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Gottfried Keller
Gottfried Keller
19.7.1819 Zürich – 15.7.1890 Zürich; – Autorenseite
"Er nannte sich selbst einen Philosophen, weshalb ihm dieser Name allgemein zuteil wurde, denn sein Wesen und Treiben war in allen Stücken absonderlich." Der grüne Heinrich, II, 9
"Der unbekannte Tote [Goethe, H.H.] schritt fast durch alle Beschäftigungen und Anregungen, und überall zog er angeknüpfte Fäden an sich, deren Enden in seiner unsichtbaren Hand verschwanden. Als ob ich jetzt alle diese Fäden in dem ungeschlachten Knoten der Schnur, welche die Bücher umwand, beisammen hätte, fiel ich über denselben her und begann hastig ihn aufzulösen, und als er endlich aufging, da fielen die goldenen Früchte des achtzigjährigen Lebens auf das schönste auseinander, verbreiteten sich über das Ruhebett und fielen über dessen Rand auf den Boden, daß ich alle Hände voll zu tun hatte, den Reichtum zusammenzuhalten. Ich entfernte mich von selber Stunde an nicht mehr vom Lotterbettchen und las vierzig Tage lang, indessen es noch einmal Winter und wieder Frühling wurde; aber der weiße Schnee ging mir wie ein Traum vorüber, den ich unbeachtet von der Seite glänzen sah. Ich griff zuerst nach allem, was sich durch den Druck als dramatisch zeigte, dann las ich manches Gereimte, dann die Romane, dann die Italienische Reise, und als sich der Strom hierauf in die prosaischen Gefilde des täglichen Fleißes, der Einzelmühe verlief, ließ ich das weitere liegen und fing von vorn an und entdeckte diesmal die ganzen Sternbilder in ihren schönen Stellungen zueinander und dazwischen einsame seltsam glänzende Sterne, wie den Reineke Fuchs oder den Benvenuto Cellini. So hatte ich noch einmal diesen Himmel durchschweift und vieles wieder doppelt gelesen und entdeckte zuletzt noch einen ganz neuen hellen Stern: Dichtung und Wahrheit." Der grüne Heinrich, III, 1
"Auch in der Idealwelt der Kunst sind Kümmel und Salz reichlicher als Ambrosia, und wenn die Leute wüßten, wie klein und ordinär es in den Köpfen mancher Maler, Dichter und Musikanten aussieht, so würden sie einige dem Völklein nur schädliche Vorurteile aufgeben." Der grüne Heinrich, III, 11
"Für die poetische Tätigkeit aber glaube ich neue Aussichten und Grundlagen gewonnen zu haben, denn erst jetzt fange ich an, Natur und Mensch so recht zu packen und zu fühlen, und wenn Feuerbach weiter nichts getan hätte, als daß er uns von der Un-Poesie der spekulativen Theologie und Philosophie erlöste, so wäre das schon ungeheuer viel. Ich bin froh, endlich eine bestimmte und energische philosophische Anschauung zu haben."
Gottfried Keller in einem Brief am 21. Februar 1849 an seinen Freund Baumgartner, nachdem er 1848/49 in Heidelberg Ludwig Feuerbachs Vorlesungen über das Wesen der Religion gehört hatte. In: J.Baechtold: Gottfried Kellers Leben, seine Briefe und Tagebücher, Bd. 1, 1894, S. 353, zitiert nach: Hans-Martin Sass: Ludwig Feuerbach. Reinbek: Rowohlt, 1988, S.79

Gottfried Keller
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.11.2003