| Robert Spaemann * 5.5. 1927 Berlin; Professor in Stuttgart, Heidelberg und München; emeritiert |
| „Das
Naturrecht umfasst die vornehmste Rechtstradition Europas, in der sich
die Erkenntnisse „Jerusalems, Athens und Roms“ verbunden haben. Nach
dieser Sicht ist es so, dass es das Rechte und Falsche einfach gibt, in
der großen Natur ebenso wie in der Natur des Menschen, und dass es sich
mit Vernunft erkennen lässt.” „Als Erzbischof von München hat er [Josef Ratzinger] mir einmal auf einem Spaziergang gesagt: Wissen Sie, was das größte Problem der Kirche in Deutschland ist? Antwort: sie hat zuviel Geld.” „Na ja, ist das Neue Testament jugendfrei? Das müsste eigentlich auch verboten werden und darf nicht in die Hände von Kindern kommen. Da ist doch von der Hölle die Rede. Aber Jugendliche wollen ja bekanntlich gerne das, was nicht jugendfrei ist. ” |
| "Philosophie
kann nur gedeihen im Medium der Anarchie. Es muss alles denkbar sein." Ijoma Mangold: "Rein sind die Freuden, die nicht aus einem Mangel entstehen", SZ, 31.3.2009, S. 14 |
| "Unmittelbar
wahrgenommen wurde Gott bisher von niemanden, wenn man absieht von der
einen bekannten Ausnahme, von dem, der Gott seinen Vater nannte ...",
S. 12 "In der Regel sind Menschen, die an Gott glauben, skeptisch gegenüber Wunderberichten; geneigt, ihnen keinen Glauben zu schenken, gleichzeitig aber jederzeit auf das Wunder zu warten, das sie überzeugt", S. 26 "Diesen Glauben [gemeint: christlicher] Aberglauben zu nennen ist nur eine polemitsche Formulierung der Tatsache, daß man diesen Glauben nicht teilt" (S. 182). Wenn dies zutrifft, kann man es zur Verteidigung jeglichen Glaubens verwenden. |
| Alle obigen Zitate aus: Robert Spaemann: Das
unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne
– |
| "Die
Rede von den Werten bringt nicht so wahnsinnig viel, wenn es um die
tatsächliche Lebenspraxis geht. Und da scheint mir das Recht wichtiger
fast zu sein als die Werte. Wenn wir heute reden immer von Europa als
Wertegemeinschaft zucke ich immer zusammen. Denn dahinter verbirgt sich
schon eine Art von Totalitarismus. Man kann das heute an vielen
Beispielen – die ich jetzt nicht alle erzählen will – verfolgen, dass
in Deutschland und Europa die Meinungsfreiheit auf eine beängstigende
Weise eingeschränkt wird. Immer dann, wenn es um sogenannte Werte geht.
Europa ist eine Rechtsgemeinschaft und soll es werden, eine
Rechtsordnung." "Griechen, Gott oder Kant? Werte und Moral unserer Gesellschaft", Thea Dorn im Gespräch mit Konrad Adam, Peter Prange, Peter Rinderle und Robert Spaemann, SWR. 10. Februar 2007 |
| “Darum
gibt es keine unbedingten, ohne Ansehung der Umstände geltenden
Handlungsgebote, wohl aber unbedingte Unterlassungsgebote: Es gibt
Dinge, die ein Mensch zu tun nicht imstande sein soll. »Dieser Mensch
ist zu allem fähig« ist zwar für totalitäre Regierungen und für
Mafiabanden eine Empfehlung. Für normale Menschen ist es eine Warnung.
Und so auch für die klassische philosophische Ethik, für Aristoteles,
Thomas von Aquin, Kant oder Hegel. ... Der Konsequentialismus kann
seine eigenen Konsequenzen nicht verantworten. Dieser innere
Widerspruch, den zum Beispiel Julian Nida-Rümelin in seiner »Kritik des
Konsequentialismus« (1993) mit mathematischer Präzision
herausgearbeitet hat, ist seine Widerlegung.” |
| “Ja, die Philosophie ist nach
einem Wort Hegels wie die Eule der Minerva, die erst in der Dämmerung
ihren Flug beginnt. Das heißt, es ist eigentlich nicht ihre Aufgabe, zu
sagen, was kommt.. Das ist eher Sache der Kunst, die so ein Sensorium
hat für das, was in der Luft liegt. Die Philosophie interpretiert
eigentlich eher das, was geschehen ist und versucht, zu verstehen, was
sich abspielt. … Gewalt zum Zwecke der bloßen Vergeltung ist sicher unmoralisch. Vor allen Dingen deshalb, weil ja unschuldige Menschen getroffen werden. Und die Tatsache, dass auch auf der eigenen Seite unschuldige Menschen getroffen wurden, rechtfertigt es nicht, auf der anderen Unschuldige zu töten. … Wir können nur sagen, die menschliche Person ist identisch dem Menschen, und da, wo menschliches Leben beginnt, da ist es schützenswert. Alles andere ist Willkür.” Deutschlandfunk - Interview der Woche 21.10.2001 |