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Charles Nodier
Charles Nodier
29. April 1780 Besançon – 27. Januar 1844 Paris – nodier Rezension: Die Krümelfee
«Was spielt es denn schon für eine Rolle, wo ich leben werde», dachte ich für mich, «wenn ich nur beständig köstliche Bilder und angenehme Phantasien in meinem Innern mit mir herumtrage, die in meinem aufs beste ausgewogenen Organismus dieses leichte Spiel der Lebensgeister unterhalten, diese normale und beständige Temperatur des Blutes, diese unveränderliche Harmonie von Aktion und Funktion, die man gemeinhin die Gesundheit nennt?» S. 13
«Der Müßiggang der Reichen bedeutet für jene, die es nicht verstehen, ihren Reichtum für das Wohl der andern einzusetzen, nur eine unerträgliche Langeweile. Siehst du, es gibt keinen Krösus, der nicht zuweilen gefühlt hat, daß der beste Tag des Lebens jener ist, an dem man sein Brot selber verdienen muß.» Onkel von Michel, der Zimmermann. S. 31
«... denn, um die Wahrheit zu sagen, Monsieur, die Eindrücke, die ich im Wachzustand und im Schlafen empfinde haben sich oft miteinander vermischt,und ich habe mich nie sonderlich bemüht, sie fein säuberlich voneinander zu scheiden: ich wußte wirklich nicht zu sagen, welches die vernünftigeren und besseren sind. Ich stelle mir nur vor, daß dies am Ende fast aufs gleiche herauskommt.»
Michel, der Zimmermann. S. 112
Einen Menschen nach dem Gesetz zu ermorden, ist ein entsetzliches Verbrechen, aber das größte aller Verbrechen ist, die Sprache eines Volkes zu töten mit allem, was sie an Hoffnung und an Genie enthält. Ein Mensch gilt wenig auf dieser Erde, die an Lebewesen überreich ist, und mit einer Sprache könnte man eine Welt neu erschaffen. S. 156-57
Es gibt keine größere Gemeinheit auf der Welt, als die Armut zu demütigen; aber es ist der Gipfel der Undankbarkeit und der Bosheit, dies gerade der Armut anzutun, die uns ein Obdach gibt. S. 169
«Das Wichtigste im Leben heißt leben und hoffen, denn das Grab ist das einzige, was das Leben an Dauerhaftem und Unausweichlichem errichtet. Wenn der Hände Arbeit weniger Glanz und Größe besitzt als die des Geistes – und darin stimme ich mit Euch überein –, ist sie doch meiner Ansicht nach vernünftiger und nützlicher, und es würde mich Mühe kosten, mir den Gedanken aus dem Sinn zu schlagen, daß ein Mensch, der einen Baum gepflanzt, ein Brachfeld fruchtbar gemacht oder ein stattliches, gut durchlüftetes, geräumiges und klug eingeteiltes Haus gebaut, der Menschheit einen wichtigeren Dienst geleistet hat als die Wirtschaftsgelehrten, die Philosophen und die Politiker mit ihren Staatsvisionen, mit diesen Utopien alt gewordener Kinder, die sich in der Wirklichkeit so schlecht bewähren.» Michel, der Zimmermann. S. 190
«Ein gedulgier und entschlossener Geist paßt sich allem an.» Michel, der Zimmermann. S. 212
Alle Zitate aus Die Krümelfee [La fée aux miettes]. In: Die Krümelfee und andere Erzählungen. Zürich: Manesse, 1979. Hermann Hofer, Übs. und Nachwort; Tony Johannot, Illustrator. 455 Seiten. S. 5-251

Charles Nodier
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 3.10.2004