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Zivilcourage
in Bayern und anderswo Der Mut, die eigene Überzeugung stets zu vertreten, ist nicht immer willkommen. Wer sich an die Broschüre "Bitte stören" (Bay. Staatsministerium des Innern) hält, kann verurteilt zu werden. "Man darf sich nicht ducken. Man muss sich wehren", Hannah Arendt, |
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| Neonazis
werden staatlich finanziert, Neonazi-Gegner werden verurteilt Während Demonstrationen für Menschlichkeit in Deutschland schon mal verboten werden, haben Demos mit entgegengesetzter Botschaft freies Geleit. Das kostet die Steuerzahler durch Polizeieinsätze zusätzlich Geld. Das Dresdner Amtsgericht verhängte am 21.12.2011 eine Geldstrafe von 300 € gegen einen 22-jährigen Studenten. Er habe sich am 19. Februar 2011 gegen einen genehmigten Neonazi-Großaufmarsch engagiert. Damit habe er gegen das Versammlungsgesetz verstoßen. Neonazi-Gegner verurteilt, SZ, 22.12.2011, S. 6 |
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| Erneute
Warnung vor Zivilcourage in Bayern Einer Sozialamtsleiterin einer Gemeinde im Landkreis Rosenheim wurde wiederholt von Streitereien in einem Haus und von Schlägen gegen Frau und Kinder berichtet. Nach Rücksprache erzählte sie der Kindergärtnerin davon. Diese schaltete pflichtgemäß das Kreisjugendamt ein. Eine Vertreterin des Kreisjugendamtes konnte bei einem angekündigten (!) Besuch Ende Oktober 2010 in der Familie keine Missstände feststellen. Der betroffene Familienvater erstattete Anzeige. Anfang November wurde die Sozialamtsleiterin wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 1050 Euro verurteilt. Andrerseits: durch die Anzeige + Verurteilung einer couragierten Amtsperson zeigte der Familienvater, dass er zur Kindererziehung ungeeignet ist. |
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Vor Zivilcourage am
Arbeitsplatz kann nur gewarnt werden Whistleblower sind Informanten, die den Mut zeigen, Missstände oder illegales Handeln in Wirtschaft oder Politik ihren Vorgesetzten mitteilen (wenn die nicht mit den Tätern identisch sind) oder an die Öffentlichkeit bringen. Der Whistleblower wird vielfach als Denunziant denunziert. Dabei ist er ein wichtiger, oft auslösender Informant, der für Transparenz und ethisch verantwortliches Handeln in der Wirtschaft sorgt.
• einer Altenpflegerin, die auf Misstände aufmerksam machte. Folge: Kündigung und Redeverbot vor Gericht. • ehemaliger Steuerfahnder in Frankfurt am Main; sie zeigten hohe Bankmanager wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung an. Ihre Arbeit im Team brachte dem Land Hessen eine Viertelmilliarde D-Mark Steuereinnahmen, bundesweit eine ganze Milliarde. Folge: die Leitung des Finanzamtes torpedierte, Mobbing, den Beamten wurde keine Aussagegenehmigung erteilt, Versetzung in den Innendienst, mehrere aufrechte Steuerfahnder wurden zum Amtsarzt geschickt, der psychischen Erkrankungen feststellte; kurzum: sie wurden für verrückt erklärt und zwangspensioniert. |
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| Vor Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt
werden Seit Jahren engagiert sich Martin Buschmüller, Vorsitzender von Aida, Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle, gegen Neonazis. Aida sammelt und dokumentiert Informationen über Neonazis, ihre Verbindungen und ihre Ziele. Aida wurde vom bayerischen Innenministerium als linksextremistisch eingestuft. Aida wird vom Verfassungschutz mit geheimdienstlichenMethoden (Telefonabhörung, Email abfangen, Briefe lesen etc.) überwacht. "Stigmatisiert vom Staat", SZ, 25. Juni 2009, S. 47 – Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entschied, dass der Verein Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) nicht mehr als linksextremistisch und somit als verfassungsfeindlich eingestuft werden darf. Der Sprecher der SPD Landtagsfraktion für Fragen des Rechtsextremismus, Florian Ritter, begrüßte ebenfalls diese Entscheidung. PM Bündnis 90 / Die Grünen im Bayerischen Landtag, 24. September 2010 |
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| Vor Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt
werden Beherzte Bürger stellten sich gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Gräfenberg. Zu einer Feier, bei der dem Sprecher des Bürgerforums Gräfenberg der Würzburger Friedenspreis verliehen werden sollte, meldeten Rechtsradikal eine Demonastration an. Aus Wut und mit viel Zivilcourage setzten sich Bürger auf die Strasse um den braunen Spuk zustören. Ergebnis: polizeiliche Fahndung nach den aufrechten Bürgern und ein Strafbefehl wegen "Versammlungssprengung"! SZ, 20. Mai 2009, S. 41 |
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| Vor Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt
werden Zwei Jugendliche attackierten in Unterschleißheim eine Rentnerin. Ein damals 61-jähriger Rentner griff verbal ein: "Schleicht's euch. Lasst die Frau in Ruh!" Das sollte er sofort und später noch bitter bereuen. Die Jugendlichen griffen auch ihn an. Der Rentner gab einem der Jugendlichen eine Watschn (Ohrfeige). Er wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung verklagt und muß nun 200 Euro zahlen. Bei einer Rente von 800 Euro ist das kein Pappenstiel. OVB, 20.2.2008, S. 6 |
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| Vor Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt
werden In Greding bestehen starke Unklarheiten an der Amtsführung des Bürgermeisters Franz Josef Lerzer, CSU. Der zweite Bürgermeister Josef Schneider, CSU, deckte fragwürdige Aktionen auf. Am 28. Dezember 2007 protestierten Bürger gegen die weitere Amtsführung durch Lerzer, darunter auch Ludwig L. So viel Zivilcourage müsse sein, meinte dieser zum Portestzug. Nun ermittelt die Kriminalpolizei gegen ... L. (!!! ja, in Bayern gehen die Uhren anders), weil der Aufzug möglicherweise den Tatbestand "einer nicht ordnungsgemäß angemeldeten Demonstration" erfülle. SZ, 25.1.2008, S. 38 Das Grundrecht zur Demonstration ( |
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| Vor Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt
werden Ein IHK-Zwangsmitglied wollte gegen Nötigung und Erpressung vorgehen; er erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft sah es anders und zeigte nun ihrerseits den Kläger wegen falscher Verdächtigung an. |
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| Vor Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt
werden Der Stadtpfarrer von Miltenberg Ulrich Boom ließ während einer NPD-Kundgebung die Kirchenglocken läuten und die Aschaffenburger Staatsanwaltschaft brummte ihm 2000 Euro Strafgeld auf: Neonazis sind sakrosankt in Bayern. Nach Protesten der Israelischen Kultusgemeinde und aus dem Volk zog Beate Merk, CSU, Justizministerin, die Bremse. Das Verfahren gegen den Stadtpfarrer wird eingestellt. Sogar Edmund Stoiber, CSU, sprach sich nach dem öffentlichen Druck für eine Einstellung aus. SZ, 18.11.2006, S. 49. Die verheerende Wirkung auf künftige Aktionen engagierter Bürger wird man nie mehr tilgen können. |
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| Vor
Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt werden;
wer eine Aktion der Regierung kritisiert, muss mit Sanktionen rechnen. Der Polizeichef von Schweinfurt, Jürgen Karl, wagte es die misslungene Polizeireform des Innenministers Günther Beckstein, CSU, ( |
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| Vor Zivilcourage in Bayern kann nur gewarnt
werden; wenn sie in die "falsche" Richtung geht,
drohen Anzeigen und Strafen; siehe: |
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| Wer
Zivilcourage zeigt muss mit Anklage durch die Staatsanwaltschaft rechnen Ein Student hatte im Oktober 2004 Flugblätter an nigerianische Flüchtlinge verteilt. Darin wurden dieAfrikaner auf ihre Rechte hingewiesen. Sie müssen nicht jeder willkürlichen Aufforderung der Behörden nachkommen. Die Staatsanwaltschaft sah darin eine Aufforderung zur Straftat. Das Verfahren wurde nunmehr gerichtlich eingestellt. Die Kosten trägt der Steuerzahler. Mit solchen gerichtlichen Verfahren wird versucht die Hilfeleistung an Fremden zu unterbinden und die Bürger sollen vor solidarischen Aktionen und Zivilcourage abgeschreckt werden. SZ, 1.6.2006, S. 42 |
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| Politiker fordern vom Bürger mehr
Eigenverantwortung, in staatlichen Broschüren wird Zivilcourage
verlangt. Wer die Ratschläge der Politiker befolgt kann schnell in
Teufels Küche kommen. Der Abiturient Florian Albrecht (Jahrgangsbester
am Gymnasium Untergriesbach) führte über fünf Jahre Statistik über den
ausgefallenen Unterricht. Die Lage der Bildungspolitik in Bayern ist
bekanntlich katastrophal ( „Jede zehnte Schulstunde fand nicht statt“, |
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| Das Bayerische Oberste Landesgericht
und das Landgericht München bestätigten die Verurteilung des ehemaligen
KZ-Häftlings Martin
Löwenberg, 79, und von Christiaan Boissevain,
52, wegen "öffentlicher Aufforderung zur Straftat". Der Hintergrund:
Beide hatten zusammen mit Tausenden von Menschen im November 2002
versucht, einen Aufzug von Neonazis durch die Münchner Innenstadt zu
blockieren ( |
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| Für den 30.November 2002 meldete
Neonazi Martin Wiese
eine Demonstration in München an. Diese wurde von den Behörden
genehmigt. Wiese wurde im September 2003 von der Münchner Polizei
verhaftet ( Weitere Verurteilung eines Gegners von Neonazis: |
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| Literatur | |
| Jonas, Kai J., Veronika Brandstätter (2004): “Zivilcourage - Definition, Befunden und Maßnahmen”. Zeitschrift für Sozialpsychologie 35:4, S. 185-200. |
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| Karl E.
Dambach: Zivilcourage lernen in der Schule.
München: Reinhardt, 2005. Taschenbuch, 109 Seiten |
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Ob der gegenüber CSU-Politikern meist devote und wenig couragierte Journalist Sigmund Gottlieb der geeignete Instruktor zum Lernen von Zivilcourage ist, kann nur die Lektüre seines Buches zeigen. |
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| Kai J.
Jonas, Margarete Boos, Veronika Brandstätter, Hg.: Zivilcourage
trainieren! Theorie und Praxis. Hogrefe, 2007. Broschiert,
366 Seiten |
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