| Rudolf |
| Rudolf
Carnap 18.5. 1891 Ronsdorf (Wuppertal) – 14.9. 1970 Santa Monica Hubert Schleichert: "... der bedeutendste Philosoph des 20. Jahrhunderts" (Logischer Empirismus - Der Wiener Kreis. München 1975, S. 223) – |
| Carnap über Religion “During my pre-university years I had gradually begun to doubt the religious doctrines abour the world, man, and God. As a student I turned away from these beliefs more deliberately and definitely. Under the influence of books and conversations with friends, I recognized that these doctrines, if interpreted literally, were incompatible with the results of modern science, especially with the theory of evolution in biology and determinism in physics.” (S. 7) “Together with the belief in a personal God, I abandoned also the belief in immortality as the survival of a personal, conscious soul.” (S. 8) “At the present stage of development of our culture, many people still need religious mythological symbols and images. It seems to me wrong to try to deprive them of the support they obtain from these ideas, let alone to ridicule them.” (S. 8) “Systematic theology claims to represent knowledge concerning alleged beings of a supernatural order. A claim of this kind must be examined according to the same rigorous standards as any other claim of knowledge.” (S. 8) "Carnap's Intellectual Autobiography: I. The Development of my Thinking" In: Paul Arthur Schilpp, Hg.: The Philosophy of Rudolf Carnap. La Salle, Illinois: Open Court, 1963. S. 3-43 „Beim gegenwärtigen Stand unserer Kultur brauchen viele Menschen noch religiöse, mythische Symbole und Bilder. Ich halte es für falsch, sie um die Hilfe, die ihnen diese Idee geben, bringen zu wollen oder gar sie lächerlich zu machen.“ Mein Weg in die Philosophie, 1993, S. 13 |
| “Metaphysiker
sind Lyriker ohne musikalische Fähigkeit”, S. 240 In: (1931): "Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache". Erkenntnis 2, S. 219-241. |
| "Metaphysik ist Lyrik
in der Verkleidung einer Theorie. Sie ist bloßer Gefühlsausdruck, gibt
sich aber durch die sprachliche Einkleidung in Behauptungssätze den
Anschein, als gebe sie Erkenntnis. Bei der offiziellen Theologie und
sonstigen Religionslehren
mischen sich Aberglaube und Metaphysik" S. 259; Nd.: 175; Hervorhebungen im Original gesperrt gedruckt. "Theoretisch beweisen läßt sich nur, daß philosophische und religiöse Metaphysik ein unter Umständen gefährliches, vernunftsschädigendes Narkotikum ist. Wir lehnen dieses Narkotikum ab. Wenn andere seinen genuß lieben, so können wir sie nicht theoretisch widerlegen. Das bedeutet aber keineswegs, daß es uns gleichgültig sein muß, wie die Menschen sich in diesem Punkt entscheiden. Wir können theoretische Aufklärung über Ursprung und Wirkungen des Narkotikums geben. Ferner können wir durch Aufruf, Erziehung, Vorbild auf die praktische Entscheidung der Menschen in diesem Punkt einwirken. Nur wollen wir uns dabei klar sein, daß diese Einwirkung außerhal des theoretischen Gebietes der Wissenschaft liegt." S. 260; Nd.: 176. "Theoretische Fragen u. praktische Entscheidungen". In: Natur und Geist 2 (1934). S. 257-260; Nachdruck in Hubert Schleichert: Logischer Empirismus - Der Wiener Kreis. München: Fink, 1975. S. 173-176. |
| "...wir können darauf bauen, daß
die Wissenschaft auch weiterhin große Fortschritte machen und uns immer
tiefere Einsichten in die Struktur der Welt ermöglichen wird -
vorausgesetzt, die führenden Staatsmänner der Welt schrecken vor der
äußersten Narrheit, dem Atomkrieg, zurück und gestatten der Menschheit,
weiter zu leben." Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaft 1966 |
| Ernst
Cassirer 28.7.1874 Breslau – 13.4.1945 New York |
| "Der
heiligen Siebenzahl, der heiligen Neunzahl der Astrologie haftet kraft
des Prototypus der Planetenwelt, der sich in ihnen darstellt, noch eine
Art dämonisch-dinglicher Macht an; aber das a und b der Algebra, wie
sie Vieta im 16. Jahrhundert als Analysis speciosa begründet, das x und
y der analytischen Geometrie Descartes' und das dy und dx der
Leibnizischen Infinitesimalrechnung sind Symbole, in denen sich nur
noch die reine Kraft des mathematischen Denkens selbst darstellt." "Die Begriffsform im Mythischen Denken", in Ernst Cassirer: Wesen des Symbolbegriffs. Darmstadt 1969, S. 54. |
| Hans
Reichenbach 26.9. 1891 Hamburg – 9.4. 1953 Los Angeles |
| Es ist ein
weitverbreiteter Glaube, daß Philosophie und Spekulation unzertrennlich
sind. Man ist der Ansicht, daß dem Philosophen keine Methoden zur
Verfügung stehen, die zu objektiver Wahrheit führen, daß also die
Wahrheit von Beobachtungstatsachen ebenso wie die Wahrheit rein
logischer Gedankengänge nicht in sein Gebiet fällt, und daß er deshalb
eine unverifizierbare Sprache benutzen muß – kur, daß die philosophie
mit Wissenschaft nichts zu tun hat. Das vorliegende Buch ist in der
Absicht geschrieben, eine entgegengesetzte Auffassung zu begründen. Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.5 |
| Wenn aber die Philosophie dem
unvoreingenommenen Leser unverständlich bleibt und mit der modernen
Wissenschaft nicht in Einklang zu bringen ist, dann muß die Schuld beim
Philosophen liegen. Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.8 |
| Viele
philosophische Systeme gleichen der Bibel und sind wie sie ein
Meisterwerk der Dichtkunst, unerschöpflich an Bildern, die unsere
Phantasie anregen, während ihnen jegliches Erklärungsvermögen im
wissenschaftlichen Sinne abgeht. Der
Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.19-20
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| Die
Suche nach Gewißheit ist eine der gefährlichsten Irrtumsquellen, weil
sie mit der Behauptung einer höheren Art von Erkenntnis verbunden ist.
Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.49 |
| Aber es ist absurd, zu glauben, daß die
physikalische Welt im menschlichen Sinne fortschrittlich ist. Das
Universum folgt physikalischen Gesetzen, keinen moralischen Geboten. Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.338 |
| Wenn du einem Philosophen
begegnest, der behauptet, daß er die letzte Wahrheit gefunden hat, sei
mißtrauisch. Und wenn er behauptet, daß er weiß, was das höchste Gut
ist, oder einen Beweis dafür hat, daß das Gute Wirklichkeit werden muß,
traue ihm auch nicht. Dieser Mann wiederholt nur die Irrtümer, die
seine Vorgänger seit zweitausend Jahren begangen haben. Frage den
Philosophen nicht, was du tun sollst. Lausche auf deinen eigenen Willen
und versuche, ihn mit dem Willen anderer zu vereinigen. Das Leben hat
nicht mehr Sinn oder Zweck, als du in das Leben hineinlegst. Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.338 |
| "Die wissenschaftliche Philosophie hat den
Plan, ethische Vorschriften zu geben, völlig aufgegeben und betrachtet
moralische Ziele als Ergebnisse von Willensakten, nicht aber als
Gegenstand der Erkenntnis." Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.340 |
| Du
willst Wahrheit und nichts als Wahrheit? Dann verlange keine ethischen
Gebote vom Philosophen. Der
Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie 1951, S.362
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| Hans Reichenbach zu |
| Moritz
Schlick 14.4. 1882 Berlin – 22.6. 1936 (ermordet) Wien; österreichischer Philosoph des Wiener Kreises |
| "Da
Naturgesetze nur Beschreibungen dessen sind, was geschieht, so kann bei
ihnen von einem »Zwange« gar keine Rede sein. Die Gesetze der
Himmerlsmechanik schreiben den Planeten nicht vor, wie sie sich zu
bewegen haben, gliech als ob die Planeten sich eigentlich ganz anders
bewegen möchten und nur durch diese lästigen Keplerschen
Gesetze genötigt würden, in ordentlichen Bahnen zu bleiben; nein, diese
Gesetze »zwingen« die Planeten in keiner Weise, sondern sagen nur aus,
was Planeten tatsächlich tun." Moritz Schlick: Fragen der Ethik. Rainer Hegselmann, Hg. Frankfurt: Suhrkamp 1984. S. 158 |