| Bernulf Kanitscheider * 1939 Hamburg; Philosoph und Wissenschaftstheoretiker; dies sind keine offizielle Webauftritt des Wissenschaftlers |
| Am meisten staunen die Menschen über den
am leichtesten erklärlichen Zufall, nämlich das überraschende
Zusammentreffen von Ereignissen, die jedes für sich Element einer normalen
kausalen Kette sind und deren Anfangsbedingungen dem Staunenden verborgen
waren. Dieses akzidentelle Schneiden von Weltlinien [...] veranlasst schlichte
Gemüter, immer wieder nach geheimen Schicksalsfäden zu suchen, die
die Anfangsbedingungen beider Vorgänge so gesteuert haben, dass das
Zusammentreffen beabsichtigt erscheint. Die Unzufriedenheit mit dem reinen
Faktum, mit der Tatsache, dass in der Menge aller Ereignisse die
unwahrscheinlichen nicht völlig fehlen können sorgt für Mythen
wie den von den Nornen, die am Fuße der Esche Yggdrasil sitzen und die
Schicksalsfäden knüpfen. S. 83 Der quantenmechanische Mikrozufall gilt nach heutigem Wissen als unreduzierbares Moment der indeterministisch verstandenen Welt der Atome. Der Zufall der dynamischen Systeme mit chaotischen Atrraktoren hingegen gründet im strengen Determinismus der klassischen Mechanik und rührt von der Tatsache her, dass winzige Unterschiede in den Anfangsbedingungen ein schnelles Auseinanderlaufen der Entwicklungen mit sich bringen können, weshalb Systeme nach kurzer Zeit unberechenbar werden. S. 83-84 Die Materie und ihre Schatten. Naturalistische Wissenschaftsphilosophie. Aschaffenburg: Alibri 2007 |
| Spektrum: Würden Sie
also sagen, ein konsequenter Atheismus wäre ehrlicher als ein
Agnostizismus? Kanitscheider: Ja. Methodisch gehen wir in der
Wissenschaft genauso vor. Reinhard Breuer, Alexander Pawlak: Interview mit Bernulf Kanitscheider über die Beziehung zwischen Religion und Wissenschaft, Spektrum der Wissenschaft November 1999, Seite 80 |
| "Der heutige in fast allen westlichen Ländern
vorherrschende Paternalismus ist eine mit dem individuellen Liberalismus
unvereinbare Vergewaltigung der Autonomie des Einzelnen. Hier steht ich auf
Milton Friedmans Standpunkt: Drogengebrauch ist Privatsache. Jugendschutz muss
natürlich sein, aber Erwachesenenbevormundung ist antiliberal."
Interview mit Michael Schmidt-Salomon, MIZ (2002) 4/02,
S.16 |
| "Neben vielen kognitiv spannenenden Einsichten liefert die Kosmologie auch die Erkenntnis, dass das menschliche Dasein aus der großräumigen und langzeitlichen Perspektive betrachtet, ein völlig unbedeutendes Durchgangsstadium des Universums darstellt. Jede Vermutung nach einer objektiven Sinnhaltigkeit der zufälligen menschliche Existenz wird aus dem astrophysikalische Blickwinkel im Keim erstickt." Interview mit Michael Schmidt-Salomon, MIZ (2002) 4/02, S.13-14 |