| Werner Heisenberg über den statistischen
Charakter der Quantentheorie aus: Werner Heisenberg, Hg.: Das Naturbild der heutigen Physik. Reinbek: Rowohlt, 1957 |
| Diese unstetige
und stoßweise Energieabgabe führt wieder, wie die ganzen
Vorstellungen der Atomtheorie, zu der Annahme, daß die Aussendung von
Strahlung ein statistisches Phänomen sei. Aber erst im Laufe von
zweieinhalb Jahrzehnten hat sich herausgestellt, daß die
Quantentheorie tatsächlich sogar dazu zwingt, die Gesetze eben als
statistische Gesetze zu formulieren und vom Determinismus auch
grundsätzlich abzugehen. S. 28, Hervorhebungen im Original Hier könnte man noch der Auffassung sein, es handle sich um mangelndes Wissen. Wer dem anhängt, also am strengen Determinismus nachtrauert, der wird nachfolgend korrigiert. |
| Wir wissen, daß ein
Radiumatom α-Strahlen aussenden kann. Die Quantentheorie kann angeben,
mit welcher Wahrscheinlichkeit pro Zeiteinheit das α-Teilchen den Kern
verläßt; aber den genauen Zeitpunkt kann sie nicht vorhersagen, der
ist prinzipiell unbestimmt. Man kann auch nicht etwa annehmen, daß
später noch einmal neue Gesetzmäßigkeiten gefunden werden, die
uns dann erlauben, diesen genauen Zeitpunkt zu bestimmen; denn wenn das der
Fall wäre, so könnte man nicht verstehen, wieso das α-Teilchen
auch noch aufgefaßt werden kann als eine Welle, die den Atomkern
verläßt; es kann ja auch als solche experimentell nachgewiesen
werden. S. 29 Falls der Browser es nicht richtig darstellt: die α-Sonderzeichen repräsentieren: "alpha". |
| Bei Vorgängen im Großen spielt dieses statistische Element der Atomphysik im allgemeinen keine Rolle, weil aus den statistischen Gesetzen für den Vorgang im Großen eine so große Wahrscheinlichkeit folgt, daß man sagen kann, praktisch sei der Vorgang determiniert. Es gibt allerdings auch immer wieder Fälle, in denen das Geschehen im Großen abhängt vom Verhalten eines oder einiger weniger Atome; dann kann man auch den Vorgang im Großen nur statistisch vorhersagen. S. 30 |
| In ähnlicher Weise gibt es wahrscheinlich auch in der Biologie worauf JORDAN besonders hingewiesen hat Vorgänge, bei denen Entwicklungen im Großen durch Prozesse an einzelnen Atomen gesteuert werden; insbesondere scheint dies bei den Mutationen der Gene im Vererbungsvorgang der Fall zu sein. S. 30 |
| Alle obigen Zitate aus: Werner Heisenberg, Hg.: Das Naturbild der heutigen Physik. Reinbek: Rowohlt, 1957 . rowohlts deutsche enzyklopädie #8 |
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