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Walter Jens
Walter Jens
* 8.3. 1923 Hamburg; Schriftsteller, Kritiker, Literaturwissenschaftler
„Für mich ist die wichtigste Tugend, sich umfassend zu bilden, nachzudenken und am Ende eines langen Meditationsprozesses ein eigenes und unabhängiges Urteil zu fällen. Aus diesem Grund bin ich ein großer Freund des Lesens. Man schaue sich um, man lese nicht zum ersten, sondern zum zehnten Mal ein Buch – in erster Linie aus Faszination. Der Autor Fontane hat zum Beispiel für mich den Charakter einer Droge, ich kann mir ein Leben ohne seine ständige Begleitung nicht vorstellen. Ich kann weite Passagen auswendig, aber ich bin doch immer wieder überrascht, wie viel Neues ich bei ihm entdecke. Aber ich beneide auch die Menschen, die ein Buch zum ersten Mal Lesen können. Zum ersten Mal Der Idiot von Dostojewski. Zum ersten Mal die Buddenbrooks oder den Zauberberg, oder zum ersten Mal den Radetzkymarsch von Joseph Roth, den ich mit auf die berühmte einsame Insel nehmen würde. Zum ersten Mal Passagen aus dem Homer. Aber es muss nicht immer nur die hohe Literatur sein: Zum ersten Mal Erich Kästners Die drei Männer im Schnee. Es ist einfach erfüllend, ein Leben zu führen, das sich auf zwei Ebenen abspielt: auf der Ebene der Realität und auf der Ebene der Imagiation. Ein Leben gegen die prüde Eindimensionalität.”
In einem Interview mit „a tempo", zitiert nach Unicum campus 11/2003, S.24
 

Walter Jens
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 5.11.2003