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Massaker von Kephallonia
Massaker von Kephallonia
Kein Täter von deutschen Gerichten verurteilt, im Gegenteil: sie kamen zu neuen Ehren und Dienstgraden
Kephallonia LiteraturKephallonia Literatur zu Vernichtungskrieg und VölkermordKephallonia Literatur zu Hitlers Eliten nach 1945
KephalloniaH.F.Meyer - Greece and the Balkans in the Second World War
Deutsche Gebirgsjäger richteten außer dem Massaker an italienischen Kriegsgefangenen auf der griechischen Insel Kephallonia zahlreiche andere Massaker in Italien an.
Am 26.1.1944 wurden in Falzano, nahe Cortona in der Toskana, eine deutsche Streife von Partisanen angegriffen: zwei Soldaten wurden dabei getötet. Aus Rache erschossen deutsche Gebirgsjäger des Pionier-Bataillons 818 Zivilisten. Noch im Juni 1944 jagten sie Zivilisten in ein Haus und sprengten es dann. Kompanieführer Josef S. und Major Herbert St. (Kephallonia Täterschutz hat in Deutschland hohen Stellenwert) leben noch. Josef S. wurde 2006 von einem italienischen Militärtribunal in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Er wird aber von Deutschland nicht ausgeliefert: Täterschutz wird in Deutschland gross geschrieben. Nun soll mit Josef S. erstmals (!) einerm Mitglied der Gebirgstruppen in München der Prozess gemacht werden. Herbert St. ist verhandlungsunfähig. Etwa 10.000 italienische Zivilisten wurden von 1943 bis 1945 Opfer der deutschen Besatzung.
SZ 24.5.2008, S. 49 – FalzanoMünchen: Gebirgsjäger vor GerichtFalzanoNie wieder Faschismus! Nie wieder Horrido!
Das Massaker von Kephallonia durch Mitglieder des Gebirgsjägerregiments 98 der 1. Gebirgsdivision gehört mit zu den schwersten Kriegsverbrechen der – daran nicht armen – deutschen Wehrmacht. Die Mörder blieben in Deutschland unbehelligt.
Nach Hermann Frank Meyer gab es vier Hauptverfahren: 1 in Italien, 3 in Deutschland. Der einzige Verurteilte war General Hubert Lanz, der damalige Befehlshaber der Gebirgsjäger. Er bekam lahme zwölf Jahre Haft und war nach 3 Jahren schon wieder frei. 1951 wurde Lanz nochmals angeklagt und freigesprochen. Die Ermittlungen in Italien verliefen im Sand, da Italien die Wiederaufrüstung Deutschlands und den deutschen NATO-Beitritt nicht gefährden wollte. Das italienische Aussenministerium lehnte es 1956 ab, die Auslieferung der Deutschen zu verlangen. 1960 wurden die Ermittlungen eingestellt. SZ 24.11.2007, S. 53
In Italien wurde ein Teil der Mörder in Abwesenheit im Jahre 2006 verurteilt. Sie werden von Deutschland gedeckt und nicht ausgeliefert. Laut einem Leserbrief von Otto Sander (SZ 14.9.2007, S. 35) konnte einer der Verurteilten beim Treffen der Gebirgsjäger in Mittenwald im Jahre 2007 herumspazieren. Die Staatsanwaltschaft hatte Wichtigeres zu tun: sie nahm Demonstranten fest.
KephalloniaVereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V.
KephalloniaAngreifbare Traditionspflege - Endlich Schluss mit dem Gebirgsjägertreffen in Mittenwald
Die deutsche Generalstaatsanwaltschaft lehnt eine Anklage der Massaker deutscher Truppen an italienischen Kriegsgefangenen auf der griechischen Insel Kephallonia ab. Es handle sich nicht um Mord, sondern um Totschlag und der sei verjährt. Der Münchner Rechtsanwalt Michael A. Hofmann ist anderer Meinung. Die vom Gröfaz Adolf Hitler persönlich angeordnete Erschiessung trage alle Merkmale eines Racheakts. Die Massenerschiessung sei eine Ermordung aus niederen Beweggründen.
Während bei Verteilen eines Stadtplans oder einer unangemeldete Versammlung unter freien Himmel sofort die Staatsanwaltschaft tätig wird, ist sie auf dem rechten Auge, besonders auch gegenüber Verbrechen im Zweiten Weltkrieg merkwürdig blind. SZ 24.2.2007, S. 49
Der 2. Strafsenat des Münchner Oberlandesgericht lehnte in jahrezehntelanger Tradition der Behandlung, Verharmlosung und Vertuschung von NS-Verbrechen in letzter Instanz ab, einen ehemaligen Offizier und Teilnehmer an den Erschiessungen anzuklagen. Die Tat sei als Totschlag zu bewerten (!) und somit verjährt. Rechtsanwalt Hofmann vertrat Nachkommen italienischer Ermordeter und zeigte sich maßlos enttäuscht. Die Entscheidung sei "Justizrevisionismus". SZ, 27.10.2007, S. 54
1943 ermordeten deutsche Wehrmachtstruppen Tausende von italienischen Besatzungssoldaten auf der griechischen Insel Kephallonia.
1943 werden die italienischen Besatzungssoldaten auf der auf der griechischen Insel Kephallonia von deutschen Truppen gefangen gehalten. Die deutsch-italienische Achse ist zerbrochen, die Kameraden wurden zu Gegnern. Der Kommandierende Wehrmachtsgeneral des XXII. Gebirgs-Armeekorps befiehlt, sämtliche Gefangenen zu töten. In einem groß angelegten, militärisch geordneten Massaker werden darauf hin Tausende von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Division "Acqui" an Ort und Stelle ermordet, auch diejenigen italienischen Soldaten, die sich ergeben, werden niedergemäht. Weitere 3000 laufen vor Kephallonia auf einen Minengürtel und ertrinken. Das Massaker ist in der Bundesrepublik bis heute weitgehend unbekannt; keiner der Täter ist von deutschen Gerichten je verurteilt worden.
Maro Pazzini, einer der wenigen Überlebenden, und Manfred Steinkühler, ehemaliger deutscher Generalkonsul in Mailand, versuchen nach Jahren des Verschweigens das Massaker publik zu machen. Sie stellen fest, bis heute wurde kein Täter verurteilt, kein Opfer erhielt eine Entschädigung. Kein Wunder: die Staatsanwaltschaft Dortmund war langjährig mit NS-Juristen besetzt. Vor dem Nürnberger Militärtribunal stand nur Hubert Lanz (zusammen man anderen Offizieren, die nicht am Massaker auf Kephallonia beteiligt waren). Der frühere General des XXII. Gebirgskorps wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt, schon nach drei Jahren entlassen und avancierte zum wehrpolitischen Sprecher der FDP [!]. Das Massaker von Kephallonia durch die deutsche Wehrmacht ist fast vollständig vergessen.
KephalloniaMord auf Kephallonia, Phoenix, 13.09.03, 20:15 UhrAnke SchwarzerAnke Schwarzer Soldatische Traditionspflege in Mittenwald
Auch 2005 wurden nicht die Gebirgsjäger, die mit ihrer Feier die Täter in zu verehrende Opfer umdichten, behelligt, sondern es wurden 115 der Protestierenden "in Gewahrsam" genommen. Einer Gruppe der Demonstranten gelang es trotz polizeilicher Abschirmung auf dem Mittenwalder Friedhof einen Kranz für die Opfer nieder zu legen. Manfred Benkel, Vorsitzender des Kameradenkreises:
"Auch Gebirgssoldaten waren an Vorgängen beteiligt, die nicht nur nach heutigen Kriterien, sondern auch schon damals gegen geltendes Recht verstoßen haben."
Trotzdem er Vorsitzender des Kameradenkreises ist, meint er: "Ich setze mich mit keinem Extremisten an einen Tisch." (Alle Zitate: SZ, 17.5.2005, S. 42)
Pikant ist, dass nicht die Traditionspflege von Krieg und Kriegsverbrechern am Hohen Brendten unterbunden oder angegriffen wird, sondern die Protestierer gegen den braunen Spuk. Im Jahr 2004 wurde etwa ein Dutzend junger Leute mit Fahrrädern am S-Bahnhof Wolfratshausen von Polizeifahrzeugen eingekreist. Die Fahrradtour nach Mittenwald wurde als nicht angemeldete Demonstration behandelt (in Deutschland müssen Grundrechte bekanntlich vor Ausübung beantragt werden; Brendten Art.8 Versammlungsfreiheit). Zusätzlich wurde wegen Beleidigung und Verleumdung einer Amtsperson ermittelt. Die Portestierer wagten es auf Flugblättern kundzutun, dass Edmund Stoiber, CSU, Mitglied des Kameradenkreises der Gebirgstruppe ist. Matthias Weizierl, Teilnehmer der Protestfahrt, Geschäftsführer des Bayerischen Flüchtlingsrats, erhielt gar eine Geldstrafe von 1500 Euro: er sei Veranstalter der Versammlung unter freiem Himmel ohne Anmeldung. SZ, 12.5.2005, S. 46
Der Münchner Merkur titelte in Bezug auf die Protestierenden, darunter Holocaust-Überlebende: "Linksextreme marschieren in Oberbayern auf", OVB, 12.5.2005, S. 1
Seit 1952 treffen sich jährlich zu Pfingsten ehemalige Gebirgsjäger der Wehrmacht. Das Treffen findet seit vielen Jahren am Hohen Brendten bei Mittenwald statt. Die Gebirgsjäger vom Massaker auf Kephallonia kamen aus Garmisch, Mittenwald und Sonthofen. Die Gedenkfeier mit Militärgottesdienst wird vom "Kameradenkreis der Gebirgstruppe", ein Zusammenschluss von Wehrmachtsveteranen und Bundeswehrsoldaten, organisiert.
Edmund Stoiber, CSU, (Edmund Stoiber Zitate von und über Edmund Stoiber, CSU) ist Kameradschaftsmitglied (Mord KephalloniaVVN/BdA NRW - Unverzügliche Strafverfolgung der Mörder von Kephallonia gefordert), war Schirmherr und Verfasser von Reden für das Kriegsveteranentreffen (Mord KephalloniaMarius Heuser: Über Gebirgsjäger, ihre Opfer und die Bundesregierung). Edmund Stoiber sagte zu einem der letzten Treffen:
"Als bayerischer Ministerpräsident, der seinen Grundwehrdienst bei den Gebirgsjägern abgeleistet hat, bin ich natürlich besonders stolz auf diese spezifisch bayerische Truppe und ihre Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart."
Mord KephalloniaRalph Hötte: Gebirgsjäger: Verbrechen in der Nazizeit. WdR Monitor Nr. 497 am 5. 12.2002
Die Gebirgsjäger waren bei zahllosen Massaker maßgeblich beteiligt: Kephallonia (6.000 ermordete Kriegsgefangene), Kommeno (317 Frauen, Männer und Kinder), Lyngiades (80 Menschen), Skines (146 Männer und 2 Frauen), Camerino (98 ZivilistInnen) und viele mehr. Mord KephalloniaAngreifbare Traditionspflege
Für die abscheulichen Kriegsverbrechen von Kephalonia tragen der General der Gebirgstruppe Hubert Lanz und Generaloberst Alexander Löhr die truppendienstliche Verantwortung.
Mord KephalloniaBraune Flecken auf'm Edelweiß.
Alexander Löhr bedauerte in seiner letzten Ansprache zu seinen Mitarbeitern am 13. Oktober 1944 das Kriegsende: "Kinder, es ist maßlos traurig, aber ich bringe euch nach Hause". Hubert Lanz, kommandierender General des 22. Gebirgskorps war bis zu seinem Tod 1982 Ehrenvorsitzender des Kameradenkreises. (SZ, 12.5.2005, S. 46). Lanz wurde1947 in einem der Nürnberger Nachfolgeprozesse wegen Kriegsverbrechen in Griechenland und auf dem Balkan zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Nur vier davon mußte er tatsächlich hinter Gittern.
Mord KephalloniaHermann Frank Meyer: Die Erinnerungen des Hans Wende.
Für das Massaker im nordgriechischen Dorf Kommeno war der späteren Bundeswehrgeneraloberst Reinhold Klebe und seine 12. Kompanie des Gebirgsjägerregiments 98 verantwortlich. Sein Vorgesetzter war Oberstleutnant Josef Salminger.
Literatur
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Kralova
GriechnelandKaterina Králová: Das Vermächtnis der Besatzung. Griechenland in Europa. Köln: Böhlau, 2016. Gebunden, 320 Seiten Mazower
Mark Mazower: Griechenland unter Hitler: Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944. Frankfurt: S. Fischer, 2016. Gebunden, 528 Seiten Griechenland
meyer Schminck-GustavusHermann Frank Meyer: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg. Berlin: Ch. Links, 2008. 789 Seiten
Mord KephalloniaBlutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im 2. Weltkrieg
meyer
Hermann Frank Meyer: Kommeno. Erzählende Rekonstruktion eines Wehrmachtsverbrechens in Griechenland. Köln: Romiosini, 1999 Mord Kephallonia
Mord KephalloniaKommeno
erhältlich beim
Mord KephalloniaRutzen Verlag
 
meyer Schminck-GustavusHermann Frank Meyer: Von Wien nach Kalavryta. Die blutige Spur der 117. Jäger-Division durch Serbien und Griechenland. Ruhpolding: Rutzen, 2002. 556 Seiten –
KephalloniaVon Wien nach Kalavryta
Schminck-Gustavus
Christoph U. Schminck-Gustavus: Kephallonia 1943-2003. Donat, 2004. Gebunden, 240 SeitenMord Kephallonia
orte Schminck-GustavusGerd R. Ueberschär: Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Darmstadt: Primus, 2003. Gebunden, 284 Seiten  
Da ich die nachfolgende Literatur nicht kenne, kann ich über deren Geisteshaltung nichts sagen. Im Zweifelsfall distanziere ich mich vom Inhalt.
  • Burdick, Charles: Hubert Lanz. General der Gebirgstruppe; 1896-1982 . Osnabrueck: Biblio, 1988. 266 Seiten.Reihe: Soldatenschicksale des 20. Jahrhunderts als Geschichtsquelle; Band 9. Aus dem Amerikanischen übersetzt.
  • Nipe Jr., George M.: Last Victory in Russia: The SS-Panzerkorps and Manstein's Kharkov Counteroffensive, February-March 1943. Atglen, PA: Schiffer Military History, 2000. 368 Seiten
 

Massaker von Kephallonia
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.5.2008