Tagebuch des Zeitungslesers - Archiv 1998
- Auch beim Trauerakt für Max Streibl tischten unsere Politiker
altbekannte Lügen auf. Stoiber
z.B.meinte, als erster Umweltminister Europas habe Streibl Pionierarbiet
geleistet. Münchner Merkur 18.12.1998
Dabei hat Bayern, als
eines der wenigen Länder in Europa, bis heute keinen
Umweltminister,
sondern nur einen für Landesentwicklung und
Umweltfragen.
| Bekannt wurde Streibl dagegen durch seine |
| - Beleidigung aller Bayern, indem er Schlägerei
als bayerische Art erklärte, |
| - Weigerung an der Lichterkette gegen
Ausländerhetze teilzunehmen, |
| - Amigoaffäre: die Korruption wurde
sprichwörtlich. |
- Der neue Stasi-Chef August Hanning ist passionierter
Schachspieler. Süddeutsche Zeitung 12.11.1998
- CSU-Chef Theo Waigel gegen bundesweite Volksentscheide
Das
wäre nichts Neues: die CSU scheute immer schon demokratische Verfahren.
Aufschlußreich ist Waigels Begründung: er fürchtet, daß
per bundesweitem Volksentscheid Kriegeinsätze der Bundeswehr unterbunden
werden. Münchner Merkur, 20.10.1998, Seite 2
- Erstaunlich klar fordert die Arbeitsgemeinschaft der christlichen
Religionen "keinem Politiker und keiner Partei die Stimme zu geben, die
mit der Angst vor Fremden Stimmen zu gewinnen versucht." Ich halte diese
eindeutige Aufforderung nicht CDU/CSU zu wählen mutig und sensationell.
Süddeutsche Zeitung, 2.9.1998, S.6
- Bundesfinanzminister Theo Waigel fordert eine rasche Umsetzung der
angekündigten Reformen in Rußland.
Süddeutsche Zeitung,
19.August 1998, Seite 1
Sonderbar, der Minister, der unfähig ist
im eigenen Land die angekündigte Steuerreform durchzusetzen, verlangt dies
von anderen. Vergleiche Matthäus 7, 3.
- Zur Abhängigkeit unserer Gerichte
"Diese politische
Ausrichtung (des Bundesverfassungsgerichts) ist ja keineswegs
verwunderlich. Schließlich verdanken die obersten Richter nicht zuletzt
ihrer politischen Ausrichtung und den Parteien ihr Amt."
Wilhelm Christbaum im Münchner Merkur, 23.Juli 1998, Seite
2
- Zur Rechtschreibreform
"Die Reform (Rechtschreibreform)
ist eines der albernsten und zugleich blamabelsten Kapitel der
verknöcherten Parteienstrukturen." Wilhelm Christbaum im Münchner
Merkur, 23.Juli 1998, Seite 2
- "Kosovo-Albaner direkt ins Krisengebiet abgeschoben", SZ 18.Juli
1998, Seite 1
Einen neuen Gipfel der Scheinheiligkeit erklomm das
Bayerische Innenministerium. Es empörte sich darüber, daß
Bayern Kosovo-Albaner ins Krisengebiet deportiert. Auftraggeber ist bekanntlich
Günther Beckstein (CSU). Oder beginnt bei ihm das Gewissen zu schlagen,
ausgelöst vom Wahlplakat der Grünen "Beckstein würde auch Jesus
abschieben"?
- Zwei Gerichtsurteile werden kritisiert und angezweifelt.
Konstantin Wecker meinte, bei seiner Verurteilung habe die Politik gesiegt, die
Drogenvergehen hart bestrafen will. Er erntete Empörung bei Justizminister
Leeb.
Ministerpräsident Edmund Stoiber kritisierte harsch die
Geldbuße von 1800 Mark für einen Verstoß gegen das
Waffengesetz.
Beide Artikel in der SZ 10.Juli
- "Geld im BH gehört dem Zöllner"
Münchner Merkur, 2.Juli 1998, Seite 2
"Wer das Geld 'am Körper,
in der Kleidung, im Gepäck, in einem Transportmittel oder sonst auf schwer
zu entdeckende Weise verbrigt (!)', macht sich einer 'besonders schweren Falls'
schuldig; Das Bußgeld entspricht dann dem gesamten Betrag, den der
Kontrollierte mit sich führt."
Bei Reisen muß also
künftig das Geld schön sichtbar hergezeigt werden. Ein weiterer
Schritt in den totalen Überwachungsstaat.
- "Ja zum Militärschlag"
Jubelüberschrift im
Münchner Merkur, 20.Juni 1998, Seite 1, anläßlich des
bevorstehenden Bundeswehreinsatzes in Jugoslawien
- "Die postindustrielle Hochleistungs-Gesellschaft vertrage keinen
Versorgungsstaat..." SZ 28.5.98 aus einer Diskussion auf dem Wirtschaftstag
der CDU.
Am Vortag las man in der SZ wie sich die CDU/CSU-Politiker
versorgen.
Peter Hausmann, CSU, gefeuerter Regierungssprecher, erhält
nach nur 3,5 Amtsjahren noch drei Monate lang sein Gehalt von 18 800 DM/Monat.
Anschließend erhält er fünf Jahre lang mehr als 14 000 DM, dann
lebenslang 6600 DM. Nachfolger Otto Hauser, CDU, erhält jetzt drei
üppige Monatsgehälter gleichzeitig!
Wer behauptet, dieser
Staat hat kein Geld oder spart, lügt!
- "Wenn wir unser Unternehmen so führen würden wie die
Politiker den Staat, wären wir längst pleite."
Wolfgang Reitzle,
BMW Vorstand für Markt und Produkt
Münchner Merkur, 14.Mai
1998, Seite 37
- CDU-Generalsekretär Peter Hintze sagte, seine Partei werde nun
im Wahlkampf das Zusammengehen der SPD mit der PDS bloßstellen (SZ, 9.Mai
1998, Seite 1).
Süddeutsche Zeitung, 9.Mai 1998, Seite 7:
"Der Bundestag hatte am Donnerstag mit den Stimmen der Koalition und der PDS
das HRG ohne ein Verbot von Studiengebühren beschlossen."
Ich stelle
fest: Zusammengehen von CDU/CSU/FDP mit der PDS beim
Hochschulrahmengesetz.
- Verkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) gesteht schwerwiegendes
Fehlverhalten ein, OVB 18.4.1998
Die Haushaltsmittel für den
Straßenbau wurden in diesem Haushaltsjahr in Deutschland als einzigem
europäischen Land aufgestockt.
- Süddeutsche Zeitung, 17.April 1998
Manfred Kanther
(CDU) hat angeordnet, im Bundeskriminalamt mit dem Aufbau einer zentralen
Gen-Datei zur Verfolgung von Straftätern zu beginnen. Sollte er da nicht -
ähnlich wie beim Abhören von Wohnungen - die Abgeordneten und
Geistlichen ausklammern?
- Spionage-Verdacht begründet, OVB 16.4.1998;
Spionage-Verdacht: Stoiber soll eingreifen, OVB 18.4.1998 Es ist ein neuer
Gipfel der Scheinheiligkeit und Verlogenheit unserer Volksvertreter, wenn sich
MdB Wolfgang Zeitlmann und MdL Josef Ranner über Spionage der USA bei uns
aufregen. Wolfgang Zeitlmann hat gegenwärtig den Vorsitz im
Parlamentarischen Kontrollausschuß, der die Überwachung unserer
Staatssicherheitsdienste zur Aufgabe hat, er ist also offizieller
Stasi-Kontrolleur. Er befürwortet die Notwendigkeit dieser Geheimdienste
für Deutschland. So weit ich weiß, treten nur die Grünen
für eine Abschaffung sämtlicher Stasis bei uns ein. Nun arbeiten alle
Geheimdienste der ganzen Welt nach dem gleichen Prinzip: sie schrecken vor
nichts zurück. Wie können also die Befürworter dieser Art von
gegenseitiger Bespitzelung plötzlich den Splitter im anderen Auge
anstößig finden?
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