| Robert
Spaemann * 5.5. 1927 Berlin; Professor in Stuttgart, Heidelberg und München; emeritiert |
| "Philosophie kann nur
gedeihen im Medium der Anarchie. Es muss alles denkbar sein."
Ijoma Mangold: "Rein sind die Freuden, die nicht aus einem Mangel entstehen", SZ, 31.3.2009, S. 14 |
| "Unmittelbar wahrgenommen wurde
Gott bisher von niemanden, wenn man absieht von der einen bekannten Ausnahme,
von dem, der Gott seinen Vater nannte ...", S. 12 "In der Regel sind Menschen, die an Gott glauben, skeptisch gegenüber Wunderberichten; geneigt, ihnen keinen Glauben zu schenken, gleichzeitig aber jederzeit auf das Wunder zu warten, das sie überzeugt", S. 26 "Diesen Glauben [gemeint: christlicher] Aberglauben zu nennen ist nur eine polemitsche Formulierung der Tatsache, daß man diesen Glauben nicht teilt" (S. 182). Wenn dies zutrifft, kann man es zur Verteidigung jeglichen Glaubens verwenden. |
| Alle obigen Zitate
aus: Robert Spaemann: Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und
die Täuschung der Moderne
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| "Die Rede von den Werten bringt
nicht so wahnsinnig viel, wenn es um die tatsächliche Lebenspraxis geht.
Und da scheint mir das Recht wichtiger fast zu sein als die Werte. Wenn wir
heute reden immer von Europa als Wertegemeinschaft zucke ich immer zusammen.
Denn dahinter verbirgt sich schon eine Art von Totalitarismus. Man kann das
heute an vielen Beispielen die ich jetzt nicht alle erzählen will
verfolgen, dass in Deutschland und Europa die Meinungsfreiheit auf eine
beängstigende Weise eingeschränkt wird. Immer dann, wenn es um
sogenannte Werte geht. Europa ist eine Rechtsgemeinschaft und soll es werden,
eine Rechtsordnung." "Griechen, Gott oder Kant? Werte und Moral unserer Gesellschaft", Thea Dorn im Gespräch mit Konrad Adam, Peter Prange, Peter Rinderle und Robert Spaemann, SWR. 10. Februar 2007 |
| Darum gibt es keine
unbedingten, ohne Ansehung der Umstände geltenden Handlungsgebote, wohl
aber unbedingte Unterlassungsgebote: Es gibt Dinge, die ein Mensch zu tun nicht
imstande sein soll. »Dieser Mensch ist zu allem fähig« ist
zwar für totalitäre Regierungen und für Mafiabanden eine
Empfehlung. Für normale Menschen ist es eine Warnung. Und so auch für
die klassische philosophische Ethik, für Aristoteles, Thomas von Aquin,
Kant oder Hegel. ... Der Konsequentialismus kann seine eigenen Konsequenzen
nicht verantworten. Dieser innere Widerspruch, den zum Beispiel Julian
Nida-Rümelin in seiner »Kritik des Konsequentialismus« (1993)
mit mathematischer Präzision herausgearbeitet hat, ist seine
Widerlegung. |
| Ja, die Philosophie ist nach einem Wort
Hegels wie die Eule der Minerva, die erst in der Dämmerung ihren Flug
beginnt. Das heißt, es ist eigentlich nicht ihre Aufgabe, zu sagen, was
kommt.. Das ist eher Sache der Kunst, die so ein Sensorium hat für das,
was in der Luft liegt. Die Philosophie interpretiert eigentlich eher das, was
geschehen ist und versucht, zu verstehen, was sich abspielt.
Gewalt zum Zwecke der bloßen Vergeltung ist sicher unmoralisch. Vor allen Dingen deshalb, weil ja unschuldige Menschen getroffen werden. Und die Tatsache, dass auch auf der eigenen Seite unschuldige Menschen getroffen wurden, rechtfertigt es nicht, auf der anderen Unschuldige zu töten. Wir können nur sagen, die menschliche Person ist identisch dem Menschen, und da, wo menschliches Leben beginnt, da ist es schützenswert. Alles andere ist Willkür. Deutschlandfunk - Interview der Woche 21.10.2001 |