| Argument für den Atheismus von Joseph
Ratzinger aka Papst Benedikt XVI. Aus der Enzyklika Spe Salvi, Dezember 2007 |
| "Der Atheismus des
19. und des 20. Jahrhunderts ist von seinen Wurzeln und seinem Ziel her ein
Moralismus: ein Protest gegen die Ungerechtigkeiten der Welt und der
Weltgeschichte. Eine Welt, in der ein solches Ausmaß an Ungerechtigkeit,
an Leid der Unschuldigen und an Zynismus der Macht besteht, kann nicht Werk
eines guten Gottes sein. Der Gott, der diese Welt zu verantworten hätte,
wäre kein gerechter und schon gar nicht ein guter Gott. Um der Moral
willen muß man diesen Gott bestreiten." Aus [42] Enzyklika Spe Salvi © Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana |
| Dieses astreine Argument pro Atheismus greift Ratzinger nicht an, noch gar widerlegt er es, sondern er zeigt unmittelbar anschliessend die Gefahren der Alternative: »Der Mensch schafft sich selbst die Gerechtigkeit auf Erden«. |
| "Ich bin
überzeugt, daß die Frage der Gerechtigkeit das eigentliche,
jedenfalls das stärkste Argument für den Glauben an das ewige Leben
ist. Das bloß individuelle Bedürfnis nach einer Erfüllung, die
uns in diesem Leben versagt ist, nach der Unsterblichkeit der Liebe, auf die
wir warten, ist gewiß ein wichtiger Grund zu glauben, daß der
Mensch auf Ewigkeit hin angelegt ist, aber nur im Verein mit der
Unmöglichkeit, daß das Unrecht der Geschichte das letzte Wort sei,
wird die Notwendigkeit des wiederkehrenden Christus und des neuen Lebens
vollends einsichtig." Aus [43] Enzyklika Spe Salvi © Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana |
| 2. Argumentationsfigur (4) Gerechtigkeit wird uns in diesem Leben versagt (folgt aus der 1. Argumentationsfigur) (5) Daher: Glauben an das ewige Leben (wo dann Gerechtigkeit herrschen wird). |
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Das ist genau das Argument, das
beispielsweise der französische Philosoph Michel
Onfray angreift. Wenn man mit der Realität auf Erden
unzufrieden ist, schafft man sich ein Wunschgebilde im Jenseits: "Die
Realität gilt nichts, die Fiktion ist alles" (Wir
brauchen keinen Gott, S. 270,
Die gesamte Argumentation ist also unvollständig und unredlich und damit verfehlt. |
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| Noch zwei Bonmots aus der Enzyklika: "... dieses nichtwissende Wissen ..." keine Kommentar nötig Aus [13] Enzyklika Spe Salvi © Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana "... in mythologischen Bildern, die aber unzweideutig Wahrheit sichtbar machen ..." Aus [44] Enzyklika Spe Salvi © Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana Es ist das Wesen des Mythos, dass er eine meist über lange Zeiträume tradierte Erzählung, oft symbolischen Charakters und unbekannten Ursprungs ist. Von Wahrheit ist er weit entfernt; er erhebt auch keinen Wahrheitsanspruch. Einige fanatische Bekenner zu einem bestimmten Mythos funktionieren den Mythos in unzweideutige Wahrheit um. Der Mythos hat vielleicht wahre Wurzeln, er lässt diese aber allenfalls erahnen. |
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| Mit der
"Wahrheit" geht Ratzinger in der Enzyklika grosszügig um:
23 mal verwendet er das Wort, nicht gezählt die vielen davon abgeleiteten Worte; dazu dreizehnmal das Wort "Gewißheit" direkt oder in Zusammensetzungen. |
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