| Naturalistischer Fehlschluss
Sein-Sollen Fehlschluss auch unter Humesches Prinzip und Sein-Sollen Problem bekannt |
| Humesches
Prinzip aus nur deskriptiven Aussagen kann man keine rein normativen Aussagen ableiten. |
| Es gibt keinen gültigen Übergang (Schluß) vom Ist zum Soll. Oder: Keine wertende oder deontische Aussage (Soll-Aussage) kann gültig aus einer Prämissenmenge gefolgert werden, die nicht wenigstens eine wertende oder deontische Aussage enthält. |
| Der Philosoph David Alan Johnson legte in Truth Without Paradox 2004 eine vorgebliche dreistufige Widerlegung des Humeschen Prinzips vor. Diese prüfe ich derzeit (Mai 2011). Ergebnisse werden hier veröffentlicht. |
Hume-Denkmal in Edinburgh |
Andere Formulierungen:
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Im engeren Sinne kann man auch
unterscheiden zwischen
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| »Das Standardargument gegen die verschiedenen Formen
des Naturalismus ist seit Moore der Nachweis eines naturalistischen
Fehlschlusses ..., die Definition von "sittl. (an sich) gut" durch empirische
oder metaphysische Begriffe (z. B. "an sich gut" = "lebensdienlich"), was schon
Hume als Sein-Sollen-Fehlschluß, eines zwar nicht bemerkten, aber
unzulässigen Übergangs von deskriptiven (empirischen oder
metaphysischen Seins-) zu normativen (Sollens-) Aussagen (z. B. von "x ist
nützlich" zu "Du sollst x tun"), kritisierte.« Otfried Höffe, Hg.: Lexikon der Ethik. München: Beck, 1980. Zweite, neubearbeitete Auflage. S. 163 "Wissenschaft hat keine ideologischen Implikationen. Sie sagt uns einfach, wie die Welt ist nicht wie sie sein sollte. Wenn sich eine Rechtfertigung, ein moralisches Ureil oder sonst irgendeine dieser »sollte«-Aussagen als Schlussfolgerung aus rein wissenschaftlichen Prämissen ausgibt, kann man daher nur eines tun, nämlich die Logik der Folgerung in Frage zu stellen; die Prämissen bleiben davon unberührt. Leider sind die Menschen häufig derart entrüstet über die Schlussfolgerungen, dass sie nicht deren Fehlerhaftigkeit, sondern die wissenschaftlichen Erkenntnisse insgesamt zurückweisen." Helena Cronin: "Die Natur des Menschen richtig verstanden". S. 61. In: John Brockman, Hg.: Die neuen Humanisten. Wissenschaft an der Grenze. Berlin: Ullstein, 2004. [The New Humanist. Science at the Edge] Übs.: Doris Gerstner, Klaus-Dieter Schmidt, Hans-Ulrich Seebohm. S. 60-73. |
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I cannot forbear adding to these reasonings an observation which may, perhaps, be found of some importance. In every system of morality, which I have hitherto met with, I have always remark'd, that the author proceeds for some time in the ordinary way of reasoning, and establishes the being of a God, or makes observations concerning human affairs; when of a sudden I am surpriz'd to find, that instead of the usual copulations of propositions is, and is not, I meet with no proposition that is not connected with an ought, or an ought not. This change is imperceptible; but is, however, of the last consequence. For as this ought, or ought not, expresses some new relation or affirmation, 'tis necessary that it shou'd be observ'd and explain'd; and at the same time that a reason should be given, for what seems altogether inconceivable, how this new relation can be a deduction from others, which are entirely different from it. But as authors do not commonly use this precaution, I shall presume to recommend it to the readers; and am persuaded, that this small attention wou'd subvert all the vulgar systems of morality, and let us see, that the distinction of vice and virtue is not founded merely on the relations of objects, nor is perceiv'd by reason. Daraus die Kernaussage in deutsch: "In jedem Moralsystem, das ich bisher kennenlernte, stellte ich immer fest, dass der Autor eine Zeitlang in gewöhnlicher Weise argumentiert ... ; dann plötzlich bin ich überrascht, dass anstatt der Satzkopula ist und ist nicht ich nur noch Sätze mit soll und soll nicht vorkommen. ... Da diese soll und soll nicht eine neue Beziehung oder Zusicherung ausdrücken, ist es notwendig, dass es festgestellt und erklärt wird; und es sollte eine Begründung dafür geben ..." David Hume: A Treatise of Human Nature, Bk III: Of Morals, Part I, sec.I Mean while it may not be amiss to observe from these definitions of natural and unnatural, that nothing can be more unphilosophical than those systems, which assert, that virtue is the same with what is natural, and vice with what is unnatural. For in the first sense of the word, Nature, as opposed to miracles, both vice and virtue are equally natural; and in the second sense, as oppos'd to what is unusual, perhaps virtue will be found to be the most unnatural. At least it must be own'd, that heroic virtue, being as unusual, is as little natural as the most brutal barbarity. As to the third sense of the word, `tis certain, that both vice and virtue are equally artificial, and out of nature. David Hume: A Treatise of Human Nature, Bk III: Of Morals, Sect.II |
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| Das Sollen drückt eine Art von Notwendigkeit und Verknüpfung mit Gründen aus, die in der ganzen Natur sonst nicht vorkommt. Der Verstand kann von dieser nur erkennen, was da ist, oder gewesen ist, oder sein wird. Es ist unmöglich, daß etwas darin anders sein soll, als es in allen diesen Zeitverhältnissen in der Tat ist, ja das Sollen, wenn man bloß den Lauf der Natur vor Augen hat, hat ganz und gar keine Bedeutung. Wir können gar nicht fragen: was in der Natur geschehen soll; eben so wenig, als: was für Eigenschaften ein Zirkel haben soll, sondern, was darin geschieht, oder welche Eigenschaften der letztere hat Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, A 547 | ||||||||||||||||||||
| Die 1903 von Gerald E.Moore in der Principia Ethica
aufgestellte "naturalistic fallacy", die naturalistische Täuschung, die
dann auftritt, wenn "gut" mit einem natürlichen Objekt gleichgesetzt wird,
ist ein Spezialfall zu Humes Prinzip. Die naturalistische Täuschung ist
ein Übergang von wissenschaftlich Erfaßbarem zu wissenschaftlich
nicht Erfaßbarem. "But if he confuses »good,« which is not in the same sense a natural object, with any natural object whatever, then there is a reason for alling that a naturalistic fallacy ; its being made with regard to »good« marks it as something quite specitic, and this specitic mistake deserves a name because it is so common" G.E. Moore: Principia Ethica. Cambridge: Cambridge UP, 1996. Revised edition. S.65 Siehe dazu den Eintrag "Naturalistischer Fehlschluss" in Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, Micha H. Werner, Hg. (2006): Handbuch Ethik. S. 454-456; |
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| Konrad Lorenz sah auch die Gefühle
losgelöst von "gut": Die Frage, ob Haß, Liebe, Treue,
Mißtrauen usw. »gut« oder »schlecht« seien, ist
ohne jedes Verständnis für die Systemfunktion dieses Ganzen gestellt
und genauso dumm, als früge einer, ob die Schilddrüse nun gut oder
schlecht sei. Konrad Lorenz (1973): Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit, S. 16; |
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| Aus der Tatsache eines sinn- und
wertfreien, stummen, gleichgültigen und unendlichen Universums lässt
sich keine Bewertung gewinnen, es sei denn, wir schrecken vor dem
naturalistischen Fehlschluss nicht zurück. Thomas Sukopp (2007): "Die Frage nach dem Sinn des
Lebens ...Standpunkte zwischen Verzweiflung und Gewissheit". |
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| Es gibt auch Stimmen,
die aufgrund der Kluft zwischen Sein und Sollen den Wissenschaftlern raten, die
Folgerung vom Sein zum Sollen öffentlich zu unterlassen: Die Feststellung eines Ist-Zustandes, des 'Seins', ist von der Empfehlung, in bestimmter Weise tätig zu werden, vom 'Sollen' also, logisch strikt zu unterscheiden - auch wenn sich angesichts eines empirisch festgestellten Sachverhaltes zuweilen eine normative Schlussfolgerung scheinbar zwingend aufdrängen möchte. Nicht jedem Wissenschaftler scheint das wirklich klar zu sein. Dietmar Willoweit: Jurist, Historiker; von 2006 bis 2010 Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. |
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| Links | ||||||||||||||||||||
| Literatur | ||||||||||||||||||||
| Flew, Antony (1964): "On Not Deriving 'Ought' from Is'". Analysis 25:2, S. 25-32. | ||||||||||||||||||||
| Gesang, Bernward (2003): "Tatsachen und Werte - eine total verschwommene Unterscheidung? Über eine prekäre Nahtstelle zwischen Wissenschaftstheorie und Ethik". Philosophia Naturalis Juni, S. 83-101. | ||||||||||||||||||||
| Gommer, Hendrik (2010): "From the »is« to the »ought«: a Biological Theory of Law". Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie 96:4. S. 449-468 | ||||||||||||||||||||
| Guevara, Daniel (2008): "Rebutting formally valid counterexamples to the Humean is-ought dictum". Synthese 164.1, S. 45-60 | ||||||||||||||||||||
| Hudson, W. D. (1965): "The 'Is-Ought' Controversy". Analysis 25:6, S. 191-195. | ||||||||||||||||||||
| Jobe, Evan K. (1965): "On Deriving 'Ought' from 'Is'". Analysis 25:5, S. 179-181. | ||||||||||||||||||||
| Johnson, David A.
(2004): Truth Without Paradox. Lanham, Maryland: Rowman &
Littlefield. |
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| Kutschera, Franz von (1973): "Formale Beweise zur Begründung von Normen". In: Franz von Kutschera: Einführung in die Logik der Normen, Werte und Entscheidungen. Freiburg. S. 66-72. | ||||||||||||||||||||
| Mavrodes, George I. (1964): "'Is' and 'Ought'". Analysis 25:2, S. 42-44. | ||||||||||||||||||||
| McClellan, James E., B. Paul Komisar (1964): "On Deriving 'Ought' from Is'". Analysis 25:2, S. 32-37. | ||||||||||||||||||||
| Müller, Jörn (2006): "Aristoteles und der naturalistische Fehlschluß". In: Burkhard Mojsisch, Olaf Pluta, & Rudolf Rehn, Hg.: Bochumer Philosophisches Jahrbuch für Antike und Mittelalter 11. S. 25-58. | ||||||||||||||||||||
| Schurz, Gerhard (1994): "Hume's
Is-Ought Thesis in Logics with Alethic-Deontic Bridge Principles". Logique
et Analyse 37.147-48; S. 265-293. |
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| Widerker, David (1991): "Frankfurt on 'Ought Implies Can' and Alternative Possibilities". Analysis 51:4, S. 222-224. | ||||||||||||||||||||
| Wittgenstein, Ludwig (1989): Vortrag über Ethik. In: Schulte, Joachim, Hg.: Wittgenstein. Vortrag über Ethik und andere kleine Schriften. Frankfurt. 9-19. S. 13f. | ||||||||||||||||||||
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| David Hume. A Treatise of Human
Nature. Oxford UP 2000. 288 Seiten. |
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| Alexis Fritz: Der
naturalistische Fehlschluss Der naturalistische Fehlschluss: Das Ende eines
Knock-Out-Arguments. Freiburg: Herder, 2009. Taschenbuch, 428 Seiten
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| Christoph Lütge, Gerhard Vollmer:
Fakten statt Normen? Zur Rolle einzelwissenschaftlicher Argumente in einer
naturalistischen Ethik. Nomos 2004. Broschiert, 230 Seiten |
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| Ludwig Wittgenstein. Vortrag
über Ethik und andere kleine Schriften. Joachim Schulte, Hg. Frankfurt
am Main: Suhrkamp 1999. 142 Seiten
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