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Anmerkungen
zur Rhetorik und informalen Argumentationstheorie Rhetorik als Kunst der Rede in Praxis und Theorie |
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| Die Rhetorik erstreckt sich auf das weite Feld des nichtformalisierten Denkens. Wenn man sich unter "Rhetorik" gekünstelte und leere Redefiguren vorstellt und gleich an die Sophisten (griechische Gelehrte und Rhetoren des 5. und 4.Jahrhunderts v.Chr.) denkt, wird man sich fragen, warum sich ein analytischer Philosoph damit beschäftigen soll. Viele Argumentationen, zumal in der beruflichen Praxis, sind jedoch keine logisch einwandfreien Beweise, sondern erfordern andere Beurteilungsverfahren. Oft sind sie weder formal schlüssige Deduktionen, noch verallgemeinendere Induktion. Sie wollen vielmehr ihr Auditorium dazu bringen, mit der vorgebrachten Meinung überein zu stimmen. Daher ist die Beschäftigung mit Rhetorik und informalen Argumentationstheorie sehr wohl lohnend. | ||||||||||||
| Argumentationstheorie "Argumentation can be defined as a verbal, social and rational activity aimed at convincing a reasonable critic of the acceeptability of a standpoint by advancing a constellation of propositions justifying or refuting the propositions expressed in the standpoint." Frans H. van Eemeren: Crucial Concepts in Argumentation Theory S. 11 |
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| Formale
versus informale Argumentation Stephen Toulmin bevorzugt statt dem negativ formulierten "informale Logik" und meint: "Das Programm der informalen Logikbewegung gründet sich auf zwei wichtige philosophische Lehrsätze: (1) Philosophen müssen völlig frei sein, um alle Aspekte der „rationalen Kritik" von Argumenten zu studieren. Alles, was hilft, um zu zeigen, wie sich gut fundierte Meinungen von grundlosen unterscheiden, stichhaltige und angemessene Argumente von schwachen oder dogmatischen, ist Sache der Philosophie, die nicht auf den Bereich der Psychologie abgeschoben oder als „bloß" rhetorisch abgetan werden kann. (2) Und nochmals: Theorie und Kunst der „rationalen Kritik” müssen sowohl informaler als auch in funktionaler Terminologie diskutiert werden, und das Wort „Argument” selbst hat in jedem einzelnen Fall eine andere Bedeutung. Im formalen Sinn besteht ein „Argument” aus einer Kette von Sätzen, ganz gleich, ob an die Wandtafel geschrieben oder in Form abstrakter Überlegungen. Die Logik prüft die Verhältnisse von Konsequenz und Inkonsequenz, von Folgerichtigkeit und Widersprüchlichkeit und auf welche Weise sich diese Sätze in ein logisches Gewebe fügen (oder nicht fügen). Im funktionalen Sinn hingegen ist ein „Argument” keine Kette von Propositionen, die formal konsequent oder auch inkonsequent sein kann, sondern ein zwischenmenschlicher Austausch, der wesentlich genügend (oder ungenügend) ist." S. 62-63 Stephen Toulmin: "Die Verleumdung der Rhetorik". Neue Hefte für Philosophie 26 (1986). S. 55-68 |
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| Aristoteles
untersuchte die Formen gültigen Schließens. Er suchte und fand
Argumentationsfiguren, bei denen sich die Wahrheit der Prämissen auf
die Wahrheit der Folgerung überträgt. Diese analytischen Schlüsse
sind unabhängig von der Meinung der Menschen. Die dialektischen Schlüsse dagegen beansprucht keine Wahrheit für seine Prämissen. Es sind allgemein gültige Meinungen, die nach Aristoteles von allen, der Mehrheit, den Berühmtesten geteilt werden. Die dialektischen Schlüsse haben das Ziel, von diesem allgemein Gültigem ausgehend, andere umstrittene Thesen durch Überredung oder Überzeugung durchzusetzen. Es sind also keine gültigen Schlußfiguren, sondern mehr oder minder überzeugend (Perelman 1980, S. 12). Jeder Bereich der Praxis verlangt andere Schlußformen. Der Mathematiker bedient sich ausschließlich der analytischen Schlüsse, oft genügen in der Praxis aber dialektische Schlüsse. Der Philosoph bedient sich beider Arten. Die Argumentationstheorie beschäftigt sich mit dem Studium dieses informalen Argumentierens. "Gegenstand der Argumentationstheorie ist das Studium gesprächslogischer (diskursiver) Techniken, die darauf abzielen, eine Zustimmungsbereitschaft zu vorgelegten Thesen beim Hörer zu wecken oder zu verstärken" (Perelman 1979, S. 74). Die Kunst des Argumentierens (Urspünge bei Gorgias, Protagoras und Zenon) bezieht sich auf die Zustimmungsbereitschaft zu vorgelegten Thesen: man verstärkt oder vermindert diese mittels der Argumente, indem man Gründe angibt. (Perelman 1979, S. 74) Der Demagoge dagegen erstrebt einen Erfolg um jeden Preis. Ein Typ der dialektischen Schlüsse sind die quasi-logischen Argumente. Sie gleichen den formalen Schlüssen, jedoch ohne ihre Verbindlichkeit zu besitzen. Um quasi-logischen Argumente zu einer zwingenden Beweisführung umzuformen, müssten
Beispiel: in einem formalen logischen Argument sind Widersprüche auszuschließen. In quasi-logischer Sicht ist Heraklits Diktum: "In dieselben Flüsse steigen wir und steigen wir nicht" statthaft. Es ist nur ein scheinbarer Widerspruch, der durch eine verschiedene Interpretation des Ausdrucks "dieselben Flüsse" aufgehoben wird (Perelman 1980, S. 61). das gilt auch für scheinbare Tautologien, wie "Geschäft ist Geschäft". Vergleiche dazu: |
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| Anordnung
der Argumente (Perelman 1980, S. 148ff) Welche Anordnung der These und Argumentation dafür ist vorzuziehen?
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| Mehrdeutigkeit
der sprachlichen Begriffe Die Behauptung ein Begriff oder Text sei klar, ist häufig keine objektive Äußerung, sondern nur ein Zeichen unzureichender Erfahrung oder mangelnder Vorstellungskraft (Perelman 1979, S. 80). Beispiele für die Auflösung scheinbarer Tautologien oder Widersprüche aufgrund von unterschiedlicher Interpretation gleicher sprachlicher Begriffe, siehe oben. Weitere Beispiele: "Kinder sind halt Kinder" ist formallogisch eine Tautologie, doch wenn man Kinder1 anders interpretiert als Kinder2 kann es eine sinnvolle Aussage sein. "Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe" ("si duo faciunt idem non est idem") ist formallogisch ein Widerspruch. In der Umgangssprache gilt das Principle of charity (Putnam): der Sprecher sagt etwas Sinnvolles, man muß es nur richtig interpretieren. Das Principle of charity hat hier Vorrang vor dem Prinzip der Eindeutigkeit des Wortsinns (Univocität). Russell zum Principle of charity bezüglich dem Zeugnis anderer: "The common-sense practice is to accept testimony unless there is a positive reason against doing so in the particular case concerned." Bertrand Russell: Human Knowledge. Its Scope and Limits. London 1951 [1948], S. 206. "Daraus ergibt sich, daß es sozusagen unmöglich ist, jemanden bis zur Absurdität in die Enge zu treiben, solange er sich der natürlichen Spache bedient, denn ein Ausweg läßt sich fast immer mittels einer Uminterpretatierung der gerade benutzten Begriffe finden" (Perelman 1979, S. 107). Was in der formalen Sprache einen Widerspruch ergibt, muß es im quasi-logischen Argument nicht sein, da die Begriffe mehrdeutig sind. Der Vorteil formaler Argumente ist es, daß Unverträglichkeiten aufgedeckt werden. Beispiel: der Lehrer sagt, daß die Kinder den Eltern folgen sollen und nicht lügen. Der Vater befiehlt dem Sohn zu lügen. Was tun? |
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| "Mos
geometricus" versus Argumentationstheorie Perelman entwickelt eine interessante Position zur Geschichte der Philosophie nach der Renaissance indem er dem Beweis die Argumentation gegenüber stellt. Die Philosophen der Post-Renaissance wollten ähnlich wie in der Geometrie, von untrüglichen Evidenzien ausgehen. ("mos geometricus"; siehe ). Descartes insbesondere wollte "den Sand der Meinungen wegschaffen und auf dem Fels untrüglicher Intuitionen ein neues Weltsystem erbauen." ... "Die Einführung eines solchen Kriteriums der Evidenz bedeute die schicksalhafte Verdrängung der Argumentation als Technik des Philosophierens." (Perelman 1979, S. 77). Die Kartesianische Verallgemeinerung, alle menschlichen Probleme mittels der "mos geometricus" zu lösen, ist für viele Gebiete unnütz oder gar falsch (Perelman 1979, S. 83)."Indem man den Gebrauch der Vernunft auf evidente Intuition und auf die Techniken eines Kalküls ausgehend von diesen Intuitionen begrenzt, verweist man das gesamte Gebiet unseres Handelns, das sich dem Verfahren untrüglicher Beweise entzieht, ans Irrationale ..." (Perelman 1979, S. 83-84). Eine Argumentationstheorie wird einen Mittelweg zwischen Evidenz und Irrationalität aufzeigen.
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| Handikap
der informalen Logik "Amerikanische Philosophen haben während der letzten zehn Jahre versucht, das Gebiet des „praktischen Denkens” zurückzugewinnen, und zwar durch die Gründung der „Bewegung der informalen Logik”. Bis jetzt war diese Bewegung allerdings durch ein professionelles Handikap sehr beeinträchtigt, denn in den Augen der philosophischen Elite sind die Ziele dieser Bewegung pädagogischer und nicht intellektueller Art: sie entwickle, so sagt man, leichtere Wege des Lehrens, um weniger intelligente Studenten in die Logik einzuführen, da ihnen die Intelligenzkraft, die „wirkliche” Logik anzupacken, einfach fehle. Das ist natürlich ein trauriges Maßverständnis. " S. 62 Stephen Toulmin: "Die Verleumdung der Rhetorik". Neue Hefte für Philosophie 26 (1986). S. 55-68. |
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| Links | ||||||||||||
Rebecca Moore Howard The Writing Program Syracuse University |
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im |
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| The
Debunking Handbook von John
Cook,
Stephan
Lewandowsky. St. Lucia, Australia: University of
Queensland, 2011. 9 Seiten – Online verfügbar: |
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| Dialektik bei |
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| Informal Logic bei
der |
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| Kienpointner,
Manfred: |
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| Zeitschriften: |
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