| Friedrich Nietzsche über den guten
Menschen Dies ist keine Analyse sondern Textsammlung; vergleiche |
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Zur Genese der (herabsetzenden) Verwendung des
Begriffs "Gutmensch" (
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| "Unsre Gebildeten von heute, unsre
»Guten« lügen nicht das ist wahr; aber es gereicht
ihnen nicht zur Ehre! Die eigentliche Lüge, die echte resolute
»ehrliche« Lüge (über deren Wert man Plato hören
möge) wäre für sie etwas bei weitem zu Strenges, zu Starkes; es
würde verlangen, was man von ihnen nicht verlangen darf, daß
sie die Augen gegen sich selbst aufmachten, daß sie zwischen
»wahr« und »falsch« bei sich selber zu unterscheiden
wüßten. Ihnen geziemt allein die unehrliche Lüge; alles,
was sich heute als »guter Mensch« fühlt, ist vollkommen
unfähig, zu irgendeiner Sache anders zu stehn als
unehrlich-verlogen, abgründlich-verlogen, aber unschuldig-verlogen,
treuherzig-verlogen, blauäugig-verlogen, tugendhaft-verlogen. Diese
»guten Menschen« sie sind allesamt jetzt in Grund und Boden
vermoralisiert und in Hinsicht auf Ehrlichkeit zuschanden gemacht und verhunzt
für alle Ewigkeit: wer von ihnen hielte noch eine Wahrheit
»über den Menschen« aus!.. Oder, greiflicher gefragt: wer von
ihnen ertrüge eine wahre Biographie!.. " Zur Genealogie der Moral - Was bedeuten asketische Ideale? #19 |
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| "[...] gute Menschen reden nie die Wahrheit.
Falsche Küsten und Sicherheiten lehrten euch die Guten; in Lügen der
Guten wart ihr geboren und geborgen. Alles ist in den Grund hinein verlogen und
verbogen durch die Guten." ... "In diesem Sinne nennt Zarathustra die Guten bald »die letzten Menschen«, bald den »Anfang om Ende«; vor allem empfindet er sie als die schädlichste Art Mensch, weil sie ebenso auf Kosten der Wahrheit als auf Kosten der Zukunft ihre Existenz durchsetzen. Die Guten die können nicht schaffen, die sind immer der Anfang vom Ende sie kreuzigen den, der neue Werte auf neue Tafeln schreibt, sie opfern sich die Zukunft, sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft! Die Guten die waren immer der Anfang vom Ende ... Und was auch für Schaden die We1t-Verleumder tun mögen, der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden." Ecce Homo - Warum ich ein Schicksal bin. #4 |
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| "Der »gute Mensch« ist
auf jeder Stufe der Zivilisation der Ungefährliche und Nützliche
zugleich: eine Art Mitte; der Ausdruck im gemeinen Bewußtsein davon,
vor wem man sich nicht zu fürchten hat und wen man trotzdem nicht
verachten darf." [...] "Kritik des modernen Menschen: »der gute Mensch«, nur verdorben und verführt durch schlechte Institutionen (Tyrannen und Priester);". Aus dem Nachlaß; Werke in drei Bänden: III, S. 528 |
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| "Es gibt ganz naive Völker und Menschen, welche
glauben, ein beständig gutes Wetter sei etwas Wünschbares: sie
glauben noch heute in rebus moralibus, der »gute Mensch«
allein und nichts als der »gute Mensch« sei etwas Wünschbares
und eben dahin gehe der Gang der menschlichen Entwicklung, daß nur
er übrigbleibe (und allein dahin müsse man alle Absicht
richten ). Das ist im höchsten Grade unökonomisch
gedacht und, wie gesagt, der Gipfel des Naiven, nichts als Ausdruck der
Annehmlichkeit, die der »gute Mensch« macht ( er
erweckt keine Furcht, er erlaubt die Ausspannung, er gibt, was man nehmen
kann)." Aus dem Nachlaß; Werke in drei Bänden: III, S. 577 |
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| "Zur Kritik des guten
Menschen. Rechtschaffenheit, Würde, Pflichtgefühl,
Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Geradheit, gutes Gewissen,
sind wirklich mit diesen wohlklingenden Worten Eigenschaften um ihrer selbst
willen bejaht und gutgeheißen? oder sind hier an sich wertindifferente
Eigenschaften und Zustände nur unter irgendwelchen Gesichtspunkt
gerückt, wo sie Wert bekommen? Liegt der Wert dieser Eigenschaften in
ihnen oder in dem Nutzen, Vorteil, der aus ihnen folgt (zu folgen scheint, zu
folgen erwartet wird)?" Aus dem Nachlaß; Werke in drei Bänden: III, S. 645 |
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| "Vielleicht gab es bisher keine gefährlichere
Ideologie, keinen größeren Unfug in psychologicis als diesen Willen
zum Guten: man zog den widerlichsten Typus, den unfreien Menschen
groß, den Mucker;" Aus dem Nachlaß; Werke in drei Bänden: III, S. 798 |
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| "in summa: die
ärgste Verstümmelung des Menschen, die man sich vorstellen
kann, angeblich als der »gute Mensch«." Aus dem Nachlaß; Werke in drei Bänden: III, S. 818 |