| Zunehmende Frustration in Deutschland Politiker und Parteien haben versagt |
| "... Die Richtigkeit
staatlichen Handelns bemaß sich nur noch an der Einhaltung der
Vorschriften, Effizienz spielte kaum eine Rolle. Es entstand ein immer
dichteres Netz von Vorschriften, das die Bürger nicht mehr durchschauen,
sondern als anonymen Zwangsmechanismus ansehen. Dieser Zustand ist ein
eklatanter politischer Führungsfehler, dessen Hauptmerkmal eben der
Verzicht auf jede Effizienzkontrolle ist." ... "Kurz: Die Bürger wollen so
wenig Staat wie möglich; Verantwortung ist in hohem Maße zu
delegieren; die "Bürgergesellschaft" entlastet nicht nur die Politik, sie
ist auch Garant der Freiheit." ... Unsere Politiker "denken nur in
Legislaturperioden und sind letztlich nur daran interessiert, ihre Macht zu
erhalten. Damit Politiker die unabweisbaren Führungsaufgaben wahrnehmen
können, müssen sie leistungsorientiert ausgesucht sowie ge- und
befördert werden." Reinhard Mohn, Präsidiumsmitglied der Bertelsmann Stiftung, |
| SZ: Wieso protestieren in
Ostdeutschland zwanzigmal mehr Menschen gegen die Hartz-Reformen als im Westen
? Dieter Rucht, Protestforscher am Wissenschaftszentrum Berlin: Im Osten ist erstens die Prägung stärker, dass der Staat für das Lösen von Problemen zuständig ist. Dieses Erbe der DDR ist jetzt eine Erwartung an die Demokratie. Im Westen ist die Hoffnung geringer, dass der Staat überhaupt etwas tun kann, etwa Jobs schaffen. Zweitens fehlt den Westlern die emotionale Erfahrung des Ostens, dass Demonstrationen etwas grundstürzend verändern können. Die westdeutschen Massenproteste etwa gegen die Nachrüstung in den 80er Jahren hatten ja keinen Erfolg. Drittens ist die soziale Vernetzung im Osten nach vierzig Jahren Tauschwirtschaft, in der man aufeinander angewiesen war, enger als im Westen. Beginn des Interviews in der SZ, 18.8.2004, S. 5 |
| Matthias Platzeck, SPD, Ministerpräsident Brandenburg: Die Demokratie als Grundlage unserer Gesellschaftsordnung verliert und zwar gravierend an Zustimmung. Eine wichtige Ursache dafür ist die flächendeckende Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern ca. 20 Prozent. SZ, 18.8.2004, S. 5 |