| Friedrich Wilhelm Nietzsche 15.10. 1844 Röcken (bei Lützen) 25.8. 1900 Weimar |
| Über
(Auto)Biografien Diese »guten Menschen« ... wer von ihnen hielte noch eine Wahrheit »über den Menschen« aus! ... Oder, greiflicher gefragt: Wer von ihnen ertrüge eine wahre Biographie! ... Moral: Welcher kluge Mann schrieb heute noch ein ehrliches Wort über sich? er müsste denn schon zum Orden der heiligen Tollkühnheit gehören. Zur Genealogie der Moral III, 19 |
| Vielleicht, daß man
einige Jahrhunderte später urteilen wird, daß alles deutsche
Philosophieren darin seine eigentliche Würde habe, ein schrittweises
Wiedergewinnen des antiken Bodens zu sein, und daß jeder Anspruch auf
»Originalität« kleinlich und lächerlich klinge im
Verhältnisse zu jenem höheren Anspruche der Deutschen, das Band, das
zerrissen schien, neu gebunden zu haben, das Band mit den Griechen, dem bisher
höchst gearteten Typus »Mensch.» Neue unzeitgemäße Betrachtung. 1885
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| Ohne Musik
wäre das Leben ein Irrtum. Götzendämmerung. Sprüche und Pfeile. 33 |
| Treppenwitz Wie der Witz mancher Menschen nicht mit der Gelegenheit gleichen Schritt hält, so dass die Gelegenheit schon durch ide Türe hindurch ist, während der Witz noch auf der Treppe steht: so gibt es bei anderen eine Art Treppen-Glück, welches zu langsam läuft, um der schnellfüßigen Zeit immer zur Seite zu sein. Menschliches, Allzumenschliches: Vermischte Meinungen und Sprüche, 352 |
| "... er begriff,
daß er den Unsterblichkeits-Glauben nötig hatte, um
»die Welt« zu entwerten, daß der Begriff
»Hölle« über Rom noch Herr wird daß man mit
dem »Jenseits« das Leben tötet ... Nihilist und Christ:
das reimt sich, das reimt sich nicht bloß ..." Antichrist 58 |
| "Denn
die Peripherie des Kreises der Wissenschaft hat unendlich viele Punkte, und
während noch gar nicht abzusehen ist, wie jemals der Kreis völlig
ausgemessen werden könnte, so trifft doch der edle und begabte Mensch,
noch vor der Mitte seines Daseins und unvermeidlich, auf solche Grenzpunkte der
Peripherie, wo er in das Unaufhellbare starrt." Die Geburt der Tragödie. 15 |
| "»sie haben Dinge gesehen, die andere nicht sehen«, gewiß! und dies sollte uns vorsichtig gegen sie stimmen, aber nicht gläubig!" Morgenröte, 66 |
| "Die historische
Widerlegung als die endgültige. Ehemals suchte man zu beweisen,
daß es keinen Gott gebe, heute zeigt man, wie der Glaube,
daß es einen Gott gebe, entstehen konnte und wodurch dieser Glaube
seine Schwere und Wichtigkeit erhalten hat: dadurch wird ein Gegenbeweis,
daß es keinen Gott gebe, überflüssig. Wenn man ehemals
die vorgebrachten »Beweise vom Dasein Gottes« widerlegt hatte,
blieb immer noch der Zweifel, ob nicht noch bessere Beweise aufzufinden seien
als die eben widerlegten: damals verstanden die Atheisten sich nicht darauf,
reinen Tisch zu machen." Morgenröte,
95 |
| Was mich nicht umbringt, macht mich stärker. Was
mich nicht umbringt, macht stark. Sind aus Ecce Homo, Götzen-Dämmerung und dem Nachlaß entnommen: "Und woran erkennt man im Grunde die Wohlgeratenheit! Daß ein wohlgeratner Mensch unsern Sinnen wohltut: daß er aus einem Holze geschnitzt ist, das hart, zart and wohlriechend zugleich ist. Ihm schmeckt nur, was ihm zuträglich ist; sein Gefallen, seine Lust hört auf, wo das Maß des Zuträglichen überschritten wird. Er errät Heilmittel gegen Schädigungen, er nützt schlimme Zufälle zu seinem Vorteil aus; was ihn nicht umbringt, macht ihn stärker." Ecce Homo - Warum ich so weise bin 2 "Aus der Kriegsschule des Lebens. Was mich nicht umbringt, macht mich stärker." Götzen-Dämmerung: "Sprüche und Pfeile" 8 Danke für den Hinweis per Email, Nov. 2008 "Gott ist eine faustgrobe Antwort, eine Undelikatesse gegen uns Denker -, im Grunde sogar bloß ein faustgrobes Verbot an uns: ihr sollt nicht denken!" Ecce Homo - Warum ich so klug bin I |
| "Ich lehre euch den
Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll.
Was habt ihr getan, ihn zu überwinden? Alle Wesen bisher schufen etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser großen Flut sein und lieber noch zum Tiere zurückgehn, als den Menschen überwinden?" Also sprach Zarathustra, Vorrede 3 "Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch." Also sprach Zarathustra, Zarathustras Vorrede "Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht." Also sprach Zarathustra II 280. Vergleiche Karl Popper über politische Ideale "Aber daß ich euch ganz mein Herz offenbar, ihr Freunde: wenn es Götter gäbe, wie hielte ich's aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter." Also sprach Zarathustra II 344 "Gib mir, Weib, deine kleine Wahrheit!" sagte ich. Und also sprach das alte Weiblein: "Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!" Also sprach Zarathustra, Die Reden Zarathustras |
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"Der Irrsinn ist bei
einzelnen etwas Seltenes "Unser Nachbar ist nicht
unser Nachbar, sondern dessen Nachbar" so denkt jedes
Volk. |
| was uns nicht umbringt, macht uns
stärker Aus dem Nachlaß, III, S. 603; siehe auch Ecce Homo Die Kirche ist exakt das, wogegen Jesus gepredigt hat - und wogegen er seine Jünger kämpfen lehrte - Nachlaß III 658 Der Mensch als Gattung stellt keinen Fortschritt im Vergleich zu irgendeinem Tier dar. Die gesamte Tier- und Pflanzenwelt entwickelt sich nicht vom Niederen zum Höheren... Nachlaß III 741 |
| "Der Mann
bleibt mir bei allen amüsierenden, oft geistreichen
Lesefrüchten als Prototyp des großsprecherischen
Kleingeistes, des ängstlichen Machtmenschen, des habituellen Wichtigtuers,
des beständig um sich selbst Besorgten zutiefst unsympathisch. Nietzsche
hatte keine philosophische Begabung, wenn zur Philosophie das Bemühen um
gedankliche Klarheit und argumentative Sorgfalt gehört. Nietzsche war im
Sinne der Großen der Philosophie kein Philosoph und sollte auch nicht als
solcher gelesen werden. Er sollte gelesen werden, als Dokument eines
Zeitgeistes, der in seinen Ressentiments, seiner inneren
Widersprüchlichkeit und seiner besonderen Faszination (besonders für
die Kleinen, die Großes von sIch meinen wollen), bis heute fortwirkt."
Julian Nida-Rümelin, Kulturreferent Münchens, anlässlich der Feierlichkeiten zum 100.Todestages von Friedrich Nietzsche. Süddeutsche Zeitung, 29.8.2000, S.15 |