletzte in manchen Kliniken an der Hauptkasse die
Praxisgebühr zahlen, nachts kassiere dagegen der Pförtner. Experten des
Bundessozialministeriums räumten diese Schwierigkeiten ein. SZ, 10.1.2004, S.1, |